August 2002


"Gute Zeiten, schlechte Zeiten" bzw. "Gute Seiten, schlechte Seiten" - unter diesem Motto stand eine Exkursion des Naturparkes Bayerischer Wald e.V. in die Ilz- Region, die in diesem Jahr zur Flußlandschaft des Jahres gewählt wurde. Unter sachkundiger Führung des Dipl.-Biologen Otto Lendner und dem Naturpark –Bildungsreferenten Hartwig Löfflmann erkundeten die Teilnehmer die Fließgewässer bei Ringelai im Herzen des Ilz- Einzugsgebietes. Die fachlichen Ausführungen befassten sich insbesondere mit der wechselvollen Nutzungsgeschichte der Hänge und Talgründe entlang der Ilz - Zuflüsse. Lebhaft diskutiert wurden dabei die unterschiedlichen Auswirkungen der jeweiligen Bewirtschaftungsformen auf die Gewässergüte und die Lebensraumqualität der betroffenen Bachläufe. Ein besonderer "Brennpunkt" der Ilz - Problematik wurde dabei an der Ohebrücke in Ringelai offenkundig. Hier zeigen sich die zwei aktuellen, sehr unterschiedlichen Gesichter der Ilz bzw. ihrer Hauptzuflüsse besonders deutlich: Einerseits "Schwarze Perle" des Bayerischen Waldes - andererseits seit langem "Sorgenkind" des Natur- und Landschaftsschutzes. Fließt auf der einen Seite der Brücke ein freier, tosender Wildfluß, dessen Urgewalt jeden Betrachter zu fesseln vermag und der einen Hauch von Wildnis aus den Bergen in die geordneten Fluren des Vorwaldes hinausträgt - so begegnet uns auf der anderen Seite ein von Betonmauern gebändigter, angestauter und vielfältig genutzter Wasserlauf, der seinen ursprünglichen Bewohnern oft mehr Hindernis als Lebensraum ist. "Gerade die vielerorts verlorengegangene Dynamik und Durchgängigkeit des Fließgewässers stellt für viele Fische, aber auch andere Tierarten ein gravierendes Problem dar. In naturbelassenen Flüssen können die Tiere bei schwierigen oder wechselnden Verhältnissen in einen für sie günstigeren Fließabschnitt ausweichen. Ist das Flußbett zum Beispiel durch eine Staustufe verbaut, besteht diese Möglichkeit kaum mehr. " erklärt Otto Lendner. Er sieht darin eine der Ursachen, dass die Bestände zahlreicher Bach- und Flussbewohner immer mehr abnehmen und heute selbst einstige "Allerweltsarten" wie Bachforelle oder Elritze vom Aussterben bedroht sind. Auch die neuerdings oft angelegten kleinen Umlaufgewässer, die als sogenannte "Fischtreppen", die Barrierewirkung der Staumauern brechen sollen, können nur bedingt Abhilfe schaffen. Entscheidend für die ganze Lebewelt am und im Fluß ist der Fließgewässercharakter. Nur hier ist die Selbstreinigungskraft ausreichend hoch und wird Sohleverschlammung, Veralgung und Nährstoffanreicherung vermieden. Nicht umsonst waren gerade die Messwerte der Ilzabschnitte in und kurz nach den Staubereichen mit entscheidend dafür, dass das Aktionsbündnis "Saubere Ilz" ins Leben gerufen wurde. Im weiteren Verlauf wanderte die Gruppe an einem kleinen Ohezufluss entlang durch sehr naturnahe Wälder aufwärts zu einem versteckt liegenden Wald- und Wiesenquellgrund im Umfeld des Geistlichen Steines, der als mächtiger und geschichtsträchtiger Granit-Monolith den Ringelaier Talkessel überragt. "Wenn von den Quellen der Ilz gesprochen wird, sind meist nur die moorigen Hochlagenquellen zwischen Rachel und Lusen gemeint, die der Ilz ihre typische dunkle Farbe verleihen," erläuterte Lendner, "die viel zahlreicheren Quellen der kleineren Zuflüsse werden oft übersehen, obwohl ihr Zustand viel mehr Einfluß auf die Wassergüte der Ilz ausübt als der ihrer berühmteren Geschwister." Wurde ihr Wasser früher im ganzen Bayerischen Wald für die Wiesenwässerung, eine traditionelle Form der Grünlandbewirtschaftung, gebraucht, sind heute die meisten Offenlandquellen entwässert und ihre Abläufe verrohrt. Noch bis vor wenigen Jahrzehntenten tummelten sich in den zahllosen Gräben der Wässerwiesen Steinforellen und Elritzen, und die Wiesenschwemmen - kleine "Rückhalteteiche" für das Grabensystem- waren ideale Laichplätze für Amphibien. "Durch die Verrieselung über die Wiesenflächen, die damals von Künstdünger und Gülle noch verschont waren, konnte das Wasser zudem bestimmte Partikel aufnehmen, die vermutlich sehr empfindlichen Organismen wie Fischlarven und Flußperlmuschel als wertvolle Nahrung dienten", weiß Lendner. Durch das flächendeckende Verschwinden der Wässerwiesen sei aber nicht nur für die Gewässerbewohner eine bedrohliche Situation entstanden. Auch viele Pflanzenarten, insbesondere die seltenen Knabenkräuter und andere Orchideenarten verloren dadurch ihren angestammten Lebensraum und zählen demnach heute zu den Raritäten der heimischen Flora. Wohl Dank der abgeschiedenen Lage und des Traditionsbewußtseins des Besitzers blieb am Geistlichen Stein wenigstens noch eine original bewirtschaftete Wässerwiese erhalten. Sie bildete das letzte Exkursionsziel und so konnten sich die Teilnehmer zum Ausklang der sehr aufschlussreichen Führung an Ort und Stelle vom einmaligen Artenreichtum dieser "grünen Perle" des Waldes begeistern lassen. Einig waren sich die Teilnehmer nach den Eindrücken der Wanderung in der Einschätzung, was für die Erhaltung und den Schutz der Tier- und Pflanzenwelt unserer Bäche und Flüsse auf Dauer unerlässlich ist und die Hartwig Löfflmann so formulierte: "Wenigstens ein Teil der "Lebensadern" unserer Landschaft sollte sich von der Quelle bis zur Mündung ungestört entwickeln und entfalten dürfen und frei bleiben von Verbauung und technischer Nutzung. Und welches Flußsystem wäre dafür wohl besser geeignet als die Ilz, damit sie als "Flusslandschaft des Jahres" nicht nur eine Randnotiz bleibt, sondern dieses Prädikat auch dauerhaft verdient. Für Rücksprachen steht Ihnen als


Am Sonntag, den 11. August findet eine Wanderung für Naturliebhaber im Naturschutzgebiet „Pfahl bei der Burg Weissenstein“ statt. Treffpunkt ist um 13.30 Uhr vor dem Kiosk am Parkplatz unterhalb der Burg. Der Naturpark Bayerischer Wald e.V. lädt Sie herzlich zu dieser naturkundlichen Führung für Groß und Klein ein. Ob Tiere und Pflanzen am Pfahl, ein Einblick in die Burggeschichte oder die erdgeschichtliche Entstehung des Pfahlgesteins – das kann man dabei kennen lernen. So lautet der Titel der Wanderung „Von Pfahlheide, Pfahlfelsen und -wäldern“. Die Veranstaltung dauert ca. 2 Stunden. Nach dem Motto „Der Natur auf der Spur“ kann im gemeinsamen Wandern die Schönheit der Pfahlnatur erlebt werden. „Der Pfahl – ein mit Quarz und Pfahlschiefer gefüllter „Riss“ im Gebirgsgrund des Bayerischen Waldes – ist ein einmaliges Kunstwerk der Natur“ so Matthias Rohrbacher, der als „Pfahlbetreuer“ des Naturparks die Wanderung führt: „Auf den weissen Felsformationen, auf denen die Burg ruht, erreicht der Pfahl mit 753 m N.N. seinen höchsten Punkt.“ Der Burgturm gewährt einen wunderbaren Rundblick auf die Höhenzüge des Vorderen und Inneren Bayerischen Waldes.