2011


Im Zuge der Sanierung des Grenzbahnhofes Eisenstein, dem höchstgelegenen Grenzbahnhofes der Bundesrepublik Deutschland, entstehen im Dachgeschoss des Hauptgebäudes neue Räumlichkeiten. Auf ca. 250 m² Fläche soll eine Modelleisenbahn in der Spur H0 1:87 geschaffen werden, die in etwa den Landschaftsraum von der Donau zur Moldau abbildet. In diesem Zusammenhang soll als Gemeinschaftswerk eine Modellbahn-Anlage entstehen, die ab Spätwinter 2012 nach und nach aufgebaut werden soll. Der Naturpark Bayerischer Wald e.V. sucht Leute, die ihre Anlage mit einbringen wollen, oder eventuell in einem Nachlass eine Modelleisenbahnanlage haben, die keine Verwendung mehr hat. Der Naturpark sucht außerdem Freiwillige, die den Aufbau der Anlage mit begleiten können. Vom Bauablauf her werden die Räume etwa ab März 2012 benutzbar sein. Wer Vorkenntnisse in Sachen Modelleisenbahnbau mitbringt oder sich diese aneignen will, ist beim herzlich willkommen. Unter der Telefonnummer 09922 / 802480 gibt es weitere Informationen, dort können auch die Kontaktadressen hinterlegt werden. Ein Teil des Gleismaterials und der Zuggarnituren liegt bereits vor. Um die gesamten 250 m² Dachraum füllen zu können, bedarf es aber noch einiger Anstrengungen. Von der Generali Deutschland Gruppe wird ehrenamtliches Engagement im Rahmen eines Sponsoringprojektes bei zwölf ausgewählten Naturparken in der Bundesrepublik Deutschland, unter anderem beim Naturpark Bayerischer Wald unterstützt. Das Modelleisenbahn – Projekt ist neben der Thekenbetreuung im Naturpark – Informationshaus und dem Landschaftspflegeprojekt in den Stockauswiesen das dritte und größte Vorhaben in der zweijährigen Laufzeit.


Traditionell werden im Herbst Flächen gepflegt, die nicht mehr im Rahmen einer normalen Nutzung bewirtschaftet werden können. Um das Verbuschen und Zuwachsen zu verhindern ist es wichtig, Flächen die nicht mehr maschinenbefahrbar sind, per Hand zu pflegen. Der Verband Deutscher Naturparke als Dachorganisation für alle Naturparke Deutschlands hat mit der Generali Deutschland Gruppe einen Sponsor gefunden, der ehrenamtliches Engagement im Rahmen der Aktion „Herzenssache Natur“ unterstützt. Mitte Oktober traf sich eine Gruppe interessierter Helfer beim Naturpark Haus und startete dann in das Naturschutzgebiet Stockauwiesen bei Zwiesel, um Entbuschungsmaßnahmen durchzuführen. Die Aktion diente dem Fernziel die Bereiche offen zu halten und vor allem bedrohte Botanische Raritäten wie Sonnentau, Moosbeere und Wollgras vor dem Verschwinden zu bewahren. Mit dabei war auch Mitglieder des ehemaligen AGENDA-Arbeitskreises Umwelt der Stadt Zwiesel sowie des Bund Naturschutz. Sie zeigten alle miteinander tatkräftigen Einsatz. Nach der Entbuschungsaktion besteht wieder die Möglichkeit, dass mit einem Spezialmähgerät große Teile des Naturschutzgebietes wieder regelmäßig gepflegt werden können. Das Offenhalten der bäuerlich geprägten Kulturlandschaft ist ein wichtiger Beitrag, um die typische Bayerwaldlandschaft in ihrer bunten Ausprägung und im Wechsel zwischen Wälder, Wiesen und Hecken zu erhalten. Durch das Engagement der Generali Deutschland Gruppe werden derzeit modellhaft 12 Naturpark in Deutschland bei dieser wichtigen Aufgabe wesentlich unterstützt.


Im Rahmen der energetischen Sanierung der Realschule und des Gymnasiums Viechtach hat der Landkreis Regen beschlossen für die Wärmeversorgung ein Biomasse Heizwerk für die beiden Schulen zu errichten. Die Umweltbildungsarbeit für Schülerinnen/und Schüler soll dadurch intensiviert werden, dass Energieeinsparung und Energieversorgung mit erneuerbaren Energieträgern anschaulich aufgezeigt werden. Dazu hat der Naturpark e.V. mit Unterstützung des Landkreises Regen einen Förderantrag über den Förderbereich Umweltstationen in Bayern gestellt. Dieser wurde zunächst abgelehnt. Erst auf Einschreiten des 1. Vorsitzenden Heinrich Schmidt beim Umweltministerium wurde das Projekt dann genehmigt. Im Rahmen des Projektes Klima und Energie-„ eine regionale Herausforderung“ wird das Thema pädagogisch und didaktisch aufbereitet. Die Anlagen - Visualisierung der Heizungsanlage wird nicht nur intern, beispielsweise für Hausmeister aufbereitet, sondern auch mit einem Monitor vernetzt, der den Schülern zugänglich ist. Im Schaubild können verschiedene Anlagenabläufe nachverfolgt werden. Die Energieerzeugung über das Biomasseheizwerk und die Verbräuche der einzelnen Schulgebäude können am Display abgelesen werden. Die Energiebilanzen lassen sich so über längere Zeiträume verfolgen und die Energieerzeugung und Einsparung fossiler Brennstoffe nachvollziehen. Geplant sind Seminare für Multiplikatoren aber auch Projekttage mit Schulklassen, um das Thema „Erneuerbare Energien“ der jungen Generation näher zu bringen. Der Bayerische Wald kann mittelfristig zu einer energieautarken Region entwickelt werden. Finanziell unterstützt wurde das Vorhaben aus dem Fördertopf Umweltstationen und vom Landkreis Regen. Die Ingenieurgesellschaft mbH Bruckmayer war mit der Umsetzung beauftragt. Ein Dank ging auch an die Schulleiter für die gute Zusammenarbeit.


Die Energieeinsparung an Wohngebäuden und die staatlichen Fördermöglichkeiten waren die zentralen Themen eines Vortagsabends in der Umweltstation Viechtach. Die Veranstaltung wurde gemeinsam vom Naturpark Bayerischer Wald e.V. und der Agenda Arbeitsgruppe „Energie und Verkehr“ organisiert. Naturparkvorsitzender Heinrich Schmidt begrüßte die nahezu vierzig Teilnehmer im Alten Rathaus. Der Leiter der Umweltstation Viechtach betonte: „Der effiziente Energieeinsatz bei privaten und öffentlichen Wohngebäuden ist ein wichtiger Kostenfaktor und trägt zur Ressourcenschonung bei!“ Dr. Paul Kestel, Leiter der Arbeitsgruppe „Energie und Verkehr“, wies anfangs darauf hin, dass dieser Vortragsabend die bereits 78te Veranstaltung der Arbeitsgruppe ist. Damit steht das Thema Energie seit vielen Jahren im Blickfeld und ist nach wie vor hoch aktuell. Er bedankte sich bei den beiden Referenten des Abends. Willi Baumgartner, Geschäftsführer des Arbeitsgruppe, betonte, dass Energieeinsparung gerade bei Gebäuden das erste und wichtigste Ziel ist. Im ersten Vortag berichtete Architekt Frank Henzler über den energiebewussten Neubau und die energetische Gebäudesanierung. „Manche Altbauten sind massive Energieschleudern und haben einen etwa zehnfach höheren Energieverbrauch wie beispielsweise Passivhäuser.“, schilderte der Fachmann die Problematik bei den Altbauten: „Die Preise von Heizöl sind in den letzten Jahren um durchschnittlich acht Prozent gestiegen.“ Damit tragen Energiesparmaßnahmen zur Werterhaltung der Gebäude bei und senken die laufenden Kosten im Gebäudeunterhalt. Der Architekt berichtete über zahlreiche Energiesparmaßnahmen: Neben der Dämmung von Dach, Wand und der oft vergessenen Kellerdecke sind energieeffiziente Fenster wichtig. Wand- und Fußbodenheizungen mit niedriger Wassertemperatur schaffen ein „Wohlfühlklima“ mit Behaglichkeit und Komfort im Haus. Diese niedrig temperierten Heizsysteme können leichter mit einem Solarkollektor auf dem Dach gekoppelt werden. Für Schlechtwetterperioden wird die Sonnenenergie in einem Warmwasserpuffer im Heizraum gespeichert. Die Sonnenkraft kann nicht nur für die Erzeugung von Warm- und Heizwasser mit einem Solarmodul auf dem Dach genutzt werden. Für die aktive Sonnennutzung spielt die Kompaktheit und die südseitige Ausrichtung des Gebäudes in einer beschattungsfreien Lage eine wichtige Rolle. Der Referent schilderte viele anschauliche Beispiele von energieeffizienten Altbausanierungen im privaten und öffentlichen Bereich: In der Glasfachschule Zwiesel wurde dabei die Nutzfläche um dreißig Prozent erhöht und der Energieverbrauch um dreißig Prozent gesenkt. Insgesamt ist für Gebäude ein energetisches Gesamtkonzept und eine fachmännische Begutachtung von Detailfragen wie Kältebrücken oder geeignete Dämmmaterialien wichtig. In einem zweiten Vortrag berichtete Josef Rager von der Sparkasse Regen über staatliche Fördermöglichkeiten für Energiesparmaßnamen bei Neubauten und Gebäudesanierungen. Er referierte über Zuschüsse und zinsgünstige Darlehen für energiebewussten Bauen, die man vom Bundesamt für Wirtschaft (BAFA) und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) erhalten kann. Die BAFA erteilt Zuschüsse für den Einsatz erneuerbarer Energien wie Solarkollektoren, Biomasseheizungen oder Wärmepumpen. Aktuell gewährt die BAFA in Altbauteen eine Förderung für Solarkollektoren, die zur Raumheizung und Warmwasserbereitung genutzt werden. Ebenso werden Heizkessel zur Verfeuerung von Holzpellets und Hackschnitzel, Holzpelletsöfen mit Wassertaschen oder effiziente Wärmepumpen gefördert. Die KfW erteilt mit dem Förderprogramm „Energieeffizient Bauen“ zinsgünstige Darlehen und Tilgungszuschüsse. Grundsätzlich muss ein Förderantrag vor Beginn der Baumaßnahme gestellt werden. „Je geringer der Energieverbrauch eines neu gebauten Hauses ist, desto höher ist der Tilgungszuschuss!“, berichtete Referent Josef Rager über einen wichtigen Grundsatz in diesem Förderprogramm. Beispielsweise gibt es beim sehr energiesparsamen Passivhaus einen zehnprozentigen Tilgungszuschuss. Die Energieeffizienz der Baumaßnahmen muss von einem geeigneten Fachmann bestätigt werden. Der Referent schilderte detailliert viele weitere Fördermöglichkeiten und wies auf das Angebot der Sparkasse hin, mit einer Wärmebildkamera ein Wohngebäude abzulichten.


Am Rande der Jahrestagung des Verbandes Deutscher Naturparke wurden am 6. Oktober 2011 im Naturpark Bergstraße-Odenwald 16 Naturparke im Rahmen der „Qualitätsoffensive Naturparke“ ausgezeichnet. Die Urkundenverleihung wurde von Dr. Michael Arndt, Präsident des Verbandes Deutscher Naturparke (VDN) gemeinsam mit Mark Weinmeister, Staatssekretär im Hessischen Umweltministerium und Mathias Wilkes, Landrat Kreis Bergstraße und Vorsitzender Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald vorgenommen. Die „Qualitätsoffensive Naturparke“ hat der VDN mit Unterstützung des Bundesamtes Für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit entwickelt und im „Jahr der Naturparke“ 2006 gestartet. 64 der 104 Naturparke nehmen bisher an der „Qualitätsoffensive Naturparke“ teil. Die Auszeichnung ist für fünf Jahre gültig. Im letzten Jahr hat der VDN das Evaluationsverfahren überarbeitet. Die 16 jetzt ausgezeichneten Naturparke sind die ersten Teilnehmer, die sich erneut in einer zweiten Runde qualifiziert haben. Die Qualitätsoffensive unterstützt die bundesweit 104 Naturparke in ihren Aufgabenbereichen Naturschutz, nachhaltiger Tourismus, Umweltbildung sowie nachhaltige Regionalentwicklung. Eine ständig weiter steigende Qualität der Arbeit und Angebote der Naturparke ist ebenso das Ziel wie eine bessere Unterstützung ihrer Arbeit in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Die an der Qualitätsoffensive teilnehmenden Naturparke müssen rund 100 Fragen zu ihrer Arbeit beantworten die sich in fünf Handlungsfeldern und einem Steckbrief untergliedern. Jeder teilnehmende Naturpark wird im Anschluss von einem so genannten Qualitäts-Scout bereist, evaluiert und beraten. Um die Auszeichnung „Qualitäts-Naturpark“ zu erhalten, muss ein Naturpark 250 von 500 möglichen Punkten erreichen. Wird diese Punktzahl nicht erreicht, ist der Naturpark ein „Partner der Qualitätsoffensive Naturparke“. Weitere Informationen zur Qualitätsoffensive Naturparke, zu den Qualitätskriterien und zum Verfahren sowie Informationen zu den bereits ausgezeichneten Naturparken finden Sie im Internet unter http://www.naturparke.de/pages/quality.


Viele Klassen des Förderzentrums Viechtach nahmen in diesem Jahr an den nahezu zwanzig „Natur-Projektaktionen“ der Umweltstation Viechtach teil. Auf dem Programm standen Themen, wie Wiese, Hecke, Wald oder Wasser. Die Schulkinder waren mit Begeisterung beim „Unterricht im Freien“ dabei und freuten sich über die Vielzahl von spielerischen Aktivitäten: Mit Lupen Tiere beobachten, beim Pflanzenrennen Blumen bestimmen oder Tierfährten entdecken, fanden großen Anklang. Mit selbst gebastelten Fangkeschern suchten die Schüler nach kleinen Tierchen im Naturweiher bei der Sporerquetsch. Sie bauten Wildbienenhotels oder Nistkästen, die an geeigneten Stellen aufgestellt wurden. Eine vierte und eine fünfte Klasse übernahmen je eine Baumpatenschaft für einen alten Obstbaum in der Streuobstwiese beim Großen Pfahl. Gerne halfen die Schüler beim Pflegeschnitt ihres Obstbaumes im Frühjahr und freuten sich über das frische Obst bei der Ernte im Herbst. Neben dem Arbeiten und Erleben in der Natur kam auch die Naturinformation nicht zu kurz. Dabei erfuhren die Kinder viel Wissenswertes und Interessantes: die heilende Wirkung von Holunderbeeren und Wiesenkräutern, das spannende Leben von Wald- und Wiesenameisen und vieles mehr. Die älteren Schüler beschäftigten sich als Wasserforscher mit der Wasserqualität im Riedbach oder lernten bei einem Energiequiz Zusammenhänge zwischen Energie und Klima kennen. „Gerade bei Kindern und Jugendlichen ist eine ganzheitliche Umweltbildung mit Kopf, Herz und Hand ein wichtiges Motto!“, beschreibt Matthias Rohrbacher, Mitarbeiter der Umweltstation, diesen Ansatz in der Bildungsarbeit. Die Umweltstation Viechtach arbeitet in einem vom Umweltministerium geförderten Modellprojekt eng mit dem Förderzentrum Viechtach und den Schullandheimen in Englmar und Habischried zusammen. Die Veranstaltungen orientieren sich auch an den Lehrplaninhalten der Schulen. Dr. Hermine Englmeier, Rektorin des Förderzentrums Viechtach: „Wir nehmen die Angebote sehr gerne an, weil sie vielfältige Naturerfahrungen ermöglichen und das Verantwortungsbewusstsein für die Umwelt fördern.“ Die gute Zusammenarbeit freut auch Heinrich Schmidt, den ersten Vorsitzenden des Naturparks Bayerischer Wald und Leiter der Umweltstation Viechtach: „Die Kinder und Jugendlichen beschäftigen sich bei diesem Projekt mit der heimatlichen Natur und Landschaft. Was man kennen und schätzen gelernt hat, das hält man auch für schützens- und erhaltenswert. Dies ist ein wichtiger Leitsatz der Umweltbildung!“ Den Schulkindern haben diese Projekttage mit Aktionen viel Spaß bereitet, einige sind am Nachmittag wieder zum Ort des Projekttages zurückgekehrt.


„Zukunftsaspekte der Bahn im ländlichen Raum – rosa Brille Illusionen oder echte Perspektiven“ lautet der Titel eines Vortrages in der Umweltstation Viechtach. Der Vortrag findet am Freitag, den 4.November um 19:30 Uhr im Alten Rathaus am Viechtacher Stadtplatz statt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei. Referent ist Prof. Dr. Johannes Klühspies von der Hochschule Deggendorf, Fakultät für Betriebswirtschaft. Der international renommierte Mobilitätsexperte lehrt an der Hochschule über Verkehrsträgermanagement und Tourismusmarketing. In seine Forschungs- und Lehrarbeit bringt er auch langjährige Auslandserfahrungen ein. Beispielsweise arbeitete er in der Schweiz eng mit den Schweizer Bundesbahnen zusammen, die für ihre gute Präsenz auch in ländlichen Regionen bekannt sind. Bei seinem bildreichen Vortrag geht er auf Chancen ein, wie ein Bahnangebot gestaltet werden kann, um gut angenommen zu werden. Die wissenschaftlichen Aspekte für die Reaktivierung von Bahnstrecken – wie zwischen Viechtach und Gotteszell - werden ebenso beleuchtet. Veranstalter des Vortages ist der Naturpark Bayerische Wald e.V.. Der Naturparkvorsitzende Heinrich Schmidt freut sich auf den fachkundigen Vortrag, der bereits Anfang des Jahres mit dem Referenten vereinbart wurde: „Der Bahnverkehr ist ein aktuelles Thema: Der Stundentakt der Waldbahn und das GUTi-Angebot sind Positivbeispiele für die Tourismusförderung in ländlichen Regionen. Die Wanderbahnen im Regental und an der Ilz sind bewundernswerte Privatinitiativen.“ Dabei wiederholt der Naturparkvorsitzende seine Forderung zur Wiederaufnahme des täglichen Bahnverkehrs im Zweistunden-Takt nach Viechtach und für eine Eingliederung in das Netz der Waldbahn. „Eine Anreise mit der Bahn ist nicht nur umweltfreundlich und erholsam, sondern lädt dazu ein, die Natur und Kultur im Bayerwald weiter zu erkunden“, betont Heinrich Schmidt die Bedeutung einer regelmäßigen Bahnverbindung für Tourismus und Regionalwirtschaft. Der Naturpark hat mit der Infostelle am Bahnhof Bogen und dem grenzüberschreitenden Infozentrum in Eisenstein eine enge Beziehung zur Bahn. „Der Grenzbahnhof Eisenstein, den der Naturpark erworben hat, wird gerade mit europäischen Fördermitteln saniert und soll sich zu einem Leuchtturmprojekt für Tourismus und Naturinformation in der ganzen Region entwickeln.“


Großen Anklang fand die geführte Herbstwanderung des Naturparks Bayerischer Wald e.V. in die Dießensteiner Leite im Ilztal. Naturpark Gebietsbetreuer Stefan Poost konnte an der Schneidermühle über 70 naturinteressierte Wanderer begrüßen. Von Bad Birnbach bis Vilshofen kamen die Teilnehmer, die den herrlichen Oktobernachmittag in der freien Natur verbringen wollten. Mit dabei war auch Josef Eichinger, der eine Ausbildung zum Waldpädagogen macht, und den Wanderern an der Dießensteinmühle Informationen zum Wasser, Wasserverbrauch und Einfluss des Waldes auf den Wasservorrat näher brachte. Ein Dauerthema an der Ilz, die Neophyten indisches Sprinkkraut und schlitzblättriger Sonnenhut, waren ebenfalls Themen der geführten Wanderung. Überall in den Leiten, wo das Sturmtief Felix im Jahr 2009 den Waldbestand um gedrückt hat, wuchert nun flächig das indische Springkraut. Die Nachtfröste der vergangenen Tage haben der Dominanz der Pflanze für dieses Jahr ein Ende bereitet. Entlang der Ilz war der Blick auf den Fluss wieder frei, „aber auch in den Leiten, wenn die gepflanzten Bäumchen oder Naturverjüngung sich in ein paar Jahren schließen, wird es dem Sprinkraut schwer fallen, sich weiter in dieser Dominanz zu behaupten“, so der Gebietsbetreuer Stefan Poost. Ein ganz anderes Thema war das Eschentriebsterben, das leider auch im Ilztal mittlerweile überall zu sehen ist. Dabei sterben die neuen Triebe junger und älterer Esche einfach ab, Zwiesel- oder Mehrfachbildung von Trieben erfolgen im nächsten Jahr, wobei diese teilewise wieder absterben und in der Folge weitere Verzweigungen entstehen. „Das normale Höhenwachstum eines einzelnen Haupttriebes wird somit verhindert“. Eine Nebenfruchtform des Pilzes „Eschenblatt-Stengelbecherchen“, ein Pilz der normalerweise im Herbst die abgefallenen Eschenblätter zersetzt, soll dafür verantwortlich sein. „ Warum sich diese Pilzart plötzlich derart zerstörerisch gegen die Baumart Esche verhält, ist bislang völlig unbekannt“. Die mittlerweile in die Jahre gekommene Beschilderung des Naturschutzgebietes an den Parkeinstiegsstellen war ein weiteres Thema der Wanderung. Eine neue Beschilderung mit Bildern, Piktogrammen zu Verhaltenshinweisen und Informationen zum Naturschutzgebiet „Obere Ilz“ steht kurz vor Abschluss. Der erst kürzlich abgeschlossene Ausbau eines Teiles des Ilztalwanderweges blieb den Wanderern natürlich auch nicht verborgen. „Die Maßnahme war aber im Vorfeld mit allen Beteiligten abgesprochen und hielt sich auch im Rahmen des vereinbarten Ausbaues,“ so der Gebietsbetreuer Poost, „auch wenn der Charakter des Wanderweges momentan für den einen oder anderen Wanderer noch nicht wieder da ist, wo er vor dem Eingriff war, das verwächst sich wieder“. Nach gut zweieinhalb Stunden waren die Wanderer wieder an der Schneidermühle zurück. Das der Rückweg mangels einer Brücke auf die andere Seite der Ilz derselbe war, wurde von einigen Teilnehmern aber bedauert.


Stimmungsvoll zeigte sich der Bayerische Wald in der herbstlichen Wanderzeit. Im „Goldener Oktober“ ist in den weiten Wäldern ein farbenprächtiges Blätterkunstwerk zu sehen. Naturparkexkursionen im Vorderen Bayerischen Wald lockten zum Erleben und Erkunden der vielschichtigen Bayerwaldnatur ein. „Wilde Felsen und weite Wälder“ – nach diesem Motto führte eine herbstliche Wanderung von St. Englmar zum 1048 Meter hohen Pröllergipfel. Nur 500 Meter vom Wanderparkplatz trafen die Wanderer auf den Gipfel des „Saustein“. Zerklüftete Felsen mit uralten Graniten und Gneisen säumten hier den Weg. „Diese Gesteine stammen aus dem Erdaltertum und sind mehr als 300 Millionen Jahre alt“, berichtete Naturpark-Gebietsbetreuer Matthias Rohrbacher, der die Wanderung anführte. „Im Erdaltertum war der Bayerische Wald ein Hochgebirge und stellenweise um mehr als vier Kilometer höher.“ Je mehr sich die Wandergruppe dem Gipfel näherte, umso lichter und offener zeigten sich die Wälder. Kleine Waldlichtungen und –wiesen waren im sonnendurchfluteten Waldmeer eingestreut. „Die Hochlagen des Vorderen Bayerischen Waldes sind nicht nur landschaftlich reizvoll, sondern auch Lebensraum für seltenste Tierarten wie Luchs oder Auerhuhn.“ Felsige Zwergstrauchheiden und Brostgrasrasen fanden die Naturfreunde aus Nah und Fern beim Pröllergipfel. Am Gipfelplateau und in einer nahe gelegenen Waldlichtung bot sich eine beeindruckende Aussicht zu den höchsten Bergen des Bayerischen Waldes – vom Kaitersberg, Osser, Arber bis hin zum Rachel, Lusen und Dreisessel. Die Wanderer genossen lange bei strahlendem Sonnenschein das einladende Panorama, um dann auf kurzem Wege wieder nach St. Englmar zurückzukehren. „Weiher und Wälder in Wiesenfelden“ – diese herbstliche Naturpark-Wanderung begann am Beckenweiher in Wiesenfelden. Ein barrierefreier Rundweg – geeignet auch für Rollstuhlfahrer und Kinderwägen – lädt zum Erholen und Erkunden in einer wildromantischen Weiherlandschaft ein. Mit eigens erstellten Wegeplanken und vielen Sprachinformationen können an diesem besonderen Naturlehrpfad auch Sehbehinderte und Blinde die Natur erleben. Im Naturschutzgebiet „Weiherlandschaft bei Wiesenfelden“ sind zahlreiche Tier- und Pflanzenarten beheimatet. Am Weihergrund findet sich die bayernweit stark gefährdete Große Teichmuschel oder eine sehr selten gewordene Fischart, der Schlammpeitzger. Das zu den Rosengewächsen zählende Sumpfblutauge kommt in den Erlenbruchwäldern oder Seggenriedern vor. Im Spätsommer zeigt sich der lila blühende Teufelsabbiss auf den feuchten Wiesenstandorten. Vom Beckenweiher aus wanderten die Exkursionsteilnehmer weiter zum Naturschutzgebiet „Brandtmoos“. Nass- und Feuchtwiesen sind in hier neben Flach- und Übergangsmooren zu finden. Vom Wegrand aus entdeckten die Naturfreunde die gelbe Blutwurz, die den ganzen Sommer über blüht. Weiter am „Jakobsweg“ und „Goldsteig“ war der Kobelberg das Ziel. Der Naturerlebnisweg „Kobelberg“ liegt an einem reizvollen Rundweg mit kleinen Aussichtspunkten und ist sowohl im Sommer wie im Winter begehbar. Kinder können hier an einem Preisrätsel teilnehmen, das bei der Waldgaststätte Schiederhof oder bei der Gemeinde Wiesenfelden erhältlich ist. Mit einem wunderschönen Ausblick zum Donautal endete die Wanderung, die vom Naturpark-Gebietsbetreuer Matthias Rohrbacher geführt wurde. Nach einer Einkehr in der Waldgaststätte fuhren die Naturfreunde aus Nah und Fern mit einem Bus nach Wiesenfelden zurück.


Obwohl das Arbergebiet jährlich von weit mehr als zwei Millionen Wanderern und Ausflüglern besucht wird, gibt es noch viele Stellen, die weitestgehend unbekannt sind. Einer dieser Naturschätze ist der Hochfall-Wasserfall bei Bodenmais, der zweithöchste Wasserfall des Bayerischen Waldes. Kürzlich lud Arbergebietsbetreuerin Dr. Isabelle Auer vom Naturpark Bayerischer Wald alle Arberfans dazu ein, auf einer Wanderung vom Riesloch zum Hochfall die unterschiedlichen Charaktere der beiden Wasserfälle kennenzulernen. So lernten die - trotz des anfangs trüben typischen „Novemberwetters“ - erschienenen 15 Wanderer, dass die Rieslochschlucht nicht nur durch seine „wilden Wasser“ beeindruckt, sondern dass es vor allem der ursprüngliche Charakter des Naturschutzgebiets und Naturwaldreservats ist, der die Schlucht zu etwas Besonderem macht: Tote – bizarr anmutende - Baumriesen verrotten hier stehend und dienen nicht nur einigen bedrohten Spechtarten, wie dem Weißrückenspecht oder dem Dreizehenspecht, als Nahrungsquelle, sondern auch vielen Fledermausarten während der warmen Jahreszeit als „Übertagungsstätte“. Totes Holz ist aber auch Grundlage für neues Leben: Liegende Baumstämme, die im Naturwaldreservat gelassen werden, dienen neuen Keimlingen, die auf ihnen wachsen, quasi als „Hochbeet“, das sie von Beginn an über die Heidelbeersträucher rings um sie erhebt, wodurch sie mehr Licht bekommen und daher besser wachsen können. Dass die Natur am Berg besonders in den Übergangsjahreszeiten ihre besonderen Reize entfaltet, zeigte sich den Teilnehmern bei einer kurzen Mittagsrast auf der Schweiklruhe oberhalb von Bodenmais und auf dem Weg zum Hochfall-Wasserfall: Die frisch gefallene dünne Schneeschicht bereits in dieser Höhenlage erinnerte sie vor allem daran, dass am rauen Arber Durchschnittsklimawerte wie in den Voralpen, gelegentlich sogar Witterungsverhältnisse wie in den Zentralalpen herrschen. Wie wohl nirgendwo anders im Gebiet rund um den „König des Bayerischen Waldes“ zeugt der Hochfall-Wasserfall, der im Jahr 1965 zum Naturdenkmal ausgerufen wurde, von der formenden Kraft des Wassers: Rund ausgehöhlte Gumpen und wannenartig ausgeschliffene – z.T. heute trockene - Becken an den seitlichen Rändern der Gumpen sind Zeugen einer Zeit, in der das Arbergebiet viel wasserreicher war als heute. Daher gilt der Hochfall selbst bei vielen Kennern als Geheimtipp. Die Oktobersonne, die sich am Schluss der vierstündigen Wanderung doch noch zeigte, verdeutlichte den Teilnehmern, dass die Wandersaison, obwohl es sich bei dieser Riesloch-Hochfall-Exkursion um die letzte diesjährige Arber-Jahresprogrammführung handelte, nicht vorbei ist. Und so bleibt – neben der Vorfreude auf das nächste Exkursionsjahr des Naturparks Bayerischer Wald - noch Zeit, all das, was man auf dieser und auf vorherigen Führungen erfahren hatte, auf eigenen Wanderungen selbstständig zu vertiefen