Juli 2002


„Der Arber für Groß und Klein“, so lautet der Titel einer Veranstaltung, die von den Naturparken Bayer. Wald und Oberer Bayer. Wald am Sonntag, den 21.07.02 angebotenen wird. Schutzgebietsbetreuerin Caroline Stautner vom Naturpark Oberer Bayer. Wald e.V. begleitet diese, speziell für Familien ausgerichtete Wanderung. Treffpunkt ist um 10.00 Uhr am Brennesparkplatz. Die ca. 3 stündige Veranstaltung endet am Arberschutzhaus. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Denken Sie an festes Schuhwerk und ans Mitnehmen einer Brotzeit! Anmelden können Sie sich bis spätestens Freitag, den 20.07.2002 um 12 00 Uhr unter der Telefonnummer 09922/802480.


Im Rahmen des Naturpark - Bildungsprogramms 2002 bietet der Naturpark Bayer. Wald e.V. eine naturkundlich – landschaftskulturelle Exkursion an die Ilz im Gemeindegebiet von Ringelai im Landkreis Freyung - Grafenau an. Treffpunkt ist am Freitag, 19.07.2002 um 15:00 Uhr in Ringelai am Parkplatz gegenüber des Hotels Gros. Von dort geht es noch ein kurzes Stück mit Fahrgemeinschaften weiter. Otto Lendner aus Ringelai wird die Exkursion leiten. Die Ilz ist Flusslandschaft des Jahres 2002. Die wertvollsten Teile wurden unter Naturschutz gestellt. Die Veranstaltung will verschiedene Nutzungsepochen beleuchten und deren Einflüsse auf die Qualitäten dieser Fließgewässer erkunden. Die kleine Wanderung führt entlang eines ehemalig reich besetzen Flussperlmuschelbaches aufwärts bis zu einem Quellgrund. Dort liegt auch eine der letzten intakten Wässerwiesen, die in dieser Gegend noch erhalten geblieben ist. Die Veranstaltung findet bei jedem Wetter statt und dauert etwa zwei Stunden. Wetterfeste Kleidung und gutes Schuhwerk sind erforderlich. Anmeldung ist nicht erforderlich.


Die Naturpark – Exkursion auf der Rusel mit dem Referenten Gerhard Nagl aus Deggendorf widmete sich der Lebewelt der Bergwiesen. Die Bergwiesen des Bayerischen Waldes sind gleichermaßen wie die Augen im Gesicht eines Menschen. Bildungsreferent Hartwig Löfflmann vom Naturpark Bayerischer Wald e.V. widmete deshalb diesem gefährdeten und bedrohten Lebensräumen eine eigene Veranstaltung. In dem Maße, wie es der Landwirtschaft durch steigenden Konkurrenzdruck schlechter geht, werden Bergwiesen entweder mitintensiviert zur Ertragssteigerung oder werden als nicht mehr brauchbar aufgeforstet. Wer kennt sie nicht, die typischen, bunten, artenreichen Blumenwiesen, die oft von natürlichen Steinmauern oder Lesesteinwällen bzw. niederen Hecken eingesäumt werden. In diesen artenreichen, bunten Wiesen kommen zum Beispiel so seltene Heuschreckenarten wie der Warzenbeißer vor. Er ist sehr groß hat mit die kräftigsten Hinterschenkel aller Heuhüpfer. Er frisst Insekten und angeblich wurde sein Verdauungssaft früher zum abbeißen von Warzen verwendet. Fast alle Heuschreckenarten kann man an ihren Gesängen erkennen. Der Gesang des Warzenbeißers, speziell des Männchens, ähnelt teilweise einer Nähmaschine. Bei den Ameisen findet man die allermeisten Arten, gerade die Wiesenameisen ganz vorne auf den roten Listen. Etwa 100 Ameisenarten sind nach neuesten Forschungen in Deutschland bekannt. Ein buntes Sortiment an Pflanzenarten stellte Gerhard Nagl auf dem etwa dreistündigen Rundgang vor. Ob Thymian oder Schafgarbe, ob Rotschwingel oder Straußgras bis hin zu Moosen oder Becherflechten reichte die Bandbreite. Es ist überhaupt keine Schwierigkeit auf Bergwiesen 50, 60 und mehr Pflanzenarten vorzustellen. Die trockenen Wiesenränder oder auch Waldränder tragen ganz andere Arten wie feuchte Gräben oder angehende Moorbereiche. Die ganze Bandbreite bis hin zu Wollgras und Arnika kommt noch vor. Wer beispielsweise auf seltene und geschützte Arten in seinem Garten nicht verzichten will, kann diese problemlos bei speziellen Gärtnereien erwerben. Verboten ist es jedoch diese in freier Natur abzupflücken. Von den Tierarten entdeckte man interessante Laufkäfer und Eidechsen und eine Reihe von Schmetterlingen, die häufig an ganz besondere Situationen bzw. Pflanzen angepasst sind. Da gibt es beispielsweise den Ameisenwiesenknopfbläuling, der an den großen Wiesenknopf angepasst ist. Die Fläche darf aber beispielsweise mehrere Jahre hintereinander nicht gemäht sein, denn die Larve entwickelt sich im Blütenköpfchen des Wiesenknopfs, sie lässt sich dann von den Ameisen ins Nest tragen und wird sozusagen als „blinder Passagier“ überwintert. Erst danach geht es wieder ans Tageslicht und der Schmetterling aus der Reihe der Bläulinge erblickt das Tageslicht. Leider kennen die heutigen Bewirtschaftungsmethoden häufig nur noch Extreme. Da liegen zum Einen wertvolle Naturschutzflächen da, die nicht mehr genutzt werden und dadurch verbuschen und zuwachsen, womit ein Verschwinden verschiedener Arten einhergeht. Einige Meter daneben wird aber in einer sehr intensiven Freizeitnutzung, wie z.B. auf dem Golfplatzgelände alle Tage die Fläche gemäht und gedüngt und bewässert um einen nur Zentimeter kurzen Einheitsgrasschnitt am Leben zu halten. Die artenreiche Bergwiese, die zig Blumenarten und Hunderte von Lebewesen beherbergt kann aber nur durch eine extensive ein- oder zweimalige Nutzung pro Jahr oder in einer Abfolge von zwei bis drei Jahren erhalten werden. Es ist eine schwierige Herausforderung für Gesellschaft und Politik nicht Kleinstflächen zu Museumszwecken zu erhalten, sondern die typischen Lebensräume des Bayerischen Waldes, die über Jahrhunderte genutzten Bergwiesen mit einem Sortiment von Hilfsprogrammen und vernünftiger Bewirtschaftung der Nachwelt weiterzugeben. Nach einem abwechslungsreichen Rundweg und interessanten Informationen von Gerhard Nagl, schloss Hartwig Löfflmann die Veranstaltung auf der Rusel.