Der Naturpark Bayerischer Wald e.V. hatte im Rahmen seines Bildungsprogrammes zu einer Fledermausveranstaltung in die Naturpark-Infostelle Würzingerhaus in Außernzell eingeladen. Zahlreiche Erwachsene und viele Kinder waren dieser Einladung gefolgt. Referentin war die Diplombiologin Susanne Morgenrot, die seit über einem Jahrzehnt im Naturpark tätig ist. Zuvor war im Naturparkgebiet in punkto Fledermäuse sehr wenig bekannt. Mit den Arbeiten von Susanne Morgenrot wurde klar, dass von 19 in Bayern vorkommenden Fledermausarten 18 im Naturparkgebiet existieren. Fledermäuse sind über 50 Millionen Jahre alt und damit sehr viel älter als der Mensch. Leider sind die Bestände weltweit rückläufig. Heute findet man wegen der Umweltveränderungen, wegen dem Einsatz von Gift und Holzschutzmitteln nur noch etwa 10 bis 20 Prozent des ursprünglichen Bestandes vor. Auch die Unter-Schutz-Stellung hat so wenig gebracht. Wichtig ist stets die Aufklärung in breiten Bevölkerungskreisen. Gerade bei der Renovierung von Häusern werden viele Lebensmöglichkeiten oft unabsichtlich zerstört. Im benachbarten Tschechien wurde bisher weniger renoviert und die Bestände waren deshalb noch höher. Fledermäuse sind die einzigen Säugetiere, die aktiv fliegen können. Sie orientieren sich mit Echoortung wie Delphine oder Wale. Die ausgesendeten Signale liegen allerdings über dem Hörbereich des Menschen. Beim Großen Abendsegler können beispielsweise Kinder, die noch besser hören oder auch Frauen, die hohe Tönen noch eher wahrnehmen können als Männer, die Rufe der dämmerungsaktiven Jäger wahrnehmen. Fledermäuse haben auch ein sehr gutes Gedächtnis. Sie orientieren sich, wenn ein Gebiet einmal mit Echoortung ausgekundschaftet ist, stark nach ihrem Erinnerungsvermögen. Die Echosignale sind normalerweise für Fledermäuse anstrengend, nur wenn es sein muss, greifen sie darauf zurück. Könnte man die Echoortung hören, wäre sie sehr laut. Die Lautstärken liegen im Dezibelbereich eines Presslufthammers. Fledermäuse leben gesellig in Wochenstuben. Die Weibchen ziehen dort gemeinsam ihre Jungen auf. Den Männchen ist der Zutritt verwehrt. Fledermäuse bringen stets nur ein Junges zur Welt. Die Jungen werden gesäugt und mit Milch aufgezogen. Ab dem zweiten Jahr sind die Jungen geschlechtsreif. Das Jahr 2004 brachte große Verluste, weil das Wetter ungünstig war. Etwa zwei bis drei Wochen zu spät begann die Insektenentwicklung, wegen des nasskalten Wetters. Die Jungen bekamen zu wenig Milch. Fledermäuse überwintern in größeren Höhlen. Selbst über Jahrhunderte hinweg werden traditionelle Winterquartiere genutzt. Der Mensch schafft aber in seinem Umfeld nur sehr kurzlebige Gegebenheiten. Fledermäuse können sich darum oft zu wenig anpassen. Gerade die Überwinterung ist komplex. Fledermäuse reduzieren ihren Herzschlag und die Atmung auf ein Mal je Minute. Ihre Körpertemperatur kühlen sie auf etwa 0 ° C. Jede Störung bedeutet eine Katastrophe. Die Höhlen sind deshalb wichtig, weil die hohe Luftfeuchtigkeit ein Austrocknen der Flughäute verhindert. Hohle Bäume und Nisthilfen dienen meist nur als Tagesversteck. Fledermäuse werden oft nur 5 bis 6 Gramm schwer, können aber Geschwindigkeiten bis 70 km/h erreichen. Oft gehen in klimatisch schlechten Jahren bis zu 80 Prozent der Jungen zu Grunde. Bei der anschließenden Exkursion durch Außernzell gab es noch Informationen zum Ausflug und zu den Verstecken. Im Außernzeller Kirchturm wohnen beispielsweise Große Hufeisennasen. Am Gewässer konnte man kurz einige Wasserfledermäuse hören. Fledermäuse kann man auch indirekt erkennen, wenn man in Dachböden abgebissene Flügel von Nachtfaltern oder Tagfaltern vorfindet oder auch den Fledermauskot. Dieser ist immer zusammendrückbar. Bei Mäusekot ist der alte Kot steinhart und der frische sehr weich. Wer Hinweise zu Fledermausquartieren geben kann, möge sich mit dem Naturpark 09922/802480 oder mit Susanne Morgenrot in Verbindung setzen 0175 730 40 55.

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