November 2003


Zu einer Wanderung mit Übernachtung am Großen Arber trafen sich die Junior Ranger der Naturparke Bayerischer Wald und Oberer Bayerischer Wald am vergangenen Wochenende. Hatten die Junior Ranger im Sommer die Arberseen und den Arber bei 30 Grad und mit Hunderten von Besuchern kennen gelernt, zeigte sich am Samstagnachmittag ein ganz anderes Bild. Bei nebeligem und kaltem Wetter traf man sich am Großen Arbersee, um von dort aus auf den Gipfel zu wandern. Ziel war die Berghütte des Turnvereins Zwiesel, die direkt unterm Gipfel des Arbers liegt. Obwohl die Teilnehmer bereits „arbererprobt“ waren, stellte sich der Aufstieg wegen des zum Teil verschneiten Weges als nicht ganz so einfach heraus. Zudem wurde so mancher Rucksack immer schwerer und manch einer wünschte sich wohl das eine oder andere Teil zu Hause gelassen zu haben. Der wunderbare Ausblick vom menschenleeren Gipfel des Arbers entschädigte allerdings für die Strapazen des Aufstiegs. Im letzten Abendrot waren sogar die Alpen zu sehen! Nach dem gemeinsamen Kochen stand dann, ausgerüstet mit Taschenlampen, Handschuhen und warmen Mützen bei sternenklarer Nacht eine Wanderung rund um den Arbergipfel auf dem Programm. Man beschloss den Abend mit einem Foto- Rückblick auf die Wochen im August und etlichen Spielen. Am anderen Tag , nach einer für die meisten eher kurzen Nacht, wurde die Hütte wieder auf Vordermann gebracht, ehe man sich bei herrlichstem Wetter auf den Weg hinunter zur Talstation machte. Dort wurden die „müden Krieger“ von ihren Eltern wieder in Empfang genommen.


Mit einer naturkundlichen Wanderung durch die Seewand zum Großen Arber ging das diesjährige Sonderveranstaltungsprogramm der beiden Naturparke Bayerischer Wald und Oberer Bayerischer Wald „Rund um den Großen Arber“ zu Ende. Unter dem Motto „Auf Spurensuche“ fanden zahlreiche interessante Exkursionen statt, die sich schwerpunktmäßig mit der Flora und Fauna des Arbergebiets beschäftigten. Die Pflanzenwelt rund um den Großen Arbersee wurde beispielsweise bei der botanischen Wanderung mit Fritz Reiter vorgestellt. Nach einer allgemeine Einführung mit dem Thema „der Arber als Alpenpflanzenstandort“ standen zunächst die Pflanzen im See auf dem Programm: Zwiebelbinse, Kleiner Wasserschlauch und Gelbe Teichrose. Vorbei an Hochstaudenfluren mit Alpenmilchlattich und Hasenlattich, auch Alpenheckenrose und Schwarze Alpenheckenkirsche waren zu sehen, führte die Exkursion weiter zu den einzigartigen Schwingrasen. Ein Spektiv brachte den Teilnehmern die Arten dieses Übergangsmoores , z.B. die Blumenbinse, quasi zum Greifen nah. Am Fuße der Seewand spielten dann Moose, Farne, Bärlappe und Gräser die Hauptrolle. Vorbei an Öhrchenweide und zwei typischen Arten der Verlandungszonen, Fieberklee und Sumpfcalla, ging es dann wieder zurück zum Ausgangspunkt. Eine Orchideenart, das Fuchs`sche Knabenkraut bildetet das Schluss-Highlight. „Was Sie schon immer über den Luchs wissen wollten“ hieß es dann im August am Arbergipfel. Dipl.-Biol. Manfred Wölfl veranschaulichte bei dieser Exkursion die Entstehungsgeschichte und Aufgaben des Naturpark - Luchsprojekts. Dieses erforscht Details über die Raumnutzung und das Beutespektrum einzelner Tiere mittels der Radiotelemetrie. Der Referent beschrieb sehr anschaulich wie Luchse in freier Wildbahn gefangen und mit einem Senderhalsband ausgestattet werden. Die Tiere können dann jederzeit per „elektronischer Leine“ aus der Ferne geortet werden. Bislang wurden vier Tiere besendert, leider sind seit 2002 zwei davon verschollen. Auch die Zahl der Luchs- Nachweise seit 1999 geben sowohl in Bayern, Tschechien und Österreich wenig Anlass zur Freude, sie werden stetig weniger! Fazit der angeregten Diskussion: das Vorhandensein des Luchses in unserer Kulturlandschaft zeigt vielfältige Problemzonen auf. Der Luchs als Spitzenprädator steht in der Nahrungspyramide ganz oben und kann nicht abgekoppelt vom Schalenwild und dessen Nahrungsgrundlage, den Pflanzen diskutiert werden. So muss ein erfolgversprechender Managementansatz für diese große Katze ein breites Themenspektrum erfassen, wie z.B. den Waldbau, die Schalenwildbejagung, die landwirtschaftliche Produktion und sogar grundsätzliche Fragen zur zukünftigen Landnutzung. „Vo Hodasau und andere Schwammerl“ war der Titel einer Pilzkundlichen Wanderung im September mit dem Referenten Alois Zechmann. Nach einem spannenden Exkurs in die Welt der Giftpilze wanderten die Teilnehmer in die Arberseewand. Im dortigen totholzreichen „Urwaldrelikt“ fallen v.a. die Baumpilze ins Auge. Besonders häufig sind hier der Rotrandige Baumschwamm und der Zunderschwamm, auch Hodasau genannt. Letzteren verwendete man früher u.a. zur Herstellung von Kleidungsstücken. Zum Beweis trug der Referent sogar einen Zunderschwamm-Hut! Von viel größerer Bedeutung war allerdings die Verwendung des Zunderschwamms zum Feuer anzünden. Mit Hilfe eines Pyrits, eines Feuersteins und dem Pilz-Zunder demonstrierte Alois Zechmann den staunenden Teilnehmern diese Technik des Feueranzündens. Die Ausbeute an Speisepilzen war wegen des sehr trockenen Sommers eher gering, neben Ziegenlippe und einigen Maronenröhrlingen waren nur Täublinge zu finden. Zum Schluss gab es für die Teilnehmer beim Riechen am Knoblauchschwindling und am Maggipilz noch einen kleinen Ausflug in die mannigfaltige Geruchswelt der Pilze. Abgesehen von den beschriebenen Exkursionen waren 2003 noch naturkundliche, ornithologische und geologische Wanderungen geboten. Auch die beliebten Familienwanderungen standen wieder auf dem Programm. Insgesamt nahmen 331 Personen an den 13 Veranstaltungen des Arberprogramms teil. Das Programm für das Jahr 2004 wird ab Januar wieder an allen Touristinfos, Banken, Schulen und beim Naturpark erhältlich sein.