August 2004


Die Besonderheiten der Pflanzenwelt standen am 24. Juli im Mittelpunkt der von den Naturparken Bayerischer Wald und Oberer Bayerischer Wald im Rahmen ihres Arberprogramms angebotenen Exkursion. Als Referenten konnten zwei Spezialisten für das Arbergebiet, die Diplombiologen Martin Scheuerer (für Gefäßpflanzen) und Oliver Dürhammer (für Moose und Farne) gewonnen werden. Beide haben bereits am Arber kartiert bzw. betreuen dort Dauerbeobachtungsflächen und Artenhilfsmaßnahmen. Nach einer kurzen Einführung stellte Martin Scheuerer auch gleich das erste Eiszeitrelikt am Arber, die Dreispaltige Binse, vor. Eiszeitrelikte finden sich an Standorten die ehemals vergletschert waren und deren Klima auch heute noch relativ extrem ist. Dabei bevorzugen sie besonders waldfreie Standorte bzw. Felsen. Der Arber zeigt die stärkste Anhäufung von diesen Eiszeitpflanzen ganz Bayerns außerhalb der Alpen. Neben der Dreispaltigen Binse sind noch der Krause Rollfarn und das Felsstraußgras hervorzuheben. Von Letzterem wurden im vergangenen Herbst im Rahmen einer Artenhilfsmaßnahme zur Bestandssicherung etwa 100 nachgezogene Exemplare ausgepflanzt. Dass der Arber viel Platz für Extremisten und Pioniere bietet, wurde auch bei den Ausführungen von Oliver Dürrhammer deutlich, der die Moose und Flechten (eine Lebensgemeinschaft aus Pilz und Alge) am Arber vorstellte. Besonders die steinbewohnende Flechten und Moose in den zahlreichen Felsriegeln müssen mit extremsten Bedingungen fertig werden. Dass diese Pflanzen optimal an diese extremen Bedingungen angepasst sind, demonstrierte Dürrhammer am Glashaartragenden Frauenhaarmoos, welches in seinem Glashaar einen eigenen Strahlungsschutz entwickelt hat. Auch Schüsselflechten und Krustenflechten besiedeln in großer Anzahl und Artenvielfalt die Felsen des Arbers. Ganz anders als in den Tieflagen dominieren am Arber diese Spezialisten die Artenzusammensetzung. Insgesamt finden sich am Arber ca. 170 Moosarten, über 130 Flechtenarten und „nur“ 135 Arten Höherer Pflanzen. Viele dieser, oft unscheinbaren Pflanzen sind sehr empfindlich gegen Trittbelastung. Deshalb ist das seit 2000 geltende Wegegebot am Arbergipfel überlebensnotwendig für sie. Martin Scheurer betonte besonders die Wichtigkeit solcher Besucherlenkungsmaßnahmen am Arber, dem wohl besucherreichsten aber auch artenreichsten Berg im Bayerischen Wald. Aufgrund seiner seltenen Pflanzenarten hat er eine hohe naturschutzfachliche Bedeutung. Als großes Problem sieht Scheurer die Bauaktivitäten am Arber, so sind den Wegebaumaßnahmen im letzten Jahr z.B. die letzten Standorte des Norwegischen Ruhrkrauts und des Wiesenhabichtskrauts hier am Arber zum Opfer gefallen. Aber auch die zunehmende Ausbreitung der Heidelbeere hält er für problematisch. Die Beobachtungen auf den Dauerflächen, die seit 10 Jahren kontrolliert werden, zeigen, dass die Pflanzen der Borstgrasrasen von den Zwergsträuchern immer mehr überwuchert werden. Hier hofft Scheurer auf die Erfolge durch Beweidung und Mahd um die Artenvielfalt am Arber zu erhalten.


Am Mittwoch, den 18.08.04 laden die beiden Naturparke Bayerischer Wald e.V. und Oberer Bayerischer Wald e.V. zu einer weiteren Sonderveranstaltung im Arbergebiet ein. Im Verlauf einer ca. 1 stündigen Wanderung informiert Caroline Stautner über Flora, Fauna, Geschichte und Geschichten rund um den Arbergipfel. Treffpunkt ist um 11:00 Uhr bei der Arberkapelle. Die Veranstaltung ist kostenlos, es ist keine Anmeldung erforderlich.


Der Naturpark Bayerischer Wald e.V. war Veranstalter einer geführten Wanderung rund um das Schloß Fürsteneck. Trotz des plötzlichen Gewitterregens fanden sich eine Reihe interessierter Gäste zur Führung ein. Nach einer kurzen geschichtlichen Einleitung mit Informationen über die Schlosskirche ging die Führung über den Burgberg zur Triftsperre in der Wolfsteiner Ohe. Neben den botanischen Besonderheiten am Burgberg berichtete der Diplom - Forstingenieur Stefan Poost über die mehr als zweihundert Jahre andauernde Holztrift im Bayerischen Wald. Eindrucksvoll lassen sich noch überall im Ilz Einzugsgebiet die menschlichen Eingriffe in die Flussläufe belegen. Die Begradigungen der Flussläufe und die Befestigungen der Ufer lassen sich an der Ilz und an allen Nebenbächen finden. „Wenn man sich die technischen Hilfsmittel aus damaliger Zeit vor Augen hält, waren sowohl die Holztrift, als auch die Wasserführung Ingenieurtechnische Meisterleistungen, die über mehrere Jahrhunderte viele Menschen in Brot und Arbeit brachten“. Von dem Triftrechen in der Wolfsteiner Ohe ging die Führung vorbei an der Aumühle zur Ohe - Mündung in die Ilz und weiter zum „Schönberger Triftrechen“. Zur Zeit bestimmen der gelbblühende, Schlitzblättrige Sonnenhut sowie das rosa-blühende, Indische Springkraut das Bild an der Ilz. Beide Arten sind nicht heimmisch, und verdrängen mangels Fraßfeinde oder konkurrierender Arten die heimische Flora. „Die Probleme liegen aber hier nicht nur in der Verdrängung heimischer Arten, sondern auch in der schlechten Uferbefestigung, da diese Arten nur eine sehr kleine Wurzel ausbilden und beim ersten Frost zusammenklappen. Die Uferbefestigung durch Pflanzenwurzeln ist nicht gegeben und beim ersten Hochwasser werden die Bereiche, die nicht von Steinen befestigt werden, abgetragen und verfrachtet.“ Nach ca. 2 Std. endetet die Führung nach einem steilen Aufstieg wieder an der Burg Fürsteneck.


Kaum zwei Kilometer vom Stadtzentrum Viechtachs entfernt, findet man weithin sichtbar das weiße Felsenriff des „Großen Pfahls“. Dieses hoch aufragende Quarzriff wurde bereits in alten Sagen, als der Kamm eines im Erdinnern ruhenden Drachen verklärt. Der „Große Pfahl“ führt heute als Geotop Nummer eins die Liste der 100 schönsten erdgeschichtlichen Erscheinungsformen Bayerns an. Ein neu angelegter Pfahl-Steig, der unmittelbar vom Stadtplatz zu dem Quarzriff führt, wurde letztes Wochenende eröffnet. Rund einhundert Naturliebhaber und Wanderer hatten sich zur Eröffnung eingefunden. Der Pfahl-Steig führt vom Stadtplatz in das wildromantische, ca. 1 km entfernte Riedbachtal. Alte, knorrige Eichenwälder und beschauliche Bachwiesen säumen hier den Weg. Um die Eingriffe in die Natur so gering wie möglich zu halten, wurde bei der Verwirklichung der Maßnahme auf eine Landschaft schonende Bauweise besonders Wert gelegt. Auf einem fast 150 m langen, hochwassersicheren Metallsteg konnten die Wanderer über einen renaturierten Altarm des Riedbaches spazieren. Bereits von weitem sieht man hier ein hoch aufragendes, burgartig anmutendes Gebäude, das Industriedenkmal „Sporer-Quetsch“. Erstaunt waren die Besucher über die vielen urtümlichen, aber großteils noch erhaltenen Maschinen und Gerätschaften. In der „Quetsch“ wurde das im Viechtacher Quarzbruch abgebaute Pfahlgestein zerkleinert, sortiert, gewaschen und für den Weitertransport vorbereitet. Vorbei an alten Weihern und neu angelegten, heckenreichen Streuobstwiesen gelangten die Naturliebhaber zum weißen Quarzriff des „Großen Pfahls“. Der Bau des Pfahl-Steiges ist eine Gemeinschaftsaktion der Stadt Viechtach und des Naturparks Bayerischer Wald e.V.. Projektleiter Heinrich Schmidt bedankte sich in seiner Eröffnungsrede beim städtischen Bauhof, der gemeinsam mit ABM-Kräften des Landkreises Regen, den schwierigsten Teil des Pfahl-Steiges gebaut hat: Auf dem hochwassersicheren Metallsteg können Wanderer trockenen Fußes über einen Altwasserarm des Riedbaches spazieren. Die Kosten für den 2 km langen „Pfahl-Steig“ betrugen insgesamt ca. 84.000 Euro. Das Umweltprojekt wurde mit ca. 41.000 Euro Zuschussmitteln über den Naturpark aus EU-Mitteln gefördert. Der „Pfahl-Steig“ ist die jüngste Errungenschaft in dem Projekt „Ökologisches Gesamtkonzept Bayerischer Pfahl“, das seit ca. 15 Jahren im Bereich der Stadt Viechtach umgesetzt wird. Mit dem Ankauf des ehemaligen Quarzsteinbruches und vieler wertvoller Wald- und Wiesenflächen konnte damit eine zusammenhängende Biotopverbundfläche von rund 45 ha geschaffen werden.


Der Naturpark Bayerischer Wald e.V. hatte im Rahmen seines Bildungsprogrammes zu einer Fledermausveranstaltung in die Naturpark-Infostelle Würzingerhaus in Außernzell eingeladen. Zahlreiche Erwachsene und viele Kinder waren dieser Einladung gefolgt. Referentin war die Diplombiologin Susanne Morgenrot, die seit über einem Jahrzehnt im Naturpark tätig ist. Zuvor war im Naturparkgebiet in punkto Fledermäuse sehr wenig bekannt. Mit den Arbeiten von Susanne Morgenrot wurde klar, dass von 19 in Bayern vorkommenden Fledermausarten 18 im Naturparkgebiet existieren. Fledermäuse sind über 50 Millionen Jahre alt und damit sehr viel älter als der Mensch. Leider sind die Bestände weltweit rückläufig. Heute findet man wegen der Umweltveränderungen, wegen dem Einsatz von Gift und Holzschutzmitteln nur noch etwa 10 bis 20 Prozent des ursprünglichen Bestandes vor. Auch die Unter-Schutz-Stellung hat so wenig gebracht. Wichtig ist stets die Aufklärung in breiten Bevölkerungskreisen. Gerade bei der Renovierung von Häusern werden viele Lebensmöglichkeiten oft unabsichtlich zerstört. Im benachbarten Tschechien wurde bisher weniger renoviert und die Bestände waren deshalb noch höher. Fledermäuse sind die einzigen Säugetiere, die aktiv fliegen können. Sie orientieren sich mit Echoortung wie Delphine oder Wale. Die ausgesendeten Signale liegen allerdings über dem Hörbereich des Menschen. Beim Großen Abendsegler können beispielsweise Kinder, die noch besser hören oder auch Frauen, die hohe Tönen noch eher wahrnehmen können als Männer, die Rufe der dämmerungsaktiven Jäger wahrnehmen. Fledermäuse haben auch ein sehr gutes Gedächtnis. Sie orientieren sich, wenn ein Gebiet einmal mit Echoortung ausgekundschaftet ist, stark nach ihrem Erinnerungsvermögen. Die Echosignale sind normalerweise für Fledermäuse anstrengend, nur wenn es sein muss, greifen sie darauf zurück. Könnte man die Echoortung hören, wäre sie sehr laut. Die Lautstärken liegen im Dezibelbereich eines Presslufthammers. Fledermäuse leben gesellig in Wochenstuben. Die Weibchen ziehen dort gemeinsam ihre Jungen auf. Den Männchen ist der Zutritt verwehrt. Fledermäuse bringen stets nur ein Junges zur Welt. Die Jungen werden gesäugt und mit Milch aufgezogen. Ab dem zweiten Jahr sind die Jungen geschlechtsreif. Das Jahr 2004 brachte große Verluste, weil das Wetter ungünstig war. Etwa zwei bis drei Wochen zu spät begann die Insektenentwicklung, wegen des nasskalten Wetters. Die Jungen bekamen zu wenig Milch. Fledermäuse überwintern in größeren Höhlen. Selbst über Jahrhunderte hinweg werden traditionelle Winterquartiere genutzt. Der Mensch schafft aber in seinem Umfeld nur sehr kurzlebige Gegebenheiten. Fledermäuse können sich darum oft zu wenig anpassen. Gerade die Überwinterung ist komplex. Fledermäuse reduzieren ihren Herzschlag und die Atmung auf ein Mal je Minute. Ihre Körpertemperatur kühlen sie auf etwa 0 ° C. Jede Störung bedeutet eine Katastrophe. Die Höhlen sind deshalb wichtig, weil die hohe Luftfeuchtigkeit ein Austrocknen der Flughäute verhindert. Hohle Bäume und Nisthilfen dienen meist nur als Tagesversteck. Fledermäuse werden oft nur 5 bis 6 Gramm schwer, können aber Geschwindigkeiten bis 70 km/h erreichen. Oft gehen in klimatisch schlechten Jahren bis zu 80 Prozent der Jungen zu Grunde. Bei der anschließenden Exkursion durch Außernzell gab es noch Informationen zum Ausflug und zu den Verstecken. Im Außernzeller Kirchturm wohnen beispielsweise Große Hufeisennasen. Am Gewässer konnte man kurz einige Wasserfledermäuse hören. Fledermäuse kann man auch indirekt erkennen, wenn man in Dachböden abgebissene Flügel von Nachtfaltern oder Tagfaltern vorfindet oder auch den Fledermauskot. Dieser ist immer zusammendrückbar. Bei Mäusekot ist der alte Kot steinhart und der frische sehr weich. Wer Hinweise zu Fledermausquartieren geben kann, möge sich mit dem Naturpark 09922/802480 oder mit Susanne Morgenrot in Verbindung setzen 0175 730 40 55.