Mai 2003


Mit einer wald- und vogelkundlichen Abendwanderung im Schlosspark von Mitterfels hatte der Naturpark Bayerischer Wald e.V. den von Europarc Federation ausgerufenen Tag der europäischen Parke begangen. Der Tag der europäischen Parke wird alljährlich von allen Großschutzgebieten in 35 Ländern Europas in Erinnerung an die Gründung der ersten neun europäischen Nationalparke im Jahr 1909 in Schweden gefeiert. Der Referent Peter Zach referierte dabei auch im Rahmen der forstlichen Öffentlichkeitsarbeit der Bayerischen Staatsforstverwaltung und des Forstamtes Mitterfels über Zusammenhänge in naturnahen Wäldern und speziell über die Ornithologie. In naturnahen Wäldern kann ein bemessener Anteil Totholz erhalten bleiben. Damit stehen vielen höhlenbrütenden Vogelarten Nist- und Versteckmöglichkeiten zur Verfügung. Für das Belassen von Höhlenbäumen gibt es in Privatwäldern auch Fördermöglichkeiten. Der oft vorkommende Efeubewuchs an Bäumen schadet den Bäumen nicht. Dagegen dienen die weißen Beeren genauso wie zum Beispiel Misteln- oder Liguster-Beeren den Vögeln als Winternahrung. Interessant ist der Orientierungsmechanismus von Zugvögeln. Es gibt Arten, wie das Rotkehlchen, das sich am Magnetfeld der Erde, mittels eines sogenannten Magnetkompasses orientiert. Viele Tagzieher, wie beispielsweise der Star, nutzen den Sonnenkompass. Andere Arten dagegen nutzen den Sternenhimmel und die Stellung des Mondes. Diese unterschiedlichen Fernnavigationssysteme sind angeboren. Bei der Orientierung vor Ort ist dann die Erinnerung wichtig. Es können beispielsweise bei den Schwalben sogar die gleichen Stallungen wieder aufgefunden werden. Vielfach orientieren sich die Tiere auch noch an Gerüchen. Die Rauchschwalbe ist stark im Abnehmen begriffen, da sie von aktiver Landwirtschaft abhängig ist. Auch die Mehlschwalbe ist stark im Rückgang begriffen. Leider werden viele Nester heute vom Menschen nicht mehr geduldet. Teilweise mit fadenscheinigen Ausreden, wie z.B. wegen des „Drecks über dem Eingang oder des Störens von Balkonblumen“. Das Verhalten der Menschen steht hier oft im Widerspruch. Im Winter werden Vögel gefüttert, weil man ihnen helfen will, gleichzeitig entzieht man ihnen aber teilweise aus Unkenntnis, den Lebensraum. Auffällig ist, dass manche Zugvögel heute bereits zehn Tage früher bei uns eintreffen als noch vor 30 Jahren. Ein Langzeitmonitoring über 30 Jahre deutet hier auf eine Klimaveränderung mit Trend zum Wärmerwerden hin. Viele Kurzstreckenzieher die nur bis zum Bodensee oder nach Südfrankreich ausweichen, kehren früher zurück. Einige versuchen sogar hier zu überwintern. Die Mönchsgrasmücke kommt bei uns in Laubmischwäldern vor, kann aber in reinen Fichtenmonokulturen nicht überleben. Dagegen sind andere Arten wie Tannenmeise oder Haubenmeise auf Nadelwälder spezialisiert. Die Mönchsgrasmücke ist bei uns nicht bedroht. Eine besondere Verantwortung kommt aber auf Deutschland zu, da der Bestand auf Zentraleuropa beschränkt ist. Wir sind also für das Hauptvorkommen verantwortlich, genauso wie bei den Baumarten bei der Buche. Viele Insekten- und Vogelarten sind an Buchenbestände gewöhnt und angepasst. Selbst mit dem Sturz eines großen Baumriesen sind Komplexe ökologische Zusammenhänge verbunden. Es entstehen nicht nur Nist- und Brutmöglichkeiten, sondern in der Lücke entsteht auch Bodenflora, die eine eigene Insektenwelt nach sich zieht. Wer sich mit Vogelstimmen und Vogelgesang befassen will, muss früh aufstehen. Denn Vögel grenzen am Morgen nach dem Aufwachen mit dem Gesang ihr Revier ab. Das Gleiche geschieht abends vor der Nachtruhe. Die Revierabgrenzung erfolgt hauptsächlich über die Männchen. Mit dem Gesang werden darüber hinaus Weibchen angelockt oder das Brutgeschäft synchronisiert. Relativ verlässlich ist zum Beispiel auch der Regenruf beim Buchfinken. Er kündigt relativ zuverlässig das Wetter in den Folgetagen an. In Mastjahren der Buche kann man sehr oft auch die finnischen Bergfinken beobachten, die zu Hunderttausenden in großen Buchenbeständen überwintern und die Bucheckern als Nahrung nutzen. Bei den Vögeln sind die Weibchen eher unscheinbar gefärbt. Mit der besseren Tarnung ist ein Schutz beim Brutgeschäft verbunden. Nisthilfen sollte man einmal im Herbst reinigen, sie sollten aber stets nur als künstliche Hilfsmittel der Menschen gesehen werdeb. Während des Brutgeschäftes darf man nicht in die Nisthilfen schauen. Generell gilt, dass man der Natur mehr Freiraum lassen muss, sie ist über Jahrtausende hinweg ohne den Menschen zurechtgekommen. Der Rückweg der Exkursion ging am Perlbach entlang. Dort in dem schnellfließenden sauerstoffreichen Wasser kann auch die Gebirgsstelze vorkommen, auch die Wasseramsel kann man beobachten. Derzeit läuft bayernweit in den Staatswäldern ein Langzeit – Vogel - Monitoring. Auf zwei Kilometer langen Strecken wird seit etwa fünf Jahren alle hundert Meter in gleichen Abständen nach einer standardisierten Methode das Vorkommen von verschiedenen Vogelarten erfasst. Eventuelle Veränderungen können so festgestellt werden. Sicher ist, dass eine naturnahe Wirtschaft mit entsprechendem Strukturreichtum nie durch künstliche Nisthilfen ersetzt werden kann. Jeder ist dazu aufgerufen seinen Beitrag notfalls auch im eigenen, naturnahen Garten zu leisten. Am Schloss angekommen, dankte dann Bildungsreferent Hartwig Löfflmann vom Naturpark Bayerischer Wald e.V. den Teilnehmern und vor allem dem Referenten und lud zu den weiteren Bildungsveranstaltungen des Naturparks im laufenden Jahr ein.


Im Rahmen des Naturpark - Bildungsprogramms 2003 bietet der Naturpark Bayer. Wald e.V. eine wald- und vogelkundliche Abendwanderung im Schlosspark Mitterfels im Landkreis Straubing – Bogen an. Treffpunkt ist am Freitag, 23.05.2003 um 19:30 Uhr vor dem Rathaus Mitterfels im Schloss. Referent ist Peter Zach von der Forstdienststelle Konzell. Auf einem kleinen Rundweg durch die relativ naturnahen Waldbereiche im Schlosspark gibt es Erläuterungen zur Vogelwelt aber auch zum Ökosystem Wald. Die Veranstaltung findet auch anlässlich des Europäischen Tags der Parke statt. Im Rahmen dieser europaweit begangenen Aktivität von Naturparken, Biosphärenreservaten und Nationalparken wird an die Gründung der ersten neun europäischen Nationalparke am 24.05.1909 in Schweden erinnert. Die Veranstaltung findet bei jedem Wetter statt und dauert etwa zwei Stunden. Wetterfeste Kleidung und gutes Schuhwerk sind erforderlich. Anmeldung ist nicht notwendig. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Bitte Fernglas mitbringen.


Zur gemeinsamen Exkursion von Naturpark Bayerischer Wald e.V. und Landschaftspflegeverband Straubing-Bogen konnte Bildungsreferent Hartwig Löfflmann neben dem Referenten Heribert Kemmer vom Landschaftspflegeverband eine Reihe botanisch interessierter Teilnehmer begrüßen. Die Exkursion führte von der Donaufähre in Mariaposching aus den Donaudamm entlang aufwärts. In der Donauaue gibt es nicht nur feuchte Standorte, sondern stets auch trockene. Früher waren diese an den Sand- und Kiesbänken gegeben. Heute findet man sie eher am Donaudamm selbst. Damit zählen die Dämme zu den Ersatzlebensräumen. Bedingt durch die große Trockenheit im Frühjahr war das Pflanzen- und Gräserwachstum heuer sehr stark begrenzt. Die Donau fließt im Bereich von Mariaposching noch relativ frei, auch wenn über Jahrhunderte dort die Menschen gesiedelt hatten und den Fluss entsprechend verändert hatten. Heribert Kemmer erläuterte die Pflanzenarten der Wirtschaftswiesen genauso, wie die speziellen Besonderheiten zum Beispiel den Doldigen Milchstern. Dieser stellte ein „highlight“ dieser Exkursion dar. Er ist für Bayern Rote-Liste-Art. Für die Teilnehmer war es interessant zu hören, dass die gelbe Blume, die jeder als „Löwenzahn“ kennt eigentlich „Kuhblume“ heißt, die Verwirrung aber eigentlich erst durch die deutschen Pflanzennamen entsteht, die stark regional geprägt sind. Wirklich eindeutigen Aufschluss über Pflanzenarten gibt die exakte wissenschaftliche Bezeichnung im Lateinischen. Höhepunkt der Exkursion war das Erreichen des Inselbereiches. Dort kann man den Aufbau einer Auenlandschaft noch am ehesten nachvollziehen. Unmittelbar an die Gewässerbereiche schließen sich die Strauchweidengebüsche an. Die typischen Weidenarten dort sind Mandelweiden, Bruchweiden und Korbweiden. Danach folgt die Weichholzaue mit den verschiedenen Pappelarten, zum Beispiel der Silberpappel und mit Silberweiden. Die Hartholzaue, die überwiegend aus Eschen, Eichen und Edellaubholzarten besteht, ist an der Donau durch die Landwirtschaft bis auf wenige Relikte zurückgedrängt worden. Eine große Besonderheit stellen die Schlammlingsfluren in den Wechselwasserbereichen dar. Mit einem Staustufenbau würden diese teilweise überfluteten, teilweise frei zugänglichen Uferbereiche ganz verschwinden. Dort leben Pflanzen wie Schlammlinge und Wasserkressen, die innerhalb kürzester Zeit sich entwickeln können. Die Samen sind sehr lange keimungsfähig bis ein niedrig Wasserstand vorliegt. Interessante Lebensräume sind auch die Kiesbänke an die sich landwärts wieder Strauchweidensäume anschließen. Eine Besonderheit für die Donauauen ist auch die Kratzbeere. Während die verwandte Art, die Brombeere bekannt ist, kennt man die Kratzbeere an dem grau überzogenen Stängel.


Der Naturpark Bayer. Wald e.V. startete für alle Interessierten eine ornithologische Wanderung in die Isarauen. Referent war Frater Ludwig Schwingenschlögl von der Abtei Niederaltaich, der seit 26 Jahren ein guter Kenner der dortigen Verhältnisse ist. Bekannt sind die Isarauen im Isarmündungsgebiet durch reichhaltige Vorkommen von Pflanzen- und Tierarten, vor allem aber durch das Vorkommen verschiedenster Vogelarten. Von der Bundesrepublik Deutschland wurden der Bereich als "Gebiet von gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung" gefördert. Innerhalb kurzer Zeit konnte man an die dreißig Vogelarten sehen und hören. Ein heller Silberreiher zog im Flug seine Kreise. Immer wieder beeindruckend ist der nur etwa 9 Gramm schwere Zaunkönig mit seiner sehr lauten Stimme beim Gesang. Einen "Gehörtest" für Ornithologen, so Frater Ludwig, liefern immer wieder Winter und Sommergoldhähnchen, die mit ihrer extrem leisen Stimme das Klangspektrum abrunden. Der auffällig gelb- und bunt gefärbte Pirol lässt sich aber in den meisten Fällen nicht sehen. Man konnte ihn auch diesmal nur hören. Sonnenstrahlen, die sich auf einem Blätterdach leicht spiegeln, verschaffen ihm trotz seiner auffälligen Färbung die perfekte Tarnung im Unterholz. Hören konnte man auch den Halsbandschnäpper. Er ist mit einer größeren Population in den Isarauen vertreten. Der LBV hat extra für ihn Nisthilfen aufgehängt. Die große Besonderheit besteht darin, dass man die Öffnungen bis etwa Anfang Mai zumachen muss, bis er zurückkehrt, damit nicht von anderen „Allerweltsarten“ die Brutmöglichkeiten bei seiner Ankunft schon besetzt sind. Eine Reihe von anderen Akteuren, wie z.B. Graugänse im Überflug, das Nest eines Höckerschwanes, Gänsesäger beim Tauchen oder fünf Graureiher beim Fischen auf einer Kiesbank rundeten das Bild ab. Häufig zu hören war auch der Teichrohrsänger. Ein großes Problem dagegen ergibt sich für den Drosselrohrsänger, der nicht mehr vorkommt. Bedingt durch die Eutrophierung der Gewässer ist das Schilf zu schwach und zu wenig tragfähig. Der relativ große Drosselrohrsänger kann dort nicht mehr leben. Problem hat auch der Brachvogel durch den Grünlandumbruch mit Intensivierung der Landwirtschaft. Die früher sehr häufige Feldlerche ist über diesen grünen Talauen mittlerweile auch sehr selten geworden. Trotz vieler Anstrengungen in den letzten Jahren bleibt also auch in Zukunft einiges zu tun, um eine artenreiche Lebensraumgesellschaft im Donautal zu erhalten und zu stabilisieren.


Auch in diesem Jahr bieten die beiden Naturparke Bayerischer Wald e.V. (Geschäftstelle Zwiesel) und Oberer Bayerischer Wald e.V. (Geschäftstelle Cham) wieder ein gemeinsames, abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm rund um den Großen Arber an. Auf insgesamt 13 Exkursionen werden unter dem Motto „Auf Spurensuche“ schwerpunktmäßig Flora und Fauna des Arbergebiets vorgestellt. So stehen. neben Exkursionen wie z.B. „Der Luchs im Arbergebiet“ und „Wo sich Eidechsen und Schlangen wohlfühlen“ auch eine geologische Wanderung rund um den Arbergipfel und eine botanische Wanderung um den Arbersee auf dem Programm. Auch ein musikalisch-literarischer Gipfelspaziergang mit dem Titel „Landschaft draußen – Landschaft drinnen“ wird wieder angeboten. Den Auftakt in die „Arbersaison“ bildet am Sonntag, den 18.05.03 eine vogelkundliche Wanderung in die Arberseewand unter Leitung von Fritz Reiter. Treffpunkt ist um 08.00 Uhr bei den Infotafeln am Großen Arbersee. Die ca. 2 - stündige Veranstaltung endet auch wieder am See. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Bitte bringen Sie nach Möglichkeit ein Fernglas mit!