September 2001


Bildungsreferent Hartwig Löfflmann vom Naturpark Bayerischer Wald e.V. konnte trotz des schlechten Wetters zur Exkursion in das Keltendorf Gabreta bei Ringelai einige Interessierte begrüßen. Referent war der Natur- und Landschaftsführer und Mitinitiator des Keltendorfes Paul Freund aus Lichtenau. Bereits um 1963 hatte der Landwirt und Hobbyarchäologe Paul Freund auf seinen Äckern Scherben und andere keltische Funde entdeckt. Er sammelte die schönsten davon, noch ohne zu ahnen, dass man später in Teilen die Geschichte neu schreiben muss. Mit diesen Funden war aber das Vorkommen der Kelten im Bayrischen Wald und speziell im Bereich Lichtenau bei Ringelai belegt. Ein alter keltischer Handelsweg führte dort vorbei. Erst im Rahmen der Dorferneuerung wuchs dann allmählich die Idee zur Dokumentation des Ganzen, also ein Keltendorf nach alten Befunden wieder aufzubauen. Der alte Begriff von Ptolemäus für den Böhmerwald, der Begriff „Gabreta“ wurde für das Freigelände mit den Gebäuden darauf gewählt. Das BFZ Vilshofen/Passau, die Uni Passau, die Gemeinde Ringelai, die Euregio und Leute wie Paul Freund hatten intensiv zusammengearbeitet und mittels eines Langzeitarbeitslosenprojektes in mehrjähriger Arbeit das Keltendorf entstehen lassen. Eine lange Liste von Förderern, Förderstellen und Sponsoren ermöglichte das Ganze finanziell. Bei Manching, in Südböhmen und in Hallein bei Salzburg sind ebenfalls zahlreiche keltische Funde dokumentiert. Die Kelten lebten etwa von 800v.Chr. bis 15v.Chr., also von der Jungsteinzeit bis zur Römerzeit. Das eigenwillige Volk wurde allmählich zwischen Römern und Germanen aufgerieben und verschwand als Volk nach der letzten Schlacht auf der englischen Insel, wohin es sich zuletzt zurückgezogen hatte. In Spanien wurden sie Iberer, in Frankreich Gallier und in der Zentraltürkei Galater genannt und hatten damals auch biblischen Bezug. So manche unsrer heutigen Gewohnheiten oder Begriffe stammen letztendlich noch aus der Keltenzeit. Die Kelten lebten bereits in der Eisenzeit, sie waren für die Herstellung von Schmuck bekannt. Die keltischen Stämme betrieben damals bereits europaweiten Handel und hatten es zu sehr großem Wohlstand gebracht. Auf dem Areal des Keltendorfes wurden Gebäude stets originalgetreu nachdem jeweiligen Befund nachgebaut. Das heisst ein Gebäude wurde genau in den Abmessungen und der Technik erstellt, wie es beispielsweise in dem Befund von Künzing oder anderswoher belegt ist. Professor Benda von der Uni Passau legte stets großen Wert darauf, dass beim Einsatz der Baumaterialien nicht geschwindelt wurde und mit den gleichen Arbeitstechniken und Methoden vorgegangen wurde, wie es zur damaligen Zeit üblich war. Obwohl damals bereits Eisen bekannt war wurden alle Holzverbindungen mit Holznägeln oder auch mit Hanfseilen erstellt. Die Dächer wurden mit Schilf eingedeckt, das ohnehin haltbarer als Dachziegel ist. Etwa 100-120 Jahre Lebensdauer werden dafür angegeben. In den einzelnen Häusern war die Feuerstelle meist in der Mitte. Der Rauch des Feuers war wiederum für das Schilfdach überlebensnotwendig, denn mit genügend Rauch wurde Ungeziefer wie Motten oder Mäuse aus der Dachkonstruktion fern gehalten. Im Aussengelände kann man heute auch Exmoorponis, die wild gezüchtet wurden bewundern. Auf einigen Hangterassen des Geländes wurden auch alte Getreidesorten wie Hirse, Spelz oder Lein angebaut. Ebenso findet man verschiedenste Kräuter zu denen Paul Freund in seiner amüsanten Art auflockernde kleine Geschichten erzählen konnte. Viele Dinge davon fanden sich noch vor vierzig, fünfzig Jahren in jedem Bauerngarten. Ein Beispiel dafür mag Anis sein. In der Keltenzeit gab es keinen Zucker und der Stängel wurde zum süßen von Mehlspeisen verwendet, vor allem dafür, um es den Kindern etwas schmackhafter zu machen. Interessantes konnte Paul Freund auch zum Färben der damaligen Leinenstoffe berichten. Die Kelten liebten allgemein bunte Kleider. Die Färberkamille gab dem Leinen gelbe Farbe, Arbeitskleidung wurde gerne indigo-blau eingefärbt, da Insekten die blaue Farbe nicht mögen. Die Pflanzen wurden damals in Urin angesetzt weswegen Färbereinen oft in der Nähe von Wirtshäusern angesiedelt waren. Während des Wochenendes hatte man dort Kübel aufgestellt und an Montagen wurde dann die stinkende Brühe angesetzt. Der Begriff „blauer Montag“ stammt von daher. Neben einem Keltenofen und einem Einfamilienhaus besichtigte man auch einen Stall und das Herrenhaus. Mit zahlreichen interessanten Detailinformationen zur Bautechnik rundete Paul Freund seine Ausführungen ab. Höhepunkt war dann zum Schluss das Feuermachen mit zwei Feuersteinen und dem notwendigen Zunder dazu. Wer sich näher mit den Lebensweisen der Kelten auseinandersetzen will ist jederzeit herzlich eingeladen das Keltendorf zu besichtigen, dort werden auch interessante Führungen und Aktionstage angeboten. Zum Schluss gab Paul Freund den Teilnehmern noch einige Wörter mit auf den Weg, die von den Kelten stammen, wie zum Beispiel der Begriff „Ohe“ oder „Ache“ oder aber auch der „Foam“ des Bieres. Die Erfindungen der Keltenzeit reichten von der Lodenkotze über die Galoschen bis hin zur Seife und zum Fass.


Im Rahmen des Naturpark - Bildungsprogramms 2001 bietet der Naturpark Bayer. Wald e.V. eine Exkursion zum Keltendorf Gabreta in Ringelai im Landkreis Freyung – Grafenau. Treffpunkt ist am Freitag, 14.09.2001 um 15:00 Uhr am Eingangsgebäude zum Keltendorf in Lichtenau bei Ringelai. Der Insider und Mit - Initiator Paul Freund aus Lichtenau wird selbst die Exkursion leiten. Die Veranstaltung findet bei jedem Wetter statt und dauert etwa zwei Stunden. Wetterfeste Kleidung und gutes Schuhwerk sind erforderlich. Anmeldung ist nicht erforderlich. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.