März 2010


„Transsibirische Eisenbahn, Norwegen und Bayerischer Wald – Sanfter Tourismus durch ökologisches Reisen“ lautet der Titel eines bebilderten Vortrages, der gemeinsam vom Naturpark Bayerischer Wald e.V. und dem Bund Naturschutz Kreisgruppe Regen in der Umweltstation Viechtach angeboten wird. Der Vortrag findet am Freitag, den 9. April um 19:30 Uhr im Alten Rathaus am Viechtacher Stadtplatz statt. Mit vielen Bildern wird dabei über attraktive Naturreisen berichtet. Alle Interessierten sind herzlich zu der kostenlosen Veranstaltung eingeladen. Referent ist dritter Naturparkvorsitzender Thomas Müller, der beruflich als Bürgermeister der Tourismusgemeinde Bayerisch Eisenstein und Geschäftsführer der Bund Naturschutz Service GmbH tätig ist. Diese Institution bietet Reisen per Bahn, Bus und Schiff beispielsweise zu Natur- und Nationalparken an. Nach dem Motto „Das Fliegen überlassen wir den Bienen“ ist dabei eine klimafreundliche Anreise zum Urlaubsort wichtig. „Land und Leuten auf einer Augenhöhe zu begegnen, ist dem sanften Tourismus ein besonderes Anliegen“, berichtet Referent Thomas Müller bereits vorab über diese naturschonende Reiseidee.


„1000 Jahre Goldener Steig“ – Dieses Jubiläum nahm Naturparkmitarbeiterin Isabelle Auer kürzlich zum Anlass, im Rahmen des Jahresprogramms der Ilz-Infostelle Schloss Fürsteneck den 20 Zuhörern einige Ergebnisse ihrer Geografie-Magisterarbeit zur historischen Flussschifffahrt auf Salzach und Inn vorzustellen. Da diese Arbeit, obwohl sie bereits vor einigen Jahren verfasst wurde, die Leser bzw. Zuhörer anregen soll, selbst mit offenen Augen durch die Städte an diesem ehemals so bedeutenden Fernhandelsweges zu gehen, um nach Spuren der Flussschifffahrt zu suchen, ist sie gerade im Jubiläumsjahr aktueller denn je. Deutlich wurde bereits zu Beginn des eineinhalbstündigen Vortrags, dass die Flussschifffahrt ein komplexes System war: Nicht nur die in der Schifffahrt Beschäftigten – Verwalter, Reiter und die Schifferer – waren so streng hierarchisch organisiert, dass z.B. die sogenannten Laufener Erbausfergen, das waren die Schiffsbesitzer, sogar den Stadtadel bildeten. Dagegen konnten die unehelich geborene Schiffererbuben, die sogenannten Strohbankert, nur bis zum rudernden Schifferer, nie aber etwa zum sogenannten Sessthaler, also zum Schiffskommandant, aufsteigen konnten. Auch jede Schiff hatte innerhalb des Schiffzugs eine bestimmte Funktion: Die einen waren z.B. reine Lastschiffe, andere waren für den Transport des Futters für die Zugpferde, wieder andere für die korrekte Führung des Zugseils zuständig. Ebenso komplex wie die Organisation der Flussschifffahrt an Salzach und Inn war ihre Geschichte. Obwohl mit der Raffelstetter Zollordnung bereits zu Beginn des 10. Jahrhunderts die Zolltarife für die ganze Zolllandschaft Salzach-Inn festgelegt wurden, gab es im Laufe der Jahrhunderte ständig Konflikte zwischen den „Anliegerstaaten“, dem Erzbistum Salzburg, dem Herzogtum Bayern, dem Habsburgerreich und dem Fürstbistum Passau. Welche Bedeutung die historische Flussschifffahrt, bei der nicht nur Salz, sondern auch Getreide, Personen, Stoffe, Wein und Steine transportiert wurden, für den Raum zwischen Hallein, Innsbruck und Passau hatte, wird auch heute noch an den Stadtgrundrissen und Häusern des Inn-Salzach-Gebiets deutlich. Hier betonte Isabelle Auer jedoch, dass die für viele Betrachter italienisch anmutende Inn-Salzachbauweise mit ihren typischen Grabendächern keineswegs aus Italien übernommen sei, sondern sich selbstständig aus alpenländischen Vorformen entwickelt habe. Am Schluss ihres Vortrags zeigte die Referentin, welche Spuren der Flussschifffahrt man noch heute im Gelände entdecken kann: Reste der ehemaligen Lände, Hohlwege und Salzstadl. Obwohl Wandmalereien, die Szenen aus der Flussschifffahrt darstellen, nicht immer schon zu Seiten der Flussschifffahrt bestanden, sind sie doch ein Hinweis auf das Geschichts- und Traditionsbewusstsein der heutigen Bewohner der Inn-Salzach-Städte. Isabelle Auer: „Geht man mit offenen Augen durch die Städte des Inn-Salzach-Gebiets, so wird man noch heute viele Spuren der Flussschifffahrt finden. Leider wird diese spannende Geschichte touristisch noch zu wenig ausgewertet, obwohl z.B. ein Kulturerlebnisradweg – ähnlich der Naturerlebnispfade des Naturparks Bayerischer Wald – mit relativ wenigen Mitteln ein neues Tourismusangebot für die Region darstellen könnte.“


Der Naturpark Bayerischer Wald e.V. hatte zu einem Vortrag mit Marek Parkmann in den Grenzbahnhof Eisenstein geladen. Der Archäologe vom Museum in Prachatiz ging auf die Besiedelungsgeschichte des Böhmerwaldes, speziell des Raumes um Prachatiz ein. Als Dolmetscher hatte er Josef Štemperk mitgebracht. Der Schwerpunkt seiner Ausführungen umfasste den Raum Prachatiz bis Netoliz. Er ging auf die ältesten Besiedelungsspuren seit der Steinzeit ein. Viele Besiedelungsspuren findet man in tieferen Lagen und speziell an den Flüssen. Mit primitiven Werkzeugen konnten die Leute damals kein schwieriges Land bewirtschaften. Sie brauchten gutes, fruchtbares, und flaches Land. Für Archäologen sind immer Straßenbauten oder größere Eingriffe in die Landschaft sehr spannend. Ein Straßenbau in Zusammenhang mit dem Hochwasser 2002 das eine Brücke bei Strazny weggerissen hatte, führte dazu, dass man Siedlungen aus dem Mesolithikum entdeckte. Zahlreiche Beispiele zeigte der Referent auch aus der älteren, mittleren und jüngeren Bronzezeit. Immer wieder gab es dabei auch Querverbindungen zum Donauraum oder zum westlichen Bayern. In seinem Umfangreichen Vortrag ging Marek Parkmann auch auf die Kelten, die Römer und die Slaven ein. Zum Schluss schilderte er die Entstehung von „Alt – Prachatiz“. In diesem Zusammenhang war auch interessant, dass zum Beispiel in Netoliz eine zweite romanische Kirche an der Burgstätte gestanden hat und bis 1780 verwendet wurde, dann jedoch niedergerissen wurde. Erst im Jahr 2008 hatte man dies entdeckt. Im Anschluss an den sehr ausführlich Vortrag schloss sich eine rege Fragerunde an. Zum Schluss bedankte sich Hartwig Löfflmann beim Referenten sowie beim Dolmetscher und lud zu den weiteren Naturparkveranstaltungen ein.


Im Rahmen des Naturpark - Bildungsprogramms 2010 bietet der Naturpark Bayer. Wald e.V. zum Jubiläum „1000 Jahre Goldener Steig“ einen bebilderten Vortrag über die historische Flussschifffahrt zwischen Hallein und Passau an. Jahrhunderte lang profitierten Passau, seine Fürstbischöfe und seine Schiffermeister von Passaus Lage an der "Schnittstelle" bedeutender Handelswege - den Flüssen Inn und Donau sowie dem "Goldenen Steig". Wie funktionierte der Handel zwischen den Alpenländern und Böhmen? Wie beeinflusste er den Städtebau im Inn-Salzach-Gebiet? Welche Spuren kann man heute noch im Gelände finden? Wie kann man das historische Erbe touristisch - z.B. in einem Kulturerlebnisradweg "Inn-Salzach" -vermarkten? Referentin des etwa 1,5-stündigen Vortrags ist die Geografin Isabelle Auer vom Naturpark Bayerischer Wald e.V. Treffpunkt ist am Freitag, 19.03.2010 um 19:30 Uhr in der Schlossgaststätte Fürsteneck. Zur Veranstaltung sind alle Interessierten sind herzlich eingeladen.


In ihrem Vortrag „Der Kormoran“ berichtete Karin Hodl vom Landesbund für Vogelschutz über den Vogel des Jahres 2010. Rund zwanzig interessierte Zuhörer – darunter auch einige Fischer - hatten sich dazu in die Umweltstation Viechtach im Alten Rathaus eingefunden. Träger der Umweltstation ist der Naturpark Bayerischer Wald e.V.. In Bayern sind Kormorane meist nur im Winter zu sehen. In der restlichen Jahreszeit sind diese Zugvögel v.a. in küstennahen Gebieten zu finden. In der Luft wirkt der Kormoran wie ein fliegendes schwarzes Kreuz. Körper und Flügel sind in etwa gleichlang sind. Der gesellige Vogel findet sich abends an gemeinsamen Schlafplätzen – meist ufernahen Bäumen – ein, wo er gut beobachtet werden kann. Der schwarz gefiederte, bis zu einem Meter große Kormoran gehört wie der Pelikan zu den Ruderfüßer - Vögeln, die eine Schwimmhaut an den Füßen haben. An Land eher plump wirkend, können die geschickten Fischjäger im Wasser bis zu dreißig Meter tief tauchen. Grundsätzlich werden alle Fische gejagt, die leicht gefangen werden können. Meist erbeuten sie die zahlreichen, wirtschaftlich eher weniger bedeutenden „Weißfische“ wie Rotaugen oder Brachsen. Edelfische wie Äschen oder Felchen stehen dagegen seltener auf dem Speiseplan. Gerne jagen Kormorane auch gemeinschaftlich nach kleinen Fischen. In Fischzuchtanlagen und Teichwirtschaften können sie dabei gravierende wirtschaftliche Schäden anrichten. Aus diesem Grund werden hier Abwehrmaßnahmen wie das weiträumige Überspannen der Teiche mit Seilen vorgenommen, so dass der Vogel hier nicht landen und starten kann. Eine Broschüre mit Information zum Kormoran kann über das Büro der Umweltstation Viechtach im Alten Rathaus bezogen werden. „Die wichtigste Grundlage für einen gesicherten Fischbestand ist ein reich ausgestatteter, naturnaher Lebensraum“, berichtete die Referentin. Laichplätze, Wandermöglichkeiten und Nahrung sind in naturnahen Gewässern im ausreichenden Maße vorhanden. „In begradigten oder uferverbauten Gewässern fehlen dagegen oft Unterstände als Schutz gegen natürliche Feinde wie dem Kormoran.“ Karin Hodl plädierte für ein Lebensrecht von diesem fischfressenden Zugvogel, der ein Bestandteil der heimischen Tierwelt war und ist. Eine Vertreibung - beispielsweise durch Abschuss - führe meist nur zu einer raschen Wiederbesiedlung und sei keine langfristige Lösung. „Der Landesbund für Vogelschutz setzt sich für eine kooperative Lösung von Konflikten gemeinsam mit dem Fischereiwesen ein.“ In der anschließenden Diskussion schilderten einige Fischer ihre Erfahrungen mit dem Kormoran am Fluss Regen. In sehr strengen Wintern können danach Kormorane den Bestand an seltenen Edelfischen wie der Äsche deutlich reduzieren. Dies ist an den Fangzahlen im darauf folgenden Jahr erkennbar. In den Rückzugsräumen seltener Fischarten am Fluss Regen wurde deshalb in der Vergangenheit eine Vertreibung des Kormorans durch Abschuss einzelner Exemplare durchgeführt. Die Kormorane sind allerdings in den folgenden Jahren wiedergekommen. Auch im diesjährigen strengen Winter sind Kormorane am Fluss Regen gesichtet worden. Inwieweit sich das wieder gravierend auf den Fischbestand auswirkt, kann erst im folgenden Frühjahr und Sommer beurteilt werden.


Im Rahmen des Naturpark - Bildungsprogramms 2010 und des Veranstaltungsprogramms des Arbeitskreis Energie findet im Naturpark- Informationshaus an der B11 - Abfahrt Zwiesel - Süd (Info-Zentrum 3) ein bebilderter Vortragsabend zum Thema Energieeinsparung durch Gebäudesanierung und Solarenergienutzung statt. Die Veranstaltung beginnt am Freitag, 12.03.2010 um 19.30 Uhr im Veranstaltungsraum des Sonnenhauses. Referent ist der 1. Vorsitzende des Sonnenhausinstitutes, Architekt Georg Dasch. Es werden die Themen Wärmedämmung bei Gebäuden und Solarthermie im Gebäudebestand behandelt. Dazu gibt es Projektbeispiele für Altbausanierung. Im Rahmen des Vortrages werden auch verschiedene Möglichkeiten von ökologischer Heizenergieversorgung vorgestellt. An alle Interessierten ergeht herzliche Einladung, der Eintritt ist frei.