2012


Schon seit vielen Jahren gilt der niederbayerische Filmemacher Jürgen Eichinger als einer der besten Kenner des Bayerischen Waldes, der es wie nur wenige Filmemacher schafft, seine Zuschauer so zu begeistern, dass man merkt: Hier war jemand am Werk, der nicht nur seinen Traumberuf gefunden hat, sondern der auch mit Leib und Seele Naturschützer ist. Arbergebietsbetreuerin Dr. Isabelle Auer vom Naturpark Bayerischer Wald und Jürgen Eichinger laden zum Start des Arber-Jahresprogramms 2013 alle Naturliebhaber und Filmfans am Freitag, 04. Januar um 19:30 Uhr ins Alte Rathaus in Bodenmais (Bergknappenstraße) zu einer Filmvorführung des neuen Eichinger-Films „Wildes Deutschland – Bayerischer Wald“ ein, in dem in faszinierenden Bildern gezeigt wird, dass der Borkenkäfer im benachbarten Nationalpark keineswegs zum Totengräber, sondern vielmehr zum Geburtshelfer eines neuen „Urwaldes“ wurde, der vielfältiger ist, als der alte Wirtschaftswald es je war. Spannend wird es auch im Anschluss an die Filmvorführung werden, da Jürgen Eichinger von seiner Arbeit als Natur- und Tierfilmer erzählen wird und für Fragen gerne zur Verfügung steht. Der Eintritt ist frei.


Viele Arbeiten im Bereich des Naturparks Bayerischer Wald laufen im Rahmen von ehrenamtlichem Engagement ab. Hierzu gab es, wie bereits im Vorjahr, Unterstützung durch ein Projekt des Verbandes Deutscher Naturparke (VDN), der Dachorganisation der Naturparke in Deutschland. Die Generali Deutschland Gruppe begleitet dieses Projekt des VDN als Sponsor. Die Offenhaltung der Landschaft und der Erhalt bäuerlich geprägter Kulturlandschaft ist ein wichtiger Aufgabenbereich von Naturparken. Der Naturpark Bayerischer Wald e.V. bemüht sich seit jeher um den Erhalt von Streuwiesenflächen. Manchmal kam es durch Nutzungsaufgabe wenig rentabler Flächen zu Verbuschung. Das Endstadium dieser Sukzession ist dann nach Jahrzehnten der Wald. Um aber diese ökologisch wertvollen Flächen offen halten zu können, bedarf es periodischer Pflege. Im Spätherbst ging es nun beim Naturpark um praktischen Arten- und Biotopschutz. Die Verhinderung des Verbuschens durch Beseitigung von Gehölzen und Bäumen zur Sicherung der botanischen Vielfalt war angesagt. Mit wetterfester Arbeitskleidung und gutem Schuhwerk, ausgestattet gingen die Helfer Mitte November unter Anleitung des Naturpark-Biologen Alois Hofmann in der Gemeinde St. Oswald im Landkreis Freyung-Grafenau zu Werk. Die Helfer waren vor allem mit dem Entfernen und Heraustragen des abgeschnittenen Materials aus der Fläche beschäftigt.


Nach Abschaffung des Zivildienstes wurde beim Naturpark Bayerischer Wald e.V. der Bundesfreiwilligendienst etabliert. Insgesamt vier Stellen würden zur Verfügung stehen. Im ersten Anlauf wurden zwei Stellen davon besetzt. Seit 01.07.2011 leisteten zwei Bundesfreiwillige beim Naturpark Bayerischer Wald e.V. im Informationshaus in Zwiesel ihren Dienst und begleiten das Naturpark-Team bei den verschiedensten Aufgabenbereichen. Die Bandbreite reicht von der Besucher-Betreuung an der Infotheke bis zur Gartenpflege. Für Schüler, die noch unsicher in ihrer Berufswahl sind, kann dieses Jahr weitere Erfahrung und Orientierung bieten. Auch ältere Teilnehmer sind mit ihrer Lebenserfahrung herzlich willkommen. Neben einem Taschengeld werden Verpflegungsmehraufwendungen gezahlt. Bis 27 Jahre alte Personen müssen den Bundesfreiwilligendienst in Vollzeit leisten, älteren Teilnehmern ist auch Teilzeitarbeit gestattet. Für eine Vollzeit-Stelle erhält man ca. 400 € aufgeteilt nach Taschengeld und Verpflegungsaufwand. Dies hängt teilweise jedoch von den persönlichen Verhältnissen ab. Wer Interesse hat, kann sich gerne beim Naturpark Bayer. Wald e. V. bewerben 09922/802480.


Das Naturpark - Informationshaus an der B11 - Abfahrt Zwiesel - Süd (Info-Zentrum 3) ist ab Montag, 12.11.2011 bis einschließlich Freitag, 21.12.2012 geschlossen und dann wieder zu den übliche Zeiten, täglich von 9:30 bis 16:30 Uhr geöffnet. Nur am Hl. Abend bleibt geschlossen. Seit 10 Jahren ist das Nullenergiehaus des Naturparks Bayer. Wald e.V. nun in Betrieb. Viele Erfahrungen mit Sonnenhäusern liegen vor. Wer sich von den Einheimischen, die bisher noch nicht im Haus zu Gast waren, noch erstmals in der Vorzeigeeinrichtung umsehen will, hat dazu an diesem Wochenende noch einmal Gelegenheit oder dann ab dem Weihnachtswochenende wieder.


Der Naturpark Bayerischer Wald und der Nationalpark Bayerischer Wald sind beide Mitglied in der Dachorganisation EUROPARC Deutschland. Von dort aus wurde ein Projekt der modellhaften Vernetzung und Zusammenarbeit benachbarter Schutzgebiete angeregt. Neun Mal gibt es diese Situation in Deutschland, hier arbeiten Schutzgebiete in unmittelbarer Nachbarschaft nebeneinander, z.B. ein Naturpark neben einem Nationalpark oder ein Biosphärenreservat neben einem Naturpark. Die deutschlandweiten Projekte standen unter der großen Überschrift „Schutz der Biodiversität“ und wurden vom Bundesamt für Naturschutz gefördert. Die Bandbreite war groß, beispielsweise widmete man sich in Thüringen der Wildkatze oder in der Eifel dem barrierefreien Tourismus. Im Bayerischen Wald sollten die bisher nebeneinander existierenden Veranstaltungsprogramme von Naturpark und Nationalpark im Internet vernetzt werden. Der Gast will wissen, was in dieser Woche in der Region passiert und das ohne große Suche. In einem ersten Schritt wurden bereits im Jahr 2011 die Internetplattformen auf diesem Sektor angepasst. In einem weiteren Schritt wurden dann Internetauftritte zu den Tierarten im bereits vorausgegangenen Projekt „Tierisch Wild“ geschaffen. 22 Nationalparkgemeinden beiderseits der Grenze, davon 13 deutsche, wählten für ihre Gemeinde jeweils ein Patentier, zu dem sie einen besonderen Zugang hatten oder das möglicherweise in ihrem Gemeinde-Logo Platz gefunden hat. Beispielsweise war dies in Grafenau der Bär oder in Frauenau der Falke. Bisher gab es in Sachen Artenschutz und Biologie keine Informationen zu diesen Sympathieträgern, die Touristen zu einem Natururlaub in die Region locken sollten. Im Laufe des Jahres 2012 wurde nun projektbezogen der Auftritt für diese Tierarten unter dem Dach „Tierisch Wild“ ausgebaut. Auf etwa 230 Seiten finden sich Informationen und ca. 270 Fotos zu den zwölf „Wilden Tieren“. Zu finden ist dies beispielweise auf der Internetseite des Naturpark Bayerischer Wald e.V., auf der Nationalpark-Internetseite und bei den „Tierisch Wild“ - Gemeinden. Der Projektumfang betrug ca. 25.000 € die Eigenanteile steuerten Naturpark und Nationalpark Bayerischer Wald bei. Die Projekt-Koordination lag bei Josef Wanninger vom Nationalpark Bayerischer Wald und Hartwig Löfflmann vom Naturpark Bayerischer Wald e.V.


Der Naturpark Bayerischer Wald e.V. saniert derzeit den historischen Grenzbahnhof in Bayerisch Eisenstein. Vor Einbruch des Winters wurde nun Zwischenbilanz gezogen und die Gebäudesanierung der Öffentlichkeit im Rahmen einer Baustellen-Führung vorgestellt. Hartwig Löfflmann präsentierte zunächst den fast fertigen Bauabschnitt I, das ist der vierstöckige Haupt-Bau mit Kellergeschoss unmittelbar am Busbahnhof. Dort sind die Räume bezugsfertig, die Haustechnik-Installation geht in die Endphase. Gefördert wurde dieser erste Bauabschnitt durch das Konjunkturpaket II des Bundes und den Fördertopf INTEREGG IV der Europäischen Union. Weitere Geldgeber waren das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, die Bayerische Landesstiftung, die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, die Gallinger-Max-Stiftung, die Sparkassen-Stiftung sowie die Landesstelle für die nicht staatlichen Museen in Bayern. Auch der Landkreis Regen und die Gemeinde Bayerisch Eisenstein hatten ihren Beitrag dafür geleistet. Dort entstehen auf etwa 1.500 m² neue Ausstellungsflächen mit einem Fledermaus-Zentrum, einer Arber-Ausstellung, einem Ski-Museum und einem Bereich zu Eisenbahn und Mobilität. Im zweigeschossigen Mittel-Bau, dem Bauabschnitt II, ist das Gebäude statisch ertüchtigt und außen fertig renoviert. Im Inneren fanden die etwa 35 Interessierten bisher nur den Rohbauzustand vor. Die Aufgabe des nächsten Jahres wird sein, diese Räume ansprechend zu sanieren. Hierfür stehen Finanzmittel des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aus dem Denkmal-Sonderprogramm II zur Verfügung. Ergänzt werden diese Finanzmittel durch den Bezirk Niederbayern, das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege und die Landesstelle für die nicht staatlichen Museen. Bisher liegt das Projekt im Kostenrahmen und die Bilanz bei der energetischen Sanierung kann sich sehen lassen. Die neue Energieeinsparverordnung (ENEV) verlangt einen Energie-Ausweis für Gebäude. Der Grenzbahnhof erreicht hier einen höheren Standard, wie ein in der ENEV beschriebener Neubau. Innendämmziegel, Thermodach und dreifach verglaste Fenster machen dies möglich.


Die Dießensteiner Leite ist der wildeste Abschnitt im Verlauf der Ilz auf ihren Weg nach Passau. Am Fuße der Burgruine Dießenstein bricht sich das Wasser an den großen Geröllbrocken im Flussbett. Alle zwei Jahre messen die Kajakfahrer international in diesem Wildwasserabschnitt ihr Können. Der Naturpark Bayerischer Wald e.V. lädt am Sonntag den 21.10.2012 zu einer geführten Herbstwanderung in die Dießensteiner Leite ein. Treffpunkt ist 14:00 Uhr beim Parkplatz an der Schneidermühle. Der Gebietsbetreuer Stefan Poost wird auf der gut zweistündigen Wanderung durch das Naturschutzgebiet „Obere Ilz“ den Teilnehmern Erläuterungen über die Tier und Pflanzenwelt im Naturschutzgebiet geben. Festes Schuhwerk und dem Wetter entsprechende Kleidung wird empfohlen.


Der bildgewaltige Vortrag “Magie der Farben und Formen – Schmetterlinge im Bayerischen Wald“ informiert über diese farbenfrohen Künstler der Wandlung und Verwandlung. Die Präsentation mit Bildern und Kurzfilmen findet am Freitag, den 26. Oktober um 19:30 Uhr in der Umweltstation des Naturparks im Alten Rathaus am Viechtacher Stadtplatz statt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei. Referent ist Ralph Sturm, der als Lehrer, Insektenkundler und Fotograph bei einigen Medien- und Fortbildungsprojekten aktiv ist. Bei seinem Vortrag berichtet er über bekannte und wichtige heimische Schmetterlinge. Der Referent informiert über deren Lebensweise und Lebensraum sowie geht auf Schutzmöglichkeiten für diese vielerorts seltenen und bedrohten Insektenarten ein. Interessante Bilder und Kurzfilme über Häutung, Verpuppung und Schlupf zeigen dabei die besondere Faszination dieser farbenprächtigen Verwandlungskünstler.


Die Ergebnisse eines Gemeinschaftsprojektes von Regierung von Niederbayern und Unterer Naturschutzbehörde im Landratsratsamt Regen präsentierte der Referent Wolfgang Völkl im Naturparkhaus in Zwiesel. Unter den interessierten Besuchern war auch Landrat Michael Adam. Im Rahmen eines Kartierungsprogrammes, das seit 2006 läuft, wurden Vorkommen erhoben und näheren Untersuchungen durchgeführt. Der Bayerische Wald ist dabei bundesweit ein Schwerpunktgebiet für die Kreuzotter. Wolfgang Völkl ging zunächst auch auf andere vorkommende Reptilienarten, dann auf die Kennzeichen, die Verbreitung und anschließend auf die Lebensräume der Kreuzotter ein. Er berichtete auch über Gefährdungen und Schutzmaßnahmen. Man erkennt die Kreuzotter an der geschlitzten Pupille und am durchgängigen Zick-Zack-Band am Rücken sowie an einem „V“ am Kopf. Im Inneren Bayerischen Wald sind die sogenannten schwarz gefärbten „Höllen-Ottern“ weit verbreitet. Die Schwarzfärbung erfolgt aber erst im Lauf des ersten Lebensjahres. Völkl präsentierte eine ganze Reihe fundierter Informationen und räumte mit alten Geschichten auf, die teilweise überhaupt nicht stimmen. Mit großem Interesse wurden die Informationen zum Gift der Kreuzotter aufgenommen. Kreuzottern fressen Eidechsen, Frösche und Mäuse, hauptsächlich Feld- und Rötelmäuse. Das Gift der Kreuzotter kann eine Maus innerhalb von fünf Minuten töten. Der Körper einer Maus wiegt etwa 20 Gramm. Ein ausgewachsener Mensch mit seinem vielfachen an Körpergewicht, hat kein Problem mit dem Gift. Bekannt sind die Schwellungen des gebissenen Körperteiles. Das Gift hat mehrere Funktionen, es entstammt einer Art umgebauter Speicheldrüse, soll die Beute töten, die Verdauung vorbereiten aber auch Angreifer abwehren. Viel gefährlicher als das Gift, ist die Schockwirkung, das „zu Tode erschrecken“. Das „sich hysterisch machen“ ist meist wesentlich gefährlicher für den Kreislauf, als das Gift selbst. Ein weiterer nicht zu unterschätzender Faktor ist allerdings die sekundäre Infektion durch Verunreinigung der Wunde. Diese tritt in 3-5% der Fälle auf. Die alten Beschreibungen, dass eine Person nach 6-8 Tagen an Siechtum gestorben ist, stammen nicht vom Gift der Kreuzotter, sondern von sekundären Infektionen und Blutvergiftungen. Dies war ein Problem zu den Zeiten, etwa bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts, als es noch keine Antibiotika gab. Vorbeugen kann man in jedem Fall durch festes Schuhwerk, lange Hosen und entsprechende Vorsicht beim Pilze- oder Beeren sammeln. Denn die lichten Waldstrukturen, an denen z. B. Rotkappen stehen, taugen auch der Kreuzotter. Trotzdem soll man einen Kreuzotter-Biss nicht verharmlosen und sich in ärztliche Behandlung begeben. Die Schwellung des betroffenen Körperteiles, vor allem wenn beim Biss eine Vene erwischt wird, kann dazu führen, das Nerven abgedrückt werden und Taubheitsgefühl auftritt. Für solche Fälle ist die Verabreichung von Serum angesagt, das heute im Gegensatz zu früher, unbedenklich ist. Die Gefährdungen der Kreuzotter sind heut zu Tage vielfältig. Zum einen ist es die Verfolgung durch die Menschen, die Aufforstung geeigneter Lebensräume, die Verbuschung oder die Trockenlegung von Feuchtflächen. Auch die Intensivierung von Wiesen, der Verlust von Waldrändern und die Beseitigung von Hecken- und Steinriegeln stellt ein Problem dar. Wichtig hierfür sind entsprechende Schutzmaßnahmen. Selbst wenn eine erwachsene Kreuzotter in einem Maisacker Mäuse fangen kann, so haben doch die Jungtiere, die sofort nach ihrer Geburt auf sich selbst gestellt sind und mit dem bereits ausgebildeten Giftzahn ihre Beute jagen, keine Chance in ausgeräumten Agrarlandschaften. Als gute Winterquartiere haben sich neben natürlichen Gegebenheiten in Erdlöchern und Felsspalten auch kleine verrottende Holzstöße, die vergessen worden sind, erwiesen. Die Akzeptanz-Förderung für diese gesetzlich geschützte Art ist sehr wichtig. Die Kreuzotter zeigt intakte Lebensräume und gilt als eine Leitart auch für andere Arten. Strukturreiche, kleinteilige Landschaften, die für die Kreuzotter als Lebensraum passen, sind die Bereiche, die auch für den Feriengast sehr interessant sind. Die Kreuzotter kann auch hier ein wichtiger Indikator sein. Mehr Informationen gibt es in einer Broschüre des Landesamtes für Umwelt, die im Naturparkhaus erhältlich ist und auf der Naturparkinternetseite www.naturpark-bayer-wald.de.


Der für Freitag, 19.10.2012 um 19:30 Uhr in der Pfahlinfostelle im alten Rathaus Viechtach (Stadtplatz 1) angesetzte Vortrag von Naturpark und Umweltstation Viechtach zusammen mit dem Energiearbeitskreis mit anschließender Diskussion muss wegen eines Todesfalles entfallen. Es wird versucht die Veranstaltung im Rahmen des neuen Bildungsprogramms 2013 nachzuholen. Bitte im neuen Jahr Tagespresse und Internetankündigung sowie das neue Bildungsprogramm beachten.