November 2015


Bayer. Eisenstein.

In den NaturparkWelten im Grenzbahnhof hatte man bis zum Beginn der Weihnachtsferien, in denen wieder täglich offen ist, zunächst nur Samstag- und Sonntagöffnung eingeplant, weil bisher im November und Dezember kaum Gäste unterwegs waren. Da jedoch viele Einrichtungen derzeit schließen, sperrt man auch an einem Wochentag auf, dem Mittwoch. Während man am Samstag und Sonntag auch das historische Restaurant im Grenzbahnhof nutzen kann, werden mittwochs nur die NaturparkWelten geöffnet, das Restaurant bleibt zu. Die Mittwochsführung um 14.30 Uhr wird aber beibehalten.bbz 


Großes Interesse an Vortrag von Andreas Fried über die Geschichte der Regentalbahn

Viechtach. Als „Bayerns schönste Bahnlinie“ hat Andreas Fried die Bahnstrecke zwischen Gotteszell und Viechtach bei seinem Vortrag am Samstagabend im Viechtacher Pfarrsaal bezeichnet. Der Eisenbahn-Historiker und langjährige zweite Vorsitzende des Vereins Wanderbahn im Regental sprach vor fast 100 Zuhörern über die Geschichte der Regentalbahnstrecke, die vor 125 Jahren begann.

Fried ging anhand von vielen Bildern und Schautafeln auf die Zeit von 1880 bis 2015 ein. Er begann mit den Gründerjahren der Regentalbahn in den 1880er Jahren und machte dabei auch deutlich, wie die Menschen vor der Eisenbahn von A nach B kamen – mit Postkutschen. Er meinte, dass trotz romantischer Verklärung und szenischer Route die Menschen damals sehr erfreut über eine Neuerung in der Infrastruktur gewesen seien, da sich durch die Eisenbahn die Fahrzeit zwischen Gotteszell und Viechtach von dreieinhalb Stunden auf unter zwei Stunden verkürzte.

In seinem Vortrag stellte Fried auch die Initiatoren der Regentalbahn vor. Er nannte neben mehreren Unterstützern insbesondere die Geistlichen Josef Ferstl und Johann Baptist Hennemann sowie Unternehmer Gustav Werner (Papierfabrik Pfleiderer). Sie hatten in unterschiedlichen Komitees für die Aktivierung der Bahnstrecke um die Jahrhundertwende gekämpft und 1884 die erste Initiative für die Bahnstrecke gestartet.

Im Jahr 1890 wurde nach 17 Monaten Bauzeit die Bahnstrecke Gotteszell – Viechtach fertig gestellt. Mit einem großen Festzug zum Bahnhofsgelände feierten die Viechtacher am 27. Oktober 1890 die Vollendung, bevor am darauffolgenden Tag die erste Probefahrt stattfand.

In den Folgejahren wurde die Eisenbahn immer beliebter. Auch die wirtschaftliche Bedeutung des Zuges nahm zu. Unter anderem nahm die Teisnacher Papierfabrik Pfleiderer die Eisenbahn als Logistik-Instrument in Anspruch, um Güter zu transportieren.

Anhand von Aufnahmen aus Privatbesitz und Stadtarchiv zeigte Andreas Fried die unterschiedlichen Eisenbahn-Waggons, darunter die „Maria“ und die „Anna“, sowie Haltestellen und die Bahnstrecke selbst.

Im zweiten Teil des insgesamt drei Stunden dauernden Vortrages konzentrierte sich der Experte auf die Stilllegung der Bahnstrecke im Jahre 1990, das Ende des Güterverkehrs und den Verkauf der Regentalbahn AG im Jahre 2000 sowie die Reaktivierungs-Initiativen in den vergangenen Jahren.

„Die Bahnstrecke zwischen Gotteszell und Viechtach ist alleine szenisch gesehen eine ganz besondere und wunderschöne Route“, betonte Andreas Fried. Man könne dabei direkt am schwarzen Regen entlangfahren und Natur zu Gesicht bekommen, die mit Auto oder Fahrrad kaum erreichbar sei.

Viechtachs Bürgermeister Franz Wittmann sowie Naturpark-Vorsitzender und Bezirksrat Heinrich Schmidt bedankten sich für einen „hervorragenden Vortrag“. Rathauschef Wittmann freute sich außerordentlich über den großen Besuch. Er bezeichnete die damalige Aktivierung und jetzt geplante Reaktivierung der Bahnanbindung Viechtachs als „revolutionär“ und sieht darin große Chancen für die wirtschaftliche Entwicklung und Attraktivitätssteigerung der Stadt Viechtach. „Also fahrt alle fleißig mit der Bahn, wenn der Probebetrieb kommt“, appellierte Wittmann an die Bürger.

Stefan Muhr


Blick in die Anfänge des Eisenbahnbetriebs zwischen Gotteszell und Viechtach – Auf holprigen Start folgte rasch ein merklicher Aufschwung

Viechtach. Nach dann 25 Jahren ohne Personenzügen zwischen Gotteszell und Viechtach sollen sie im September 2016 wieder rollen. Der erste Zug auf der Strecke rollte vor 125 Jahren, im Herbst 1890. Andreas Fried vom Verein Wanderbahn im Regental, der seit 1991 Ausflugsverkehr auf der Strecke anbietet, hat in sein umfangreiches Eisenbahnarchiv geblickt und ruft in diesem Beitrag die Anfänge des Eisenbahnverkehrs im Regental in Erinnerung.

Der Herbst des Jahres 1890 war demnach für die Menschen im Raum Viechtach eine aufregende Zeit. Nur eineinhalb Jahre hatte der Bau eines 25 Kilometer langen Gleises zwischen Gotteszell und Viechtach gedauert. Los ging es im März 1889 auf den Viechtacher Pfarrwiesen unterhalb der Kirche. Bagger und andere Maschinen gab es noch nicht. Mühsam nur mit Axt, Spitzhacke und Schaufel mussten viele Arbeiter die Trasse entlang des Schwarzen Regens durch Wälder schlagen und über Wiesen aufschütten.

Besonders schwierig war es, den 64 Meter langen Tunnel bei Böbrach aus Granitstein auszubrechen. Umso größer die Freude, als die Arbeit endlich vollendet war und man zur Eröffnung schreiten konnte. Dabei fehlte noch Manches. In Viechtach zeigten sich die Gleisanlagen unvollständig, ohne Empfangsgebäude und auch das rollende Material hatten die Münchner Firmen Krauss und Rathgeber nicht komplett geliefert. Die erste für den Bahnbau ausgeliehene Lokomotive gehörte der Königlich Bayerischen Staatsbahn.

Zu dieser Zeit waren die Wege im Bayerischen Wald unbefestigt und in miserablem Zustand. Es gab es nur den „Postomnibus“, eine altertümliche Kutsche, die einzelne Reisende zwei Mal am Tag nach Gotteszell und zurück brachte. Die ungemütliche Fahrt dauerte dreieinhalb Stunden. Schnell, bequem und preiswert war Mobilität damals nicht und so blieb der Waidler lieber in seiner vertrauten Umgebung. Die Eisenbahn kannte man nur vom Hörensagen.

Das änderte sich mit der feierlichen Einweihung der neuen Lokalbahn am Sonntag, 26. Oktober 1890. Tags darauf folgte ein großes Programm, zu dem sich um 10 Uhr eine unübersehbare Menschenmenge mit Vereinen, Schülern und Abordnungen aus umliegenden Orten einfand. Nach Aufstellung am Marktplatz marschierte ein langer Festzug hinunter zum neuen Bahngelände, wo geladene Gäste Ansprachen hielten. Der geschmückte Eisenbahnzug wartete mit seiner rauchenden Dampflok, für die Menschen ein noch ungewohnter Anblick. Nach dem Mittagessen im Gasthaus von Anton Schmaus ging es erneut zur bereit stehenden Bahn.

Nun folgte für alle Interessenten eine kostenlose Probefahrt nach Gotteszell, „soweit der Platz reicht“. Doch leider endete die atemberaubende Schnellfahrt mit 30 km/h bereits kurz vor Teisnach. Ein Stück Bahndamm war abgerutscht. Nach längerer Reparatur gab es erst acht Tage später wieder längere Testfahrten, jedoch ohne Reisende. Ab 10. November durften dann Güter transportiert werden und ab 20. November, einem Donnerstag, auch Fahrgäste. Ob es anfangs nur ein paar mutige Männer waren, ist nicht überliefert. Doch schon für das darauf folgende Jahr sind überraschend hohe Zahlen von 108 000 Reisenden und 25 000 Tonnen Fracht, darunter 57 000 Liter Bier, registriert. Umgerechnet saß die bemerkenswerte Zahl von 50 Fahrgästen in jedem Zug! Auch verschwand die kleine Postkutsche, mit der offensichtlich niemand mehr fahren wollte.

Zu verdanken war die weitsichtige Initiative einem erstmals 1884 erwähnten „Eisenbahnkomitee“, das trotz vieler Rückschläge unbeirrt am Ziel einer eigenen Eisenbahn festhielt. Ähnlich wie heute erhielt man damals 1887 in München eine Abfuhr. Der damalige Minister von Crailsheim meinte wörtlich: „Wenn Euch die Bahn so wichtig ist, dann baut sie doch selber!“ – und genau das tat man, anstatt weiter auf den trägen Staat zu warten. Der Bau kostete 1,8 Millionen Mark, relativ wenig für eine 25 Kilometer lange Bahnlinie. Dazu hatte man die Aktiengesellschaft „Lokalbahn Gotteszell – Viechtach A.G.“ gegründet und Anteilsscheine ausgegeben. Allein 200 000 Mark erbrachte die Sammlung durch Kirchenvertreter.

Überhaupt bildeten katholische Kirche und Unternehmer eine Allianz, um Arbeit und Wohlstand in den armen Landstrich zu bringen. Unterstützt wurden sie von den Bürgermeistern Schmid aus Viechtach und Menzinger aus Deggendorf, welcher mit „der Erschließung seines Hinterlands“ wichtige Ämter erhalten wollte.

Zur Initiative gehörten ferner Apotheker Gareis, Kaufmann Sporer, sowie aus Geiersthal der Pfarrer Faltermeier. Der Hauptverdienst gebührte Dekan und Pfarrer Johann Babtist Hennemann aus Böbrach und dem Viechtacher Kooperator Josef Ferstl (später Pfarrer und Ehrenbürger von Plattling), beide aus der Oberpfalz stammend. Dritter im Bunde war der aus Hohenzollern kommende Unternehmer Gustav Werner, der die Teisnacher Papierfabrik gründete und einen Gütertransport per Bahn dringend benötigte.

Kein Wunder, dass die Bahn schon ab dem ersten Jahr Überschüsse erzielte. Übrigens erhielten die beiden ersten Dampfloks Mädchennamen durch ihre Gründerväter. Gustav Werner entschied sich für „MARIE“, seine einzige früh verstorbene Tochter, bekannt als „der gute Engel von Teisnach“. Die katholischen Vertreter wichen elegant auf „ANNA“ aus, die heilige St. Anna in ihrer Kapelle in Viechtach würdigend.vbb 

Am Samstag berichtet der Autor dieses Artikels, Andreas Fried, auf Einladung des Naturparks Bayerischer Wald in einem reich bebilderten Vortrag über „125 Jahre Eisenbahn im Regental – eine Chronik der Bahnstrecke in zirka 350 historischen Fotos“. Beginn ist um 19 Uhr im katholischen Pfarrsaal, der Eintritt ist frei.


Historischer Vortrag zur Bahnstrecke Gotteszell-Viechtach-Blaibach am 7. November in Viechtach

Viechtach. Im November jährt sich das Jubiläum der ersten Eisenbahnfahrt im Tal des Schwarzen Regen nach genau 125 Jahren. Aus diesem Anlass laden die Stadt Viechtach, die Umweltstation des Naturparks Bayerischer Wald und der Agenda Arbeitskreis „Energie und Verkehr“ zu einem historischen Vortrag ein. Die Veranstaltung findet am Samstag, 7. November um 19 Uhr im Katholischen Pfarrsaal Viechtach statt.

Der Titel des Vortrages lautet „125 Jahre Eisenbahn im Regental – die Bahnstrecke Blaibach – Viechtach – Gotteszell“. Referent ist Andreas Fried, Eisenbahnhistoriker und langjähriger zweiter Vorsitzender vom Verein Wanderbahn im Regental.

In diesem Vortrag werden mehr als 300 historische Bilder präsentiert und von der Geschichte der Bahn in über 125 Jahren berichtet. Die Bahnstrecke im Regental gilt als eine der landschaftlich schönsten Bayerns. Seit der Eröffnung der Bahnlinie am 10. November 1890 für den Güterverkehr und am 20. November 1890 für den Personenverkehr gibt es vieles zu dieser wildromantischen Bahnstrecke zu erzählen. Andreas Fried hat über Jahre hinweg umfangreiches historisches Bildmaterial zusammengetragen. Er geht auf die Besonderheiten des Streckenverlaufs und existenzbedrohende Ereignisse ein, wie etwa ein geplantes großes Stauseeprojekt im Regental. Die Anschlussbahnen zum Quarzschotterwerk am Großen Pfahl – der so genannten Quetsch – und zur Papierfabrik in Teisnach sind ebenso Thema dieses bildreichen Vortrages. Der Eintritt zum Bildervortrag ist frei.ro