Dezember 2009


Seit der Naturpark Bayerischer Wald e.V. im Herbst 2006 den Grenzbahnhof Eisenstein von der Deutschen Bahn übernommen hat, laufen vielfältigste Aktivitäten um das vom Siechtum ergriffene, denkmalgeschützte Gebäude für die Nachwelt zu retten. Der Grenzbahnhof Eisenstein ist in seiner Konstellation einmalig und wird deshalb auch bundesweit als nationales Baudenkmal gesehen. Der Vorstand des Naturparks war sich einig: Diese grenzüberschreitende Einrichtung muss man für die Entwicklung der Region nutzen. Nachdem im Frühjahr Fördermittel aus dem Konjunkturprogramm in Aussicht gestellt wurden, sagte nun der Lenkungsausschuss EU-Fördermittel aus dem INTERREG-IV-Förderprogramm zu und diese Woche kam der Bescheid zum vorzeitigen Maßnahmebeginn. Damit ist die Förderung weitgehend in trockenen Tüchern. Die Regierung von Niederbayern und das Bayerisches Umweltministerium haben hier Hand in Hand gearbeitet. Wieder einmal hat sich bestätigt: Nur wenn alle an einem Strang ziehen, lässt sich in heute schwieriger Zeit eine derartige Mammutaufgabe noch bewältigen. Gehörig gefordert waren die Planer auf Naturparkseite, die mehrfach Unterlagen nachliefern und Kosten nach unten korrigieren mussten. Der Vorsitzende des Naturparks Heinrich Schmidt bemühte sich, auch die tschechischen Projektpartner und Vertreter von Institutionen mit einzubinden. In diesem Zusammenhang fand auch ein Besuch bei der tschechischen Bezirkspräsidentin MUDr. Milada Emmerova in Pilsen statt, die dabei ihre volle Unterstützung bekundet hatte. Um die Zeit des Planens und Fördermittelbeschaffens nicht untätig verstreichen zu lassen, wurde mit geförderten Zusatzjobs der Arbeitsagentur im vergangenen Jahr 2009 das Gebäude entrümpelt und entkernt. Irgendwann ist jedoch eine Grenze erreicht, ab der dann ein Wiederaufbau erfolgen muss. Wenn alles planmäßig verläuft, soll der Baubeginn im Frühjahr 2010 erfolgen. Bis dahin sind noch alle Hände voll zu tun und die konkreten Ausschreibungsunterlagen fertig zu stellen. Planer und Fachbüros müssen dazu in den nächsten Wochen noch auf Hochtouren arbeiten. Mit einem anspruchsvollen Gesamtkonzept konnten die Verantwortlichen des Naturparks die Förderstellen überzeugen und für eine umfangreiche Unterstützung gewinnen: Im Hauptgebäude auf deutscher Seite des Grenzbahnhofs wird im Kellergeschoss das Europäische Fledermauszentrum als interaktive Erlebnisausstellung entstehen. Im Erdgeschoss gibt es Informationen über die Region Arber-Spitzberg und das Eisensteiner Tal. Im zweiten Obergeschoss wird die Bedeutung der Eisenbahn für die Region, für Tourismus und Wirtschaft, bis hin zu den Auswirkungen auf Natur und Landschaft, erlebnisreich präsentiert. Abgerundet wird das Ganze mit einer Modelleisenbahn im Dachgeschoss und Möglichkeiten für Sonderausstellungen im ersten Obergeschoss. Für die Realisierung ist ein sehr enger Zeitplan gesetzt. Nach den Vorgaben des Konjunkturprogramms muss die Sanierung der Grenzbahnhofes Ende 2011 abgeschlossen sein. In Anbetracht der großen zur Verfügung stehenden Nutzflächen ein Kraftakt. „Wir sind allen Stellen sehr dankbar, die zum Erhalt des höchstgelegenen Grenzbahnhofes der Bundesrepublik Deutschland unterstützend mitgewirkt haben. Von der Gemeinde Eisenstein, dem Landkreis Regen über alle Behörden, bis hin zu den Projektpartnern und allen sonstigen Unterstützern bis hin zur Politik“ betont der Vorsitzende Heinrich Schmidt. „Der Naturpark ist auf weitere finanzielle Unterstützung, was die Sanierung des Mittelbaus des Grenzbahnhofes anbelangt, angewiesen“ so Geschäftsführer Hartwig Löfflmann. Das derzeitige Projekt umfasst ca. 5 Mio. Euro. Wenn sich die Summe auch absolut sehr hoch anhört, betrachtet man jedoch die umfangreichen Nutzflächen auf den fünf Etagen, so wird deutlich, dass die Realisierung unter eisernem Zwang zum Sparen kalkuliert wurde. Dies wurde dem Naturpark von verschiedenen Stellen bescheinigt. Nach Fertigstellung soll der Grenzbahnhof ein „Highlight“ in Sachen Naturinformation und ein Tourismusmagnet auf qualitativ hohem Niveau werden. Vielleicht kann der Grenzbahnhof für die in den letzten Jahren arg geschüttelte Gemeinde Bayerisch Eisenstein ein Symbol des Aufbruchs werden. Das im Jahr 2000 realisierte Infozentrum Grenzbahnhof kann im Jahr 2010 auf die ersten 10 Jahre Betriebserfahrung zurückblicken und bleibt auch während der Bauzeit für Besucher geöffnet.