2001


Im Jahr 2002 wird der Naturpark Bayerischer Wald e.V. 35 Jahre alt. Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte des am 18.05.1967 gegründeten, gemeinnützigen Vereins können Vorstandschaft und Mitglieder auf ein eigenes, multifunktionales Gebäude blicken. Für Donnerstag 28.02.2002 um 11.00 Uhr haben der Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, Fritz Brickwedde und der bayerische Staatsminister für Landesentwicklung und Umweltfragen, Dr. Werner Schnappauf neben einer Reihe anderer Ehrengäste ihr Kommen zugesagt. Das Naturpark-Informationshaus soll an einem sonnigen, kalten, schneereichen Wintertag erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden. Bis dahin sind noch eine lange Liste von Kleinigkeiten zu regeln und zu organisieren. Die offizielle Eröffnung um 11.00 Uhr wird aus Platzgründen nur für geladene Gäste sein. Ab etwa 14.00 Uhr steht das Gebäude dann der Allgemeinheit zur Verfügung. Die Öffnungszeiten sind dann künftig von Dienstag bis Sonntag, inklusive Feiertage, von 9:30 Uhr bis 16:30 Uhr geplant. Etliche Gruppen-Anfragen, die Führungen durch das Nullheizenergiehaus wünschen, liegen bereits vor. Auch das Holzbau-Unternehmermagazin „Mikado“ hat bereits unter dem Titel „Hightech trifft Ökologie“ über das Vorzeigeobjekt berichtet.


Ende November besuchten Luchsexperten und Behördenvertreter aus dem Pfälzer Wald den Naturpark Bayerischer Wald, um sich vor Ort über das hiesige Luchsprojekt zu informieren. Freitag abends stellte Wildbiologe Manfred Wölfl in der Pension Zwieselberg, wo die Besuchergruppe Quartier bezogen hatte, die aktuelle Luchsverbreitung und die projektbegleitende Öffentlichkeitsarbeit des Naturparks vor. Trotz teilweise chaotischen winterlichen Straßenbedingungen wagte man sich am Samstag Vormittag nach Kasperske Hory, wo Dr. Ludek Bufka die Situation des Luchses im und um den Nationalpark Sumava erläuterte. Im Lamer Winkel konnten die Gäste dann am Nachmittag am Wildgatter bei Sommerau ein von Luchskuder „Beran“ gerissenes Damwildkalb begutachten. Gehegebesitzer Michael Fleißner stand dabei in einer regen Diskussion souverän Rede und Antwort. Anschließend hefteten sich die zwei Kleinbusse der sendermarkierten Luchsin „Andra“ auf die Fersen, die sich jedoch bei einsetzender Dämmerung über den Kaitersberg hinweg Richtung Zellertal aus dem Staub machte. Auf dem Rückweg machten die Gäste aus der Pfalz noch am neuen Naturpark-Infohaus in Zwiesel Station, wo Bildungsreferent Hartwig Löfflmann die Einrichtung und Besonderheiten dieses Nullenergiehauses vorstellte. Nach verdientem Abendessen wurde über das weitere Vorgehen bezüglich des Luchses in der Pfalz diskutiert. Dort leben im Naturpark Pfälzer Wald zwei bis vier Luchse, deren Herkunft jedoch unklar ist. In grenzüberschreitender Zusammenarbeit mit den französischen Nachbarn soll die Basis für einen sinnvollen und verantwortungsbewussten Umgang mit der großen Katze geschaffen werden. Nach dem intensiven zweitägigen Erfahrungsaustausch stand am Sonntag Vormittag noch eine Führung durch das Tierfreigelände des Nationalparks an, dann machten sich die Besucher wieder auf die lange Reise zurück in die Westecke Deutschlands.


Im vollbesetzten Veranstaltungsraum des Infozentrums Grenzbahnhof konnte Naturpark-Bildungsreferent Hartwig Löfflmann Hans-Joachim Häupler begrüßen. Er zeigte ein interessantes Lebensbild des bedeutendsten Glasermeisters des Böhmer- und Bayerischen Waldes. Häupler, der nie auf andere Autoren setzte und immer selbständig recherchierte konnte sich bisher trotz 30-jähriger Recherchen nie entschließen, ein Buch zu veröffentlichen, das er im Manuskript bereits vorliegen hat. In der Sorge, dass immer noch neue relevante Dinge auftauchen würden, unterblieb es bisher. Sein Archivalienbestand in Sauerlach umfasst mittlerweile eine Länge von siebzehn Metern und eine Fachbücherei von rund 8000 Bänden. Die Herkunft der Hafenbrädls, so Häupler, ist relativ kompliziert. Auf Schloss Oberzwieselau fand sich ein bestens erhaltenes Dokument, das Johann Heinrich Nothaft, Graf von Wernberg, in seiner Eigenschaft als kaiserlicher Hofpfalzgraf am 31.Juli 1706 in Straubing gesiegelt und unterschrieben hatte. Das ist die Legitimierungsurkunde für den am 29. Juni 1688 in Zwiesel als unehelichen Sohn der Maria Götzinger und des Andreas Hafenbrädl aus Deggendorf getauften Hans Georg. Damals konnten Kraft kaiserlichen Privilegs unehelich geborene Leute in den Stand der ehelich geborenen versetzt werden. Dieser Bitte der Eltern des Hans Georg Hafenbrädl wurde entsprochen. Obwohl Hans Georg Hafenbrädl buchstäblich aus dem Nichts kam, verknüpfte sich sein Name und der seines jüngsten Sohnes Johann Georg (1726-1786) schon sehr bald genau so eng mit der Geschichte Eisensteins wie der der Grafen Nothaft. Mit der Legitimierungsurkunde und der 1722 erfolgten Verpachtung der Eisensteiner Glashütte an den alten Hafenbrädl hat der Graf unwissentlich die Voraussetzung für eine epochale Entwicklung Eisensteins geschaffen. Darauf konnte sein Sohn Johann Georg, der im Vortrag näher beleuchtet wurde, aufbauen. So war dies eines der aufregendsten Kapitel in der langen Glasgeschichte des Böhmer- und Bayerwaldes. Dieser mit einer unzähmbaren Aufsteigermentalität begabte Mann legte den Grundstein für eine Glasherrendynastie, wie sie der Wald nur einmal gesehen hatte. Die Hafenbrädls kamen ursprünglich aus Deggendorf, soviel ist bekannt. Dort sind sie als Handwerker nachgewiesen. Getauft wurde Johann Georg Hafenbrädl am 29. Juni 1688 in Zwiesel. Die zufällig gefundene Legitimierungsurkunde wurde von der Familie über Hunderte von Jahren sorgfältig geheimgehalten bis die Abkunft des Stammvaters in Vergessenheit geraten war. Johann Georg Hafenbrädl, der jüngste Sohn seines 1769 verstorbenen Vaters, entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zum erfolgreichsten Glasherren in der gesamten Grenzregion des Böhmer- und Bayerwaldes. Von intellektuellen Anwandlungen war er gänzlich frei. Aber er konnte lesen und schreiben, was seinem Vater noch schwer gefallen war, er hatte ein üppiges Selbstbewusstsein und ein gesundes Geltungsbedürfnis. Bemerkenswert war seine geschmeidige Anpassungsfähigkeit an hohe staatliche Autoritäten sowohl in Böhmen als auch in Bayern. Hafenbrädl war auch ein guter Ehemann und ein treusorgender Vater. Seine Ehefrau Maria Franziska Druckmüller, Tochter eines wohlhabenden nothaftischen Hofmarksverwalters und Kötztinger Bürgers, war noch nicht 16 Jahre alt, als sie heiratete. In 26 Ehejahren schenkte sie ihm 19 Kinder, von denen acht als Kleinkinder starben. Seit 1766 war bekannt, dass der kinderlose Graf Heinrich von Klenau seine beiden Eisensteiner Güter verkaufen wollte. Da fast alle Glashütten, Waldungen und Wirtschaftsbetriebe sich schon in Hafenbrädls erbrechtlichem Besitz befanden, meldete sich kein anderer Interessent. Hafenbrädl wartete noch den Abschluss der vielen Folgeverträge ab, die Einzelheiten nach der grundsätzlichen Grenzbereinigung von 1764 zwischen Bayern und Böhmen regelten, nachdem Böhmen den westlichen Teil des Eisensteiner Waldes wieder an Bayern zurückgegeben hatte. Hafenbrädl wusste inzwischen, dass der Inhaber eines in die „Prager Landtafel“ eingetragenen Gutes die Berechtigung hatte , seine Erhebung in den Adelsstand zu beantragen. Da Böhmisch Eisenstein ein solches Gut war, konnte es grundsätzlich nur von einem Adeligen erworben werden. Wie bei allen Regeln, gab es auch hier Ausnahmen. Mit königlicher Bestätigung konnten auch Bürger der privilegierten Städte Prag, Pilsen, Budweis und Kuttenberg als landtafelfähig anerkannt werden. Es galt also, zunächst die Stadtbürgerschaft in dem nahen Pilsen zu erwerben. Hafenbrädl bediente sich des Pilsener Ratsherrn Jakob Krieger, der ihm ein Haus in der Sachsengasse um 1450 Gulden vermittelte. Danach war der Weg zum Hofmarksbesitzer frei. Im Jahr 1771 kaufte er den Erben des 1769 verstorbenen Grafen Klenau die seit 1764 auf zwei Länder aufgeteilten Güter Böhmisch und Bayerisch Eisenstein ab. Der Ruf des jungen Hafenbrädl verbreitete sich wie ein Donnerhall im Böhmer- und Bayerwald. Sein geschäftlicher Sachverstand, sein Weitblick und sein kraftvoller, oft rücksichtsloser Zugriff waren nicht mehr zu übersehen. Im Juli 1771 erschien der Rentmeister Franz Xaver Freiherr von Lerchenfeld von der bayerischen Provinzialregierung in Straubing in Bayerisch Eisenstein, wo Hafenbrädl damals auf einem Dreiseithof in Bayerisch Häusl residierte. Lerchenfeld konnte seine Hochachtung vor diesem Mann in seinen Berichten an die Münchner Hofkammer nicht verbergen. Als er abreiste, nahm er eine mit dem 5. August 1771 datierte Eingabe Hafenbrädls zur Weiterleitung und Befürwortung nach München mit. Darin bat Hafenbrädl untertänig gehorsam, aber sehr selbstbewusst, um die Erhebung in den Adelsstand und die Genehmigung zur Errichtung eines Bräuhauses für braunes Bier. Außerdem wünschte er den Zwieseler Kameralwald zu kaufen, wofür er 2000 Gulden bot. Die Urkunde wurde daraufhin am 11. Dezember 1772 in München ausgefertigt. Wenige Monate später erhält Hafenbrädl die Hofmarksgerechtigkeit für Bayerisch Eisenstein und beantragte Brauhauskonzession. Beide Glashüttengüter Böhmisch und Bayerisch Eisenstein stellten jetzt ein staatsrechtliches Unikat dar, das es an der bayerisch-böhmischen Grenze nur einmal gegeben hat. Die beiden Güter waren Eigentümer eines Herrn, der sowohl den bayerischen Kurfürsten als auch der Kaiserin Maria Theresia als Königin von Böhmen den Treueid schwören musste. Mit seinem bayerischen Adelstitel wurde er allerdings nicht glücklich, da er ihn in Böhmen nicht führen durfte. Er musste sich manches Gespött anhören, unter anderem auch deswegen, weil Hafenbrädl seit Mitte der siebziger Jahre immer deutlicher zur böhmischen Seite hin tendierte. Er lebte längst im ehemaligen Schloss der Grafen Nothaft im böhmischen Markt Eisenstein. Er besaß genügend Einsicht in die politischen Realitäten, um zu erkennen, dass der österreichische Kaiserstaat sich zu einer Großmacht entwickelte, die seinen Glasgeschäften, mit ausgedehnten Handelsbeziehungen ins Ausland mehr Schutz und Sicherheit geben konnte als der schwächliche bayerische Kleinstaat. Johann Georg Hafenbrädl bemühte sich daraufhin noch entschlossener um eine kaiserliche Ritterstandsverleihung, die er über das K.k. Kreisamt in Pisek anstrebte. In einem Majestätsgesuch vom 20. November 1782 ging es dann um die Bitte zur Erhebung in den Ritterstand. Seine Adelserhebung, die weniger echte Verdienste als ansehnlichen Landbesitz oder ein beträchtliches Kapitalvermögen voraussetzte, war daher wichtig. Hafenbrädl arbeitete mit allen Mitteln und schaffte es auch, dass der verwitweten Glasermeisterin Maria Anna Kiesling vom Glashüttengut Rabenstein jahrelang die amtliche Bestätigung ihrer Grenzen in der Erbrechtswaldungen versagt blieb. Seine Bemühungen den Zwieseler Kameralwald anzukaufen verfolgte er nachdrücklich. Später verzehnfachte er sein Finanzgebot. Mit den Einnahmen aus dem Grundbesitz aus Böhmisch Eisenstein hatte er dann auch die obrigkeitliche Verwaltung sowie die Erhaltung des Kirchenbaues, des Pfarrhofes und des Geistlichen zu bestreiten. Anfang der 70-er Jahre betrieb er drei Glashütten auf böhmischem und zwei Manufakturen auf bayerischem Boden. Später kaufte er auch das Glashüttengut Lohberg, das Hofmarksgut Stachesried bei Eschlkam und die Hofmarken Au , March und Zell bei Regen. Am meisten interessierte ihn der sich im böhmischen Staatsbesitz befindliche Eisensteiner Kameralwald. Dieser erstreckte sich zwischen dem Schwarzen Regen und dem Lackerberg bis hinunter nach Zwiesel. Selbst der mächtige Graf Joseph Kinski auf der böhmischen Herrschaft Bürgstein mit seinen Spiegelmanufakturen in Haida und Stubenbach vermochte gegen Hafenbrädl nicht aufzukommen. Die 70-er Jahre des 18. Jahrhunderts waren für Johann Georg Hafenbrädl die wichtigsten und erfolgreichsten seines Lebens. Über den Tod seiner Frau Maria Franziska kam er nur schwer hinweg. Sie starb am 25. August 1775 mit 42 Jahren. Etwa zeitgleich hatte er wegen der Turbulenzen um die Eisensteiner Kirche und die endlosen Prozesse mit den bäuerlichen Untertanen seiner böhmischen Hofmark größere Probleme. Er konnte es nicht ertragen, dass er sein landtäflich verbürgtes Recht, dem Bischof von Regensburg den Geistlichen für seine Böhmisch Eisensteiner Kirche zu präsentieren, nicht ausüben konnte. Wegen einer Lapalie, wo einer der Schutzuntertanen und sein Weib mit einem Wagen über eine Wiese des Pfarrhofs gefahren waren, entstand eine größere Streitigkeit, die in der Folge die Kirchengemeinde in zwei Lager spaltete. Erhebliche Sorgen bereitete ihm eine Erblast. Die Eisensteiner Bauern verlangten die Abrechnungen in der günstigeren böhmischen Taxordnung. Hafenbrädl unterlag in der Folge, nachdem sich bis in die 80-er Jahre hinein die Behörden in Pisek, Prag und Wien damit beschäftigt hatten. Das alles ging nicht mehr spurlos an dem jetzt 51 jährigem vorüber. Seit Ende 1781 war er krank und oftmals bettlägrig. Auf einer Sänfte ließ er sich nach Passau tragen, wo er bei einem berühmten Arzt Heilung suchte. Einmal heißt es in Aufzeichnungen, er habe Steine und blutigen Urin. Nach heutigen Begriffen könnte das eine Urämie gewesen sein, gegen die die damalige Medizin keine Mittel hatte. Bald musste ihm jemand Tag und Nacht aufwarten. Am 12. Juli zwischen 1 und 2 Uhr Mitternacht ist Johann Georg Ritter von Hafenbrädl gestorben. In der Kirche von Markt Eisenstein / Zelezna Ruda ist sein Epitaph an der Wand des Kirchenschiffs angebracht. Wer seine Lebensgeschichte, die auch voller Rücksichtslosigkeiten und diplomatischen Schachzügen steckt, näher kennt der liest mit einem leichten Schmunzeln die Zeilen, die dort geschrieben stehen und von seltener Redlichkeit, Frömmigkeit berichten. Bis die exzellenten Recherchen von Hans-Joachim Häupler in Buchform erscheinen, muss man sich wohl als interessierter nach wie vor mit dem vom Katholischen Kreisbildungswerk herausgegebenen Büchlein zur Geschichte des Eisensteiner Tales, das auch zweisprachig ist, begnügen. Mit einem herzlichen Dank für die exzellenten Recherchen und dem sehr interessanten Vortrag schloss Hartwig Löfflmann die Veranstaltung im Grenzbahnhof.


Am 12. Oktober 2001 trafen im Infozentrum Grenzbahnhof gleich zwei Jubiläen zusammen. Die Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL) in Laufen veranstaltete eine grenzüberschreitenden Natur- und Landschaftsführerkurs zum Bayerischen Wald und Böhmerwald gemeinsam mit dem Naturpark Bayerischer Wald e.V. im Infozentrum Grenzbahnhof in Eisenstein. Die Natur- und Landschaftsführerkurse wurden im Jahr 1993 von der ANL, dem Naturpark Bayerischer Wald e.V. und der Ländlichen Entwicklungsgruppe der Regierung von Niederbayern gleichsam „erfunden“, d.h. erstmals durchgeführt. Aus diesen Anfängen entstand eine bayernweite Aufbildung die bis zur Rhön reichte aber mittlerweile auch in Österreich und sogar Südtirol Nachahmung gefunden hat. Naturinteressierte werden in ihrer Heimatregion in einem 12tägigen Kurs näher an Landschaftsthemen herangeführt. Meist sind es Leute die bereits ein „Steckenpferd“ mitbringen, sei es Geologie, Botanik oder sonstige Fertigkeiten. Es ist aber auch möglich ohne spezielle Vorkenntnisse sich bei den Kursen didaktische Tipps und Fertigkeiten aller Art von kulturellen Themen bis hin zum Naturbegeisterungwecken von Besuchern zu holen. Im Infozentrum Grenzbahnhof Eisenstein des Naturparks Bayerischer Wald e.V. begann am 12.Oktober ein weiterer Lehrgang, diesmal mit grenzüberschreitendem Ansatz. Tschechen und Deutsche waren etwa zu gleichen Teilen bei den Veranstaltungen und Exkursionen vertreten. Damit können beispielsweise Gruppenbetreuungen bei grenzüberschreitenden Wegen optimiert werden. Gleichzeitig konnte der Naturpark Bayerischer Wald e.V. auf das einjährige Bestehen des Informationszentrums im Grenzbahnhof zurückblicken, das über die Großschutzgebiete auf dem „Grünen Dach Europas“ und über die Naturregion von der Donau zur Moldau informiert zurückblicken. In dem vergangenen Jahr konnten genau 53.827 Besucher in der Einrichtung gezählt werden. Für den Naturpark ist dies Bestätigung, dass es der richtige Weg, war im historischen Grenzbahnhof, an der markanten Stelle, wo die Landesgrenze mitten durch die historische Schalterhalle geht, ein Infozentrum zu errichten, das gleichzeitig Tagungs- und Seminarräumlichkeiten beinhaltet. Der unermüdliche „Motor“ bei den Natur- und Landschaftsführerkurse ist Dr. Josef Heringer von der ANL in Laufen. Mit seiner beispiellosen Überzeugungs- und Motivationskraft, versteht er es, unterschiedlichste Gruppen aufeinander einzustimmen und Aktionen im Gelände durchzuführen. Während man sich in den Seminarräumen über Geologie, Touristikthemen und Hintergrundinformationen beschäftigte, ging es bei der Exkursion draußen um die Abfolge von Naturwald und Kulturlandschaft im Bayerischen Wald. Auch entsprechende Landschaftsmeditationen durften nicht fehlen. Der Kurs wird im Frühjahr mit einem Gegenbesuch im Böhmerwald fortgesetzt. Ziel ist es dabei auch die Teilnehmer mehr aneinander zu binden und bilaterale Kontakte zu knüpfen oder zu vertiefen. Im Zeichen einer europäischen Integration durfte die EU-Fahne in den Veranstaltungsräumen natürlich nicht fehlen. Dank der EU-Förderung entstehen den Teilnehmern keine allzu hohen Kosten.


Bildungsreferent Hartwig Löfflmann vom Naturpark Bayerischer Wald e.V. konnte trotz des schlechten Wetters zur Exkursion in das Keltendorf Gabreta bei Ringelai einige Interessierte begrüßen. Referent war der Natur- und Landschaftsführer und Mitinitiator des Keltendorfes Paul Freund aus Lichtenau. Bereits um 1963 hatte der Landwirt und Hobbyarchäologe Paul Freund auf seinen Äckern Scherben und andere keltische Funde entdeckt. Er sammelte die schönsten davon, noch ohne zu ahnen, dass man später in Teilen die Geschichte neu schreiben muss. Mit diesen Funden war aber das Vorkommen der Kelten im Bayrischen Wald und speziell im Bereich Lichtenau bei Ringelai belegt. Ein alter keltischer Handelsweg führte dort vorbei. Erst im Rahmen der Dorferneuerung wuchs dann allmählich die Idee zur Dokumentation des Ganzen, also ein Keltendorf nach alten Befunden wieder aufzubauen. Der alte Begriff von Ptolemäus für den Böhmerwald, der Begriff „Gabreta“ wurde für das Freigelände mit den Gebäuden darauf gewählt. Das BFZ Vilshofen/Passau, die Uni Passau, die Gemeinde Ringelai, die Euregio und Leute wie Paul Freund hatten intensiv zusammengearbeitet und mittels eines Langzeitarbeitslosenprojektes in mehrjähriger Arbeit das Keltendorf entstehen lassen. Eine lange Liste von Förderern, Förderstellen und Sponsoren ermöglichte das Ganze finanziell. Bei Manching, in Südböhmen und in Hallein bei Salzburg sind ebenfalls zahlreiche keltische Funde dokumentiert. Die Kelten lebten etwa von 800v.Chr. bis 15v.Chr., also von der Jungsteinzeit bis zur Römerzeit. Das eigenwillige Volk wurde allmählich zwischen Römern und Germanen aufgerieben und verschwand als Volk nach der letzten Schlacht auf der englischen Insel, wohin es sich zuletzt zurückgezogen hatte. In Spanien wurden sie Iberer, in Frankreich Gallier und in der Zentraltürkei Galater genannt und hatten damals auch biblischen Bezug. So manche unsrer heutigen Gewohnheiten oder Begriffe stammen letztendlich noch aus der Keltenzeit. Die Kelten lebten bereits in der Eisenzeit, sie waren für die Herstellung von Schmuck bekannt. Die keltischen Stämme betrieben damals bereits europaweiten Handel und hatten es zu sehr großem Wohlstand gebracht. Auf dem Areal des Keltendorfes wurden Gebäude stets originalgetreu nachdem jeweiligen Befund nachgebaut. Das heisst ein Gebäude wurde genau in den Abmessungen und der Technik erstellt, wie es beispielsweise in dem Befund von Künzing oder anderswoher belegt ist. Professor Benda von der Uni Passau legte stets großen Wert darauf, dass beim Einsatz der Baumaterialien nicht geschwindelt wurde und mit den gleichen Arbeitstechniken und Methoden vorgegangen wurde, wie es zur damaligen Zeit üblich war. Obwohl damals bereits Eisen bekannt war wurden alle Holzverbindungen mit Holznägeln oder auch mit Hanfseilen erstellt. Die Dächer wurden mit Schilf eingedeckt, das ohnehin haltbarer als Dachziegel ist. Etwa 100-120 Jahre Lebensdauer werden dafür angegeben. In den einzelnen Häusern war die Feuerstelle meist in der Mitte. Der Rauch des Feuers war wiederum für das Schilfdach überlebensnotwendig, denn mit genügend Rauch wurde Ungeziefer wie Motten oder Mäuse aus der Dachkonstruktion fern gehalten. Im Aussengelände kann man heute auch Exmoorponis, die wild gezüchtet wurden bewundern. Auf einigen Hangterassen des Geländes wurden auch alte Getreidesorten wie Hirse, Spelz oder Lein angebaut. Ebenso findet man verschiedenste Kräuter zu denen Paul Freund in seiner amüsanten Art auflockernde kleine Geschichten erzählen konnte. Viele Dinge davon fanden sich noch vor vierzig, fünfzig Jahren in jedem Bauerngarten. Ein Beispiel dafür mag Anis sein. In der Keltenzeit gab es keinen Zucker und der Stängel wurde zum süßen von Mehlspeisen verwendet, vor allem dafür, um es den Kindern etwas schmackhafter zu machen. Interessantes konnte Paul Freund auch zum Färben der damaligen Leinenstoffe berichten. Die Kelten liebten allgemein bunte Kleider. Die Färberkamille gab dem Leinen gelbe Farbe, Arbeitskleidung wurde gerne indigo-blau eingefärbt, da Insekten die blaue Farbe nicht mögen. Die Pflanzen wurden damals in Urin angesetzt weswegen Färbereinen oft in der Nähe von Wirtshäusern angesiedelt waren. Während des Wochenendes hatte man dort Kübel aufgestellt und an Montagen wurde dann die stinkende Brühe angesetzt. Der Begriff „blauer Montag“ stammt von daher. Neben einem Keltenofen und einem Einfamilienhaus besichtigte man auch einen Stall und das Herrenhaus. Mit zahlreichen interessanten Detailinformationen zur Bautechnik rundete Paul Freund seine Ausführungen ab. Höhepunkt war dann zum Schluss das Feuermachen mit zwei Feuersteinen und dem notwendigen Zunder dazu. Wer sich näher mit den Lebensweisen der Kelten auseinandersetzen will ist jederzeit herzlich eingeladen das Keltendorf zu besichtigen, dort werden auch interessante Führungen und Aktionstage angeboten. Zum Schluss gab Paul Freund den Teilnehmern noch einige Wörter mit auf den Weg, die von den Kelten stammen, wie zum Beispiel der Begriff „Ohe“ oder „Ache“ oder aber auch der „Foam“ des Bieres. Die Erfindungen der Keltenzeit reichten von der Lodenkotze über die Galoschen bis hin zur Seife und zum Fass.


Im Rahmen des Naturpark - Bildungsprogramms 2001 bietet der Naturpark Bayer. Wald e.V. eine Exkursion zum Keltendorf Gabreta in Ringelai im Landkreis Freyung – Grafenau. Treffpunkt ist am Freitag, 14.09.2001 um 15:00 Uhr am Eingangsgebäude zum Keltendorf in Lichtenau bei Ringelai. Der Insider und Mit - Initiator Paul Freund aus Lichtenau wird selbst die Exkursion leiten. Die Veranstaltung findet bei jedem Wetter statt und dauert etwa zwei Stunden. Wetterfeste Kleidung und gutes Schuhwerk sind erforderlich. Anmeldung ist nicht erforderlich. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.


Im Rahmen des Naturpark - Bildungsprogramms 2001 bietet der Naturpark Bayer. Wald e.V. eine Exkursion zur Sternwarte in Kirchdorf im Wald im Landkreis Regen an. Treffpunkt ist am Freitag, 12.10.2001 um 19:30 Uhr vor dem Rathaus in Kirchdorf im Wald. Bei schönem Wetter kann man den herbstlichen Sternenhimmel und unsere Nachbarmilchstraße, den Andromedanebel und später auch den Jupiter mit seinen Monden beobachten. Die Beobachtungszeit wird etwa von 20:00 bis 23:00 dauern. Die Veranstaltung kann n i c h t bei bedecktem Himmel abgehalten werden. In Zweifelsfällen bitte telefonische Rücksprache am Freitag zwischen 18:00 und 19:30 Uhr, ob die Veranstaltung stattfindet (0171 49 60 20 3). Anmeldung ist nicht erforderlich. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Bitte an warme Kleidung denken.