Berge spielten in der Mythologie schon immer eine besondere Rolle: Früher glaubte man, dass hier der Sitz der Götter oder von Naturgeistern sei. Daher wirkten die Berge auf viele abweisend, schroff und gefährlich. Heute hingegen dienen sie nicht nur – wie einige Kritiker behaupten - als Kulisse einer schnelllebigen Spaßgesellschaft, sondern vor allem als Erholungsraum, in dem viele Bergwanderer wieder zu sich selber finden. Arbergebietsbetreuerin Isabelle Auer vom Naturpark Bayerischer Wald brachte letzten Samstag den 25 Teilnehmern einer Abendwanderung vom Brennes zum Arbergipfel diesen „Mythos Berg“ näher. Bereits zu Beginn ging sie darauf ein, welche negativen Auswirkungen besonders die Fernsehwelt auf den Menschen hat. Auch die vermeintlich „heile Welten“ der Kitschromane mache die Menschen unglücklich, da sie eine Welt vortäuschen, die es in Wirklichkeit nicht gibt. Eine Alternative zu dieser Scheinwelt sei, raus in die Natur zu gehen, da man nur hier zu sich selbst und einen neuen – positiven Zugang zu den Mitmenschen bekommen würde. Dass die Ausbeutung der Natur auch unmittelbare Folgen für den Menschen haben kann, ist keine neue Erkenntnis der modernen Naturwissenschaften. So betonte der Indianerhäuptling Seattle in einer Rede, die er im Jahr 1835 vor dem amerikanischen Präsidenten hielt: „Wären alle Tiere fort, so stürbe der Mensch an großer Einsamkeit des Geistes. Was immer den Tieren geschieht - geschieht bald auch den Menschen. Alle Dinge sind miteinander verbunden. Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne der Erde.“ Arten- und Naturschutz ist also auch Menschenschutz. Nur mit einer intakten Natur kann es eine vielfältige Kultur geben, da Naturerlebnisse die Phantasie, Kreativität und Aufnahmebereitschaft der Menschen schulen. Der bekannte Bergsteiger Willi Bauer fasste diesen „Segen“ der Berge und der Natur folgendermaßen zusammen: „Bergsteiger genießen Sonnenaufgänge und -untergänge in blendend lichten Höhen, sie haben Erlebnisse, die anderen versagt bleiben. Was zählt, ist der Augenblick. Das Leben ist viel mehr als essen, kämpfen, eine mächtige Position erreichen.“ Am Ende der vierstündigen Exkursion waren sich alle Teilnehmer einig: Lässt man sich auf die Natur eines Berges ein, so kann man nicht nur im Hochgebirge, sondern auch im Mittelgebirge dieses „Glücksgefühl in den Bergen“ genießen.

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