September 2014


Wasserfälle sind als eindrucksvolle Naturschauspiele und spritzige Besuchermagneten bekannt. Doch wie lässt sich eine solch geräuschvolle Erfahrung mit Fledermäusen, den kleinen flugfähigen Säugetieren, in Zusammenhang bringen, deren Töne unser menschliches Gehör nicht einmal wahrnehmen kann?

Die Antwort auf diese Frage erläuterte die Arber-Gebietsbetreuerin Dr. Isabelle kürzlich ungefähr 40 Interessierten, die dem Angebot des Naturparks Bayerischer Wald gefolgt waren, an einer fünfstündigen Wanderung unter dem Motto „Der (be)rauschende Arber: Vom Rißloch zum Hochfall“ teilzunehmen. Berauschend, strahlend hell und erfrischend zeigte sich der Arber dann tatsächlich während der naturthematischen Führung zu den beiden höchsten Wasserfällen des Bayerischen Waldes an diesem herrlichen Altweibersommertag. Unterstützt wurde die Gebietsbetreuerin durch den Wanderführer Peter Letz sowie dem begeisterten „Arbergeher“ Ludwig Drexler, die sich in dem Gebiet ebenfalls bestens auskennen.

Nach einer kurzen Vorstellungs- und Einleitungsrunde erreichte die Gruppe das Naturschutzgebiet Rißloch und die Wanderung begann mit dem Aufstieg entlang des Rißbachs. Isabelle Auer verglich das geschützte Gebiet mit einem „Mini-Nationalpark im Naturpark“, da es – leider unter dem damals propagandistisch ausgenutzten Gedanken der „Heimatliebe“, der im 1. Reichsnaturschutzgesetz aus dem Jahr 1935 seinen Ausdruck fand - bereits 1939 ausgewiesen wurde und seitdem forstwirtschaftliche Eingriffe des Menschen ausblieben. Daher entstanden im Gegensatz zu vielen anderen Regionen des Bayerischen Waldes keine Fichtenmonokulturen, in denen die berüchtigten Borkenkäfer riesige Baumbestände befielen. Weil das Rißloch seit vielen Jahrzehnten unter Schutz steht, gibt es im Naturschutzgebiet Rißloch Urwald-Bestände, in denen es noch einen einen hohen Anteil an Tot- und Altholzanteil gibt. Dieses ist, so machte Dr. Auer deutlich, für einige Arten als Lebensraum oder Versteck und Unterschlupf lebensnotwendig: Zahllose Insekten, Vögel wie Spechte und mit der Fledermaus sogar Säugetiere sind darauf angewiesen. Im Bayerischen Wald kommen 21 verschiedene Fledermausarten vor, die sich tagsüber zum Schlafen gerne in den schmalen Ritzen zwischen Stamm und abplatzender Rinde verstecken: Bei abgestorbenen Bäumen besteht keine Gefahr mehr, dass Fell und Haut der Tiere durch Harz verkleben. Auf diese Weise profitieren auch die Fledermäuse von der Besonderheit der Rißlochfälle und der damit verbundenen Unterschutzstellung der Schlucht. Weiterhin wies die Gebietsbetreuerin auf andere, in der Schlucht lebende Arten wie Wasseramsel und Wanderfalken hin.

Im Laufe der Führung erklärte Auer die vorhandenen Gesteine, sowie die Entstehung der Wasserfälle in der Eiszeit. Nach einer Brotzeit am sonnigen Südhang des Großen Arber und interessanten Erzählungen über die wirtschaftlichen Hintergründe des umliegenden Buchenwalds gelangte die Gruppe mit dem Naturdenkmal Hochfall schließlich zum zweiten Höhepunkt des Tages. Mit vielfältigen Eindrücken von Flora und Fauna, tosenden Gewässern und Gesteinen ging die Gruppe anschließend bergab durch die Gemeinde Bodenmais wieder zum Rißlochwanderparkplatz, dem Ausgangspunkt der Wanderung.


Bogen und Viechtach. Am Sonntag, den 21. September werden in ganz Deutschland viele Veranstaltungen zum Tag des Geotops angeboten. Geotope sind steinalte Boten der Erdgeschichte, wie beispielsweise bizarre Felsen, geheimnisvolle Höhlen oder Fundstellen seltener Mineralien. Hier kann man gleichsam den „Pulsschlag der Erde“ fühlen. Im Naturpark Bayerischer Wald stehen dabei der Große Pfahl in Viechtach und der Bogenberg in Bogen im Mittelpunkt. Alle Interessierten sind herzlich zu den kostenlosen Wanderungen eingeladen. Das Quarzriff Großer Pfahl in Viechtach und der Donaurandbruch am Bogenberg sind in die Liste der einhundert schönsten erdgeschichtlichen Naturdenkmäler Bayerns aufgenommen.

Treffpunkt in Bogen ist am Sonntag, den 21. September um 14:00 Uhr in der Naturpark-Infostelle im Bahnhof Bogen (1. Stock). Die An- und Abfahrtszeiten der Bahn werden berücksichtigt. „Natur und Kultur am Bogenberg“ lautet der Titel der geführten Wanderung zum „heiligen Berg Niederbayerns“. Matthias Rohrbacher, Gebietsbetreuer des Naturparks, lädt zu einer ca. zweieinhalbstündigen Wanderung am Naturlehrpfad für große und kleine Naturliebhaber ein. Bitte festes Schuhwerk mitnehmen. Der Bogenberg an der Donau ist Lebensraum für eine beeindruckende Tier- und Pflanzenwelt. Das Naturschutzgebiet ist Heimat für wärmeliebende Tierarten wie Zauneidechse, Schlingnatter oder Schwalbenschwanz. Auf den steilen Felsstandorten finden sich kleine Trockenrasen mit magerkeitsliebenden Pflanzen wie Felsenmauerpfeffer oder Sonnenröschen. Mit den besonderen Bruch- und Schiefergesteinen des Donaurandbruches gehört der Bogenberg zu den 100 schönsten Geotopen Bayerns. Seine religiöse und kulturelle Bedeutung zeigt sich zum Beispiel an der Wallfahrtskirche und dem Kreisheimatmuseum.

Treffpunkt in Viechtach ist am Sonntag, den 21. September um 14:00 Uhr am Parkplatz Großer Pfahl an der B85. Referentin Dorothea Haas, Diplom Geologin und Landschaftsarchitektin, lädt zu einer ca. zweistündigen, naturkundlichen Wanderung am „Großen Pfahl“ ein. Wissenswertes und Interessantes zur Erdgeschichte, Tier- und Pflanzenwelt oder der fast 100-jährigen Abbaugeschichte im ehemaligen Quarzbruch kann man dabei erfahren. Im Naturschutzgebiet „Großer Pfahl“ bietet sich dem Wanderer ein Naturschauspiel von hoch aufragenden Felsenriffen, tiefen Quarzbrüchen, beweideten Pfahlheiden und lichten Wäldern. Die Felsentürme aus Quarzgestein sind nicht nur landschaftlich sehr reizvoll, sondern beflügeln schon lange die Phantasie der Menschen. Nach alten Sagen sind die weißen Felsenzacken der oberirdische Kamm eines tief im Erdinneren ruhenden Drachens. Tatsächlich ist der Pfahl ein uralter Riss im Grundgebirge des Bayerischen Waldes. Gegen Ende des Erdaltertums drangen heiße wässrige Quarzlösungen in diese Spalten und Hohlräume ein und erstarrten in einer Tiefe von bis zu fünf Kilometern zum weißen Quarzgestein. Im Laufe der Jahrmillionen wurde das umliegende weichere Gestein verwittert und abgetragen. Der sehr harte Pfahlquarz widerstand bis heute dem Zahn der Zeit. Am „Klopferplatz“ kann man selbst Quarzkristalle suchen – nur hier ist die Mitnahme von Quarzkristallen im Naturschutzgebiet erlaubt.


Naturpark stellt Grenzbahnhof Eisenstein in den Fokus

Der Tag der Natur- und Landschaftsführer des Naturpark Bayer. Wald e.V. fand 2014 im Grenzbahnhof Eisenstein in den neu eröffneten NaturparkWelten statt. Seit 21 Jahren gibt es im Naturpark Bayerischer Wald Natur- und Landschaftsführer und alljährlich auch ein Fortbildungstreffen. Weil auch tschechische Natur- und Landschaftsführer die Kurse besucht hatten, und die NaturparkWelten neu eröffnet waren, ging man in diesem Jahr an die Grenze nach Eisenstein. Nach allgemeinen Informationen gab es eine ausführliche Führung durch die verschiedenen Museen und Ausstellungen im neu sanierten Grenzbahnhof. Nach einem Erfahrungsaustausch und einer kurzen Mittagspause startete man eine kleine Böhmerwald-Wanderung zum Teufelssee einem Überbleibsel aus der Eiszeit. Die Teilnehmer waren beeindruckt von der Informationsdichte der neu geschaffenen Museen in den NaturparkWelten. Sie als Multiplikatoren, die viel mit Gästen und Einheimischen unterwegs sind, können die Informationen gut weitergeben aber den Grenzbahnhof Eisenstein auch gut als Schlechtwetterprogramm nutzen. Zum Schluss der Veranstaltung ging man mit der Zusicherung auseinander, möglichst Vielen die Museen und Ausstellungen bekannt zu machen. Für die Gäste, die künftig die Bayerwald Plus Card oder die Arberaktivcard nutzen ist der Eintritt ohnehin frei.


Der Naturpark Bayerischer Wald e.V. bietet eine Exkursion in den Lebensraum des Fischotters an der Ilz an. Treffpunkt ist am Sonntag, 14.09.2014 um 14:00 Uhr am Parkplatz Schloss Fürsteneck. Der Naturparkgebietsbetreuer Stefan Poost wird die Exkursion leiten. Neben der Biologie der Tierart werden auch die Konflikte und Maßnahmen in der Kulturlandschaft angesprochen. Die Veranstaltung findet bei jedem Wetter statt und dauert etwa Stunden. Der Witterung entsprechende Kleidung und gutes Schuhwerk werden empfohlen. Anmeldung ist nicht erforderlich. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.


Wiesenfelden. „Weiher, Wälder und Moore um Wiesenfelden“ - eine herbstliche Wanderung in Wiesenfelden bietet der Naturpark Bayerischer Wald e.V. und die Gemeinde Wiesenfelden im Landkreis Straubing-Bogen an. Treffpunkt ist am Sonntag, den 7. September um 14:00 Uhr vor dem Rathaus in Wiesenfelden. Die ca. dreistündige Wanderung verläuft über die Naturschutzgebiete am Beckenweiher und Brandtmoos zum Naturerlebnisweg Kobelberg. Vom barrierefreien Naturlehrpfad am Beckenweiher führt die Exkursion über den Goldsteig und Jakobsweg zum Waldgasthof Schiederhof. Der Naturerlebnisweg „Kobelberg“ liegt an einem reizvollen Rundweg am Donauseitental mit Blick auf die Donauebene. Große und kleine Naturfreunde sind herzlich zu dieser kostenlosen Wanderung eingeladen. Dabei kann man Wissenswertes und Interessantes zur Tier- und Pflanzenwelt erfahren. Referent ist Matthias Rohrbacher, Gebietsbetreuer des Naturparks.


„Außerhalb der Alpen findet man diese Pflanzen nur am Arber“. – Dies war eine der Kernsätze, die die 20 Teilnehmer einer Naturparkführung unter der Leitung von Arbergebietsbetreuerin Dr. Isabelle Auer kürzlich bei einem zweistündigen Rundgang um das Arbergipfelplateau hörten. Warum der Arbergipfel heute – trotz seiner Verbauungen, Pisten und den weit über eine Million Besuchern pro Jahr – Dank der Bemühungen des Naturschutzes – zu den wichtigsten Naturschätzen Bayerns zählt, verdeutlichte die Gebietsbetreuerin bereits zu Beginn der Exkursion: Bis weit in die 90er Jahre war das Gipfelplateau beinahe kahlgetrampelt. Viele der einstigen Pflanzen, darunter einige geschützte, waren verschollen oder bedroht. Daher entschloss man sich zu einem festen Wegesystem. Balkenabsperrungen wurden errichtet, ab dem Jahr 2000 herrscht im gesamten Gipfelbereich das Wegegebot.

Seit dieser Zeit erholte sich der Bestand vieler besonders geschützter Pflanzen – viele von ihnen sogenannte „Eiszeitrelikte“, also Pflanzen, die seit dem Ende der letzten Eiszeit vor 10.000 Jahren das Arbergebiet besiedeln. „Auffallend viele von ihnen“, so die Gebietsbetreuerin, „tragen den Zusatz „Alpen“ in ihrem Namen. – Ein Hinweis auf ihr eigentliches Verbreitungsgebiet.“

Was der Naturschutz tut, um diese Pflanzen zu schützen, konnten die Teilnehmer gleich live erleben: Da einige von ihnen – beispielsweise der Ungarische Enzian oder der Alpen-Flachbärlapp“ von Heidelbeeren bedrängt werden, müssen Teile des Gipfelbereichs und der sogenannten „Bodenmaiser Mulde“ regelmäßig gemäht werden. Neben den regelmäßig stattfinden – eher kleinflächigeren - „Landschaftspflegeaktionen“ im Rahmen des Naturparkjahresprogramms – kümmern sich allherbstlich die beiden Botaniker Martin Scheuerer und Wolfgang Diewald im Auftrag der Regierung von Niederbayern um den Erhalt der pflanzlichen Artenvielfalt am Arber. Da es am Exkursionstag wieder mal soweit war, konnten die Teilnehmer die Gelegenheit dazu nutzen, nicht nur das Team rund um die beiden Botaniker zu beobachten, sondern erfuhren von Martin Scheuerer, der bereits seit dem Jahr 1989 die Bestandsentwicklung besonders geschützter Pflanzen im Arbergebiet beobachtet und dokumentiert, dass zwar viele zuvor im Arbergebiet heimische Pflanzenarten heute als „verschollen“ gelten, ein paar einst verschollen geglaubte wieder nachgewiesen werden konnte. Dr. Isabelle Auer: „Durch seine Tierwelt und durch die Vielfalt seiner Pflanzenwelt – beispielsweise sind im Arbergebiet 307 Moosarten nachgewiesen, von denen 111 d.h. 36 % davon, heute auf der Roten Liste stehen – ist das Arbergebiet wieder und noch immer ein Naturparadies, das in seiner Reichhaltigkeit und Vielfalt selbst den benachbarten Nationalpark übertrifft. Eine naturwissenschaftliche Tatsache, die leider viele – selbst Naturwissenschaftler – nicht wissen.“


Es ist 10 Uhr Früh und einige Schweine-Familien nutzen die Frische des beginnenden Herbstes für einen Ausflug ins Grüne. Große und kleine Ferkel tollen herum, während sich die Älteren der Rotte fressen oder ein Nickerchen machen.
Noch sind nur diese „Großfamilien“ zu sehen, die häufig mit bis zu elf Kindern gesegnet sind und daher viel Platz benötigen. Doch kurze Zeit später führt Bauer Ludwig Scherm eine bunt gemischte Gruppe aller Altersklassen zum Schnupperkurs auf die Wiese. Es war ein geeigneter Tag für einen Rundgang mit dem Thema „ökologische Schweinehaltung“ auf seinem Biohof „Beim Schuster“ war. Die Hofführung fand im Rahmen des Naturparkjahresprogramms statt und wurde von Scherm als Landwirt sowie geprüftem Natur- und Landschaftspfleger spannend und fachkundig geleitet.
Seit dem Kauf des Hofes durch Vater Max Scherm im Jahr 1993, widmen sich beide neben eigener Schusterei und Ferienbetrieb der Zucht von Schwäbisch-Hällischen Landschweinen, die gut an ihrer charakteristischen schwarz-weiß Färbung zu erkennen sind. Zurzeit leben 86 Schweine mehrerer Generationen, sowohl männliche als auch weibliche, in ganzjähriger Freilandhaltung auf dem Biohof. Solange es für die einzelnen Tiere ausreichend Platz und Futter gibt, ist dieses natürliche Miteinander in der Rotte kein Problem. Die ausgelassen herumtobenden, drei Monate alten Ferkel, die neugierig näher kommende Sauen und der Zuchteber Rudi, der sich mit geschlossenen Augen zufrieden zum Streicheln niederlegt, wobei seine gefährlichen Eckzähne - seine Hauer - gut sichtbar werden, sprechen für sich. Schweine sind – ähnlich wie wir Menschen – entspannter, wenn sie viel Zeit draußen im Grünen verbringen dürfen. Aggressives Verhalten lässt bei ihnen auf mangelnde Bewegung schließen.

Bei seiner ökologischen Bewirtschaftung orientiert sich Scherm am natürlichen Kreislaufsystem: Er gewinnt einen Großteil des Viehfutters aus eigenem biologischen Anbau. Mittlerweile liegt der Anteil an Eigenproduktion sogar weit über dem für eine Bio-Zertifizierung nach EU Öko-Verordnung benötigten Maß. Auf synthetische Düngemittel und Pflanzenschutzmittel wird auf dem Hof komplett verzichtet. Schweine, Hühner, Gänse, Ziegen und Esel produzieren Mist, den Ludwig Scherm als ökologischen Dünger auf die Felder ausbringt. Regelmäßig bekommen die Schweine altes Brot vom nahen Bio-Bäcker oder Molke aus der Käserei, um das Futter sinnvoll zu ergänzen. Da die Tiere letzten Endes geschlachtet werden, um als Bio-Fleisch auf dem Teller der Endverbraucher zu landen, ist es Scherm wichtig, „alles sinnvoll zu verwerten“ und das Tier „wertzuschätzen“.

Für ihn ist diese Art des Wirtschaftens eine Herzensangelegenheit, denn auch die Bio-Bauern haben sich, wie die konventionellen Landwirte, an viele Auflagen zu halten, um das Fleisch verkaufen zu dürfen. In Anbetracht der geringeren Zahl an Schweinen ist der Aufwand beträchtlich.

Dass der Aufwand auf einem Bio-Schweinehof zwar erheblich, auf jeden Fall jedoch lohnend für Mensch, Tier und Umwelt und daher jede Unterstützung Wert ist, wurde den Besuchern sehr deutlich – nicht nur durch die Ausführungen Scherms, sondern vor allem beim Anblick der „glücklichen Schweine-Großfamilie“, die besonders die jüngeren Teilnehmer der Hofführung faszinierte.

Mit Gedanken an das Konzept der „Solidarischen Landwirtschaft“, das lokale Landwirte vor Verlusten schützt und gleichzeitig Verbrauchern Zweifel an gesunder Produktion der Lebensmittel im Supermarkt erspart, endete die informative Hofführung.