Juni 2010


Internationale Gäste konnte Bildungsreferent Hartwig Löfflmann vom Naturpark Bayrischer Wald e.V. am vergangenen Sonntag im Grenzbahnhof Eisenstein begrüßen. Die „Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH“, kurz InWEnt, ist ein weltweit tätiges Unternehmen für Personalentwicklung, Weiterbildung und Dialog im Auftrag der Bundesregierung. Es handelte sich um ein außerfachliches Programmangebot für ausländische Fortbildungsgäste und Dialogpartner unter dem Stichwort „Bildung und Begegnung“ die Gäste kamen aus Afrika, Ostasien und weiten Teilen Europas. Sie wollten sich über die spezielle Situation an der Grenze im Zusammenhang mit der EU-Erweiterung und über die länderübergreifende Zusammenarbeit informieren. Kernthema war auch die Bedeutung des Wirtschaftsfaktors Fremdenverkehr und die Großschutzgebiete in der Region. Begleitet wurde die Gruppe von der freiberuflich tätigen Agraingenieurin und Umweltpädagogin Caroline Fischer aus Obereichstätt. Ihre Bildungsarbeit wurde vom Bayerischen Umweltministerium mit den Qualitätssiegel „Umweltbildung.Bayern“ ausgezeichnet. Bereits zum wiederholten Male begleitete Sie eine Gruppe in den Grenzbahnhof. Unter dem Motto „Die Welt zu Gast bei Freunden im Bayerischen Wald“ wurde bereits zwei Tage vorher in der Region Programm gemacht. Ungewollter Höhepunkt der Veranstaltung war das Fotografieren am historischen Grenzstein und am grenzdurchschnittenen Gebäude des Bahnhofes Eisenstein. Den Abschluss bildete dann der Besuch des europäischen Glasmuseums Frauenau und die Rückreise der Gruppe vom Bahnhof Frauenau weg.


Zur gemeinsamen wald- und vogelkundlichen Exkursion im Pröllergebiet konnte Bildungsreferent Hartwig Löfflmann vom Naturpark Bayerischer Wald e.V. knapp 15 Interessierte und den Referenten Peter Zach vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten begrüßen. Pünktlich zum Exkursionsstart setzte strömender Regen ein. Daraufhin entschied man sich zunächst im Gasthaus abzuwarten. Nach etwa einer Stunde lichteten sich die Wolken und man begab sich hinauf nach Ahornwies und Hinterwies um den Juniabend in den Bergfichtenwäldern wald und -vogelkundlich erleben zu können. Wegen der großen Kälte und des starken Windes hielt sich der Vogelgesang in Grenzen. Peter Zach erläuterte trotzdem gekonnt die Zusammenhänge im Bergfichtenwald und in den Bergmischwaldbereichen sowie auf den Offenstandorten. Bedeutsam für die Biotope im Pröllergebiet sind zum Beispiel der Baumpieper und auch der Sperlingskauz, der kleinste aller Käuze. Beeindruckend ist eine Baumpieperbalz über den Wipfeln der Bäume. Der Sperlingskauz nutzt teilweise die Höhlen von Buntspechten, und kann in lockeren, lichten Bergfichtenwaldbeständen gut umherfliegen. Sein Gesang ist unverwechselbar. Im Spätherbst, sogar im November kann man ihn zweifelsfrei an seiner von Ihm gesungenen Tonleiter erkennen. Vereinzelt kommt auch der Dreizehenspecht vor. Ihn kann man deutlich an der braunen Kopfkappe erkennen. Er ist ein typischer Spezialist der Borkenkäfer frisst. Manchmal nimmt er auf seiner Suche nach Borkenkäfern spiralförmig um Bäume die Rinde perlschnurartig ab. Mit etwas Glück kann man in den Bergfichtenwäldern auch die Schnepfenbalz erleben. Wegen des schlechten Wetters wurde der Rundgang etwas abgekürzt und zum Schluss bedankte sich Hartwig Löfflmann beim Referenten Peter Zach von der Forstdienststelle Konzell für seine fundierten Informationen und den trotz des schlechten Wetters doch noch gelungenen Abend.


Zur 43.ten Jahreshauptversammlung des Naturpark Bayerischer Wald e.V. waren die Mitglieder aus den 4 Naturparklandkreisen und den 89 Gemeinden in das „Alte Rathaus“ der Stadt Deggendorf eingeladen. Stellvertretender Landrat Peter Erl und Oberbürgermeisterin Anna Eder begrüßten als Gastgeber die etwa 60 Anwesenden. Der erste Vorsitzende Heinrich Schmidt gab in seinen Bericht einen umfassenden Überblick über die im vergangenen Jahr gelaufenen Projekte und dankte allen, vor allem Umweltministerium, Regierung von Niederbayern und allen Mitgliedern und Antragsstellern für die gute Zusammenarbeit. Geschäftsführer Hartwig Löfflmann beleuchtete in seinem Geschäftsbericht die Aktivitäten und Details in den vier Aufgabenbereichen Naturschutz und Landschaftspflege, Erholung und Besucherlenkung, Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit sowie im Bereich Regionalentwicklung. Er stellte die Jahresrechnung für das vergangene Jahr 2009 vor, die mit einem positiven Betriebsergebnis abschloss und lieferte einen Ausblick mit dem Haushaltsplan 2010. Die Billigung der Finanzregularien erfolgte einstimmig ebenso die Entlastung von Schatzmeisterin und Vorstand. Ausführlicher berichtete Geschäftsführer Hartwig Löfflmann über das derzeit laufende Projekt Sanierung Grenzbahnhof Eisenstein. Dies ist nach dem Naturpark-Informationshaus in Zwiesel das Größte Projekt, das der Naturpark Bayerischer Wald e.V. je angepackt hatte. Bis zum Jahr 2012 soll der höchstgelegene Grenzbahnhof der Bundesrepublik, ein denkmalgeschütztes Gebäude, generalsaniert und mit neuen Nutzungen belegt werden. Geplant sind ein europäisches Fledermauszentrum in den Kellergewölben, eine interaktive Ausstellung über die Region Arber-Spitzberg sowie museale Nutzungen zum Themenbereich Eisenbahn, Mobilität und Kulturlandschaft, gepaart mit einer Modelleisenbahnanlage. Im Anschluss gab es noch den Tagesordnungspunkt Wünsche und Anregungen mit anschließender Aussprache. Danach schloss Heinrich Schmidt die Versammlung und dankte allen Anwesenden für ihr Kommen und die engagierte Mitarbeit.


Etwa 30 % der Landesfläche Bayerns ist von Naturparken bedeckt. Die Träger von Naturparken treffen sich alljährlich zur Jahrestagung ihres Verbandes. Turnus gemäß stand heuer im Jahr 2010 die Neuwahl der drei Vorsitzenden des Naturparkverbandes Bayern auf der Tagesordnung. Neben aktuellen Themen wie der Novellierung des Bayerischen Naturschutzgesetzes und der Problematik bei der Naturparkförderrichtlinie so wie diversen weiteren Themen war die Neuwahl der Vorsitzenden als entscheidende Weichenstellung für die Zukunft wichtig. Zum 1. Vorsitzenden des Naturparkverbandes Bayern wurde Landrat Franz Xaver Uhl, der gleichzeitig 1. Vorsitzende des Naturparks Altmühlthal ist, gewählt. Zu Stellvertretern wurden Landrat Oswald Marr vom Naturpark Frankenwald und der 1. Vorsitzende des Naturpark Bayerischer Wald, Dipl. Ing. (FH) Heinrich Schmidt aus Viechtach gewählt. Mit Heinrich Schmidt entsendet erstmals auch der Naturpark Bayerischer Wald einen Vertreter in das Präsidium des Naturparkverbandes Bayern, der beim Bayerischen Landkreistag angesiedelt ist. Geschäftsführer des Naturparkverbandes Bayern bleibt wie bisher Christoph Würflein vom Naturpark Altmühltal. Künftig soll die Zusammenarbeit der Naturparke in Bayern intensiviert werden. Gleichzeitig sollen die Anliegen der Naturparke in München deutlicher zur Sprache gebracht werden. Naturparke sind mit eine der ältesten Instrumentarien der Regionalentwicklung, die leider in den letzten Jahren viel zu wenig genutzt wurden. Mit der einstimmigen Wahl aller Kandidaten setzte die Mitgliederversammlung ein deutliches Zeichen der Aufbruchsstimmung und des Neubeginns.


An der Burgruine Weißenstein, ca. zwei Kilometer oberhalb der Kreisstadt Regen, schimmert bereits von weitem ein erhaben anmutendes, weißes Felsenriff. Hier erscheint der Pfahl als ein hoch aufragender Quarzfelsenzug. Mit mehr als 750 m Meereshöhe erreicht der nahezu 150 km lange Bayerische Pfahl bei den Burgmauern seinen höchsten Punkt. Nicht nur die mittelalterlichen Burgherren wussten den weitreichenden Ausblick vom Burgturm aus zu schätzen, noch heute bietet sich von hier aus ein einmaliger Rundblick auf die Bergzüge des Bayer- und Böhmerwaldes. Am Sonntag, den 4. Juli findet eine Führung mit dem Titel „Von Pfahldrachen, Pfahlburgen und Pfahlheide“ im Naturschutzgebiet bei der Burgruine Weißenstein statt. Um 13:15 Uhr wird eine geführte Wanderung vom Bahnhof Regen nach Weißenstein angeboten. In Weißenstein ist der Treffpunkt um 14:30 Uhr vor dem Kiosk unterhalb des Burgturms. Der Naturpark Bayerischer Wald e.V. und die Stadt Regen laden Sie herzlich zu dieser naturkundlichen Führung für Groß und Klein ein. Dabei kann man Wissenswertes und Interessantes über die Tier- und Pflanzenwelt am Pfahl, die Pfahlsage und die Entstehung, über die Burggeschichte und den ehemals im Burgturm wohnenden Schriftsteller Siegfried von Vegesack erfahren. Die kostenlose Veranstaltung endet um ca. 17:00 Uhr wieder am Bahnhof Regen. Natur- und Landschaftsführer Herbert Mundl und Matthias Rohrbacher, Gebietsbetreuer des Naturparks, führen die Wandergruppe. Die An- und Abfahrtszeiten der Waldbahn werden bei der Veranstaltung berücksichtigt.


Am Mittwoch, 23.06.2010 um 14:00 Uhr findet die Jahreshauptversammlung des Naturpark Bayerischer Wald e.V. im Alten Rathaus Deggendorf statt. Parkmöglichkeit besteht in der Tiefgarage Oberer Stadtplatz. Die Stadt Deggendorf hatte den Naturpark freundlichst eingeladen. Es ist dies zum ersten mal, dass eine Jahreshauptversammlung in der größten Stadt des Naturparkgebietes stattfindet. Zur 43. Mitgliederversammlung treffen sich die Vertreter von 89 Gemeinden aus den vier Landkreisen Regen, Freyung-Grafenau, Straubing-Bogen und Deggendorf, sowie alle Privatmitglieder und Verbände und Vereine. Turnusgemäß wird bei der Auswahl des Ortes für die Jahresversammlung durch die vier Mitgliedslandkreise gewechselt. Die Tagesordnung umfasst die üblichen Regularien, wie den Geschäftsbericht, Kassenbericht 2009 und Haushaltsplanung 2010. Es gibt auch Informationen zu den im vergangenen Jahr durchgeführten Projekten. Außerdem wird das größte und umfangreichste Projekt, die Sanierung des historischen Grenzbahnhofes in Eisenstein näher vorgestellt. Der oft mit dem benachbarten Nationalpark verwechselte Naturpark versteht sich als Selbsthilfeeinrichtung für die Region. Mit einem nur geringen Jahresbeitrag von nur 11.- € kann man auch als Privatperson Fördermitglied im Naturpark Bayer. Wald e.V. werden. Die Einladung geht nicht nur an Vereinsmitglieder, sondern auch an alle Interessierten, sowie an alle Pressevertreter. Die Versammlung wird etwa zwei Stunden in Anspruch nehmen.


Berge spielten in der Mythologie schon immer eine besondere Rolle: Früher glaubte man, dass hier der Sitz der Götter oder von Naturgeistern sei. Daher wirkten die Berge auf viele abweisend, schroff und gefährlich. Heute hingegen dienen sie nicht nur – wie einige Kritiker behaupten - als Kulisse einer schnelllebigen Spaßgesellschaft, sondern vor allem als Erholungsraum, in dem viele Bergwanderer wieder zu sich selber finden. Arbergebietsbetreuerin Isabelle Auer vom Naturpark Bayerischer Wald brachte letzten Samstag den 25 Teilnehmern einer Abendwanderung vom Brennes zum Arbergipfel diesen „Mythos Berg“ näher. Bereits zu Beginn ging sie darauf ein, welche negativen Auswirkungen besonders die Fernsehwelt auf den Menschen hat. Auch die vermeintlich „heile Welten“ der Kitschromane mache die Menschen unglücklich, da sie eine Welt vortäuschen, die es in Wirklichkeit nicht gibt. Eine Alternative zu dieser Scheinwelt sei, raus in die Natur zu gehen, da man nur hier zu sich selbst und einen neuen – positiven Zugang zu den Mitmenschen bekommen würde. Dass die Ausbeutung der Natur auch unmittelbare Folgen für den Menschen haben kann, ist keine neue Erkenntnis der modernen Naturwissenschaften. So betonte der Indianerhäuptling Seattle in einer Rede, die er im Jahr 1835 vor dem amerikanischen Präsidenten hielt: „Wären alle Tiere fort, so stürbe der Mensch an großer Einsamkeit des Geistes. Was immer den Tieren geschieht - geschieht bald auch den Menschen. Alle Dinge sind miteinander verbunden. Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne der Erde.“ Arten- und Naturschutz ist also auch Menschenschutz. Nur mit einer intakten Natur kann es eine vielfältige Kultur geben, da Naturerlebnisse die Phantasie, Kreativität und Aufnahmebereitschaft der Menschen schulen. Der bekannte Bergsteiger Willi Bauer fasste diesen „Segen“ der Berge und der Natur folgendermaßen zusammen: „Bergsteiger genießen Sonnenaufgänge und -untergänge in blendend lichten Höhen, sie haben Erlebnisse, die anderen versagt bleiben. Was zählt, ist der Augenblick. Das Leben ist viel mehr als essen, kämpfen, eine mächtige Position erreichen.“ Am Ende der vierstündigen Exkursion waren sich alle Teilnehmer einig: Lässt man sich auf die Natur eines Berges ein, so kann man nicht nur im Hochgebirge, sondern auch im Mittelgebirge dieses „Glücksgefühl in den Bergen“ genießen.


Zur ersten gemeinsamen Forchenhügel- Exkursion der Gemeinde Aussernzell zusammen mit dem Naturpark Bayerischer Wald e.V. und der VHS Deggendorf sowie der BN Kreisgruppe Deggendorf hatten sich ca. 25 Interessierte zusammengefunden. Dipl. Ing. und Landschaftsökologe Ernst Obermeier führte die Gruppe zu den Heide - Kiefernwäldern am Forchenhügel und zu den benachbart liegenden Mooren. Der Name „Forche“ stammt von Föhre. Der Forchenhügel gehört zu den ganz wenigen Bereichen, die von Natur aus Kiefernbestockung tragen. Überall anders wurde die Kiefer meist vom Menschen eingebracht, hier ist sie natürlich. Zunächst erläuterte Obermeier, die geologische Entstehung dieser nährstoffärmsten Böden Mitteleuropas. Sie tragen eine ganz eigene Tier- und Pflanzenwelt. Etwa 165 Rote Liste – Arten, d.h. streng geschützte und vom Aussterben bedrohte Arten, kommen hier vor. Das ist absolut rekordverdächtig und war der Anlass für eine Zustandserfassung ab Beginn der 90 er Jahre und letztendlich der Grund für die Ausweisung eines ca. 700 ha großen Naturschutzgebietes im Jahre 2007. Hier sind Artenspektren zum Teil komplett erhalten geblieben, vergleichbar mit den Zähnen in einem Gebiss. Wo anderswo nur noch Lücken klaffen, kann man hier das „Lächeln“ der Natur einfangen. Die armen Kiesböden können kaum Nährstoffe festhalten, deswegen können hier nur Pflanzen wachsen, die an diese Verhältnisse angepasst sind. In diesen armen Kiefernwäldern, die von Heidelbeere, Preiselbeere und Faulbaum oder Birke geprägt sind kommen ganz spezielle Pflanzengesellschaften vor. Die Streunutzung in den vergangenen Jahrhunderten hatte diese armen Böden nochmals ausgehagert. Ganz spannende Arten wie z.B. der Sandlaufkäfer, die Zauneidechse oder auch der Steinschmätzer haben hier ihren Lebensraum gefunden. Teilweise sind die Lebensräume für Experten sehr interessant. An steilen Kieswänden wurden von einer Spinnenexpertin 26 verschiedene Spinnenarten nachgewiesen. Eine der beeindruckendsten Arten ist z.B. der Ameisenlöwe. Er baut Fangtrichter und fängt Ameisen. Die Art gehört zu den Netzflüglern. Wertvolle Lebensgemeinschaften haben sich auch in den benachbart liegenden Mooren, z.B. im Wolkering Moos erhalten. Von Orchideen, nur ganz selten zu findenden Seggen und von fleischfressenden Pflanzen konnte Ernst Obermeier berichten. Fleischfressende Pflanzen, wie z.B. Fettkraut oder Rundblättriger Sonnentau können mit klebrigen Oberflächen Insekten festhalten, um damit zusätzlich ihren Nährstoffbedarf auf zu bessern. Von den Tierarten erweckten beispielweise der Feuersalamander aber auch der Wiesenknopf - Ameisenbläuling, ein Schmetterling mit sehr spannendem Lebenszyklus, das Interesse der Teilnehmer. Ernst Obermeier erläuterte die Zusammenhänge in der Lebewelt am Forchenhügel sehr ausführlich und erntete zum Schluss einen kräftigen Applaus und den Dank des Mitveranstalters Hartwig Löfflmann vom Naturpark Bayerisch Wald e.V.. Löfflmann lud auch zu einem Besuch in die Naturpark – Infostelle Würzingerhaus Außernzell ein. Dort kann man in einem Teil der Dauerausstellung auch Wissenswertes zum Forchenhügel erfahren und die Entstehung in Vertiefungsheften nachlesen. Die wieder eröffnete Gaststätte ist einen Besuch wert. Damit werden regionale Netzwerke gestützt, die Gaststätte unterstützt den Naturpark auch beim Betrieb der Infostelle.


Im Rahmen des Naturpark - Bildungsprogramms 2010 bieten der Naturpark Bayer. Wald e.V. und die BN – Kreisgruppe Freyung – Grafenau eine Wanderung zum Thema Moore an. Treffpunkt ist am Sonntag, 20.06.2010 um 14:00 Uhr in Hinterfirmiansreut, Gemeinde Philippsreut an der Hauptstraße auf Höhe der ersten Straßenabzweigung, wenn man aus Richtung Mauth kommt. Im Rahmen der Exkursion wird man Moore und deren Lebewelt etwas näher betrachten. Referenten sind Karel Kleyn und Stefan Poost. Die Veranstaltung dauert etwa zwei bis drei Stunden und widmet sich der Pflanzen- und Tierwelt der Moore, auch Gefährdungen und die Vorgehensweise bei Renaturierungen wird angesprochen. Wetterfeste Kleidung und gutes Schuhwerk sind erforderlich. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Die Veranstaltung ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.


Bei strahlendem Sonnenschein hatten sich am vergangen Freitag bereits vor dem vereinbartem Beginn der Exkursion mehr als 20 Interessierte am Treffpunkt in Engelburgsried bei Grafling eingefunden. Nach einer kurzen Einführung durch den Geschäftsführer des Naturparkes, Hartwig Löfflmann, konnte die Führung mit dem Referenten Gerhard Nagl beginnen. Im Mittelpunkt der Führung standen die Bewirtschaftung der Wiesen und deren Auswirkungen auf die heimische Pflanzenwelt. Gerhard Nagl verdeutlichte dies vor allem an Pflanzen wie dem „Guten Heinrich“, welcher früher sehr häufig im Graflinger Tal und Umgebung zu finden war, heute aber eher selten anzutreffen ist. Den Hauptgrund für den Rückgang dieser und anderer inzwischen rar geworden Pflanzen wusste Gerhard Nagl auch zu nennen: übermäßige menschliche Nutzung. Die meisten der ursprünglich durch Beweidung entstanden Wiesen haben dadurch innerhalb kurzer Zeit eine große Veränderung durchlebt. So stellt für Moorpflanzen wie das Wollgras die Entwässerung ehemals feuchter Gebiete mittels Gräben und Brunnen eine empfindliche Störung dar. Eine weitere Veränderung wird durch übermäßige Düngung der Wiesen hervorgerufen, um einen höhen Ertrag bei der Mahd zu erzielen. Hierdurch wird der Wuchs nährstoffbedürftiger Pflanzen, wie z.B. des Wiesen-Sauerampfer, des Scharfen Hahnenfuß, des Löwenzahn und auch der Brennnessel, begünstigt. Die anspruchslosere, langsamer wachsende Magerrasenvegetation wird von ihnen buchstäblich überwachsen. Manchmal werden diese Magerrasen außerdem bei zu früher oder zu häufiger Mahd noch vor der Samenbildung abgemäht, und somit ihre Vermehrung unterbunden. Trotzdem ließen sich auf den Wiesen des Graflinger Tals noch einige seltenen Arten bewundern: An feuchten Gräben konnte Nagl den Exkursionsteilnehmern Pflanzen zeigen, die sonst nur noch in Mooren zu finden sind, wie Torfmoose oder diverse Seggenarten. Diese Gräben sind außerdem Standorte für wasserliebende Bäume wie die Saalweide, deren Blüten ein wichtiger Nahrungslieferant für Schmetterlinge sind. An einem Hang mit geringem Nährstoffeintrag ließen sich als Höhepunkt der Führung sogar eine Arnika sowie deren Verwandte, die kleine Schwarzwurzel finden. Wegen der bekannten Heilwirkung der gelbblühenden Arnika wies Gerhard Nagl darauf hin, dass es wegen des besonderen Schutzstatus verboten ist, Teile oder gar die ganze Pflanze, auszureißen. Heilmittel mit Arnika ließen sich fertig kaufen oder man könne sich, wenn man selbst Heilmittel herstellen möchte, ein in einer Gärtnerei nachgezüchtetes Exemplar in den eigenen Garten setzen. Nach 2,5 Stunden ging es wieder zurück zum Treffpunkt, wo sich alle Teilnehmer mit Applaus für die aufschlussreiche und interessante Führung bedankten.