März 2007


Der Naturpark Bayerischer Wald e.V. erfährt erneut Unterstützung durch die Europäische Union. Mit dem Förderprogramm INTERREG-III wird das Projekt NaturMobil 2008 des Naturparks mit 50% finanziert. Das INTERREG-III Programm läuft aus, das Folgeprogramm wird Ziel 3 heißen. Mit Restmitteln des alten Förderprogramms kann der Naturpark aber noch die bereits in den vergangenen Jahren aufgebaute grenzüberschreitende Internetdatenbank ausbauen. Geplant sind die Erweiterung im Hinblick auf Geoinformationen zu Natursehenswürdigkeiten und Wegen. Die Zusammenarbeit mit den Kommunen und den Landkreisen soll optimiert werden. Wichtig ist auch der Blick auf breite Zugänglichkeit dieser Internetdaten. Man geht davon aus, dass künftige Handygenerationen verstärkt Internetinformationen nutzen können. Das Projektgebiet umfasst den Bayerischer Wald und den benachbarten Böhmerwald.

Beispielsweise sollen sich Gäste von ihrem jeweiligen Standort aus interessante Sehenswürdigkeiten wie beispielsweise Naturerlebnispfade und Natureinrichtungen oder Tourenvorschläge auf ihr Handy laden können. Damit entfällt ein ausleihen von Geräten beispielsweise über Hotels oder Tourist - Infostellen. Gerade die jüngere Generation bringt ihr webfähigen Handys selbst mit und mag diese gerne Einsetzen. Das EU-Projekt läuft seit Oktober 2006 und soll bis 31.12.2007 abgeschlossen sein.

Bereits jetzt kann man sich interessante Informationen von der Internetseite des Naturpark Bayerischer Wald e.V. www.naturpark-bayer-wald.de speziell aus dem Menüpunkt grenzüberschreitende Naturinformation holen.


Bildungsreferent Hartwig Löfflmann vom Naturpark Bayerischer Wald e.V. begrüßte die Teilnehmer, die sich im Rahmen der Woche der regenerativen Energien zur ersten Veranstaltung mit dem Thema Biogas im Naturparkhaus eingefunden hatten. Dr. Paul Kestel von der Arbeitsgruppe Energie und Verkehr des Landkreises Regen sprach in seiner Einführung die Stoffströme an. Aus Kohlendioxid und Wasser entsehen mit Sonnenlicht Milliarden Tonnen organischer Stoffe auf der Erde, die in Kreisläufen umlaufen. Hiervon wird auch der Energiebedarf der Lebewesen gedeckt. Als Referenten begrüßte Dr. Kestel Dipl.-Ing. Michael Buchheit, der über den Betrieb gewerblicher Biogasanlagen berichtete. Als Vorzeigeanlage gilt die in Passau. Vor 2 Jahren eröffnet wird sie heute bereits weltweit bis hin nach Paris und nach Japan kopiert. In der Anlage wird zunächst alles was größer als 60 mm ist an holzigem Material ausgeschieden. Der Rest geht in die Vergärung. Man kann dort etwas 3 grobe Schritte nachvollziehen. Im ersten Schritt wird aus Bioabfall mit bestimmten Bakterienstämmen Zucker erzeugt, im zweiten Schritt aus Zucker Essigsäure mit anderen Bakterien und im dritten Schritt aus der Essigsäure Methangas. Ein richtiges Zusammenwirken der Bakterienstämme in der vorgegebenen Zeit ist entscheidend für die Energieausbeute. Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) liefert hier auch 20 Jahre Planungssicherheit. Derartige Anlagen wären sonst in Deutschland nicht entstanden. Mit dem EEG ist hier ein Boom in Gang gekommen. In Regen - Poschetsried soll nun eine weitere Anlage für etwa 4000 Tonnen Material pro Jahr für eine Grüngutvergärung entstehen. Diese geschlossenen Anlagen riechen nicht. Wenn alles planmäßig verläuft soll die Anlage zum Jahresende 2007 fertiggestellt sein. Es werden noch Landwirte gesucht, die Grüngut mit festen Vertragsregelungen anliefern wollen. Ziel ist dabei Material aus drei Schnitten zu erhalten. Für Material aus der Landschaftspflege ist die Anlage zunächst weniger geeignet. Hier müsste man auf spezielle Enzyme greifen, was grundsätzlich möglich ist. Die Logistik soll einen Umkreis von 10 km bis max. 25 km umfassen. Es wird auch an ein Zwischen - Silieren im nicht benötigten Fahrsilos gedacht. Mit größeren Lkws lässt sich dann kostengünstiger antransportieren.

Im zweiten Referat ging Alois Sebald auf die kleineren, bäuerlichen Biogasanlagen ein. Er stellte im speziellen die Trockenfermentation vor. Die Anlagen im Bayerischen Wald sind bisher wenig, wohl deswegen weil die Viehdichte geringer ist. Die Landkreise Cham und Schwandorf sind dagegen „Biogashochburgen“. Für die Rahmenbedingungen ist interessant zu wissen, dass die großen Maisexporte beispielsweise vom amerikanischen Kontinent ausbleiben werden, weil dieser Nachwachsende Rohstoff dort in die Bioethanolproduktion geht. Die Flächen in Ostasien sind nicht vermehrbar, der Bedarf dort ist groß. Etwas mit Unsicherheit sind die GUS Staaten einzuschätzen.

Anhand verschiedener Modelle erläuterte Sebald die Wirtschaftlichkeit von Anlagen. Gerade bei kleineren Biogasanlagen unter 150 kWh Leistung ist die Wirtschaftlichkeit eine „Gradwanderung“. Wer hier zu kleine Fermenter baut und auf diese Art und Weise sparen möchte, schafft möglicherweise eine Anlage die nie rentabel arbeitet und nur Aufwand verursacht. Davon muss mit gewarnt werden. Die Trockenfermentierung zählt zu den diskontinuierlichen Verfahren, d. h. bei Entnahme und Befüllung der Fermenter fällt keine Gasproduktion an. Deswegen werden oft mehrer Fermenter hintereinandergebaut um eine stetige Gasproduktion mit Strom- und Wärmeerzeugung sicherzustellen. Wichtig ist auch immer die Nutzung der Abwärme. Damit wird die Wirtschaftlichkeit erst hergestellt. Sebald ging auch auf andere, kleinere Anlagen wie beispielsweise die „Chiemgauer Biogasanlage“ ein. Auch ein neues System aus Niedersachsen wurde vorgestellt.

Derzeit arbeitet eine Firma auch an einem Gasverdichter, der künftig zur Betankung von Fahrzeugen geeignet sein kann.

In einem dritten Referat informierte Johann Schneider, der Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes, Kreisverband Regen über die Steuerlichen Aspekte von Biogasanlagen. Betroffen sind hier alle 3 Steuerarten, Umsatzsteuer, Einkommensteuer und Gewerbesteuer. Näheres dazu wurde in einem Merkblatt, das im Naturparkhaus ausliegt vorgestellt. Wichtig ist aber hier grundsätzlich die Bewertung des Einzelfalls. Fragerunde und Diskussion zogen sich bis in den späten Abend hinein. Dr. Kestel bescheinigte dem Publikum in seinen Dankworten großes Interesse und hohe Motivation für diese zukunftsführende Sache.


Der Naturpark Bayerischer Wald e.V. hat sein Auerhuhnprojekt in den 4 Mitgliedslandkreisen Regen, Freyung-Grafenau, Deggendorf und Straubing-Bogen vorgestellt. Mit Unterstützung und finanziert, durch die Regierung von Niederbayern wird sich der Naturpark in diesem Jahr verstärkt seinem Wappentier, dem Auerhahn, widmen. Im Rahmen des Projektes wurde eine fünfteilige Ausstellung und ein Flyer konzipiert und zusammen mit Tierpräparaten der Öffentlichkeit vorgestellt. Ziel ist es, Sympathie und Bewusstsein für diese stark bedrohte Vogelart zu wecken. Das Auerhuhn ist der größte flugfähige Waldvogel weltweit. Er zählt EU-weit zu den „Prioritären Arten“ und ist auf den „Roten Listen“ vertreten und stark bedroht. Im Gasthaus Prodinger in Freyung, im Naturpark-Informationshaus in Zwiesel, in der Naturpark-Infostelle Bahnhof Bogen und im Gasthaus Geiß in Greising warb man daher auch um die Unterstützung ehrenamtlicher Betreuer. Etwa 20 Leute haben sich bisher gemeldet, die den Naturpark mit Meldungen unterstützen. Oberstes Ziel ist natürlich die Tiere nicht zusätzlich zu beunruhigen. Es sollen nur zufällige Beobachtungen oder Funde von Hinterlassenschaften gemeldet werden. Der Naturpark selbst hat mittlerweile auch Kontakte mit den tschechischen Nachbarn, dem Nationalpark Bayerischer Wald, den österreichischen Kollegen im Mühlviertel und den Nachbarnaturpark Oberer Bayerischer Wald aufgenommen. Erste Rückmeldungen sind auch bereits eingegangen. Diese werden selbstverständlich vertraulich behandelt, damit es keine weiteren Beunruhigungen gibt. Ein Hauptziel besteht jedoch darin Nutzungen in sensiblen Bereichen entsprechend zu Lenken, um den Störungsempfindlichen Tieren das Überleben zu ermöglichen.

Neben dem Alpenraum ist das Bayerisch-Böhmische Vorkommen deutschlandweit das wichtigste, erst danach kommt der Schwarzwald. Die Primären Vorkommen existieren seit der Wiederbewaldung nach der Eiszeit. Dr. Wolfgang Scherzinger stand jeweils umfassend nach seinem ausführlichen Referat für weiter Fragen zur Verfügung. Unterstützt wurde Naturpark-Bildungsreferent Hartwig Löfflmann von seinem Kollegen Arnold Multerer und von Ole Kording, der sein Praxissemester am Naturpark in Sachen Auerhuhnschutz absolvierte.

Um das Überleben der Auerhühner im Bayerischen Wald zu ermöglichen, ist eine Zusammenarbeit möglichst vieler Beteiligter notwendig. Waldbesitzer, Jäger, Naturschützer und Freizeitnutzer müssen hier an einem Strang ziehen. Dr. Wolfgang Scherzinger betonte mehrmals die Wichtigkeit, dass alle Schutzgebietskategorien ob Nationalparke beiderseits der Grenze oder Naturparke zusammen arbeiten müssen. Einer allein kann die Verantwortung nicht übernehmen, weil eine Vernetzung über Trittsteine in geeigneten Lebensräumen notwendig ist um eine Mindestpopulation von etwas 500 Tieren erhalten zu können. Erschwerend kommt hinzu, dass Auerhuhnpopulationen von Natur aus sehr stark, etwa im Faktor 1:10 zwischen guten und weniger guten Fortpflanzungsjahren schwanken können. Wenn aber Populationen zu klein werden, tritt eine genetische Verarmung ein, das Aussterben ist vorprogrammiert.

Derzeit baut der Naturpark einen Internetauftritt auf, der in den nächsten Wochen online geschaltet wird. Die mobile Ausstellung kann man im Naturpark-Informationshaus in Zwiesel während der üblichen Öffnungszeiten von Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen jeweils von 9:30-16:30 besichtigen.


Der Naturpark Bayerischer Wald e.V. nimmt nach und nach die Rolle des Eigentümers im Grenzbahnhof Eisenstein wahr. Nach der Übernahme des historischen Gebäudes von der Immobiliengesellschaft der Deutschen Bahn AG trafen sich nun die Naturparkvertreter mit dem Verantwortlichen der tschechischen Bahn für Immobilienangelegenheiten.

Bc. Miroslav Krutina von der Ceske drahy aus Pilsen kam dafür eigens ins Eisensteiner Tal. Naturpark Vorsitzender Heinrich Schmidt und Geschäftsführer Hartwig Löfflmann besprachen mit ihm verschieden Themen. Einig war man sich darin, dass der Grenzbahnhof ein einmaliges Objekt von historischer Dimension ist. Künftig will man sich dort verstärkt austauschen, um damit ein attraktives Angebot liefern zu können. Keinesfalls sollen sich Aktivitäten überschneiden oder konkurrieren. Ein vielseitiges Angebot für Gäste und Einheimische dient allen.

Das Treffen verlief in freundschaftlicher Atmosphäre. Künftig will man sich öfter und regelmäßig austauschen, vor allem auch um bauliche Dinge frühzeitig abstimmen zu können. Der tschechische Bahnhofsteil wurde bereits im Jahr 2001 mit europäischen Fördermitteln aus dem Förderprogramm PHARE CBC restauriert und in Nutzung gebracht.


Rund dreißig Naturinteressierte hatten sich zum bebilderten Vortrag „Der Turmfalke – Vogel des Jahres 2007“ in der Viechtacher Pfahl-Infostelle eingefunden. Die Veranstaltung wurde gemeinsam vom Landesbund für Vogelschutz und dem Naturpark Bayerischer Wald e.V. angeboten. Referent Dr. Christian Stierstorfer berichtete über Lebensraum und Lebensweise des „Vogel des Jahres 2007“. Besonders beeindruckt waren die Zuhörer auch von den vielen Bildern dieses faszinierenden Flugakrobaten. Der Turmfalke nutzt natürliche Felsen als Brutplatz und zur Jungenaufzucht. In menschlichen Siedlungen nistet er auch gerne an Kirch- oder Burgtürmen. Wie alle anderen Falken baut der Turmfalke nicht selbstständig Nester, sondern nutzt meist verlassene Nester z.B. von Krähen. Im zeitigen Frühjahr legt das Weibchen drei bis sechs Eier. Nach vierwöchiger Brutzeit schlüpfen daraus die hungrigen Jungen, die von den Eltern mit Mäusen, Eidechsen, Jungvögeln oder Insekten versorgt werden. Bei der Ansitzjagd sitzt der Turmfalke auf einer erhöhten Warte wie beispielsweise einem Pfosten oder Baum und lauert hier nach Beute. Bei der Rütteljagd bleibt der Flugkünstler mit schnellen Flügelschlägen scheinbar in der Luft stehen. Im geeigneten Moment stößt er in die Tiefe, fängt die Beute mit den Greiffüßen und tötet sie mit einem gezielten Biss. Der im Volksmund als „Rüttelfalke“ bezeichnete Greifvogel bevorzugt als Lebensraum eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft mit Wiesen, Feldgehölzen und Hecken. Als „Kulturfolger“ findet er hier genügend Ansitzwarten für die Jagd und v.a. ausreichend Beutetiere. Das Nahrungsangebot ist für den Bestand besonders wichtig. In strengen Wintern verhungern viele Jungtiere, da zu dieser Notzeit weniger Nahrung vorhanden ist. Durchschnittlich überleben nicht mehr als die Hälfte der Jungvögel das erste Lebensjahr. In freier Natur wurden auch schon sechszehn Jahre alte Turmfalken festgestellt. Eine rege Diskussion schloss sich an den Vortrag an. Matthias Rohrbacher, Gebietsbetreuer des Naturparks, wies auf die am Quarzriff „Großer Pfahl“ brütenden Turmfalken hin und warb um Verständnis für das hier geltende Kletterverbot.


Arnold Multerer gab im Naturparkhaus im Rahmen eines Vortrages einen Einblick in das noch vom Tourismus noch sehr unberührte Land der Mongolen. Der Bildvortrag zeigte Ausschnitte aus einer vierwöchigen Expedition durch die Mongolei. Ziel des Expeditionsteams war es, die unterschiedlichen Vegetationszonen mit ihren charakteristischen Pflanzen zu kartieren.

Die 35 Besucher erfuhren hierzu Wissenswertes über die Pflanzengesellschaften dieses Landes. Die Niederschlagsmengen in diesem kontinental beeinflussten Land sind sehr gering, etwa zwischen 100 und 400 mm jährlich. Deshalb entwickeln sich hier hauptsächlich Steppen und Halbwüsten. Je nach Niederschlagsmenge prägen sich unterschiedliche Zonierungen aus, so der Referent: „Die Grassteppenbereiche mit Niederschlagsmengen zw. 250 – 400 mm jährlich sind von Natur aus baumfrei. Halbwüstenbereiche sind noch trockener und weisen Niederschlagsmengen von 150 – 250 mm auf. Sie unterscheiden sich gegenüber den Steppen auch in ihrem spärlicheren Pflanzen - Deckungsgrad, der meist zwischen 10 und 50 % liegt.“

Arnold Multerer gab auch Einblicke in das Leben der Mongolen, die z.T. heute noch ihr Auskommen als Nomaden fristen. Mit großen Tierherden ziehen sie durch das karge Land. Je nach Höhenlage werden unterschiedliche Tiere eingesetzt. Dazu zählen Schafe, Ziegen, Kamele und speziell für die Hochlagen angepasste Rinder die sog. „Yaks“. Die Yaks können durch ihr dickes Fell dem widrigen Wetter leichter standhalten und können so auch in Höhen von bis zu 3.000 Meter vordringen. Das ist für die Ernährungsgrundlage der Mongolen von entscheidender Bedeutung, da die Mongolei ein spärlich bewachsenes Hochland ist. Gebirgszüge von über 4.000 Metern schirmen das Land im Westen und Norden ab. Das Mongolische Altai-Gebirge ist das größte Gebirgssystem der Mongolei. Mit einer mittleren Höhe von 1.580 m üNN. überragt die Durchschnittshöhe dieses Landes sogar die höchste Erhebung im Bayerischen Wald.

Die Äußere Mongolei liegt in Ostasien, nördlich von China. Deren Hauptstadt Ulaan Baatar wird als kälteste Hauptstadt der Welt in der Literatur geführt. In den drei bis vier kältesten Monaten werden dauerhaft Temperaturen von minus 40 Grad gemessen.

Auch Kultur, Geschichte und die besonderen Reize des Landes werden den Interessenten vermittelt. So erklärte der Referent den Aufbau einer Jurte, das ist die typische Wohnbehausung. Der Aufbau erfolgt nach einem festen Bauplan und ist nach 1 Stunde vollendet. Das Gewicht beträgt zw. 200 und 300 kg und kann von einem einzigen Kamel getragen werden. Doch nicht nur in der Mongolei findet man diese Jurten, sondern auch im Bayerischen Wald. Zu sehen sind seit letztem Jahr auch Jurten im Wildniscamp des benachbarten Nationalparks, wo sie zu Umweltbildungszwecken eingesetzt werden.

Ein abschließender Filmbeitrag, der während der Expedition gedreht wurde, gab noch tiefere Eindrücke in dieses karge und noch weitgehend unentdeckte Land. Zu sehen war unter anderem das Expeditionsteam, das sich seinen Weg durch die Landschaft erkämpft und den Naturgewalten trotzte.


Der Naturpark Bayerischer Wald e.V. präsentiert bis zum 15. Oktober 2007 eine Sonderausstellung des Klattauers Josef Steiner. Unter dem Titel „Die Geschichte des königlichen Hochwaldes“ sind 22 Informationstafeln im Veranstaltungsraum aufgestellt. Mit einer gut besuchten Ausstellungseröffnung präsentierte der Naturpark den anwesenden Tschechen und Deutschen die Vergangenheit der acht Freigerichte mit ihren etwa 40.000 Hektar Fläche beginnend mit dem Ossermassiv.

Grußworte sprachen Bürgermeister Thomas Müller aus Bayerisch Eisenstein und Michael Šneberger aus Zelezna Ruda. Die Übersetzung der Einführung von Hartwig Löfflmann und die Grußworte der beiden Bürgermeister nahm Josef Štemberg, ein Absolvent des grenzüberschreitenden Natur- und Landschaftsführerkurses und gleichzeitig Mitarbeiter des Nationalparks Šumava vor.

Die Vorstellung der Ausstellung übernahm der Autor Josef Steiner selbst. Eine Kollegin seines Vereins, Frau Klozarova, übertrug seine Vorstellung ins Deutsche. Die Dokumentation veranschaulicht die Geschichte der Künischen Freibauern. Sie waren nur dem König oder Kaiser untertan. Bis 1848 hatten sie als freie Bauern eine Reihe von Privilegien und Sonderrechte. Dazu zählten das Jagen, Fischen, Holzschlagen für den eigenen Bedarf, Bierbrauen, Schnapsbrennen und die Befreiung vom Militärdienst. Außerdem durften sie Höfe kaufen und wieder verkaufen. Der Leitspruch „ ... niemands Herr und niemands Knecht“, das ist Künisch Bauernrecht“, steht als Leitspruch unter ihrem Wappen.

Der Verein, dem Josef Steiner aus Klattau vorsteht, hat sich zum Ziel gesetzt, das Leben Wirken und den Landschaftsraum der Nachwelt etwas näher vorzustellen. Vor gut 150 Jahren ist die Ära der „Künischen“ zuende gegangen. Derzeit wird ein Museum in Hammern angedacht, weiteres Material soll zusammengetragen werden. Die zweisprachige Ausstellung ist während der Öffnungszeiten im Grenzbahnhof Eisenstein von Dienstag bis Sonntag, an Feiertagen und während der Zeit der Landesausstellung Bayern-Böhmen ab dem 25. Mai auch montags von 9:30 bis 16:30 Uhr im Infozentrum Grenzbahnhof Eisenstein des Naturparks Bayerischer Wald e.V. zu besichtigen.


Bildungsreferent Hartwig Löfflmann vom Naturpark Bayer. Wald e.V. konnte ca. 30 interessierte zum Vortrag mit Dr. Willy Zahlheimer im Würzingerhaus in Außernzell begrüßen. Im Rahmen seines bebilderten Vortrags, den Dr. Willy Zahlheimer als Privatmann zusammengestellt hatte, schilderte er umfassend das Pflanzenleben der Donauauen. Mit Bildern untermalt, zeigte er die unendliche Fülle von Raritäten.

Die Dynamik des Wassers ist hierbei ein unendlicher Schöpfer. Auen sind „Katastrophen- Lebensräume“, so Dr. Willy Zahlheimer. Die Überflutung stellt zunächst einen Stress für Pflanzen und Tiere dar. Es kommt zu einem Entzug von Licht, manchmal wird Erde angeschwemmt, vereinzelt erfolgt ein Abgang von Treibeis. Es ist ein harter Lebensraum für alle. Das Donautal ist Heimat für ganz viele Tier- und Pflanzenarten, die speziell daran angepasst sind.

Die Ausstattung mit Stromtalpflanzen, die ansonsten nur in Ungarn und Rumänien vorkommen, ist an einigen Stellen noch gegeben. Diese Pflanzen sind besser an Wärme und gute Nährstoffversorgung angepasst. Ein Beispiel hierfür ist der Hühnerbiss, ein Spreizklimmer, der zu den Nelkengewächsen gehört. Dr. Willy Zahlheimer durchleuchtete im Rahmen seines Vortrages nach und nach die Verschieden Lebensraumtypen. Ob tiefgelegene Kiesflächen, Silberweidenauen, Hartholzauen, Hochstaudenfluren, Altwässer, Stillgewässer, Wechselwasserröhrichte aber auch die interessanten Schlammlingfluren wurden mit ihrer typischen Ausstattung vorgestellt. Bis hin zu Streuwiese und Wirtschaftswiese reichte die Bandbreite. Zahlheimer ging auch auf die unterschiedlichen Wasserstände ein und beurteilte die Dauerlinien.

Eine beeindruckende Vielfalt von Raritäten konnte er vorstellen. Das Resume lautet aber leider, dass bereits jetzt von Jahr zu Jahr eine Verschlechterung eintritt und die Situation immer dramatischer wird.

Viele Pflanzenarten sind auf wenige Reliktstandorte zurückgedrängt, weitere negative Veränderungen würden unweigerlich zum Erlöschen verschiedener Populationen führen. zum Schluss wies Zahlheimer darauf hin, dass er Material genug hätte, einen weiteren Vortrag zu füllen. Die Teilnehmer bedankten sich mit einem kräftigen Applaus für diesen ausgezeichneten Vortrag und Bildungsreferent Hartwig Löfflmann lud zu den weiteren Veranstaltungen im Rahmen des Bildungsprogramms des Naturparks Bayer. Wald e.V. ein.


Diese Woche wurde im Infozentrum die neu konzipierte Wanderausstellung zum Schutzkonzept Auerhuhn im Bayerischen Wald eröffnet. Seit nunmehr 40 Jahren ziert das Auerhuhn das Wappen des Naturpark Bayerischer Wald e.V.. Seit langem ist dem gemeinnützige Verein der Schutz des Auerhuhns ein wichtiges Anliegen. Damit auf lange Sicht das scheue und vom Aussterben bedrohte Waldtier auch weiterhin in den Hochlagenbereichen des Bayerischen Waldes vertreten sein wird, hat der Naturpark in Zusammenarbeit mit der Regierung von Niederbayern im Oktober 2006 ein Artenschutzkonzept gestartet.

Besonders erfreute es natürlich den 1. Vorsitzenden, Heinrich Schmidt, dass sich bei der ersten offiziellen Veranstaltung soviel interessierte Zuhörer eingefunden hatten. Für ihn ist es von besonderer Bedeutung, dass das Projekt nicht an den Grenzen des Naturparkgebietes aufhört. Er erhofft deshalb auch die Unterstützung der angrenzenden Großschutzgebiete. Auch ist es für die Erhebung wichtig, dass bereits gesammelte Daten aus dem Bayerischen Wald mit einfließen können. Schutzmaßnahmen zur Verbesserung des Auerhuhnbestandes in den letzten Jahrzehnten, würdigte Heinrich Schmidt im Besonderen. Sehr engagiert war die Schutzgemeinschaft Auerhuhn.
Besonderer Dank galt auch dem gesamten Naturparkteam, das seit Oktober letzten Jahres enorm viel Arbeit geleistet hatte. Zum einen wurde eine mobile Wanderausstellung konzipiert. Diese besteht aus 5 ineinander übergehende Rollups, um den Transport so einfach wie möglich zu gestalten. Die Wanderausstellung wird nämlich die kommenden 3 Wochen in allen 4 Naturparklandkreisen separat vorgestellt. Zusätzlich folgen noch weiter Termine, bei der die Wanderausstellung in der breiten Öffentlichkeit zur Schau gestellt wird.

In der freien Natur bekommt man diesen scheuen Waldvogel in der Regel nie zu sehen. Nur mit sehr viel Glück kann es sein, dass der aufmerksame Wanderer im März bzw. April die Balzrufe des Auerhahnes in der Ferne vernimmt. Deshalb wurde zusätzlich zur Ausstellung eine Vitrine mit einem imposant balzenden Auerhahn und einer zu Füßen liegenden Henne aufgebaut. Den Balzruf kann man per Knopfdruck starten. Das neue Faltblatt und der Internetauftritt, der in Kürze auf der Homepage des Naturparks online zu finden sein wird, wurden vorgestellt.

Um dem Publikum besondere Fachkenntnisse aus dem Leben eines Auerhuhns vermitteln, zu können, wurde Dr. Wolfgang Scherzinger, ein fundierter Kenner der Raufußhühner, als Referent gewonnen. Er berichtete über die typischen Merkmale wie die befiederten Füße, den markanten Hakenschnabel oder die roten Hautstellen über den Augen.
„Wichtig ist für den Erhalt des Auerhuhns, angepasste Waldwirtschaft in den Hochlagen des Bayerischen Waldes. Vor allem alte lückige Fichtenbestände über 120 Jahren mit viel Heidelbeervorkommen sind die typischen Lebensräume des Auerhuhns.“ Angepasst an den Lebensraum und die saisonellen Bedingungen, ernährt sich das Auerhuhn von unterschiedlichen Früchten, Beeren, Knospen und Nadeln der Bäume. Besonders wichtig für die Reproduktion und die erfolgreiche Aufzucht der Jungtiere, ist das Vorhandensein von ausreichend Insekten. Der Aufwachserfolg der Küken ist von Natur her sehr schlecht, d.h. von etwa 10 Jungtieren überlebt oft nur eines das erste Jahr. Bei ungünstigen Wetterverhältnissen - sehr kalt und regnerisch - kann es durchaus passieren das es keine überlebenden Jungtiere gibt. Bedroht werden die Auerhühner nicht nur vom Wetter, sondern vieler anderer natürlicher Feinde. Besonders hob der Referent das Wildschwein hervor. Die rasante Zunahme des Bestandes seit der Grenzöffnung bedroht zusätzlich das Auerhuhn. Natürlich kann ein Wildschein den adulten Tieren kein Leid zufügen, doch falls es über ein Gelege stolpert, wird davon nichts übrig bleiben.

Nach Scherzingers Ausführungen stellte Arnold Multerer das Schutzkonzept im Detail vor. Der Arber - Gebietsbetreuer ging hierbei besonders auf die unterschiedlichen Kartiermöglichkeiten des Auerhuhns ein. Anhand eines einfach gehaltenen einseitigen Fragebogens erläutert der Referent, die unterschiedlichen Möglichkeiten, festzustellen ob sich in den zu kartierenden Bereich ein Auerhuhn aufhält. Nicht die direkte Sichtung des Auerhuhns sei Ziel. Es soll alleine anhand von Spurenfunden festgestellt werden, ob sich ein Auerhuhn in der Gegend aufhält. Dazu zählen z.B. Funde von Federn oder Trittsiegel. Die Trittsiegel eines Hahnes sind mit einer Größe von 12,5 x 11 cm, enorm groß. „Gute erkennbare Spuren von Auerhühnern, kann man hinter den umgewurzelten Fichtentellern finden. An diesen sog. Staubbade- oder Huderplätzen, reinigt das Auerhuhn sein Gefieder. Besonders wichtig sind aber Losungsfunde. Diese geben sehr schnell und zuverlässig Aufschluss über den Auerhuhnbestand. Je nach Durchmesser kann daraus bestimmt werden, ob es sich um eine Henne, einen Hahn oder ein Küken handelt.
Bei den Kartierarbeiten darf das Auerhuhn unter keinen Umständen beunruhigt werden. Deshalb werden die Lebensräume des Auerhuhns so vorsichtig wie nur möglich durchleuchtet. Dazu stellte der Referent eine Methode vor, wie über die Auswertung von Luftbildaufnahmen mögliche Lebensräume des Auerhuhns im Bayerischen Wald vom Schreibtisch aus, aufgenommen werden können. Doch nichts desto trotz ist man bei diesem Projekt auf ehrenamtliche Mitarbeiter, die gute Ortskenntnis besitzen, angewiesen. Dazu soll unter der Trägerschaft des Naturparks ein flächendeckendes Netz von ehrenamtlichen Helfern über den gesamten Bayerischen Wald aufgebaut werden. Interessenten, die in diese Betreuernetzwerk eingebunden werden möchten, können sich direkt an den Naturpark wenden oder einen der kommenden Termine beiwohnen, wo sie dazu ausführliche Informationen vermittelt bekommen.