Die Besonderheiten der Pflanzenwelt standen am 24. Juli im Mittelpunkt der von den Naturparken Bayerischer Wald und Oberer Bayerischer Wald im Rahmen ihres Arberprogramms angebotenen Exkursion. Als Referenten konnten zwei Spezialisten für das Arbergebiet, die Diplombiologen Martin Scheuerer (für Gefäßpflanzen) und Oliver Dürhammer (für Moose und Farne) gewonnen werden. Beide haben bereits am Arber kartiert bzw. betreuen dort Dauerbeobachtungsflächen und Artenhilfsmaßnahmen. Nach einer kurzen Einführung stellte Martin Scheuerer auch gleich das erste Eiszeitrelikt am Arber, die Dreispaltige Binse, vor. Eiszeitrelikte finden sich an Standorten die ehemals vergletschert waren und deren Klima auch heute noch relativ extrem ist. Dabei bevorzugen sie besonders waldfreie Standorte bzw. Felsen. Der Arber zeigt die stärkste Anhäufung von diesen Eiszeitpflanzen ganz Bayerns außerhalb der Alpen. Neben der Dreispaltigen Binse sind noch der Krause Rollfarn und das Felsstraußgras hervorzuheben. Von Letzterem wurden im vergangenen Herbst im Rahmen einer Artenhilfsmaßnahme zur Bestandssicherung etwa 100 nachgezogene Exemplare ausgepflanzt. Dass der Arber viel Platz für Extremisten und Pioniere bietet, wurde auch bei den Ausführungen von Oliver Dürrhammer deutlich, der die Moose und Flechten (eine Lebensgemeinschaft aus Pilz und Alge) am Arber vorstellte. Besonders die steinbewohnende Flechten und Moose in den zahlreichen Felsriegeln müssen mit extremsten Bedingungen fertig werden. Dass diese Pflanzen optimal an diese extremen Bedingungen angepasst sind, demonstrierte Dürrhammer am Glashaartragenden Frauenhaarmoos, welches in seinem Glashaar einen eigenen Strahlungsschutz entwickelt hat. Auch Schüsselflechten und Krustenflechten besiedeln in großer Anzahl und Artenvielfalt die Felsen des Arbers. Ganz anders als in den Tieflagen dominieren am Arber diese Spezialisten die Artenzusammensetzung. Insgesamt finden sich am Arber ca. 170 Moosarten, über 130 Flechtenarten und „nur“ 135 Arten Höherer Pflanzen. Viele dieser, oft unscheinbaren Pflanzen sind sehr empfindlich gegen Trittbelastung. Deshalb ist das seit 2000 geltende Wegegebot am Arbergipfel überlebensnotwendig für sie. Martin Scheurer betonte besonders die Wichtigkeit solcher Besucherlenkungsmaßnahmen am Arber, dem wohl besucherreichsten aber auch artenreichsten Berg im Bayerischen Wald. Aufgrund seiner seltenen Pflanzenarten hat er eine hohe naturschutzfachliche Bedeutung. Als großes Problem sieht Scheurer die Bauaktivitäten am Arber, so sind den Wegebaumaßnahmen im letzten Jahr z.B. die letzten Standorte des Norwegischen Ruhrkrauts und des Wiesenhabichtskrauts hier am Arber zum Opfer gefallen. Aber auch die zunehmende Ausbreitung der Heidelbeere hält er für problematisch. Die Beobachtungen auf den Dauerflächen, die seit 10 Jahren kontrolliert werden, zeigen, dass die Pflanzen der Borstgrasrasen von den Zwergsträuchern immer mehr überwuchert werden. Hier hofft Scheurer auf die Erfolge durch Beweidung und Mahd um die Artenvielfalt am Arber zu erhalten.

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