März 2004


Im Bayerisch-Böhmischen Informationszentrum für Natur- und Nationalparke, kurz dem Grenzbahnhof Eisenstein hatte der Naturpark Bayerischer Wald e.V. zu einer Veranstaltung über Nationalparke in Kroatien eingeladen. Das Informationszentrum in Bayerisch Eisenstein hat den Themenschwerpunkt Grosschutzgebiete und stellt die Natur- und Nationalparke entlang des Bayerisch-Böhmischen Grenzkammes im Rahmen seiner Dauerausstellung vor. Der Natur- und Landschaftsführer Georg Schröder informierte mit sehr vielen Details und sehr kurzweilig über die beiden Nationalparke Plitwitzer Seen und Krka in Kroatien. Der Nationalpark Plitwitzer Seen liegt etwa 670 km vom Bayerischen Wald entfernt. Alte Mühlen, restauriert in landschaftsbezogener Architektur zieren das Nationalparkvorfeld. Die Geologie des Gebietes ist gekennzeichnet von Massekalken der Kreidezeit. Regenwasser löst den Kalkstein, aber durch die Übersättigung fällt Kalk im Wasser wieder aus. Durch diese Rauhwacke - Bildung hat in den letzten 8500 Jahren nach der Eiszeit ein Gesteinswachstum begonnen. Diese Gewässerbarrieren wachsen langsam nach oben, es entstehen Seen und Wasserfälle. Die Wasserfälle sind bekannt durch die Karl May-Filme „Winnetou“ oder „Der Schatz im Silbersee“. Das Ansteigen der Wasserspiegel führt beispielsweise dazu, dass heute Einfahrten in Höhlen nicht mehr möglich sind, die noch vor einigen Jahren gang und gäbe waren. Verantwortlich für diese Rauhwackebildung sind teilweise Moose, in denen Kieselalgen leben. Diese Kieselalgen begünstigen die Kalkausfällung und damit die wachsenden Steine. Ein prominentes Beispiel für Gesteinswachstum gibt es auch in Niederbayern. Bei Usterling in der Nähe von Landau gibt es einen wachsenden Stein. Im Gebiet des Nationalparks Plitwitzer Seen kommen meist Tierarten vor, wie es sie bei uns auch gibt, bis hin zum Luchs. Das Artenspektrum ist dort allerdings bereichert durch Wolf und Bär. In den Gewässern herrscht ein großer Fischreichtum, der Fischotter ist ebenfalls heimisch, daneben gibt es noch Wasserschildkröten. Als Besonderheit gilt eine endemische Art, sozusagen ein lebendiges Fossil aus der Trias-Zeit, der Grottenolm. In früher Zeit wurde dieser bei Hochwässern oft auf die Wiesen geschwemmt und die Bauern meinten, es handelte sich um einen Drachen. Das Tier hat keine Farbpigmente, kann je nach Wassertemperatur bei über 16 °C mit Lungen atmen und lebende Junge zur Welt bringen, bei Wassertemperaturen unter 16°C mit Kiemen atmen und Eier legen. Gehölzteile die in die Bachbette und Flüsse fallen werden ebenfalls von dieser Kalkausfällung und Kalkanlagerung versteinert. Damit wachsen Barrieren in den Gewässern weiter. Der größte und bekannteste See ist der Kosiaksee. In den Bergmischwäldern spielt die Fichte nur eine untergeordnete Rolle, es dominieren Steineichen, Buchen und Spitzahorn mit einzelnen Weißtannen. Ein strenges Besucherlenkungskonzept mit nur zwei Zugängen, an denen man Eintritt zahlen muss, hilft diese Naturschönheiten zu sichern. Dort kann man noch stundenlang durch primäre Urwälder wandern, die ohne menschliche Eingriffe sind. Im Einzugsgebiet wird strikt darauf geachtet, dass keine Abwässer in die Flüsse gelangen, es gibt dort auch keine Landwirtschaft. Denn durch Gewässerverschmutzung wird die Ausfällung von Kalk beeinträchtigt. Der Bürgerkrieg in Bosnien hat gezeigt, dass dort bei Beeinträchtigungen der Kalk porös wird und alte „Kalk - Barrieren einstürzen“ und damit Seen und Wasserfälle verloren gehen. Der zweite Nationalpark Krka liegt etwa 900 km vom Bayerischen Wald entfernt. Dieser mit 73 km kürzester Fluss ist auf einer Länge von 46 km seit 1985 als Nationalpark geschützt. Von Skradin aus kann man mit Schiffsausflügen den Nationalpark erkunden. Die Wasserqualität dort ist beispielgebend für ganz Europa, es dient als Referenzgewässer mit der Güteklasse 0. Das heißt man kann aus dem Fluss schöpfen und trinken. Bereits im Jahr 1897 entstand durch Nikola Tesla, einen Kroaten, dass älteste Wechselstromkraftwerk der Welt, noch einen Monat vor dem an den Niagarafällen in USA eröffnet. In dem Flusstal gibt es eine üppige Pflanzenvegetation, anders auf den Hochflächen des Karstgesteins, dort ist die Vegetation vielfach von der Sonne verbrannt. Das Gebiet ist reich an kulturellen Schätzen. Bezeichnend ist auch, wie sich das ehemalige Bürgerkriegsgebiet innerhalb kurzer Zeit wieder voll in Richtung Tourismus entwickelt hat. Es gibt auch sehr positive Beispiele für ein friedliches Nebeneinander von Serben und Kroaten bereits im Mittelalter, beispielsweise durch die Schenkung eines Klosters. Mit Bildern von einer der schönsten Buchten, der Konstantinopel - Bucht, beendete Georg Schröder seinen Vortrag, Schröder lieferte sehr viele auch kulturhistorische Details, nachdem er sich selbst seit über 15 Jahren für dieses Gebiet interessierte und viel fotografierte.


Im Rahmen des Naturpark- Jahresbildungsprogramms 2004 gab es zusammen mit dem Landesbund für Vogelschutz und dem Kreisverband der Obst- und Gartenbauvereine eine gemeinsame Veranstaltung zum Zaunkönig, dem Vogel des Jahres 2004 im Naturpark- Informationshaus. Als Referentin war Bettina Bühler aus Hilpoltstein zu Gast. Mittels einer Vogelstimmen- CD stimmte sie die Besucher mit dem Gesang des Zaunkönigs in die Veranstaltung ein. Charakteristisch für den Zaunkönig, der nur 9 - 10 Zentimeter groß ist, ist ein heller Überaugenstreif. Der Zaunkönig zählt mit zu den kleinsten Vögeln, nur das Goldhänchen ist noch kleiner. Männchen und Weibchen sind beim Zaunkönig gleich groß. Weltweit gibt es 60 verschiedene Arten. Unsere Art gibt es in fast allen Ländern Europas. Typisch ist der steil nach oben ragende Schwanz. Vor allem im Dickicht und üppigem Gebüsch hält sich der Zaunkönig gerne auf. Er braucht diese Deckungsmöglichkeiten wegen seiner Sicherheit. In den Auwäldern der Flussniederungen kommt er ebenso vor wie oberhalb der Baumgrenze, beispielsweise im Grünerlengebüsch der Alpen. Als Spitznamen hat man ihm auch den Namen „Zaunschlüpfer“ oder „Mäusekönig“ gegeben. Manchmal bewegt er sich am Boden so flink und rasch, dass man meint man hätte eine Maus laufen sehen. Er ist tag- und dämmerungsaktiv. Bisweilen nimmt er auch ein Bad in einer Pfütze im Gebüsch. Auch ausgedehntes Sonnenbaden ist keine Seltenheit. Als Hauptnahrungsmittel dienen Insekten, Käfer, Milben und Asseln, wobei alles Unverdauliche wieder ausgespieen wird. Wichtig sind Gärten mit heimischen Sträuchern und Stauden ohne kurz geschnittenen Rasen. In Europa gibt es noch 1,5 bis 2,2 Millionen Brutpaare, wobei die Bestände je nach der Strenge des Winters manchmal um bis zu 70 % einbrechen können. In Schlafgemeinschaften kommen oft bis zu 12 Vögel vor. Die Deutung der Wettervorhersage geht bisweilen weit auseinander, während die einen behaupten, dass er Regen anzeigt, wollen die anderen wissen dass er schönes Wetter bringt. Die Referentin Bettina Bühner warb auch für eine bundesweite Zählaktion. Wer hier mitmachen will, kann sich an den LBV wenden. Es soll Vorkommen und Häufigkeit ermittelt werden. Dazu sind von Mitte April bis Ende Mai stets gleiche Wegstrecken abzuschreiten und in Karten mit Maßstab 1:25.000 einzutragen. Im Naturpark- Informationshaus steht noch bis zum Ende der Osterferien die gemeinsame Ausstellung von LBV und Kreisverband der Obst- und Gartenbauvereine mit Informationen über naturnahe Gärten und den Zaunkönig als Vogel des Jahres 2004. Außerdem sind eine Reihe von Nisthilfen und Informationsmaterial über die Anfertigung dieser vorgestellt.


Naturpark Bayerischer Wald e.V. und Gemeinde Außernzell hatten im Rahmen des Jahresbildungsprogramms 2004 und des Programms zur 1000 Jahr- Feier der Gemeinde Außernzell zu einem Diavortrag in das Würzinger Haus eingeladen. Etwa 30 Zuhörer, darunter auch Gemeinderäte und Bürgermeister der Nachbargemeinden waren der Einladung gefolgt. Bürgermeister Färber zeigt sich in seiner Begrüßung darüber sichtlich erfreut. Bildungsreferent Hartwig Löfflmann vom Naturpark Bayerischer Wald e.V. stellte Naturpark- Idee, Naturparkgebiet und Naturparkaufgaben etwas näher vor. Die Naturpark- Infostelle für den Landkreis Deggendorf im Würzinger Haus in Außernzell existiert jetzt seit einem Jahr. Dies war auch Anlass dafür, das Naturparkthema zu vertiefen, unter anderem aber auch die hervorragende Zusammenarbeit von Naturpark und Gemeinde Außernzell, die im Rahmen der letzten Jahreshauptversammlung des Naturparks als vorbildlich dargestellt wurde. Bildungsreferent Hartwig Löfflmann stellte zunächst das Naturparkgebiet von der Donau bis zur höchsten Erhebung, dem Großen Arber vor. Die Bandbreite für den Naturpark Bayerischer Wald ist einmalig in Bayern aber auch in der Bundesrepublik. Der Naturpark Bayerischer Wald mit seinem als Landschaftsschutzgebiet geschützten Teilen liegt im Vorfeld zweier Nationalparke und in unmittelbarer Nachbarschaft zu anderen Großschutzgebieten. Die Arten- und Naturausstattung des Gebiets ist bundesweit noch vorbildlich. Zahlreiche vom Aussterben bedrohte und anderswo bereits ausgestorbene Arten haben hier noch ihre Rückzugsräume, wie beispielsweise Luchs, Fischotter, Fledermäuse und eine Reihe botanisch sehr interessanter Arten bis hin zur Eiszeit – Relikt - Vegetation im Arbermassiv. Das Bundesnaturschutzgesetz und das Bayerische Naturschutzgesetz weisen den Naturparken umfangreiche Aufgaben zu. Die Dachorganisationen für die Naturparke haben in den Leitbildern das Aufgabenspektrum in vier Aufgabenbereiche zusammengefasst. Es sind dies die Bereiche Erholung und Besucherlenkung, Naturschutz- und Landschaftspflege, Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Unterstützung der Regionalentwicklung. Der Auftrag für die derzeitigen Generationen besteht darin, das natürliche Lebensumfeld zu schützen eine möglichst breite Öffentlichkeit dafür zu gewinnen und vor allem die Regionalentwicklung zu fördern. Das bedeutet den Bayerischen Wald als Lebensraum und als Heimat durch Erhöhung der regionalen Wertschöpfung lebenswert zu halten. Die größte Herausforderung für unsere Generationen derzeit wird sein, die noch vorhandene Reliktausstattung natürlicher Strukturen zu erhalten, eine naturverträgliche Landnutzung zeitgemäß zu organisieren und vor allem die größte Herausforderung unserer Zeit, die Energiefrage zu lösen. Gigantische Devisenabflüsse gehen derzeit in die „Ölregionen“, mit den bekannt negativen Auswirkungen auf Klima und globale Sicherheit, das ist Geld, das uns hier fehlt, so Hartwig Löfflmann. Schweizer Untersuchungen, bereits aus dem Jahr 1997, zeigen zum Beispiel, dass je nach Berechnungsmodell, alleine in Europa zwischen 800 000 und 2,5 Millionen Arbeitsplätze mit dem Einsatz nachwachsender Rohstoffe geschaffen werden könnten. Der Einsatz von einer Million Kubikmeter Holz zum Ersatz für ca. 200 000 Tonnen Heizöl würde, gemäß diesem Schweizer Szenario, etwa 1.800 Arbeitsplätze vor allem im ländlichen Raum neu schaffen, während in der Ölindustrie nur etwa 960 Arbeitsplätze wegfallen würden, ein Großteil davon im Ausland. Gerade die Gemeinde Außernzell arbeitet vorbildlich mit dem Naturpark in Sachen Umsetzung des Landschaftsplanes zur Erhaltung wertvoller Biotopstrukturen im Gemeindeumfeld und bei den Besonderheiten am Forchenhügel zusammen. Auch der Unterhalt von Wanderwegen beispielsweise läuft kontinuierlich. Wandern ist nachgewiesener Maßen eine der wichtigsten Freizeitbeschäftigungen. Mit einer Einladung an alle künftigen Veranstaltungen im Rahmen der 1000 Jahr – Feier bedankte sich Bürgermeister Josef Färber beim Referenten und bei den Zuhörern.