Januar 2002


Bereits seit mehreren Jahren engagiert sich die Gemeinde für die Umsetzung ihres Landschaftsplans. Jetzt liegt auch eine 24-seitige Farbbroschüre vor, in der jedermann über die Arbeit der Bürgerinnen und Bürger nachlesen kann. Rezept der Aschinger dabei war die Kombination von Pflege der Kulturlandschaft einerseits und Einkommensvielfalt in der Landwirtschaft andererseits. Bei der Realisierung der Broschüre haben die Gemeinde, die beteiligten Planungsbüros und der Naturpark Bayerischer Wald e.V. Hand in Hand gearbeitet. Landschaftsplan „Wir haben lange über Sinn und Zweck der Erhaltung der Kulturlandschaft für unsere nachfolgenden Generationen diskutiert“, erzählt Bürgermeister Wolfgang Zirngibl. „1989 war es dann soweit, und der Gemeinderat erteilte dem Planungsbüro MKS Architekten und Ingenieure aus Strasskirchen den Auftrag, einen Landschaftsplan - also ein flächendeckendes Gesamtkonzept für die zukunftsorientierte Entwicklung unserer Gemeinde - zu erstellen. Wenig später wurde auch das 5b-Programm der Europäischen Union aufgelegt, das uns in der Folgezeit große finanzielle Zuschüsse einbrachte. Landschaftsplanumsetzung „Was nutzt der schönste Plan, wenn er in der Schublade schmort?“ war damals die nächste Frage. 1993 beschloss daher der Gemeinderat von Ascha, seinen Landschaftsplan auch in die Praxis umzusetzen und forderte das Planungsbüro auf, für die ökologischen Schwerpunktgebiete im Gemeindegebiet entsprechende Pflege- und Entwicklungspläne auszuarbeiten. In diesen Plänen wurde festgelegt, welche Maßnahmen hier zur Erhaltung bzw. Wiederherstellung der Gebiete durchgeführt werden sollten. Die Landschaftsplanumsetzung ging dabei weit über reine Naturschutzmaßnahmen hinaus. Auch Projekte in der Direktvermarktung oder im technischen Umweltschutz wurden angegangen. „Ohne die großartige Mitarbeit unserer Bürgerinnen und Bürger wäre aber alles nur Stückwerk geblieben“, lobt Bürgermeister Wolfgang Zirngibl. Auch das gehört dazu Das Engagement der Gemeindemitglieder dokumentiert die Gründung des Vereins „Ascha Aktiv e.V.“. Er wurde am 25. Oktober 1994 aus der Taufe gehoben und ist eine Aktions- und Erzeugergemeinschaft, die sich in der Gemeinde für den Landschafts- und Umweltschutz, aber auch für die Vermarktung regionaler Produkte einsetzt. Die jährlichen Bauernmärkte sind sein Verdienst. Eine weitere Initiative mehrerer Aschinger Landwirte in Sachen Umwelttechnik war die Errichtung des Biomasseheizwerks, das seit 1995 zwei Wohngebiete, mehrere Wohnhäuser, die Kirche und öffentliche Einrichtungen der Gemeinde mit Wärme versorgt. Außerdem wurde im Jahre 2001 eine Lohnholztrocknungsanlage für Schnittholz in Betrieb genommen. Betriebsberatungen Mit der Umsetzung des Landschaftsplans ging eine intensive Beratung der Landwirte einher. Hiermit wurde das „Kulturlandbüro Wirthensohn“ beauftragt. Leitbild war die Erhaltung vieler naturnah wirtschaftender Betriebe auf der Basis von Einkommensvielfalt. Das bedeutet in der Zukunft für die Landwirtschaft in Ascha z.B. Gewinn aus landwirtschaftlicher Produktion, bessere Ausnutzung der Programme des Naturschutzes und der Landwirtschaft; Zuerwerb durch Landschaftspflege und sonstige überbetriebliche Arbeiten, Direktvermarktung, Urlaub auf dem Bauernhof, etc.. Knapp 60 landwirtschaftliche Betriebe gibt es noch in Ascha. Über 20 % bewirtschaften ihre Flächen nach den Auflagen von Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) und Vertragsnaturschutzprogramm (VNP) und erhalten entsprechende Ausgleichszahlungen. Bewirtschaftung Landschaftspflege in der Kulturlandschaft ist eine fortwährende Aufgabe. Mit dem Strukturwandel in der Landwirtschaft wurden viele der früher extensiv genutzten Flächen entwässert, um intensiver bewirtschaftet werden zu können oder aber sie fielen brach und verbuschten. Auch dabei ändern sich die Standortbedingungen so stark, dass viele der ursprünglich dort vorkommenden Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum verlieren. Um das zu verhindern, muss die Landschaftspflege eingreifen. In den ersten Jahren organisierte vor allem das Planungsbüro die Biotoppflege. Seit 1997 betreut der Landschaftspflegeverband Straubing-Bogen die Pflegemaßnahmen. 80 % der entstandenen Kosten werden durch das Naturparkprogramm erstattet. „Hoffentlich macht diese Form der Landschaftsplanumsetzung weiterhin Schule. Auch für andere Gemeinden im Landkreis und im ganzen Naturparkgebiet könnte das Engagement der Aschinger als Anreiz für ähnliche Aktivitäten dienen.“, ergänzt Claus - B. Weber vom Naturparkverein. Ausblick Die Broschüre, von der 3000 Stück aufgelegt wurden, dokumentiert die verschiedenen Maßnahmen zur Umsetzung des Landschaftsplans, von der Angus-Mutterkuhhaltung bis hin zum Bau einer Pflanzenkläranlage. In den kommenden Wochen wird die Broschüre an alle Haushalte in Ascha verteilt. Darüber hinaus erhalten alle Gemeinden im Landkreis sowie maßgeblichen Behörden diese Broschüre. Gegen eine Schutzgebühr von 1 Euro und Portoerstattung kann sie auch bei der Geschäftstelle des Naturparks Bayerischer Wald e.V. in 94227 Zwiesel, Infozentrum 3 angefordert werden.


Das Wallfahrtsmuseum präsentiert die vielbeachtete Ausstellung bis 28. April im Bayerisch-Böhmischen Informationszentrum für Natur- und Nationalparke „Grenzbahnhof“ Eisenstein. Der Kötztinger Haymo Richter hat vor zehn Jahren die wichtigsten Ereignisse an und über der Staatsgrenze mit der Kamera festgehalten: Öffnung von Grenzübergängen, Begegnungen, Wallfahrten, Menschenketten. In der Ausstellung werden insgesamt rund 100 Aufnahmen gezeigt, die die Situation vor der Grenzöffnung dokumentieren; etwa eine Gruppe von Menschen, die am Schlagbaum steht, wo der Weg nicht mehr weitergeht, und nach „drüben“ schaut: Wie sieht es dort aus? Wie lebt mein tschechischer Nachbar? Es ist das Ende der (westlichen) Welt, der „Eiserne Vorhang“ ist undurchlässig. Die Fotografien belegen auch die Entwicklung in Tschechien, die schließlich zu Annäherung und Grenzöffnung geführt hat. Eine Ausstellungseinheit zeigt die frühere, gigantische Grenzbefestigung mit Zäunen, Stacheldraht und Wachtürmen - den „Eisernen Vorhang“ - und den Abbau dieser Anlagen. Auch die landschaftlichen Schönheiten der tschechischen Seite des Böhmerwaldes können jetzt erwandert werden. An einigen Stellen verläuft der Wanderweg entlang des ehemaligen „Eisernen Vorhangs“. Schließlich erinnern die Bilder an wichtige grenzüberschreitende Ereignisse und Begegnungen vor zehn Jahren: die Öffnung der Grenzübergänge z.B. in Neuaign, die Menschenkette in Bayer./ Böhm. Eisenstein, die Öffnung des Bahnübergangs Eisenstein mit Bundeskanzler Helmut Kohl oder bedeutsame kirchliche Ereignisse. Schon jetzt haben die Fotografien der Ausstellung historischen Charakter. Enorm schnell hat sich ein Wandel im Verhältnis der beiden Staaten und in der Begegnung der Bürger vollzogen. Gerade für Jugendliche ist schon heute kaum mehr vorstellbar, wie undurchdringlich der „Eiserne Vorhang“ war. Heute ist es selbstverständlich und problemlos, die Dörfer und Städte jenseits der Grenze zu besuchen. Die ausgestellten Aufnahmen entstanden überwiegend in der Zeit von Ende des Jahres 1989, als sich im Osten die Ereignisse im Zusammenhang mit dem Ende der kommunistischen Herrschaft überstürzten, bis in das Jahr 1991 hinein. Es sind Dokumente von Ereignissen, wie sie sich nicht mehr wiederholen werden. Der Aufbruch in eine neue Zeit im Nachbarland, die auch uns, hier an der Grenze, nach 45 Jahren wieder die vierte Himmelsrichtung öffnete. Oft hat man nun den Eindruck, als sei es in den verschiedenen Beziehungen und Begegnungen ruhiger geworden. Nein - es ist nur Normalität eingekehrt; der freie Zugang in das Nachbarland ist zur Selbstverständlichkeit geworden. Öffnungszeiten Infozentrum Grenzbahnhof Bayerisch Eisenstein Dienstag bis Sonntag 9.30 bis 16.30 Uhr Eintritt: kostenlos Tel. 09925-902430