Kaum zwei Kilometer vom Stadtzentrum Viechtachs entfernt, findet man weithin sichtbar das weiße Felsenriff des „Großen Pfahls“. Dieses hoch aufragende Quarzriff wurde bereits in alten Sagen, als der Kamm eines im Erdinnern ruhenden Drachen verklärt. Der „Große Pfahl“ führt heute als Geotop Nummer eins die Liste der 100 schönsten erdgeschichtlichen Erscheinungsformen Bayerns an. Ein neu angelegter Pfahl-Steig, der unmittelbar vom Stadtplatz zu dem Quarzriff führt, wurde letztes Wochenende eröffnet. Rund einhundert Naturliebhaber und Wanderer hatten sich zur Eröffnung eingefunden. Der Pfahl-Steig führt vom Stadtplatz in das wildromantische, ca. 1 km entfernte Riedbachtal. Alte, knorrige Eichenwälder und beschauliche Bachwiesen säumen hier den Weg. Um die Eingriffe in die Natur so gering wie möglich zu halten, wurde bei der Verwirklichung der Maßnahme auf eine Landschaft schonende Bauweise besonders Wert gelegt. Auf einem fast 150 m langen, hochwassersicheren Metallsteg konnten die Wanderer über einen renaturierten Altarm des Riedbaches spazieren. Bereits von weitem sieht man hier ein hoch aufragendes, burgartig anmutendes Gebäude, das Industriedenkmal „Sporer-Quetsch“. Erstaunt waren die Besucher über die vielen urtümlichen, aber großteils noch erhaltenen Maschinen und Gerätschaften. In der „Quetsch“ wurde das im Viechtacher Quarzbruch abgebaute Pfahlgestein zerkleinert, sortiert, gewaschen und für den Weitertransport vorbereitet. Vorbei an alten Weihern und neu angelegten, heckenreichen Streuobstwiesen gelangten die Naturliebhaber zum weißen Quarzriff des „Großen Pfahls“. Der Bau des Pfahl-Steiges ist eine Gemeinschaftsaktion der Stadt Viechtach und des Naturparks Bayerischer Wald e.V.. Projektleiter Heinrich Schmidt bedankte sich in seiner Eröffnungsrede beim städtischen Bauhof, der gemeinsam mit ABM-Kräften des Landkreises Regen, den schwierigsten Teil des Pfahl-Steiges gebaut hat: Auf dem hochwassersicheren Metallsteg können Wanderer trockenen Fußes über einen Altwasserarm des Riedbaches spazieren. Die Kosten für den 2 km langen „Pfahl-Steig“ betrugen insgesamt ca. 84.000 Euro. Das Umweltprojekt wurde mit ca. 41.000 Euro Zuschussmitteln über den Naturpark aus EU-Mitteln gefördert. Der „Pfahl-Steig“ ist die jüngste Errungenschaft in dem Projekt „Ökologisches Gesamtkonzept Bayerischer Pfahl“, das seit ca. 15 Jahren im Bereich der Stadt Viechtach umgesetzt wird. Mit dem Ankauf des ehemaligen Quarzsteinbruches und vieler wertvoller Wald- und Wiesenflächen konnte damit eine zusammenhängende Biotopverbundfläche von rund 45 ha geschaffen werden.

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