Februar 2009


Im Rahmen des Naturpark - Bildungsprogramms 2009 bietet der Naturpark Bayer. Wald e.V. einen bebilderten Vortrag in der Ilz - Infostelle im Schloss Fürsteneck an. Treffpunkt ist am Freitag, 27.02.2009 um 19:30 Uhr im Nebenraum der Schlossgaststätte im Schloss Fürsteneck. Referent ist Hartwig Löfflmann, der Bildungsreferent des Naturpark Bayerischer Wald e.V. Es wird das Naturparkgebiet mit seinen verschiedenen Lebensräumen näher vorgestellt. Daneben werden die Naturparkaufgaben erläutert und an Beispielen einige Naturparkprojekte vorgestellt. Zur Veranstaltung sind alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei


Die beiden Naturparke Oberer Bayerischer Wald und Bayerischer Wald laden am Sonntag, den 1. März im Rahmen des Arberprogramms zu einer geführten Schneeschuhwanderung ein. Ziel dieser naturverträglichen Schneeschuhwanderung unter der Führung von Gebietsbetreuerin Caroline Stautner ist das Erleben der Natur im Winter, ohne empfindliche Tierarten unnötig zu stören. Neben dem Genuss der herrlichen Winterlandschaft stehen bei dieser Wanderung daher auch die Pflanzen und Tiere des Arbergebietes und ihre Überwinterungsstrategien auf dem Programm. Treffpunkt ist um 9 Uhr am Wanderparkplatz Sommerau/ Reißbrücke. Die Strecke führt voraussichtlich über den Goldsteig zum Kleinen Arbersee und über die Mooshütte wieder zurück. Die Wanderung dauert ca. 4 Stunden. Bitte denken Sie an wetterfeste Kleidung, stabile, am besten wasserdichte Schuhe und Getränke für unterwegs. Wanderstöcke oder Skistöcke sind vorteilhaft. Für das Ausleihen der Schneeschuhe fällt ein Unkostenbeitrag von 5 € an. Die Teilnehmerzahl ist beschränkt. Anmeldung bitte bis Mittwoch, den 25.02.09 unter 09971/78-384 beim Naturpark Oberer Bayerischer Wald.


Die Mitarbeiter der Naturschutzbehörde am Landratsamt Regen und die Biologin und Fledermausexpertin Susanne Morgenroth staunten nicht schlecht als bei der jährlichen Fledermauszählung im Rotkot-Stollen plötzlich eine Fledermaus von der Decke hing, die an einen halb zusammengeklappten Regenschirm erinnerte. Fest in Ihre Flughäute eingehüllt, hielt eine Kleine Hufeisennase dort ihren Winterschlaf. „ Wir konnten unser Glück gar nicht richtig fassen“ freut sich Susanne Morgenroth, „bisher wurde in ganz Niederbayern nur ein einziges, mumifiziertes Exemplar dieser Art gefunden“. Die Kleine Hufeisennase galt in Niederbayern bislang als verschollene oder sogar als ausgestorbene Fledermausart. Nur in einigen naturnahen Gebieten Tschechiens und in Oberbayern konnten noch wenige dieser europaweit streng geschützten Säugetiere nachgewiesen werden. Fast alle unserer heimischen Fledermausarten sind in ihrem Bestand gefährdet und gerade die Kleine Hufeisennase, die noch im 19. Jahrhundert als bayernweit häufige Art galt, erlitt einen besonders dramatischen Niedergang. „Das unterstreicht die große Bedeutung, die der Rotkot-Stollen für den Schutz der bedrohten Fledermäuse hat“ bekräftigt die Fledermausexpertin. Neben der Kleinen Hufeisennase kommen regelmäßig bis zu 9 weitere Fledermausarten im Rotkot-Stollen vor, darunter sogar Gruppen vom Großen Mausohr, oder die Bechsteinfledermaus - Fledermausarten, für deren Erhaltung Bayern eine besondere Verantwortung trägt. Richtige „Waldler“ wie die Nord- und die Mopsfledermaus, europaweit sehr seltene Fledermausarten, haben ebenfalls im Stollen am Rotkot Unterschlupf gefunden. Nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer wird der Stollen als Tagesquartier von den Fledermäusen genutzt. „Die Kontrolle des Rotkot-Stollens benötigt sehr viel Vorsicht und Erfahrung, denn die Tiere hängen in den engen Gängen völlig ungeschützt auf Augenhöhe an den Wänden. Die immer wieder diskutierte touristische Nutzung des Stollens ist mit dem Schutz der vom Aussterben bedrohten Tiere und somit auch mit den geltenden nationalen und internationalen artenschutzrechtlichen Regelungen nicht vereinbar“, betont die Biologin.


Zum Naturparkvortrag „mit der Transsibirischen Eisenbahn zum Baikalsee“ von Bürgermeister Müller waren 68 Leute in den Veranstaltungsraum des Grenzbahnhofes Eisenstein gekommen. Damit war der Veranstaltungsraum bis auf den letzten Platz besetzt. In seinem bebilderten Vortrag berichtete der 3. Naturparkvorsitzende Thomas Müller über seine dreiwöchige Reise im Mai 2008 als Assistent der Reiseleiterin Laura Schlothauer von Nürnberg über Moskau nach Irkuzk am Baikalsee und zurück. Die umweltverträgliche Reise ohne Flugzeug führte über 5.000 km weit mit der Eisenbahn. Reiseeindrücke gab es aus Moskau, vom Ural und dann vom Baikalsee. Der größte Süßwassersee der Erde beherbergt 20 Prozent des Süßwasser der Erde. Mit 8° Celsius ist er zum Baden zu kalt. Viele Arten gibt es nur dort, wie beispielsweise die Baikalseerobbe. Der Fettfisch der zu einem Drittel aus Fett besteht, dient der Robbe als Nahrungsgrundlage. Dieser Fisch wird aber nicht gefangen. Neben einem Besuch der Insel Olchon mit dem Schiff, standen Wanderungen und Exkursionen, sowie ein Lagerfeuerabend auf dem Programm. Mit 636 Kilometer ist der Baikalsee so lange wie die Strecke von Nürnberg nach Hamburg. 336 Flüsse münden in den Baikalsee, nur ein Fluss verlässt ihn. Bisweilen gibt es auch Stürme auf dem Binnensee. Interessantes konnte man bei der Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn über Land und Leute und die Kultur erfahren. Meist gab es dazu am Nachmittag in der Bahn Informationen, während am Vormittag die Gelegenheit zum Russisch lernen gegeben war. In dem klaren See konnte man 40 Meter in die Tiefe schauen. Mit 1.600 Metern ist er der tiefste See der Welt, er erreicht überall Trinkwasserqualität. Müller ging auch auf die Buriaten ein, eine Naturreligion, die es dort noch gibt. Nach kurzweiligen zwei Stunden bedankte sich Bildungsreferent Hartwig Löfflmann beim Referenten Thomas Müller und bei den Teilnehmern.


Zur gemeinsamen Veranstaltung der Arbeitsgruppe Energie und Verkehr und des Naturpark Bayerischer Wald e.V. konnte Hartwig Löfflmann 44 Teilnehmer im Naturparkhaus begrüßen. Prof. Dr. Ing. Günter Keller von der Hochschule Deggendorf referierte zum Thema Energiesparen in Haushalten. Er ging zunächst auf den Welt-Primärenergieverbrauch und dann auf die Daten in Deutschland ein. In den letzten dreißig Jahren hat sich der Weltenergieverbrauch aufgrund des Bevölkerungsanstiegs und des Anwachsens des Lebensstandards verdoppelt. Deutschland stellt nur ein Prozent der Weltbevölkerung verbraucht aber ein Zwanzigstel der weltweit verbrauchten Energie. Pro Kopf werden in privaten Haushalten etwa 1.000 KW Stunden Strom verbrauch. Eigentlich täuscht aber diese Zahl. Rechnet man alle Stromverbrauche zusammen, also beispielsweise den Strom für Straßenbeleuchtungen usw., dann sind es mehr als 7.000 KW Stunden pro Kopf und Jahr. Der Welt - Durchschnittsverbrauch beträgt etwa 300 Watt pro Person und Tag. In Deutschland liegt dieser Verbrauch bei etwa 800 Watt, in Äthiopien derzeit bei nur 4 Watt. Der Großteil der Bevölkerung ist ohne Strom und Wasser und nur 15 Prozent der Bevölkerung hat überhaupt Strom, meist für Licht am Abend. Wir in Deutschland verbrauchen das 200fache eines Afrikaners. Dabei ist die körperliche Dauerleistung eines Menschen mit 70 Watt relativ gering. All dies Informationen sollten uns schwer zu denken geben und zur Änderung unseres Verhaltens anregen. Möglichkeiten haben wir in unserem Alltag viele, wenn wir dass nur wollen, so Professor Keller. Anhand einer Fülle von Einzelmaßnahmen zeigte er auf, dass man ohne Komfortverlust seinen Stromverbrauch auf ein Viertel herunterdrücken kann. Weil Strom die teuerste Energieform ist, wirkt sich das auch auf den Geldbeutel positiv aus. Viele Tipps zur Energieeinsparung kann man heute über Internetseiten holen. Zunächst ist der Einsatz verbrauchsarmer Geräte wichtig. Besonders beim Kühlen und Gefrieren aber auch beim Wäsche waschen und trocknen wird sehr viel Strom verbraucht. Sogenannte „Sparprogramme“ mit halben Füllungen verbrauchen aber meist noch zwei Drittel der Energie. Das heißt, es ist besser einen Geschirrspüler oder eine Waschmaschine erst ganz gefüllt laufen zu lassen. Kühl- und Gefriergeräte sollen nicht in warmen Räumen stehen. Jedes Grad Raumtemperatur - Absenkung spart etwa sechs Prozent der Energie. Geschirrspüler und Waschmaschine sollten nach Möglichkeit an Warmwasserleitungen, die von Solaranlagen gespeist werden, angeschlossen werden. Wer eine Gefriertruhe besitzt, soll im Kühlschrank auf das Gefrierfach verzichten. Damit kann das Kühlen wesentlich effektiver und energiesparender erfolgen. Beim Bügeln lohnt es sich die Wäsche vorher vorzusortieren. Wäsche, für die hohe Temperatur benötigt wird soll separat von der mit niederen Temperaturen erledigt werden. Beim Ofen sind Induktionsherde sparsamer als beispielsweise das Glaskeramik Kochfeld und dies ist wiederum sparsamer als die alte Kochplatte. Bereits beim Benutzen eines Deckels auf dem Topf kann man zwei Drittel Energie einsparen. Die Restwärmenutzung, das heißt das rechtzeitige Abschalten des Herdes, ist ebenso wichtig. Für kleine Mengen ist der Wasserkocher am effektivsten. Was sich auf der Kochstelle zubereiten lässt, ist mit weniger Energieaufwand verbunden, als beispielsweise der Backofen. Das Vorheizen dort ist meist nutzlos. Bei den Leuchtmitteln sollte man unbedingt Energiesparlampen verwenden. Das häufige ein- und ausschalten, machte früheren Energiesparleuchten zu schaffen, ist heute aber kein Problem mehr. Halogenlampen sind keine Energiesparlampen. Deckenfluter oder indirekte Beleuchtung soll man vermeiden. Helle Wände reflektieren etwa 80 Prozent des Lichts, dunkle Farben nur etwa zehn Prozent. Die Zukunft wird bei den LEDs liegen. Leider haben moderne Plasmafernseher oft den sechsfachen Energiebedarf, was sich in 15 Jahren Betriebszeit auf 1.000 Euro Stromkosten mehr summieren kann. Bei Bürogeräten soll man auf „Scheinausverluste“ achten. Obwohl man glaubt, dass man abgeschaltet hat, läuft manchmal im Hintergrund irgendwo ein Trafo oder eine versteckte Stromaufnahme. Deswegen soll man mit Steckerleisten ganz ausschalten. Die Standby Verluste bei allen Geräten kosten je Watt etwa 1,75 Euro im Jahr. Auch bei den Pumpen lässt sich mit energiesparenden Varianten sehr viel Geld sparen. Zum Schluss ermunterte Professor Keller die Teilnehmer alles auf Verpackungskartons und bei Werbespots kritisch zu hinterfragen, hier wird manchmal auch zweifelhaft informiert. Energiesparen muss man „wollen“, so Prof. Keller. Ganz wichtig ist zusätzlich zu allen Energiesparaktivitäten auch der Einsatz von regenerativen Energien in der Zukunft.


Im bebilderten Vortrag „Heilkräuter der Burgen und Klöster“ berichtete Elisabeth Schröder über mittelalterliche Gärten und deren Gestaltung. Rund dreißig Interessierte hatten sich im Alten Rathaus am Viechtacher Stadtplatz zu dieser Veranstaltung der Umweltstation Viechtach eingefunden, die vom Naturpark Bayerischer Wald e.V. angeboten wurde. Elisabeth Schröder, Landschaftsarchitektin (FH), stellte die Kloster-, Burg- und Bauerngärten des Mittelalters vor und ging dabei auch auf typische Pflanzengruppen ein. Nutz-, Zier-, Zauber- und Heilpflanzen fanden sich in diesen Gärten wieder. Die Nutzpflanzen dienten als Nahrung wie das Bohnengemüse, zum Färben wie der Holunder oder zum Waschen wie das Seifenkraut. Manche dieser Arten finden sich heute noch in der freien Natur wie beispielsweise der seltene Färberginster in den kargen Heiden am Pfahl. Die Zierpflanzen spielten im Mittelalter meist eine untergeordnete Rolle. Einige Arten fanden als Altarschmuck Verwendung. Rose, Mohn und Lilie galten damals als Symbol für die Muttergottes. Andere Arten wie Fliegenpilz oder Farn sprach man sogar eine magische Wirkung zu. Als Glücks-, Liebes- oder Orakelpflanzen sollten sie einem Zauber dienen: „Mit der Hauswurz in den Mauerritzen eines Hauses glaubte man einen starken Beschützer vor Unheil zu haben.“ Berichtete die Referentin über die mittelalterlichen Vorstellungen. Der eigentliche Kräutergarten mit seinen Gewürz- und Heilkräutern war ein zentraler Bestandteil vieler mittelalterlichen Gärten. Die Kräuter fanden in der Küche Verwendung und das Wissen über ihre medizinische Wirksamkeit wurde von Generation zu Generation weitergeben. Nach der damaligen Idee der „Signaturlehre“ weisen die äußeren Merkmale der Pflanzen wie z.B. Blattform auf ihre mögliche Heilkraft hin. Die lungenförmigen Blätter des Lungenkrautes helfen danach gegen Beschwerden mit der Lunge, ähnliches gilt für das Leberblümchen oder Milzkraut. Die Heilpflanzen wurden nach der „Vier-Säfte-Theorie“ in „Heiß, Kalt, Trocken oder Feucht“ eingeteilt. Eine Krankheit war dann mit dem jeweiligen gegenteiligen Wirkstoff zu behandeln. Diese wichtige Grundlage der traditionellen chinesischen Medizin findet sich auch in den Kräuterbüchern der heiligen Hildegard von Bingen, die die Heilkunde des Mittelalters stark geprägt hat. „Die heilende Kraft vieler altbewährter Kräuter wie Kamille, Salbei oder Ringelblume wird auch heute wieder verstärkt geschätzt.“ Schloss die Referentin ihren reich bebilderten Vortrag. Zum Abschluss wies Matthias Rohrbacher von der Umweltstation Viechtach auf weitere Veranstaltungen im „grünen“ Bereich“ der Landschaftspflege hin: Seminare zum „natürlichen Bauen mit Weiden“ und zu „Bächen und Weihern als Kleinode in der Landschaft“ werden im Frühjahr angeboten.


Gleich zwei Mal stand vergangenes Wochenende der Arber im Mittelpunkt von Naturpark-Veranstaltungen: Arbergebietsbetreuerin Isabelle Auer nahm am Freitag im Infozentrum Grenzbahnhof die 19 Zuhörer ihres Vortrags über „Besonderheiten im Arbergebiet“ mit auf eine „Bilderreise“ durch das Arbergebiet. Dass der Arber nicht nur für die Menschen von heute, sondern schon vor über tausend Jahren etwas Besonderes war, kann man sogar aus dem Namen des Berges herleiten: Wissenschaftler vermuten, dass die Menschen im Frühmittelalter den Berg „haduwith“ nannten, was wörtlich übersetzt „Kampfheiligtum“ bedeutet. Sie hatten das Gipfelplateau mit Steinriegeln als Kultstätte erwählt, da bereits sie die Geomorphologie des Arbers als einzigartig im Bayerischen Wald ansahen. Isabelle Auer betonte, dass andererseits selbst der wirtschaftende Mensch etwas Einzigartiges schaffen konnte: Die Schwimmenden Inseln am Großen und am Kleinen Arbersee. Diese entstanden, als sich beim Aufstauen der beiden Seen Ende des 19. Jahrhunderts Moorfilze vom Grund des Sees lösten. Die ursprünglich drei Arberseen sind Zeugen der letzten Eiszeit. Welche botanischen Eizeitrelikte im Arbergebiet überdauert haben und wann man sie im Jahresverlauf am Arber entdecken kann, veranschaulichte die Arbergebietsbetreuerin bei ihrer bebilderten „Wanderung durch die Jahreszeiten“. Dank der Besucherlenkung kann man heute am Gipfelplateau im Sommer beispielsweise den Ungarischen Enzian, den Krausen Rollfarn, den Alpenflach-Bärlapp, den Zerbrechlicher Blasenfarn oder das Felsen-Straußgras wieder entdecken. Dass der Arber auch etwas Besonderes im Hinblick auf sein Klima darstellt, erläuterte die Gebietsbetreuerin und Geografin am Vergleich des Arbers mit dem 37 Meter höheren Feldberg im Südschwarzwald, dem höchsten „Mittelgebirgsberg“ Deutschlands: Obwohl die Jahresmitteltemperaturen bei beiden Bergen mit 2,7°C (Arber) und 3,0°C (Feldberg) in etwa gleich sind, ist die Schneedeckendauer beim Feldberg fast 100 Tage kürzer als beim Arber. Der Jahresniederschlag am Feldberg ist mit rund 1900 mm jedoch um rund 500 mm höher als beim „König des Bayerischen Waldes“. Dies zeigt, dass im Gegensatz zum Feldberg, dessen Klima noch vom Atlantik beeinflusst wird, der „raue“ Arber mit seinem kalten „Böhmischen Wind“ bereits subkontinental beeinflusst ist. Typisch für den Arber ist auch, dass sich die Wetterverhältnisse mit zunehmender Höhe sprunghaft verändern können. Wenn – wie bei der Naturpark-Schneeschuhwanderung mit Isabelle Auer am letzten Sonntag – nur der unmittelbare Gipfelbereich in einer Wolke eingehüllt ist und wenn an dieser ausgesetzten Stelle der böhmische Wind heftig bläst, kann die Natur am Arber besonders intensiv erfahren werden. Dies erlebten die 22 Schneeschuhwanderer hautnah, und lernten dabei auch, dass der normalerweise eigentliche Reiz des Schneeschuhgehens, das „Querfeldeingehen“, in weiten Teilen des Arbergebiets vor allem das bedrohten Auerhuhn stört. Da es im Winter nur nährstoffarme Nadeln frisst, kann jede panikartige Flucht, jedes Aufschrecken durch Schneeschuhwanderer und Skitourengeher dem Auerhuhn sehr schaden. Um das Auerhuhn zu schützen, sollten Wintersportler, die den Arbergipfel besteigen wollen, sich also entweder an die Loipen oder an den für das Auerhuhn ungefährlichen und somit naturverträglichen Wanderweg E6, den Goldsteig halten.


Das Luchsprojekt Bayern setzt erneut Fotofallen ein, um mehr über die Verbreitung und Anzahl der heimlichen Waldkatzen im Bayerischen Wald zu erfahren. Von Ende Januar bis Anfang April stehen in den Landkreisen Regen, Cham, Deggendorf und Straubing-Bogen auf einer Fläche von rund 800 Quadratkilometern 90 dieser automatischen Kameras. Auf das individuell einzigartige Fleckenmuster der Luchse haben es die Forscher dabei abgesehen. Daher sind beidseitige Bilder wichtig, weil dies die Identifizierung wesentlich erleichtert, sollte derselbe Luchs auch an einem anderen Standort fotografiert werden. Die Fotofallen stehen daher immer doppelt, links und rechts von Wanderwegen oder Forststraßen, an 45 ausgewählten Stellen zwischen Bad Kötzting, Zwiesel, Viechtach, Regen, Sankt Englmar und Lalling. Unter der Projektleitung von Sybille Wölfl führt Markus Schwaiger zusammen mit dem Diplomanden Julian Sandrini von der Forstwissenschaftlichen Fakultät der Universität Freiburg die Untersuchung durch. Sie machen es sich dabei zunutze, dass Luchse mehr oder weniger regelmäßig vom Menschen angelegte Wege nutzen, auf denen auch sie sich bequemer fortbewegen können. Die Ergebnisse aus dem vergangenen Winter, die der Bodenmaiser Markus Schwaiger in seiner Diplomarbeit erzielte, waren ermutigend. Er zeigte, dass sich Luchse auch in Gebieten, in denen man nur sehr wenig über die Anwesenheit dieser Tiere weiß, fotografieren lassen. Damals wurden vier verschiedene Luchse zwischen Zwiesel und Deggendorf erfasst. Wie viele Luchse sich aber genau zwischen der deutsch-tschechischen Grenze und der Donau aufhalten ist nach wie vor unklar. „Wir haben die Größe des Untersuchungsgebiets nun verdoppelt, um einen repräsentativen Anteil der Luchspopulation des Bayerischen Waldes erfassen zu können“, erläutert Sybille Wölfl. „Da das mittelfristige Ziel eine Bestandsschätzung der Luchse im Bayerischen Wald ist, macht es nur Sinn, auf größtmöglicher Fläche nach diesen großen Katzen zu suchen.“ Und diese Fläche ist riesig. Aber auch Luchse haben riesige Wohngebiete. Luchsmännchen etwa besitzen Reviergrößen von bis zu 500 km². Innerhalb dieser Fläche bewegen sich meist nicht mehr als zwei oder drei Weibchen. Markus Schwaiger und Julian Sandrini wissen daher am Abend, was sie geleistet haben, wenn sie von den Fotofallen-Kontrollen zurückkommen, auch wenn die 45 Standorte nur alle 7 bis 14 Tage aufgesucht werden, um beispielsweise Batterien oder Filme zu wechseln. Gut, dass sie die Unterstützung der Revierpächter haben. „Wie auch im letzten Jahr erfolgt eine ausgezeichnete Zusammenarbeit mit der lokalen Jägerschaft“, freut sich Schwaiger. „Sie helfen uns auch schon mal bei der Kontrolle und sind sehr interessiert daran, welche Wildtiere wir dieses Jahr ablichten können.“ Finanziert wird das Luchs-Monitoring, das vornehmlich auf der Fläche des Naturparks Bayerischer Wald durchgeführt wird, vom Bayerischen Landesamt für Umwelt. Auch der Landesjagdverband begrüßt dieses Projekt und hat in einem Rundschreiben alle betroffenen Kreisgruppen um Unterstützung gebeten. Weitere Informationen zum Fotofalleneinsatz des Luchsprojekts sowie über einzelne Ergebnisse erhalten sie unter www.luchsprojekt.de.