August 2007


Die Europäische Fledermausnacht, die bereits seit einigen Jahren in ganz Europa zeitgleich am letzten Samstag im August stattfindet, wurde auch dieses Jahr vom Naturpark Bayerischer Wald e.V. in Zusammenarbeit mit dem LBV Regen wieder am Silberberg veranstaltet. Auf dem Weg zum Silberbergwerk führte der Gebietsbetreuer Arnold Multerer (Naturpark Bayerischer Wald e.V.) die Kinder spielend an das sagenumwobene Säugetier heran: So wurden Fledermausmasken gebastelt und in dem Spiel “Fledermaus und Motte” wurde das Jagdverhalten Fledermaus verdeutlicht. Gemeinsam wanderte die 60 köpfige Gruppe zum Barbarastollen. Auf dem Weg zeigte Arnold Multerer günstige Waldlebensräume für Fledermäuse. Wichtig seien hier offene alte Waldstrukturen mit reichlich Totholz, in deren Höhlen sich die Fledermäuse tagsüber aufhalten können. Diese wichtigen Höhlenbäume wurden dieses Jahr im Zusammenarbeit mit dem Forstbetrieb Bodenmais mit weißen Fledermäusen bzw. weißen Wellen markiert, damit sie bei Forstarbeiten nicht gefällt werden.

Im Stollen angekommen stellte der Bergwerksbesitzer Martin Schreiner die Geschichte des Silberbergwerkes vor. Das Silberbergwerk ermöglicht schon seit dem frühen Mittelalter ein Miteinander von Mensch und Fledermaus. Da derzeit nur etwa 1 km des ca. 20 km langen Stollenwerks touristisch genutzt werden, haben die Fledermäuse hier beste Vorraussetzungen harmonisch mit den Menschen zu leben.
Susanne Morgenroth, Fledermausexpertin des Naturpark Bayerischer Wald e.V., entführte die Gruppe mit einem Diavortrag in die Welt der Flugkünstler: Die seit 60 Millionen Jahren existierenden Fledermäuse wurden im Mittelalter aus altem Aberglauben verfolgt. Doch dieser Ruf entspricht nicht dem wirklichen Verhalten der europäischen Fledermausarten, die alle nur nützliche Insektenfresser sind. Anhand von Bildern konnten die Besucher den Flügelaufbau mit dem Handaufbau des Menschen vergleichen und die dünne Flughaut, die sich um den ganzen Körper zieht, genau betrachten. Weiterhin erhielten die Teilnehmer anschauliche Informationen zu den 18 verschiedenen Fledermausarten, die den Bayerischen Wald zu ihrer Heimat gemacht haben. Laut Susanne Morgenroth bietet der Silberberg auf Grund der hohen Luftfeuchtigkeit und der konstanten Temperatur von 5° Celsius optimale Bedingungen für die sagenumwobenen Flieger.
Hufeisennasen und die häufigen Glattnasen fangen die Insekten mit dem Flügel und fressen diese im Flug. Im Gegensatz dazu ergreifen Wasserfledermäuse ihre Beute fliegend über der Wasseroberfläche. Die rund 700 Fledermäuse im Silberbergwerk können ein Alter von bis zu 40 Jahren erreichen. Sie ziehen pro Jahr ein Junges groß. Jungtiere können geübte Personen an einem schwarzen Punkt auf der Unterlippe erkennen. Das Silberbergwerk gilt als Balzplatz und Überwinterungsquartier für die Insektenjäger. Um den Besuchern die Fledermäuse näher zu bringen, hatte die Fledermausexpertin noch eine besondere Überraschung dabei: Nora, eine Nordfledermaus, welche auf Grund ihr fehlenden Flugfähigkeit in freier Wildbahn nicht überlebensfähig wäre, konnte gestreichelt werden. Das weiche Fell begeisterte Klein und Groß und Nora hatte alle in ihren Bann gezogen.

Nach diesem Highlight ging es in einem 15 minütigen Fußmarsch zur „Gottesgabe“ wo weitere Fledermäuse gesichtet werden sollten. Mit Hilfe von einem Detektor wurden die Ultraschalllaute, die den Fledermäusen zur Orientierung dienen, auch für den Menschen hörbar gemacht. Immer wenn ein Detektor - Laut Fledermäuse ankündigte, leuchteten unzählige Taschenlampen auf, welche die Fledermäuse an Himmel und Felswand und in der Schlucht suchten und fanden. Denn die Nacht stellte sich als “high season” der Fledermäuse heraus. Auf der Balz jagten sich ständig zahlreiche Fledermäuse, immer wieder flogen sie über die Köpfe der begeisterten Zuschauer und so konnten sechs verschiedene Arten ausgemacht werden.
Am Ende des Abends waren sich alle einig: In diesen drei Stunden hat man nicht nur viel gelernt, sondern auch Spaß bei der Beobachtung dieser kleinen Schatten in der Nacht gehabt. Und für die etwa 30 Kinder war das eine unvergessliche Nacht, die sie gerne nächstes Jahr wiederholen möchten.


Das vom Aussterben bedrohte Auerhuhn ist der größte fliegende Waldvogel Europas und zugleich seit 40 Jahren das Wappentier des Naturpark Bayerischer Wald e.V. Um diesen auffälligen Vogel in Bayerns Wäldern zu erhalten, hat der Naturpark in Zusammenarbeit mit der Höheren Naturschutzbehörde von Niederbayern im November 2006 ein Artenschutzprojekt Auerhuhn ins Leben gerufen. Diese erstmalige Grundlagenerhebung für den gesamten Bayerischen Wald wird dazu beitragen einen langzeitigen Schutz des seltenen Waldvogels zu gewährleisten.
Das Auerhuhn weist eine äußerst spezialisierte Anpassung an seinen Lebensraum auf: In den wärmeren Jahreszeiten ernährt es sich von Beeren, Knospen, Trieben und Insekten. In den kommenden Wintermonaten stellt das Auerhuhn seine Nahrung überwiegend auf Fichtennadeln um. Diese Art der Ernährung ermöglicht ihm sein Überleben in unserer Mittelgebirgsregion in einer Höhenlage von über 800 Meter.
Die Spezialisierung seiner Nahrung und seines Lebensraumes kann dem Auerhuhn in intensiv genutzten Wirtschaftswäldern vor Probleme stellen. So existieren heute nur noch wenige der von dem Auerhuhn benötigten lichten Altholzbestände mit hohem Zwergstrauchanteil, wie der Moos-, Rausch- oder Heidelbeere. Hierbei ist der Waldvogel vor allem auf Waldbereiche mit einer Umtriebszeit von über 120 Jahren angewiesen. Doch auch viele andere menschliche Einflüsse der letzten Jahrzehnte, wie die voranschreitende touristische Erschließung der Gebirgsregion, vertreibt den scheuen Waldbewohner aus seinem ursprünglichen Lebensraum.
Durch viele negative Einflüsse ist der Auerhuhnbestand Deutschlands erheblich im Rückgang begriffen. Die Ziele des Artenschutzprojektes sind es, den aktuellen Bestand langfristig zu erfassen und seine Entwicklung zu verfolgen. Außerdem wird eine Verbesserung des allgemeinen Schutzes durch Beruhigung der Balz- und Brutgebiete angestrebt.

Auf Grund der weitflächigen Ausdehnung des Erfassungsgebietes stützt sich der Naturpark auf die aktive Beteiligung durch ehrenamtliche Helfer: Mit Auerhuhn - Meldebögen wird der Bestand der Tiere seit Frühjahr diesen Jahres erfasst. Dazu haben sich bis jetzt etwa 30 ehrenamtliche Helfer bereit erklärt den Naturpark zu unterstützen. Im einzelnen sind das meist ortsansässige Auerhuhnexperten, Förster, Jäger oder Naturfreunde. Derzeit sind bereits einige Meldebögen der ehrenamtlichen Kartierer eingegangen. Doch weisen noch einige Untersuchungsflächen Lücken auf. Um das Projekt demnächst erfolgreich abschließen zu können, bittet der Naturpark Bayerischer Wald e.V. deshalb die Bevölkerung, speziell die vielen ehrenamtlichen Betreuer, ausgefüllte Meldebögen zurückzusenden. Den Meldebogen zum Herunterladen und weitere Informationen finden Sie unter Artenschutz – Auerhuhn auf der Homepage www.naturpark-bayer-wald.de. Doch suchen Sie die Hühner nicht aktiv, da dies die Tiere verschrecken könnte, sondern lassen Sie Entdeckungen nur auf dem Zufall beruhen. Gerne können Sie sich auch telefonisch oder per mail an uns wenden (Naturpark Bayerischer Wald e.V., Infozentrum 3, 94227 Zwiesel; Tel.: 0 99 22 - 80 24 80; Fax: 0 99 22 - 80 24 81; E-mail: naturpark-bayer-wald@t-online.de).


Zur gemeinsamen Exkursion von Naturpark Bayerischer Wald e.V. und Naturkundlichem Kreis Bayer. Wald e.V. hatten sich mehr als 85 Leute im Infozentrum Grenzbahnhof Eisenstein eingefunden. Danach starte man in Fahrgemeinschaften zum Lackasee im Böhmerwald.

Über Neuhurkenthal ging es dann zu Fuß zum Lackasee. Zwischendurch erläuterte Fritz Pfaffl, der auch Präsident des Dachverbandes der Naturwissenschaftlichen Vereinigung Deutschlands ist, auch Interessantes zur Ortschaft Hurkenthal, von der man nur noch das Kirchenfundament und die Friedhofskapelle sieht.

Am See selbst gab es dann ausführlichere Informationen zu den Eiszeiten und speziell zu den Besonderheiten hier. Der Lackasee ist der seichteste und kleinste Eiszeitsee des Hohen Böhmerwaldes. Der würmeiszeitliche See befindet sich in 1096 Meter Meereshöhe am Nordabhang des Lackaberges im Bereich der Paragneise. Wegen dieses sehr harten Cordierit – Gneises wurde das Seebecken vom Gletscher nur ganz wenig ausgeschürft, der blieb sehr flach. Die Seefläche beträgt 2,53 Hektar, die maximale Seetiefe 3,9 Meter. Der Lackaberg als Ausgangsgebiet eines geringmächtigen Gletschers hat eine Höhe von 1346 Meter. In den Jahren 1835 und 1888 führte eine künstliche Erhöhung des Wasserspiegels um 0,8 Meter zum Betrieb einer Glasschleife und zur Besteigung einer damals schon erkennbaren fortschreitenden Verlandung im rückwärtigen Seeteil. Die mächtige über 100 Meter breite linke Seitenmoräne besteht aus zwei breiten, blocküberstreuten Wällen, die durch eine flache, längliche Delle von einander getrennt sind. Bei ca. 1180 Meter Höhe, also 85 Meter über dem Seespiegel, liegt der scharf markierte Moränenbeginn.

Die Seewand ist oft sehr steil (40°) und weist gut ausgebildete Rundhöcker auf, sogenannte eratische Blöcke, das sind vom Eis glattgeschliffene Steine. Am Ende der Stirnmoräne vereinigen sich in klassischer Weise wie an vielen anderen Seen der rechte und linke Randbach und der aus der Mitte kommende Seebach. Eine rechte Seitenmoräne fehlt vom unteren Seeende aufwärts, tritt aber jenseits des Randbaches als niedrige reine Blockfelsenstreuung auf.

Das romantische Aussehen des Lackasees ergänzen die vielbestaunten „Schwimmenden Filzinseln“, die sich kaum merkbar im Jahresverlauf bewegen. Den See bedroht die Schwingrasenbildung, so wird er wie schon vier Seen im „Hohen Böhmerwald“ vor ihm nach und nach verlanden und aus dem Landschaftsbild verschwinden.

Auf einem anderen Weg durch teilweise alte Bergmischwälder erreicht man dann wieder den Ausgangspunkt Neuhurkenthal. Die Teilnehmer bedankten sich durch einen kräftigen Applaus. Einzelne waren von sehr weit her angereist, sogar aus Pilsen und aus München.


Die Ilz in der Dießensteiner Leite war das Thema einer geführten Wanderung im Rahmen des Naturpark-Jahresprogrammes. Trotz anfänglichem Regen trafen sich eine kleine Gruppe an der Schneidermühle zu einer Tour ilzaufwärts in die Dießensteiner Leite. Neben den botanischen Besonderheiten des Ilztales waren natürlich auch die Neophyten ein Thema. Gebietsbetreuer Stefan Poost erläuterte den Teilnehmern die Herkunft des Indischen Springkrautes sowie des zur Zeit überall an der Ilz gelb blühenden, schlitzblättrigen Sonnenhutes, der aus Nordamerika eingeschleppt wurde, und um die Jahrhundertwende 1900 von Hausgärten in Hals bei Passau seine Wanderschaft ilzaufwärts begann. An der Dießensteinmühle gab es auf dem Steg über die Ilz eine Erklärung von „Drenterhalb und Herenterhalb“, was sich auf die ehemalige Grenze zwischem dem Herzogtum Bayern und dem Fürstbistum Passau bezog. Vorbei an dem Rückstau des Kraftwerkes ging es dann in den eigentlichen Teil der Führung, in die Kateraktstrecke Dießensteiner Leite. Neben geologischen Besonderheiten wurde auch die zweijährig stattfindende Wildwasserregatta erläutert. Der Regen in den letzten Tagen ließ die Teilnehmer erahnen, wie die Ilz zur Zeit der Schneeschmelze im Frühjahr förmlich durch die Dießensteiner Leite schießt. Auch der Fischotter lässt es sich nicht nehmen, im Winter in den eisfreien Stellen in tosendem Wasser erfolgreich nach Nahrung zu suchen, was anhand von Spuren im Schnee und auch Fraßresten und Losung eindeutig zu belegen ist, wusste Poost den Zuhörern zu erklären. Nach ca. 2,5 Stunden endete die Runde wieder bei Sonnenschein an der Schneidermühle.


Rund 35 Naturliebhaber aus Nah und Fern nahmen an der Eröffnung des Rundweges am Moosbacher Pfahl ca. 10 km nordwestlich von Viechtach teil. Die Gemeinde Prackenbach und der Naturpark Bayerischer Wald e.V. hatten zu einer geführten Wanderung mit dem Gebietsbetreuer des Naturparks, Matthias Rohrbacher, eingeladen.

Der ca. 4 km lange Rundweg führt durch das Naturschutzgebiet „Moosbacher Pfahl“ und um den ehemaligen Steinbruch. Der Rundweg beginnt am höchsten Punkt des Quarzfelsrückens, der von einer Kreuzigungsgruppe mit den Figuren von Maria und Johannes gekrönt ist. Auf einem Felsvorsprung findet sich ein Ölberginszenierung mit nach spätgotischem Vorbild gestalteten Figuren der schlafenden Jünger mit dem betenden Jesus. Ein Felsengrab und die vielen Kreuzwegstationen laden zum besinnlichen Wandern ein. Diese Zeichen der Volksfrömmigkeit und sakralen Kunst sind eng verzahnt mit den weiß schimmernden Quarzfelsen im Naturschutzgebiet „Moosbacher Pfahl“. Erstaunt waren die Wanderer auch über die am Wegesrand wachsenden Pflanzen. Seltene Flechtenarten überziehen wie eine zweite Haut viele Quarzfelsen. Auf der feuchteren, meist sehr steil abfallenden Nordseite der Pfahlfelsen wächst sogar die grünlich schimmernde Schwefelflechte. Das gelbe Johanniskraut findet sich neben der roten Heidenelke und dem bereits in diesem Jahr sehr frühzeitig rosa blühendem Heidekraut. Hundsrosen-, Weißdorn- und Schlehensträucher sind bevorzugte Brutplätze vieler Vogelarten wie der Heckenbraunelle. Lichte Kiefern- und Eichenwälder gehen auf felsigen Böden in offene Zwergstrauchheiden und Borstgrasrasen über. Diese Pfahlheiden sind durch die ehemalige Beweidung des felsigen Pfahlrückens entstanden und werden heute bei Landschaftspflegeaktionen regelmäßig entbuscht. „Durch das Wegegebot im Naturschutzgebiet soll die besondere Tier- und Pflanzenwelt geschützt werden.“ Betonte Naturpark-Gebietsbetreuer Matthias Rohrbacher bei der geführten Wanderung.

Die Felsentürme aus weißem Pfahlquarz verleihen diesem alten Naturschutzgebiet eine besondere Schönheit und Eigenart. Um dieses landschaftliche Wahrzeichen zu erhalten, wurde der Moosbacher Pfahl bereits im Jahr 1939 unter Naturschutz gestellt. Im benachbarten Steinbruch baute man den wertvollen Rohstoff noch lange Zeit ab und verarbeitete ihn vorwiegend zu Schotter. Eine besondere Verwendung fand der sehr harte und säurebeständige Quarz in einem Quarzitwerk im nahe gelegenen Altrandsberg. Bis Anfang der siebziger Jahre stellte man hier aus gebrochenem Quarz sehr widerstandsfähige Terrazzoplatten her, die zum Beispiel in besucherreichen Flughäfen, Krankenhäusern oder Ämtern als belastbare Bodenbeläge Verwendung fanden. Heute ist der schon lange stillgelegte Steinbruch, um den der neu markierte Rundweg führt, wieder stark zugewachsen. Besonders eindrucksvoll sind die bis zu 70 m tiefen Steilwände des Steinbruches.