Dezember 2006


Der Naturpark Bayerischer Wald e. V. wurde in Würzburg vom Bayerischen Umweltministerium mit der Dachmarke „Umweltbildung.Bayern“ ausgezeichnet. Bildungsreferent und Geschäftsführer Hartwig Löfflmann konnte die Urkunde aus den Händen des Staatssekretärs an der Jugendbildungsstätte Unterfranken in Empfang nehmen. Neben dem Naturpark Bayerischer Wald e. V. wurde auch der Bundnaturschutz mit seinem Bildungswerk in Wiesenfelden ausgezeichnet. Damit gibt es in Niederbayern bisher insgesamt vier Träger der Dachmarke „Umweltbildung.Bayern“.

Bayern baut seine Dachmarke für außerschulische Umweltbildung aus. Umweltstaatssekretär Otmar Bernhard verlieh in Würzburg an weitere 31 Einrichtungen die Auszeichnung „Umweltbildung.Bayern“. Im vergangenen April wurden die Qualitätssiegel bereits an die ersten 41 Markenträger vergeben. Bernhard: „Die Bündelung und Vernetzung der Umweltbildung in Bayern kommt mit großen Schritten voran. Das vereinte und organisierte Auftreten ist der beste Garant dafür, Gehör zu finden und immer mehr Bürger für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur und den natürlichen Lebensgrundlagen zu begeistern.“ Das Förderprogramm Umweltstationen soll im Haushalt 2007/2008 erneut um 100.000 Euro auf insgesamt nahezu 1,5 Millionen Euro erhöht werden. Daneben werden aus dem Bayerischen Umweltfonds, der im nächsten Doppelhaushalt fortgeführt werden soll, weitere Umweltbildungsmaßnahmen finanziert. Informationen zur Dachmarke, wie Kriterien und Bewerbungsunterlagen, sind zu finden unter: Umweltbildung.bayern

Umweltbildung hat einen unvermindert hohen Stellenwert in Bayern. Im partnerschaftlichen Miteinander von Nichtregierungsorganisationen und Staat ist es in mehr als 10jährigen Anstrengungen gelungen, leistungsfähige Strukturen der Umweltbildung aufzubauen. „Mit der Marketinginitiative – gemeinsam getragen von Umweltministerium, Forstministerium, Arbeitsgemeinschaft Natur und Umweltbildung (ANU), Bund Naturschutz (BN), Landesbund für Vogelschutz (LBV) und Plankstettener Kreis – wird die Bedeutung außerschulischer Umweltbildung klar hervorgehoben. Die Marke ist gleichsam Qualitätssiegel und Wiedererkennungszeichen. Auf diese Weise werden die vielfältigen Leistungen der Umweltbildungseinrichtungen einheitlich und deutlich kommuniziert“, betonte Bernhard. Gewürdigt wird die Maßnahme auch vom Deutschen Nationalkomitee der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ mit der Aufnahme in den Nationalen Aktionsplan. Folgende Einrichtungen werden mit der Dachmarke neu ausgezeichnet:

Niederbayern: Naturpark Bayerischer Wald e.V.
Bund Naturschutz Bildungswerk Wiesenfelden


Das Grüne Herz Europas hat am Wochenende seine jährliche Tagung der Kursreihe "Gute Nachbarschaft über Grenzen" zum Thema „Landschaft und Tourismus im 21. Jahrhundert - zukunftsfähige Modelle im Bayerischen Wald und Böhmerwald" durchgeführt. Im Vorfeld der Tagung führte der Verein, dessen Ziel eine nachhaltige und naturverträgliche Entwicklung der Donau-Moldau-Region ist, seine Mitgliederversammlung durch.

Das Grüne Herz Europas e.V. wurde 1992 mit dem Ziel einer grenzüberschreitenden gemeinsamen nachhaltigen Entwicklung des Bayerischen und des Böhmerwaldes in Ostbayern, Tschechien und Oberösterreich gegründet. Den Vorsitz hat der Ökologe und Politikwissenschaftler Gerhard Nagl, seine Stellvertreterin ist Prof. Vlasta Kroupová aus dem Böhmerwald. Es gibt neben dem ursprünglichen Verein mit Sitz in Deutschland aus rechtlichen Gründen auch Sektionen in Tschechien (Vorsitz: Radek Ther, Budweis) und Österreich (Vorsitz: Karl Zimmerhackl, Haslach). Dieses internationale "Triumvirat" hat auch an der Tagung teilgenommen.

Ein wichtiges Ergebnis der Tagung und des Workshops ist, dass sich alle Beteiligten für die Perspektive einer Biosphärenregion Donau-Moldau ausgesprochen haben. Angesichts des Artenschwundes in der bäuerlichen Kulturlandschaft und immer knapper werdender Finanzmittel für Naturschutz und Landwirtschaft fordert der Verein die Ausweitung der Biosphärenregion vom Nationalpark auf die gesamte Region. Nicht zuletzt könnte das weltweit anerkannte Prädikat der UNESCO für bedeutsame Kulturlandschaften ein neuer Impuls für den Tourismus auch außerhalb der unmittelbaren Nationalpark-Region sein. Das Konzept der „Biosphärenreservate“ gibt es seit den 70er Jahren. Es geht darum, weltweit genetische und ökologische Vielfalt über Schutzgebiete wie Nationalparke hinaus zu erhalten und gleichzeitig eine zukunftsfähige Entwicklung in diesen Regionen zu fördern. Ein Nationalpark braucht eine Pufferzone. Das macht ein Biosphärenpark mit einer Pflegezone und einer Entwicklungszone, die deutlich größer sind, als das strenge Schutzgebiet im Kern.

In Tschechien wurde bereits so verfahren, in Bayern fürchtet die Politik den Widerstand der ländlichen Bevölkerung nach den Erfahrungen mit der der Ausweitung von Nationalpark und Naturpark „wie der Teufel das Weihwasser“, wie ein Teilnehmer der Tagung bemerkte. Der Nationalpark hat den Status seit 1981, aber die Pflegezone ist zu klein, eine Entwicklungszone, von der die Bevölkerung profitieren könnte, existiert nicht. Umweltminister Schnappauf wollte das Problem durch Rückgabe des Biosphären-Status lösen. Das stieß auf deutliche Kritik zahlreicher Tagungsteilnehmer. Der Vorsitzende des Grünen Herzens, Gerhard Nagl: „Das geht gerade in die falsche Richtung. Angesichts schwindender Gelder für die Erhaltung der bäuerlichen Kulturlandschaft ist der Status einer weltweit anerkannt wertvollen Kulturlandschaft ein Geschenk für die Region, von dem Landwirtschaft, Tourismus und Naturschutz gleichermaßen profitieren können. Die Leute brauchen keine Angst vor zuviel Naturschutz zu haben. Wir wollen vielmehr, dass damit mehr Geld für verträgliche Landwirtschaft und Entwicklung außerhalb des Nationalparks in die Region kommt!“ Es wurde auch darauf hingewiesen, dass in Berchtesgaden das Biosphärenreservat ausgeweitet werde, die gegenteilige Strategie im Bayerischen Wald sei mit vernünftigen Argumenten nicht nachvollziebar.

Der Biologe Alfred Ringler, der Vater des bundesweit beispielhaften bayerischen Landschaftspflegekonzeptes, machte drastisch klar, dass mit den Kürzungen der landwirtschaftlichen Fördergelder für Kulturlandschaft und Vertragsnaturschutz, mit dem Rückgang der Tierbestände eine bisher nicht gekannte Entwicklung eine Verarmung der bäuerlichen Landschaft drohen würde. Auch viele FFH-Gebiete seien pflegebedürftig, Bayern könne so auch der Verpflichtung zur Erhaltung dieser Gebiete kaum nachkommen.

Der Vorsitzende Gerhard Nagl zeigte mit Bildern aus seiner Heimat und auch mit neueren Untersuchungsergebnissen, dass die artenreichen Wiesen im Bayerischen Wald in den nächsten Jahren völlig zu verschwinden drohen. Alleine in den letzten zehn bis 15 Jahren seien zahlreiche Fundorte von Arnika, Knabenkräutern, Schlüsselblumen und viele Margeritenwiesen verschwunden. Der Tourismus könne aber nicht bloß mit Bildern und Illusionen einer artenreichen Landschaft werben, wenn der Tourist bei uns dann die gleichen Güllewiesen und Maisäcker finde, wie bei sich zu Hause. Er forderte ein Artenschutzprogramm, das den besonderen Reichtum der Region herausarbeite und erhalte. Das sollte in die Perspektive einer Biosphärenregion Donau-Moldau eingebunden werden. In der Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie sah der Vorsitzende eine Chance für mehr Natur an den Bächen und Flüssen der Region.

Im Zentrum der Tagung stand der Zusammenhang von Landschaft und Tourismus. Eisensteins Bürgermeister Thomas Müller, der das Grüne Herz Europas gerne zum wiederholten Male in seiner Gemeinde begrüßte, zeigte, wie wichtig die Natur für die Touristen im Bayerischen Wald ist. Er machte die Teilnehmer am Beispiel Eisensteins nicht nur in einem einführenden Beitrag zur Tagung mit den Problemen und Chancen der touristischen Entwicklung für eine Gemeinde bekannt, er nahm sich auch die Zeit, deutsche und tschechische Besucher der Tagung am Sonntag durch den Ort zu führen, Ideen und Belastungen (wie das große Bad für die kleine Gemeinde) konkret vorzustellen. Die Verhinderung des Schwerlastverkehrs im Transit wurde als eine wichtige gemeinsame Aufgabe für Eisenstein und das Grüne Herz festgehalten.

Hartwig Löffelmann, der Geschäftsführer des Naturparks Bayerischer Wald, stellte Aufgaben und Arbeit des Naturparks vor, die Erholung und Landschaftspflege, aber auch Bildung und Regionalentwicklung einschließen. Er zeigte die große Bedeutung des Tourismus für die Region auf und wies auf die vielen Einrichtungen des Naturparks hin, die dem Tourismus dienen, wie die Infostellen, von denen im Oktober die fünfte eröffnet wurde.

Václav Polák trug den tschechischen Beitrag zur Tourismus-Tagung vor, ein Gemeinschaftswerk mit der 2. Vorsitzenden Prof. Vlasta Kroupová und dem Vorsitzenden des tschechischen Grünen Herzens, Radek Ther. Die Tschechen kritisierten neue touristische Einrichtungen für den Massentourismus, zahlreiche neue Baugebiete um den Lipno-Stausee, auch die Gefährdung der Natur durch neuen Skitourismus auch im ehemaligen Militärübungsplatz Boletice. Eine alternative Strategie zum Massentourismus an der Grenze sehen sie in der Entwicklung des Tourismus in den Gebieten, die weiter im Osten anschließen.

Josef Wanninger vom Nationalpark Bayerischer Wald wies darauf hin, dass nur der Nationalpark, der viele Millionen Euro in die Region holt, mit dem wilden Wald werben könne. In der Vergangenheit hätten viele Gemeinden nur den eigenen Kirchturm vermarkten wollen, es sollte aber das Gemeinsame und Besondere der Nationalparkregion hervorgehoben werden. Als Beispiel dafür zeigte er die Kampagne „Tierisch wild!“, für die Grafenau und Neuschönau schon auf der Bundesgartenschau vorgearbeitet hatten. Jede Gemeinde sucht sich ein Wildtier aus und hat damit ein touristisches Identifikationsobjekt. Weiter stellte er die „Nationalpark-Partner“ vor, Hotels und andere touristische Betriebe, die anspruchsvolle Qualität und regionale Produkte mit dem Nationalpark verbinden. Auch Wanninger zeigte sich enttäuscht, dass das Umfeld des Nationalparks nach dem Willen der bayerischen Staatsregierung doch nicht Biosphärenreservat werden sollte.

Georg Steiner, der Geschäftsführer des Tourismusverbandes Ostbayern, machte es sich zur Aufgabe, zu zeigen, was der Tourist nicht will. Der Tourist will keine geteerten Wege, sondern naturbelassene, eher schmale Wege und Pfade. Er will Abwechslung, Stille, naturnahe Gewässer und eindrucksvolle Aussichten. Den Versuch, das dem Wanderer zu zeigen, hat der Tourismusverband mit dem Goldsteig-Weg gemacht. Vorsitzender Nagl versprach, ihn im Bemühen um Aussichten im Wald zu unterstützen.

Irene Blendinger, die Waldführerin macht und viel mit Kindern arbeitet, brachte dem Publikum die praktische Seite von Naturerfahrung und Naturspielen näher. Sie berichtete von Konzepten der Naturpädagogik, vor allem aber von der Erfahrung, mit Kopf, Herz und Hand mit der Natur in Berührung zu kommen.

Michael Haug wies auf das Kapital der Region an seltenen Großtieren hin, auf das Wolfs- und Bärenerwartungsland. Sein eigentliches Thema war jedoch der Verkehr. Er forderte eine nachhaltige Mobilität für Touristen und Einheimische. Er kritisierte dreispurige Ausbaupläne für die B 12 bei Freyung und wies andererseits auf die nicht vorhandene Bahnanbindung zwischen Südböhmen und dem südlichen Bayerwald hin. Als positive Beispiele nannte er eine Stelle für Verkehrsentwicklung im Landratsamt Regen. Auch kämen zum Haus der Wildnis schon 15-20 % der Besucher mit der Bahn.

Die Teilnehmer waren sich einig, dass Tourismus und Naturschutz bzw. artenreiche Landschaft immer mehr aufeinander angewiesen sind und bei vernünftiger Zusammenarbeit enorm voneinander profitieren können. Zersiedelung, Durchgangs-Schwerlastverkehr, Nutzungsaufgabe oder Projekte, die auf eine Massentourismus-Vermarktung zielen, wie am Lipno-Stausee in Tschechien, sind weder der Natur noch einem hochwertigen Tourismus förderlich.

Am Abend kamen die Teilnehmer in den Genuss eines außergewöhnlichen Bildervortrages von Dr. Josef Heringer, der früher die Landschaftsführer im Bayerischen Wald ausbildete. Unter dem Motto „Heimat entgrenzt - wunder- und wanderbar“ zeigte er einen großen Bogen von der Heimat Welt bis zur Heimat der bayerischen Dörfer und Landschaften, die beide in Gefahr sind, unter die Räder zu geraten. Er zeigte die Gärten und Bäume, die unterschiedlichen Hausformen, die der Landschaft ein Gesicht geben, aber auch die modernen Bausünden in Landschaft und Hauskultur. Sein Fazit war: Wir können die Heimat nicht abtun, aber wir brauchen eine zukunftsfähige Heimat, die für den entfremdeten Menschen noch Blüten am Weg hat.

Am Sonntag begann der Workshop-Teil der Tagung mit Impulsreferaten zum Artenschutz und zur kommunalen Agenda 21. Dr. Willy Zahlheimer von der Regierung von Niederbayern stellte das Konzept einer Betreuung gefährdeter Pflanzenvorkommen durch ehrenamtlich organisierte Gruppen in den Landkreisen vor. Das Konzept dieser „Aktion Florenschutz“, das persönliche Verantwortung und die Weitergabe von Kenntnissen fördert, fand große Zustimmung. Im Anschluss daran wurde beschlossen, das Grüne Herz sollte jedes Jahr auch für die Region eine Pflanze aussuchen, der besondere Aufmerksamkeit geschenkt würde. Als Kandidaten wurden schon einmal Flachbärlappe, Mondrauten und Silberdisteln in Erwägung gezogen. Auch eine Widerbelebung der historischen Birkenbergwirtschaft, Feldkultur, die von Brennholzwald abgelöst wird, wurde diskutiert. Eine mögliche Beteiligung an der Landesgartenschau in Waldkirchen wurde allgemein begrüßt. Grünes-Herz-Vorsitzender Gerhard Nagl zog den Bogen zur deutschen Biodiversitäts-Strategie: Es müsse herausgearbeitet werden, wo in der Region zielgerichtet Artenschutz nötig sei, in Deutschland müsse die Region mit ihrer großen Bedeutung für den Artenschutz in Mitteleuropa besonders gefördert werden. Damit war man wiederum bei der Forderung nach einer Biosphärenregion.

Das zweite Impulsreferat kam von der Zwieseler Agenda- und Umweltbeauftragten Siegrid Weiß. Sie stellte die 1992 in Rio von den Staaten beschlossene Agenda 21, das Leitbild und die weitere Arbeit der Zwieseler Agenda 21 vor. Die Teilnehmer aus der Region berichteten über ihre unterschiedlichen Erfahrungen mit der Entwicklung von Bürger-Engagement im Rahmen der gemeindlichen Agenda 21. Als besonders wichtig wurde von den Teilnehmern die Verhinderung von weiteren Staustufen für die noch frei fließende Donau zwischen Straubing und Vilshofen angesehen. Das Grüne Herz Europas hat die übergreifende und grenzüberschreitende Perspektive einer nachhaltigen Regionalentwicklung. Auch aus dieser Perspektive wurden Biosphärenpark bzw. die Biosphärenregion Donau-Moldau als guter Lösungsansatz der regionalen Entwicklung für Einheimische und Touristen gesehen. Für 2007 wurde beschlossen, weiter an der Entwicklung dieser Idee zu arbeiten.


Der Luchs ist zurück in den Bayerisch-Böhmischen Waldgebieten. Zwischen Passau und Bayreuth leben 20-30 erwachsene Tiere. Schon seit Ende der achtziger Jahre sind vereinzelt Luchse von Tschechien nach Bayern eingewandert. Inzwischen gibt es flächendeckend Hinweise darauf, dass der Luchs im Fichtelgebirge, im Oberpfälzer und Bayerischen Wald neuen Lebensraum gefunden hat. Dies ist ein Ergebnis des Luchsprojekts des Naturparks Bayerischer Wald e.V.. Seit 10 Jahren werden hier systematisch Daten zur Verbreitung dieser Tierart im ostbayerischen Raum erhoben.

Doch die Rückkehr des Luchses sehen nicht alle mit Wohlwollen. Nutztierhalter fürchten um ihre Schafe und manche Jäger begreifen den Luchs als Konkurrenten um das Rehwild. Denn Rehe sind die Hauptbeute der etwa schäferhundgroßen Katzenart. „Dass da Konflikte nicht ausbleiben, ist klar.“ meint Manfred Wölfl, der das Projekt seit Beginn an leitet. Deshalb nahm er die Sorgen und Nöte der Betroffenen ernst und stieß 1997 die Einrichtung eines so genannten Luchsfonds an.
Landesjagdverband, Bund Naturschutz und Landesbund für Vogelschutz stellten zusammen mit dem Naturpark eine Summe von ca. 6.000 Euro zur Verfügung. Daraus werden Schäden an Nutztieren, die nachweislich vom Luchs verursacht wurden, ausgeglichen. Ein Konfliktmanagement, das funktioniert. Etwa ein Viertel der gemeldeten Todesfälle bei Nutztieren sind tatsächlich auf den Luchs zurückzuführen. Für alle anderen Fälle sind Hund, Fuchs oder Krankheiten verantwortlich.
Nachzuweisen, wer jeweils der Verursacher ist, ist nicht ganz einfach. Deshalb hat Manfred Wölfl gemeinsam mit dem Jagdverband so genannte Luchsberater ausgebildet. Sie begutachten Risse an Nutz- oder Wildtieren und leiten bei Luchsverdacht weitere Schritte ein. Für vom Luchs gerissene Tiere (Reh, Hirsch, Muffelwild) zahlt der Bayerische Jagdverband eine Meldeprämie von 51 bzw. 102 Euro. „Wir verfolgen damit zwei Ziele“, sagt Eric Imm von der Wildland Stiftung, „ Wir möchten damit fördern, dass uns möglichst viele Risse gemeldet werden. So können wir uns ein besseres Bild von der Verbreitung des Luchses machen. Außerdem entschädigt die Meldeprämie den Jäger für das entgangene Wildbret, nicht aber für die entgangene Jagdgelegenheit. Schließlich ist das Reh für unsere Jäger ebenso wie für den Luchs die wichtigste Wildart.“
Neben dem Sammeln von Luchshinweisen durch ansässige Jäger und Artenschützer war auch die radiotelemetrische Forschung des Luchsprojekts ganz wesentlich daran beteiligt, Daten zu Lebensweise und Nahrungswahl zu gewinnen. Am 29. Dezember 2000 wurde zum ersten Mal in Deutschland einem Luchs ein Senderhalsband umgelegt. Bei Drachselsried im Zellertal ging die Luchsin Andra den Mitarbeitern des Luchsprojekts in die Falle. Seitdem wurden drei weitere Luchse gefangen und besendert: Beran, Chica und Don. Sie zeigten, welch enormen Raumbedarf ein einzelner Luchs hat. Im Schnitt sind das 100 Quadratkilometer, aber es können auch einmal 300 km2 sein, vor allem wenn man ein Luchsmännchen ist und Kontakt zu möglichst vielen Weibchen sucht. „Die Telemetrie ist kein Selbstzweck, sie unterstützt die Öffentlichkeitsarbeit vor Ort und viele Jäger staunen über so große Territorien“, erklärt Manfred Wölfl. „Viele können sich schwer vorstellen, dass ein Luchs in einer Nacht 20-30 km zurücklegen kann, und dass der Luchs, der heute hier und morgen dort ist, wirklich ein und derselbe Luchs ist.“ Im Gebiet des Nationalparks Bayerischer Wald werden derzeit die Beziehungen von Luchs, Reh und Rotwild genauer untersucht, um der Diskussion weitere fachliche Grundlagen zu geben. Die oft geäußerte Befürchtung, dass Luchse in Massen auftreten, kann durch die radiotelemetrischen Ergebnisse entkräftet werden.
Dennoch gibt es nach wie vor Vorbehalte, die ernst genommen werden müssen. Das langfristige Überleben der Luchspopulation ist längst nicht gesichert“, weiß Sybille Wölfl, Mitarbeiterin des Luchsprojekts. „Es reichen wenige Ausfälle pro Jahr bei den erwachsenen Tieren, und die Population stirbt erneut aus, wie vor 150 Jahren.“
Ein wesentlicher Schwerpunkt der zukünftigen Arbeiten im Luchsprojekt des Naturparks Bayerischer Wald e.V. liegt deshalb darin, die Akzeptanz für diese Tierart zu fördern, die Interessensgruppen zu einem Miteinander zu bewegen, um einen Ausgleich aller Interessen – auch denen des Luchses – zu erreichen. Lesen Sie mehr zum Luchsprojekt unter Luchsprojekt.de