September 2007


Am Tag des Geotops hatten sich nahezu sechzig Naturinteressierte zu einer naturkundlichen Wanderung im Naturschutzgebiet „Großer Pfahl“ eingefunden. Beeindruckt waren die Naturliebhaber vom teilweise bunten Farbenspiel an manchen Felswänden des ursprünglich weißen Quarzriffs: Grünlich leuchtende Schwefelflechten finden sich neben rostrot schimmernden Eiseneinlagerungen und kleinen, glitzernden Bergkristallrasen. Wie Bonsaibäumchen wachsen bis zu 200 Jahre alte „Pfahlkiefern“ fast auf dem nackten Felsen. Referent Matthias Rohrbacher, Gebietsbetreuer des Naturparks, wies auch auf die seltenen Tiere am Pfahl hin: Der Ameisenlöwe wartet am Felsenfuß in einem Fangtrichter auf seine Beute. Die nachtaktiven Fledermäuse übertagen in den zahlreichen Klüften und Spalten in den Felsen oder bringen dort in „Wochenstuben“ ihre Jungen zur Welt. Seit dem Vorjahr brüten auf dem Felsenriff auch wieder Turmfalken. Die prächtig schimmernden Zauneidechsen sonnen sich auf der steinreichen Pfahlheide. „Ein derartiger Reichtum an Natur bedarf auch der Pflege und eines besonderen Schutzes.“ - warb Gebietsbetreuer Matthias Rohrbacher für Verständnis für das Wegegebot im Naturschutzgebiet. Während hier das Mineraliensammeln nicht erlaubt ist, können am eigens eingerichteten Klopferplatz bei der „Alten Schmiede“ Quarzminerale mitgenommen werden. Das Quarzriff Großer Pfahl ist mit dem Gütesiegel „Bayerns Geotop Nummer eins“ ausgezeichnet. Als „Nationales Geotop“ ist der Bayerische Pfahl sogar in die Liste der 77 schönsten Geotope Deutschlands aufgenommen.


Der Naturpark Bayerischer Wald e.V. und Oberer Bayerischer Wald organisierten auch in diesem Jahr zwei Familienwanderungen zum Arbergipfel. So ging es vergangenen Mittwoch in drei Stunden unter der Führung von Gebietsbetreuer Arnold Multerer vom Brennes-Parkplatz zum Großen Arbergipfel. Trotz des kalten, regnerischen Wetters kamen einige hartgesottene Teilnehmer, die den Aufstieg nicht scheuten.
Mit zahlreichen Spielen wurde die Zeit nicht lang und ganz nebenbei wurde den Kindern der Wald näher gebracht: Anhand von Jahresringen wurde das Alter von Bäumen bestimmt. Beim Tannenzapfen werfen wurde die Geschicklichkeit getestet und anhand von Tierspuren erfuhren die Kinder einiges über die heimische Tierwelt.
Ab etwa 1200 Höhenmeter entschädigte dann der erste Schnee für die anfängliche Kälte und erfreute Groß und Klein. Trotz des nasskalten Wetters haben die Kinder nicht nur viel gelernt, sondern auch Spaß bei der Erklimmung des Gipfels gehabt.


Unter der Veranstaltungsreihe „Rund um den Arber“, organisierte der Naturpark Bayerischer Wald e.V. eine geologische Exkursion um den Großen Arbersee. Hierzu durfte der Gebietsbetreuer Arnold Multerer den Referenten Fritz Pfaffl und 65 Teilnehmer am eiszeitlichen See begrüßen.
Fritz Pfaffl, 1. Vorsitzender des Naturkundlichen Kreises Bayerischer Wald und ein Geologieexperte entführte die Besucher in die letzte Eiszeit: Viele Prozesse, die in der sogenannten Würmeiszeit vor 10.000 Jahren zur Bildung der 8 eiszeitlichen Seen des Bayerisch-Böhmischen Waldes beigetragen haben, können heute nur schwer rekonstruiert werden. Deshalb gibt es mehrere mögliche Modelle, wie die einzelnen Prozesse abgelaufen sind. Mit Sicherheit kann man aber annehmen, dass der Große Arbersee durch 2 Gletscher, die sich vom Gipfel des Großen Arbers talwärts schoben, geformt wurde. Heute noch zeigen uns die beiden in den See mündenden Bäche - der Bärenbach und der Geigenbach - auf, wo die Gletscher talwärts geflossen sind.
Als Ablagerungen seitlich des Sees hinterließen die Gletscher sogenannte Seitenmoränen. Für ein ungeübtes Auge sind diese im Gelände kaum erkennbar. Doch nach einer ausführlichen Erklärung durch Fritz Pfaffl, konnten die Teilnehmer die Seitenmoränen gut erkennen. Dazu ging man auf den Wanderweg Nr. 9 senkrecht vom Arbersee weg. Gemeinsam zählte man die einzelnen Erhebungen und Senkungen, die auf dieser Seeseite sehr regelmäßig ausgeprägt sind. Insgesamt konnten 4 Seitenmoränen überschritten werden.
Das Gestein am Arber wird als Gneis bezeichnet. Nach neuesten Altersbestimmungen sind diese Gneise cirka 640 Millionen Jahre alt. Ihre große Widerstandsfähigkeit gegen Verwitterung verdanken die Arbergneise dem Mineral Sillimanit, das die Gesteinslagen als Film überzieht.

Danach begab man sich auf den Rundwanderweg des Arbersees. Hier zeigte Arnold Multerer den Besuchern weitere Besonderheiten des Arbersees: Urwaldähnliche Strukturen aus Bäumen mit bis zu 500 Jahren, Zerfallsstadien mit reichlich Totholz und Naturverjüngungsstadien. Auch wurde die Entstehung und der Aufbau der schwimmenden Insel näher durchleuchtet. Für einige Teilnehmer war es nur schwer vorstellbar, dass ein unscheinbares Torfmoos den Hauptanteil der Insel bildet.
Zum Abschluss der 2,5stündigen Wanderung versammelte man sich noch beim Besucherparkplatz, wo ein riesiger Gesteinsbrocken liegt. Dieser Brocken mit einem Gewicht von mehr als 200 Tonnen wurde auf dem Gletscher bzw. im Gletschereis eingehüllt vom Arber bis zu seinem jetzigen Platz transportiert. Der Referent zeigte der Gruppe damit, welche enorme Kraft hinter einem solchen Gletscher steckt und wie man anhand der Gesteinsbeschaffenheit Prozesse, die vor Tausenden von Jahren abliefen, rekonstruieren kann.