Oktober 2014


Heutzutage ist es üblich nach 100 Tagen Amtszeit oder Betriebszeit Rückschau zu halten und zu bilanzieren. Beim Naturpark Bayerischer Wald e. V. hatten am 10. Juli 2014 der Bayerische Umweltminister Dr. Marcel Huber und sein tschechischer Kollege Richard Brabec die neuen NaturparkWelten im Grenzbahnhof Bayerisch Eisenstein eröffnet. Vier verschiedene Museen und Ausstellungen wurden unter einem Dach neu geschaffen. Im Untergeschoss befindet sich das Europäische Fledermauszentrum, im Erdgeschoss eine Ausstellung zum König Arber, im ersten Stock das erste Skimuseum für den Bayerischen Wald und im zweiten Stock eine Ausstellung mit dem Motto „Höchste Eisenbahn“. Im Dachgeschoss befindet sich eine Modelleisenbahnanlage im Bau. Im Europäischen Fledermauszentrum befindet sich auch eine Freiflugvoliere und Pflegestation. Fledermäuse als Insektenfresser halten einen echten Winterschlaf. In der Freiflugvoliere wird es nun ab November ruhig. Die Ausstellungen und Museen in den Naturparkwelten bleiben im November und Dezember aber trotzdem geöffnet. Täglich, außer Montag ist zu den üblichen Zeiten von 9:30 – 16:30 Uhr der Zugang zum gesamten Gebäude möglich, es werden auf Wunsch auch Führungen angeboten. Wer mit der Arberaktivcard oder der Bayerwaldpluscard anreist genießt freien Eintritt. Einige amüsante Anekdoten kann der Geschäftsführer Hartwig Löfflmann aus den ersten 100 Tagen berichten. Es gab Besucher, die den Eingang nicht gefunden haben, der auf dem tschechischen Hoheitsgebiet liegt. Mancher ist umgekehrt, weil ihm die 7 € Eintritt, ermäßigt 5 €, zu hoch gewesen sind. Vereinzelt wird deswegen schon unter dem Drehkreuz durch gekrabbelt. Wer aber kritisch Preise vergleicht, vielleicht mit Museen in größeren Städten oder auch mit kleinen Museen, die nur 1€ Eintritt nehmen, wird zu dem Schluss kommen, dass das Preis-Leistungsverhältnis absolut stimmig ist. Alleine der Deutsche Teil des Grenzbahnhofes umfasst 10.000 m³ umbauter Raum bei einer Nutzfläche von 2.500 m². Es befinden sich vier hochwertige Museen mit digitalen Medien in dem historischen Gebäude, alle Ausstellungen sind dreisprachig in deutsch, tschechisch und in eigenem Führer auf englisch angelegt. Wer will, kann sich mehrere Stunden in der Einrichtung aufhalten und über eine zweite Vertiefungsebene mittels Handy – oder auszuleihender Tabletts viele weitere Informationen wie Filme oder Interviews abrufen.

Hinterher fällen die Besucher ein durchweg positives Urteil: „super“, „tolle Einrichtung“, „ideal für Gruppen und Schulklassen“, „eine gute Alternative bei schlechtem Wetter“, so lautet meist das Fazit. Etliche Berichterstattungen und Beiträge für Filme wurden bereits gedreht.

In der Naturpark Geschäftsstelle arbeitet man derzeit mit Hochdruck an der Abrechnung des Projektes bei 14 verschiedenen Förderstellen. Über 200 Leitzordner füllen die Regale, alleine zum Projekt NaturparkWelten. Derzeit wird noch an der Außenbeschilderung gearbeitet und an der Ausstattung des Museumscafes. Dies soll zu Weihnachten 2014 eröffnet werden. 137 Jahre nach Ankunft der ersten Züge im November 1877 erstrahlt der Grenzbahnhof Eisenstein nun in neuem Glanz. Ermöglicht haben dies u.a. die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, die Fördermöglichkeiten über dass Konjunkturpaket II des Bundes, das Europäische Förderprogramm INTERREG IV, die Bayerische Landesstiftung, das Denkmalsonderprogramm des Bundesbeauftragen für Kultur und Medien, die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern, die Denkmalbehörden und etliche andere Geldgeber und Sponsoren.


Mit der Ilztalbahn zur Buchberger Leite

Von den Hochlagen im Bereich des Lusen streben die Wasser des Sauß- und Reschbaches im FFH-Talsystem der Ilz unaufhaltsam bergab. In der Buchberger Leite vereinigen sie sich „Bei der Scheer“ zur Wofsteiner Ohe. Von dort fließen sie zu deren Mündung unterhalb von Schloss Fürsteneck in die Ilz und weiter zur Donaumündung in Passau wo sie sich schließlich auf den langen Weg ins Schwarze Meer aufmachen.

Beeindruckende Felsformationen in der Buchberger Leite, die mancherorts nur als sehr schmales Kerbtal ohne Sohle ausgeprägt sind, zeugen von der über jahrzehntausende langen, stetig erodierenden Arbeit des Wassers. Ein besonderes Prädikat erhielt die Buchberger Leite durch die Aufnahme in die Liste „Bayerns schönste Geotope“. Unterhalb „Bei der Scheer“ kreuzen die Wasser eine geologische Besonderheit, den sogenannten bayerischen Pfahl, eine erdgeschichtliche geologische Verwerfungslinie, die sich von der Oberpfalz über Viechtach und Freyung bis nahe der Stadt Linz in Oberösterreich zieht. Durch einen Tunnel geht es anschließend vorbei am Carbidwerk, weiter durch alte, totholzreiche Hang- und Schluchtwälder. Über eine Hängebrücke führt die Wanderung ans gegenüberliegende Ufer der Wolfsteiner Ohe und weiter nach Ringelai zur mittäglichen Einkehr und wieder zurück.

Der Naturpark Bayerischer Wald e.V. lädt im Rahmen von Bayern Tour Natur alle Interessierten recht herzlich ein. Der Ilz-Gebietsbetreuer Stefan Poost wird die Wanderung führen. Der Weg durch die Buchberger Leite ist nicht barrierefrei, festes Schuhwerk sowie den der jahreszeitlichen Temperatur und Witterung angepasste Kleidung wird empfohlen.

Die Wanderung findet am Sonntag, den 26. Oktober 2014 statt. Abfahrt ist um 7:35 Uhr am Bahnhof in Passau, bitte vor Ort Abfahrtsgleis auf der Anzeigetafel im Durchgangsbereich des Bahnhofes erkunden. Treffpunkt, Begrüßung und Beginn der Wanderung ist um 8:50 Uhr am Bahnhof in Freyung. Wer nicht mit der Bahn anreisen will, kann sich ab Freyung der Wanderung anschließen. Die Rückfahrt mit der Bahn erfolgt um 16:50 Uhr ab Bahnhof Freyung.


Bebilderter Vortrag über einen seltenen Vogel

Viechtach. Der Flussuferläufer am Schwarzen Regen“ – der Landesbund für Vogelschutz (LBV) Kreisgruppe Regen und die Umweltstation des Naturparks bieten diesen bildreichen Vortrag über den Flussuferläufer als besondere Vogelart im wildromantischen Flusstal an. Die Veranstaltung findet am Donnerstag, den 23. Oktober um 19:30 Uhr im Alten Rathaus am Viechtacher Stadtplatz statt. Der Eintritt ist frei. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Referent ist Claus Gregor als Kreisvorsitzender des Landesbund für Vogelschutz. Bei seinem Vortrag zeigt er interessante Bilder über den Flussuferläufer und geht auf die Entwicklung der Vogelbestände im Laufe der letzten Jahre ein. Er berichtet über die Lebensweise dieser vom Aussterben bedrohten Art, die im Regental ein Rückzugsgebiet hat. Dabei versucht der Referent auch interessante ökologische Fragen zu beantworten: Wie wirkt sich Hochwasser auf die Flussuferbruten aus? Welche Gefährdungen bestehen für die Vogelbestände? Was kann man dagegen tun? Der Vortrag mit anschließender Diskussion soll auch dem Erfahrungsaustausch zum Erhalt schutzwürdiger Arten und einer gezielten Besucherlenkung am Beispiel des Schwarzen Regen dienen.


Naturpark-Wanderung im „Wilden Waldgebirge“

Sankt Englmar. „Felsengipfel und Wacholderheiden“ – eine naturkundliche Wanderung im „Wilden Waldgebirge“ bietet der Naturpark Bayerischer Wald e.V. im Landkreis Straubing-Bogen an. Treffpunkt ist am Sonntag, den 19. Oktober um 15:00 Uhr am Parkplatz Hirschensteinweg nahe dem Kletterwald in Sankt Englmar. Die ungefähr zweieinhalbstündige Wanderung führt auf die drei, über tausend Meter hohen Berge Predigtstuhl, Hochberg und Knogl. Hier bietet sich eine beeindruckende Aussicht einmal in Richtung Donautal und einmal in Richtung Innerer Bayerischer Wald. Felsengebilde oder Blockschuttfelder zeigen den Vorderen Bayerischen Wald von seiner wilden Seite. Lichte Zwergstrauchheiden und weite Wälder säumen den Weg. Interessante Informationen zu seltenen Tieren wie Luchs oder Auerhuhn stehen auf dem Programm. Referent ist Matthias Rohrbacher, Gebietsbetreuer des Naturparks. Alle Interessierten sind zu der kostenlosen Wanderung herzlich eingeladen, die auch für Familien mit Kindern gut geeignet ist. Bitte festes Schuhwerk mitnehmen.


Wiesenfelden. „Herbstzeit ist Schwammerlzeit“ – beim Wandern durch die Wälder begegnet man einer großen Vielfalt an Pilzen. Welche sind genießbar und schmecken besonders gut? Wie stark strahlen Pilze heute noch? Was ist die Rolle der Pilze im Naturhaushalt? Dies sind Fragen, die sich mancher Pilzsucher stellt. Mit dem Wissen über richtiges Sammeln und Zubereiten kann man Pilze guten Gewissens genießen. Gelegenheit dazu bietet sich bei einer Pilzwanderung des Naturparks Bayerischer Wald e.V. in Heilbrunn in der Gemeinde Wiesenfelden.

Die Pilzexkursion nach dem Motto „Gesundheit aus der Natur - im Herbst Pilze sammeln und verwerten“ findet am Freitag, den 17. Oktober statt. Treffpunkt ist um 15.00 Uhr vor der Kirche in Heilbrunn in der Gemeinde Wiesenfelden. Alle Interessierten sind herzlich zu dieser kostenlosen, ca. dreistündigen Wanderung eingeladen. Referent Alois Zechmann, Naturpädagoge und Pilzexperte, berichtet über regionale Pilze und deren Besonderheiten.


Die Dießensteiner Leite ist der wildeste Abschnitt der Ilz auf ihrem Weg vom Zusammenfluss der Großen und Kleinen Ohe an der Ettlmühle bis zur Donaumündung in Passau. Am Fuße der Burgruine Dießenstein bricht sich das Wasser an den großen Geröllbrocken im Flussbett. Alle zwei Jahre messen die Kajakfahrer international auf diesem Wildwasserabschnitt ihr Können. Urige Schluchtwälder haben sich in dem alten Naturschutzgebiet „Die Ilz am Dießenstein“ noch erhalten, welches heute Teil des Naturschutzgebietes „Obere Ilz“ von der Ettlmühle bis Fürsteneck ist. Der Naturpark Bayerischer Wald e.V. lädt am Sonntag den 12.10.2014 zu einer geführten Herbstwanderung in die Dießensteiner Leite ein. Treffpunkt ist 14:00 Uhr beim Parkplatz an der Schneidermühle. Der Gebietsbetreuer Stefan Poost wird auf der gut zweistündigen Wanderung durch das Naturschutzgebiet „Obere Ilz“ den Teilnehmern Erläuterungen über die Tier und Pflanzenwelt im Naturschutzgebiet geben. Festes Schuhwerk und dem Wetter entsprechende Kleidung wird empfohlen.


Georg Dasch referierte im Naturparkhaus in Zwiesel

Zu einem gemeinsamen Vortragsabend hatten Naturpark Bayerischer Wald e.V., Arbeitskreis Energie und Verkehr sowie die Umweltstation Viechtach eingeladen. Der erste Vorsitzende des Sonnenhausinstituts Georg Dasch referierte zum Thema „vom Sonnenhaus zum Effizienzhaus“.

Eingangs ging er kurz auf die weltweite Entwicklung beim CO2-Ausstoß ein. Im Jahre 1990 waren dies 22,5 Mrd. Tonnen, im Jahr 2012 waren es 32,5 Mrd. Tonnen. Dies ist ein sehr deutlicher Anstieg, obwohl man sich zum Ziel gesetzt hatte bis 2050 den CO2-Ausstoß weltweit zu halbieren. Deutschland ist in der Liste bei den zehn meisten CO2-Emittenten dabei. Anschließend ging Dasch kurz auf die Energieverbräuche ein. Etwa 55 % werden für Wärme benötigt. Die Stromerzeugung benötigt 16 % des Primärenergieverbrauchs, verursacht aber derzeit 100 % der „Energiedebatte“. Feststellbar ist auch, dass seit dem Jahr 2010 der CO2-Ausstoß je Kilowattstunde Stromerzeugung wieder ansteigt. Dasch bemängelte auch das Fehlen von effizienten Speichern. Er ging kurz auf Lageenergiespeicher ein. Die Praxis, dass man PV-Anlagen und Windkraftanlagen bei Spitzen wegschaltet, weil Atomkraftwerke und Kohlekraftwerke eigentlich nicht regelbar sind, ist absurd. Dasch stellte das klassische Sonnenhaus vor, und die Bemühungen das „Effizenzhaus plus“ zu schaffen. Fazit seines eineinhalbstündigen Vortrags war, die Technik im „Effizienzhaus plus“ „ist viel zu teuer und hochtechnisiert“, eigentlich kein zielführender Weg. Sonnenhäuser mit einem deutlichen Anteil von Solarthermienutzung und -speicherung, kombiniert mit Photovoltaikanlagen, die das Stromnetz als Puffer nutzen, sind wesentlich besser. Das Verbot von Nachtspeicheröfen bis zum Jahre 2020 wurde jetzt wieder aufgehoben, den Worten von Dasch zufolge unsinnig, weil diese Systeme im Winter zum Heizen wiederum Strom brauchen. Der Strom ist aber gerade im Winter Mangelware.

Energieeinsparung kombiniert mit Solarwärmenutzung ist auf weiten Gebieten absolut zielführend, die Technik ist entsprechend einfach und von vielen beherrschbar. Zum Schluss bedankte sich Hartwig Löfflmann beim Referenten und den Teilnehmern.