Zur ersten gemeinsamen Forchenhügel- Exkursion der Gemeinde Aussernzell zusammen mit dem Naturpark Bayerischer Wald e.V. und der VHS Deggendorf sowie der BN Kreisgruppe Deggendorf hatten sich ca. 25 Interessierte zusammengefunden. Dipl. Ing. und Landschaftsökologe Ernst Obermeier führte die Gruppe zu den Heide - Kiefernwäldern am Forchenhügel und zu den benachbart liegenden Mooren. Der Name „Forche“ stammt von Föhre. Der Forchenhügel gehört zu den ganz wenigen Bereichen, die von Natur aus Kiefernbestockung tragen. Überall anders wurde die Kiefer meist vom Menschen eingebracht, hier ist sie natürlich. Zunächst erläuterte Obermeier, die geologische Entstehung dieser nährstoffärmsten Böden Mitteleuropas. Sie tragen eine ganz eigene Tier- und Pflanzenwelt. Etwa 165 Rote Liste – Arten, d.h. streng geschützte und vom Aussterben bedrohte Arten, kommen hier vor. Das ist absolut rekordverdächtig und war der Anlass für eine Zustandserfassung ab Beginn der 90 er Jahre und letztendlich der Grund für die Ausweisung eines ca. 700 ha großen Naturschutzgebietes im Jahre 2007. Hier sind Artenspektren zum Teil komplett erhalten geblieben, vergleichbar mit den Zähnen in einem Gebiss. Wo anderswo nur noch Lücken klaffen, kann man hier das „Lächeln“ der Natur einfangen. Die armen Kiesböden können kaum Nährstoffe festhalten, deswegen können hier nur Pflanzen wachsen, die an diese Verhältnisse angepasst sind. In diesen armen Kiefernwäldern, die von Heidelbeere, Preiselbeere und Faulbaum oder Birke geprägt sind kommen ganz spezielle Pflanzengesellschaften vor. Die Streunutzung in den vergangenen Jahrhunderten hatte diese armen Böden nochmals ausgehagert. Ganz spannende Arten wie z.B. der Sandlaufkäfer, die Zauneidechse oder auch der Steinschmätzer haben hier ihren Lebensraum gefunden. Teilweise sind die Lebensräume für Experten sehr interessant. An steilen Kieswänden wurden von einer Spinnenexpertin 26 verschiedene Spinnenarten nachgewiesen. Eine der beeindruckendsten Arten ist z.B. der Ameisenlöwe. Er baut Fangtrichter und fängt Ameisen. Die Art gehört zu den Netzflüglern. Wertvolle Lebensgemeinschaften haben sich auch in den benachbart liegenden Mooren, z.B. im Wolkering Moos erhalten. Von Orchideen, nur ganz selten zu findenden Seggen und von fleischfressenden Pflanzen konnte Ernst Obermeier berichten. Fleischfressende Pflanzen, wie z.B. Fettkraut oder Rundblättriger Sonnentau können mit klebrigen Oberflächen Insekten festhalten, um damit zusätzlich ihren Nährstoffbedarf auf zu bessern. Von den Tierarten erweckten beispielweise der Feuersalamander aber auch der Wiesenknopf - Ameisenbläuling, ein Schmetterling mit sehr spannendem Lebenszyklus, das Interesse der Teilnehmer. Ernst Obermeier erläuterte die Zusammenhänge in der Lebewelt am Forchenhügel sehr ausführlich und erntete zum Schluss einen kräftigen Applaus und den Dank des Mitveranstalters Hartwig Löfflmann vom Naturpark Bayerisch Wald e.V.. Löfflmann lud auch zu einem Besuch in die Naturpark – Infostelle Würzingerhaus Außernzell ein. Dort kann man in einem Teil der Dauerausstellung auch Wissenswertes zum Forchenhügel erfahren und die Entstehung in Vertiefungsheften nachlesen. Die wieder eröffnete Gaststätte ist einen Besuch wert. Damit werden regionale Netzwerke gestützt, die Gaststätte unterstützt den Naturpark auch beim Betrieb der Infostelle.

Zurück