2007


Die beiden Naturparke Oberer Bayerischer Wald und Bayerischer Wald boten im Rahmen der BayernTour Natur am letzten Samstagabend gemeinsam eine etwas andere Wanderung ins Naturschutzgebiet „Kleiner Arbersee“ an. Sagen und Geschichten (wahre und weniger wahre) standen im Mittelpunkt der Veranstaltung. Knapp 40 Teilnehmer ließen sich von Diplom-Forstwirtin Elke Ohland und den Gebietsbetreuern Caroline Stautner und Arnold Multerer in die Welt der Sagen und Geschichte(n) entführen.
Begonnen wurde die Wanderung mit einer Runde, in der die Teilnehmer sich und einen Zaubergegenstand aus dem Wald vorstellten. Dabei bewiesen die Wanderer Fantasie und fanden von den Schuppen der Waldfische über den Wanderstock vom Räuber Heigl bis hin zum versteinerten Kopf eines Waldschrats die seltsamsten Gegenstände.
Mit dieser Eintrittskarte ging es dann weiter Richtung Kleiner Arbersee. Die großen Gneisfelsen links und rechts erlaubten einen Blick zurück in die Entstehungszeit des Arbergebietes, die schon über 600 Millionen Jahre zurückliegt. Der Arber ist also im Gegensatz zu den jugendlichen Alpen ein „geologisches Altersheim“. Die Entstehung des Arbers aus Sedimenten wurde auch sofort mit den Teilnehmern unter großen Anstrengungen nachgestellt.
Entschädigt für ihre Mühen wurden die Wanderer dann mit dem ersten Blick auf den Kleinen Arbersee, der völlig ruhig und „zauberhaft“ in der Abenddämmerung dalag. Da konnte man die Sage von den Fischen aus „gediegenem Gold mit Augen aus Edelgestein“ durchaus nachvollziehen. Das berühmte Gedicht des „Fischer am Arbersee“ von Wensauer, der die tragische Geschichte eines Anglers am Arbersee erzählt, den seine Gier nach diesen Fischen schließlich jämmerlich ertrinken lies, wurde dann auch von allen Teilnehmern mit Elan und Ausdruckskraft vorgetragen. Dazu bekam jeder eine nummerierte Zeile des Gedichtes, damit er auch wusste, wann sein Einsatz kam. Unterwegs auf dem Rundweg um den See sah man dann nicht nur die Spuren des Arberseebibers, man konnte ihn sogar im klaren Wasser beim Tauchengang beobachten.
Am südlichen Ufer wurde kurz Rast gehalten und man erfrischte sich mit „gruselgrünem Arberseewasser“ und genoss den herrlichen Blick auf den Kleinen Arbersee. Dabei bewunderte man auch das Wollgras auf den „schwimmenden Inseln“ und erfuhr über deren Entstehung beim Aufstauen des Sees zum Holztriften.
Anschließend konnte man sich die Warnung der nächsten Sage gleich zu Herzen nehmen. Wirft man nämlich Steine in den Kleinen Arbersee, das wusste schon die Urgroßmutter, ziehen schwerste Gewitter auf.
Den krönenden Abschluss der Wanderung bildete eine kleine Theateraufführung in der die „Sagenwanderer“ die Geschichte vom Bergknappen Oswald nachspielten. Oswald hatte sich nämlich in eine wunderschöne Glasprinzessin verliebt und hatte deshalb versucht den Schatz vom Arbersee zu heben. Leider rollte bei diesem Versuch ein Stein ins Wasser und Oswald wurde vom See verschluckt und ward nie wieder gesehen. Obwohl die Geschichte für Oswald traurig endete hatten doch alle großen Spaß dabei, diese Sage lebendig werden zu lassen.
Gemeinsam wanderte man dann in der Finsternis wieder zurück zum Ausgangspunkt an der Mooshütte und beschloss die Wanderung bei einer späten Brotzeit.


Am vergangenen Sonntag fand eine vogel- und naturkundliche Wanderung in den Hochlagenbereichen des Arbermassives statt. Gebietsbetreuer Arnold Multerer begrüßte die Gäste und den Referenten Fritz Reiter. Vom Wanderparkplatz Schareben aus machte sich die neunzehnköpfige Besuchergruppe auf eine vierstündige Wanderung über den Hochstein Richtung Enzian auf. Bei Beobachtungen oder Vogelgezwitscher hielt der Aberförster Fritz Reiter immer inne und erzählte Interessantes zu den einzelnen Vogelarten. Er erwies sich dabei als ausgezeichneter Kenner der hiesigen Vogelwelt und gab Erläuterungen, wie sich die Arten durch ihre typischen Gesänge unterscheiden lassen. Denn die meisten Vögel, verraten sich bei einer vogelkundlichen Wanderung hauptsächlich durch ihre „Stimmen“.
Natürlich bekam die Gruppe auch genügend Vogelarten zu sehen. Bei der gesamten Tour konnten insgesamt 28 verschiedene Vogelarten kartiert werden: Amsel, Baumpieper, Blaumeise, Buchfink, Dorngrasmücke, Eichelhäher, Erlenzeisig, Fitis, Haubenmeise, Heckenbraunelle, Kleiber, Kuckuck, Misteldrossel, Mönchsgrasmücke, Ringeltaube, Rotkehlchen, Schwanzmeise, Schwarzspecht, Singdrossel, Sommergoldhähnchen, Tannenmeise, Waldbaumläufer, Waldlaubsänger, Wintergoldhähnchen, Zaunkönig, Zipzalp, Mauersegler und junge Specht.
Diese Anzahl von Vogelarten ist für einen einzigen Begang sehr hoch ausgefallen. Der Hauptgrund für diese zahlreichen Arten, waren die unterschiedlichen Lebensräume, die bei der Exkursion durchquert wurden. So ging man sowohl durch Mischwaldbestände, durch ältere Reinbuchenbestände, durch reine Fichtennadelwälder mit unterschiedlichen Altersstrukturen als auch durch Offenlandlebensräume in den Kammlagen des Gebirges. In diesen Waldlichtungen konnte die Gruppe sehr gut Baumpieper beobachten. Obwohl der Baumpieper optisch unauffällig ist, fällt er auf, da er von exponierten Einzelbäumen aus oder im Singflug seine auf den Menschen hell und heiter wirkenden Rufe erklingen lässt.
Auch bekam die Gruppe eine Spechtnisthöhle mit Nachwuchs zu sehen. Die Jungspechte verrieten sich durch ihre Futterrufe, was Fitz Reiter sofort die Nisthöhle in einem Baum ausfindig machen lies. Zwischendurch gab Arnold Multerer immer wieder Informationen zu den einzelnen Pflanzenarten, wie beispielsweise dem Alpenmilchlattich, der Zweiblättrigen Schattenblume, den Bärlappgewächsen oder dem weißblühenden Plantanen-Hahnenfuß.
Bei den Hüttlschachten wurde eine kurze Brotzeitpause eingelegt, bis man sich dann entlang der Maderstraße zurück zur Schareben begab.
Diese Führung war eine Gemeinschaftsveranstaltung der beiden Naturparke Bayersicher Wald e.V. (Geschäftsstelle Zwiesel) und Oberer Bayerischer Wald e.V. (Geschäftsstelle Cham) sowie der LBV – Kreisgruppe Regen.


Im Rahmen des Naturpark – Bildungsprogramms 2007 traf man sich zu einer wald- und vogelkundlichen Wanderung in Wiesenfelden mit dem Referenten Peter Zach von der Forstdienststelle Konzell. Im Anschluss an die Einführung durch den Naturpark – Bildungsreferenten Hartwig Löfflmann begab man sich von Utzenzell aus auf einen Rundweg rund ums Büscherl.
Der Referent Peter Zach erläuterte dabei die Wichtigkeit von Wäldern. Die Bundesrepublik Deutschland ist zu etwa 30 % bewaldet. Ca. 50 % aller Vogelarten sind an Wälder gebunden. Strukturreiche Wälder sind damit eine wichtige Vorraussetzung für intakte Lebensraumgemeinschaften. Bei der etwa dreistündigen Wanderung in der Abenddämmerung wurden viele verschiedene Vogelarten auch anhand Ihres Gesanges vorgestellt und Informationen über Ihre Lebensweise geliefert. Vor allem dicke Höhlenbäume sind sehr wichtig als Brutbäume für Spechte, Hohltaube und Sperlingskauz. Auch die Waldschnepfe kommt hier noch vor. Sie konnte man bei ihren Rundflügen entlang hoher Waldränder beobachten. Sumpfig bis nasse Bereiche sind für Ihren Lebensraum wichtig.
Viele Zugvogelarten kommen heutzutage 7 – 10 Tage früher als noch vor wenigen Jahren aus ihren Überwinterungsquartieren an. Einige Arten versuchen auch in unseren Breitengraden bereits zu überwintern. Beides ist ein Hinweis auf das wärmer werdende Klima. Manchmal gibt es aber auch unerklärliche Bestandsrückgänge. Man vermutet, dass bei diesen Arten, bei denen der Lebensraum bei uns eigentlich passen würde, vielleicht in den Überwinterungsquartieren in Afrika negative Veränderungen zu verzeichnet sind. Wenn sich dort Wüsten weiter ausbreiten, aufgrund größerer Trockenheit, gehen viele Lebensräume verloren. Dies ist ein deutliches Zeichen, dass die Klimaerwärmung auch indirekt wiederum Einflüsse auf Bestandsentwicklungen bei uns haben kann, auch wenn die Probleme fernab auf dem afrikanischen Kontinent liegen.
Nach einer abwechslungsreichen Runde, bei der auch die Kinder mit Ihren Ferngläsern eifrig beobachtet hatten, erreichte man wieder den Ausgangspunkt.


Zur gemeinsamen Botanikwanderung von Naturpark Bayerischer Wald e.V., Bund Naturschutz und LBV im Landkreis Deggendorf waren etwa 25 Teilnehmer gekommen. Bildungsreferent Hartwig Löfflmann vom Naturpark Bayerischer Wald e.V. begrüßte die Teilnehmer und den Referenten Gerhard Nagl. Von Rohrmünz aus nahm man die Bergwiesenbereiche rund um den Hochoberndorfer etwas näher in Augenschein. Eine große Anzahl bereits selten gewordener Pflanzenarten konnte man dort noch vorfinden.

Der Referent Gerhard Nagl erläuterte, wie sich die Landbewirtschaftung im Laufe der Jahre veränderte. Früher war die Landbewirtschaftung kleinteilig mit niederen Hecken, teilweise Baumreihen, vereinzelt auch mit kleinen Äckern gemischt. Die Ackerwirtschaft bis in höhere Lagen war kein großes Problem, weil es sich immer nur um Kleinflächen handelte, die zudem ohne Düngemittel und ohne Pflanzenschutzmittel bewirtschaftet wurden. Mancher Randeffekt erhöhte sogar die Artenzahlen. Ein Problem stellt heute die Flächenvergrößerung und die Monostrukturierung dar, bis hin zur Aufforstung unrentabler Flächen durch reine Fichte.

Im Laufe des Rundganges konnten mehrere Dutzend interessanter Pflanzenarten, aber auch Käfer, Schmetterlinge und andere Insekten beobachtet werden. Zwischendurch gab es auch kleine Tipps, z. B. dass man Brombeerblätter gut für Teezubereitung verwenden kann. Informationen gab es auch zum mittlerweile sehr selten gewordenen Arnika. Der Arnika hat seine Hauptverbreitung in Deutschland, deswegen haben wir eine große Verantwortung. Nagl warnte auch davor, aus zu großer Liebhaberei den Arnika ausgraben und zuhause wieder einsetzen zu wollen. Dies geht immer schief. Selbst wenn er noch 3-4 Jahre wächst geht er dann ein. Arnika ist nur auf ganz mageren Böden verbreitet, zum Überleben bestimmter Standorte wären im Idealfall etwa tausend Pflanzenindividuen notwendig, was aber fast nicht mehr der Fall ist. Wer Arnika in seiner Hausapotheke oder auch sonst verwenden will, soll diese besser über den Handel beziehen, dort wird von Experten oft gezielt nachgezogen, ohne dass in die freilebende Natur eingegriffen werden muss.

Nach einem etwa 3-stündigen Rundgang, bei dem die Teilnehmer vor dem aufziehendem Gewitter verschont wurden, erreichte man wieder den Ausgangspunkt. Dort lud Hartwig Löfflmann zu den weiteren Exkursionen im Lauf des Jahresbildungsprogramms ein und verabschiedete die Teilnehmer.


Im Rahmen des Aktionsprogramms BayernTour Natur bat Arnold Multerer eine naturthematische Wanderung in das Rißloch („Naturschutzgebiet Riesloch“) an. Speziell die naturräumlichen Gegebenheiten und den größten Wasserfällen des Bayerischen Waldes standen im Vordergrund der Exkursion. Über 50 interessierte Personen beteiligten sich an der Führung.
Bereits 1939 wurden die Schluchtwälder des Rißlochs, deren Attraktivität mit den größten Wasserfällen des Bayerischen Waldes besonders hoch ist, unter Naturschutz gestellt. Zusätzlich wurde gegen Ende des letzten Jahrhunderts das Gebiet als Naturwaldreservat ausgewiesen. Im oberen Abschnitt der Schlucht hat sich der Wildbach auf einer Strecke von nur 1.600 Metern rund 200 Meter tief in den Gneisuntergrund eingegraben. Dort, wo der Wildbach die Steilstufe am östlichen Schluchteingang überwindet, entstehen im Bereich des größten Gefälles die imposanten Wasserfälle. Besonders nach der Schneeschmelze und nach starken Regenfällen bieten sie dem Besucher ein imposantes Naturerlebnis. Der Referent erzählte, dass durch den schneearmen Winter und die geringen Niederschläge im Frühjahr etwa nur die Hälfte der Wassermenge, die normalerweise zu dieser Zeit in das Tal stürzt vorhanden ist. Im tiefer gelegenen Schluchtteil liegen mächtige Gneisblöcke im Bachbett, stellenweise mit Strudellöchern, die das reißende Wasser in den Stein modelliert hat.
Doch nicht nur die Wasserfälle sind beeindruckend, weiß der Gebietsbetreuer zu erzählen: „An den steilen, 150 bis 200 Meter hohen Hängen haben sich urwüchsige Mischwälder aus Rotbuche, Bergahorn, Weißtanne und Fichte erhalten. Diese todholzreichen Bestände sind seit ca. 400 Jahren weitgehend ungenutzt geblieben. Dementsprechend hoch sind Strukturreichtum und Artenvielfalt. Vor allem Fledermäuse haben hier ihre Tagquartiere in den vielen abgestorbenen Höhlenbäumen. Ebenso gibt es eine große Anzahl von Spechten wie den seltenen Dreizehenspecht, der in den urwaldartigen Baumbestand bestens Nahrung aus dem Todholz zimmern kann.“
Da sich auch viele jüngere Forscher unter der Gruppe befanden, ließ Arnold Multerer sie die Qualität des Wasser testen. Dabei stellte sich heraus, dass es sich um einen saueren Bach handelt. Doch an Hand der von den Kindern gefundenen Kleinstlebewesen aus dem Wasser, konnte der Referent darauf schließen, dass der Bach eine sehr gute bis gute Wasserqualität aufweist.
Brotzeit wurde auf halber Strecke beim Aussichtspunkt Schweiklruhe gemacht, von wo man einen guten Blick auf Bodenmais hat. Beim Abstieg erfuhren die Teilnehmer noch vieles über die Naturzusammenhänge in diesem Gebiet. Nach drei Stunden geführter Tour endete die attraktive Rundwanderung wieder am Besucherparkplatz. Diese Führung war Teil des Gemeinschaftsprogramm der beiden „Arber-Gebietsbetreuer“ Caroline Stautner (Naturparke Oberer Bayersicher Wald, Geschäftsstelle Cham) und Arnold Multerer (Naturpark Bayerischer Wald, Geschäftsstelle Zwiesel).


Die Besucher des Naturpark-Informationshauses in Zwiesel wurden am Jubiläumswochenende von ungewohnten Tönen empfangen: Bohrgeräusche, Hämmern und Klopfen wiesen den Kindern und deren Eltern den Weg in den Kinderspielbereich: Arber-Gebietsbetreuer Arnold Multerer hatte mit den beiden Naturpark-Praktikanten Tobias Wilsch und Isabelle Auer ein Kinderprogramm entwickelt, das zeigte, dass Naturschutz Spaß macht. Durch umweltpädagogische Aktionen kann man gleichzeitig naturkundliches Wissen vermitteln und die Kreativität fördern. Insgesamt rund 70 Kinder lernten, wie man mit wenigen Mitteln Wildbienen, Hummeln und Insekten eine Nistgelegenheit bieten kann: Man bohrt einfach Löcher in ein Stück Holz. Der Durchmesser des so entstandenen zukünftigen Larvengangs bestimmt dann, welches Insekt in die „neue Wohnung“ einzieht.
Nach der Fertigstellung dieses „Rohbaus“ war die künstlerische Kreativität der „Bauherren“ gefordert. Naturmaterialien wie Moose, Flechten, Blätter, Fichtenzweige, Fichten- und Kiefernzapfen verwandelten die Holzscheiben in Gesichter, Kunsthäusern und Mooshütten. Manche Insektenhäuser erinnerten selbst an große hölzerne Insekten, ausgestattet mit Fühlern aus Fichtenzweigen und aus Buchenblättern zusammengesetzten Flügeln. Nebenbei erfuhren die kleinen Naturart-Künstler, dass ihre Arbeit nicht nur von menschlichen Natur- und Kunstliebhabern geschätzt wird: Bienen, die sogar Farbtöne sehen, die das menschliche Auge nicht mehr wahrnehmen kann, benützen Farben auch zur Orientierung: Hellere Bereiche auf einer Blüte etwa dienen ihnen als „Landebahnen“, die ihnen den Weg zur Nektarquelle zeigen. Wer wollte, konnte sein Insektenhaus nach Hause mit nehmen. Ein Großteil der „Häuslebauer“ entschloss sich jedoch, seine Insektenunterkunft dem Naturpark für sein geplantes Naturpark-Insektenhaus zur Verfügung zu stellen.
Wie konzentriert die kleinen Handwerker und Künstler bei der Sache waren, zeigte sich daran, dass sie sich am Samstag – im Gegensatz zu den Erwachsenen – nicht von der mit Spannung erwarteten Verlosung zweier Fahrten mit einem Heißluftballon ablenken ließen. Und so stieg bei strahlendem Sonnenschein die Gewinnerin der ersten Fahrt, die 12jährige Laura in Begleitung ihres Vaters in den von der Commerzbank gesponserten Heißluftballon. Die knapp einstündige Fahrt führte sie vom Sonnenhaus über Zwiesel nach Ludwigsthal. Dort gab es im wahrsten Sinne des Wortes eine Punktlandung in der letzten freien Wiese vor dem geschlossenen deutsch-tschechischen Waldgürtel. Die zweite Fahrt, die am frühen Sonntag morgen stattfand, hinterließ bei dem Gewinnerehepaar Kramheller ebenso unvergessliche Eindrücke. Auf Grund anderer Windverhältnisse fuhr an diesem Tag der Ballon Richtung Donau und landete in Regen. Da sich in dieser Richtung genügend Wiesen zum Landen befanden, dauerte die Fahrt etwa doppelt solange wie am Vortag.


Der Start der Festlichkeit zum 40 jährigen Bestehen des Naturpark Bayerischer Wald wurde an diesem Freitag vormittag feierlich eingeleitet. In seiner Grußrede bedankte sich der 1. Vorsitzende Heinrich Schmidt bei den zahlreich erschienen Gästen. Vor allem würdigte er die vielen ehemaligen und derzeitigen Mitarbeitern des Naturparks, die mit viel Engagement und Herzblut im Vereinsgeschehen vollen Einsatz leisten. Trotz der dünnen Personaldecke und den wenigen Mittel, leistet der Verein Großartiges. Nur so sind z.B. in den vergangenen Jahren 5 Infostellen, 14 Infopavillons und über 350 Übersichtstafeln im Naturparkgebiet errichtet worden. Hinzukommen 40 Lehrpfade, unzählige Informationstafeln, Faltblätter und Broschüren, die den Besuchern unseren attraktiven Bayerischen Wald näher bringen. Gleichzeitig leistet der Naturpark einen wertvollen Beitrag die Naturschätze nachhaltig zu bewahren. Durch die Förderung der Regionalentwicklung kann die über Jahrhunderte entstandene Kulturlandschaft auf lange Sicht erhalten werden. Dazu tragen ebenfalls die durch den Naturpark unterstützten Landschaftspflegemaßnahmen bei. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Naturparkarbeit ist die Unterhaltung der über 6.000 km bestehenden Wanderwege im Naturpark. Der gemeinnützige Verein stellt hierfür die Logistik der gesamten Infrastruktur. Ein sehr bedeutender Aufgabenbereich ist die Umweltbildung, die sehr erfolgreich vor Ort umgesetzt wird. Mehrere tausend Kinder werden so durch die Gebietsbetreuer und Praktikanten jährlich im Umweltbildungssektor geschult. Dies ist weiterhin nur möglich, so Heinrich Schmidt, wenn dementsprechendes Fachpersonal zur Verfügung steht. Nur unter einem soliden Grundfest können die vielen Arbeitsgebiete des Naturparks aufrecht erhalten werden.
Otmar Bernhard, Staatssekretär des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, vertrat den erkrankten Umweltminister Dr. Werner Schnappauf. Er unterstrich die wichtigen gemeinnützigen Aufgaben, die der Naturpark seit nun 40 Jahren für die Region leistet. In seiner Rede stellte er deutlich heraus, dass die „Schutzgebietskategorie „Naturpark“ in ganz Bayern eine bedeutende Rolle für den nachhaltigen Tourismus spielt.
Dies ist die Auftaktveranstaltung zu einem langen Naturparkwochenende. An diesem Samstag und Sonntag hat der Naturpark seine Pforten für jedermann geöffnet. Ein buntes Rahmenprogramm mit Festbetrieb, Kabarett, Führungen, separatem Kinderprogramm und vielen mehr startet ab Samstag 09:30 Uhr. Die Verlosung zweier Heißluftballonfahrten (für je 2 Personen) am heutigen Samstag um 17:00 Uhr ist eine weitere Hauptattraktion.


Die Wildbachklamm „Buchberger Leite“ war das Ziel einer Naturpark-Exkursion, an der nahezu zwanzig Naturliebhaber aus Nah und Fern teilnahmen. Von Freyung nach Ringelai wanderte die Gruppe am acht Kilometer langen Themenwanderweg, der mit Info-Tafeln und einer zwanzigseitigen Begleitbroschüre ausgestattet ist. Der „Pfahl“ – eine deutschlandweit einmalige Bruchlinie im Grundgebirge des Bayerischen Waldes – zeigt sich hier in den dunklen, braungrünen Felsen des Pfahlschiefers. Die steilen Felsriegel zwingen die geröllreiche „Wolfsteiner Ohe“ in ihr tief eingeschnürtes Bett. Der Wildbach beeindruckt durch sein lebendiges, kaskadenreiches Wasserspiel, auch wenn in diesem Frühjahr aufgrund der Niederschlagsarmut weniger Wasser wie üblich fließt. Ein Teil des Wassers wird in Rohrleitungen, Kanälen und in den blanken Fels gehauenen, kilometerlangen Stollen den Turbinen zugeführt, um die Kraft des Wassers in Strom umzuwandeln. Alte Triftmauern am Ufer zeugen von der Jahrhunderte langen Zeit der Holztrift durch die „Buchberger Leite“. Matthias Rohrbacher, Gebietsbetreuer des Naturparks, berichtete bei der geführten Wanderung über die vielfältige Tier- und Pflanzenwelt am Bach, an den Felsen und in der Schlucht: Schwarz-gelb gestreifte Feuersalamander, scheue Fischotter, nachtaktive Fledermäuse oder seltene Vögel wie die Wasseramsel oder der Schwarzspecht finden hier ihren Lebensraum. Beeindruckt waren die Wanderer über die Blütenpflanzen, die entlang des Themenwanderweges zu dieser Jahreszeit zu finden sind. Weiße Pestwurz, Goldnessel oder Schöllkraut prägen das Blütenspiel. Der Reichtum an Wasser und Luftfeuchte lässt auch eine Vielzahl von Moosen und Farnen gedeihen. Der seltene Tüpfelfarn wächst in vielen Felsritzen oder Astgabeln alter Bäume, wo Moose einen modrig-humosen Untergrund geschaffen haben. Mächtige Edellaubhölzer wie Eschen, Ahorne und Linden überdauern in den felsblockreichen, steilen Schluchtwäldern. Selbst die durch das „Ulmensterben“ selten gewordenen Bergulme findet sich hier mit einigen stattlichen Exemplaren.


„Der grüne Mantel des weißen Quarzriffes“ war der Titel einer Naturpark-Exkursion am Großen Pfahl. Heinrich Schmidt, 1.Naturpark-Vorsitzender, begrüßte die Teilnehmer beim Infostand an der B 85, der auch Ausgangspunkt für zwei Rundwege im Naturschutzgebiet ist. Im ersten Teil der Exkursion wanderten die Teilnehmer vom Quarzriff zum Quarzbruch. Ein Lehrpfad mit vielen Infotafeln informiert über Tiere und Pflanzen sowie Pfahlentstehung und Steinbruch. Am Felsen brütet zu dieser Jahreszeit ein Turmfalke, der beim An- und Abflug auf sein Nest vom Wanderweg aus gut zu beobachtet ist. Der Gebietsbetreuer des Naturparks, Matthias Rohrbacher, wies auf das Kletterverbot auf diesen Felsen hin. Dies komme auch anderen Tierarten wie den in den Felsspalten wohnenden Fledermäusen oder die am Felsenfuß hausenden Ameisenlöwen zu gute. Der Pfahl ist ein wichtiger Lebensraum für seltene, wärme- und trockenheitsliebende Tier- und Pflanzenarten. Hier finden sich beispielsweise achtzehn verschiedene Ameisenarten, wovon einige normalerweise in trockenwarmen Weinbaugebieten beheimatet sind. Erstaunt waren die Teilnehmer auch über die bis zu 200 Jahre alten „Pfahlkiefern“, die wie Bonsaibäumchen fast auf dem nackten Felsen wachsen. Den Naturliebhabern zeigte sich von den bestehenden Wegen aus ein buntes Farbenspiel: An manchen Felswänden finden sich neben grünlich leuchtenden Schwefelflechten und grau-schwarzen Silikatflechten auch rostrot schimmernde Eiseneinlagerungen und kleine, glitzernde Kristallrasen. Nur am eigens eingerichteten „Klopferplatz“ bei der „Alten Schmiede“ können Quarzminerale mitgenommen werden. Ansonsten besteht im Naturschutzgebiet das Verbot Mineralien zu sammeln und die Wege zu verlassen. Damit soll dieses einzigartige Naturerbe für kommende Generationen erhalten und die wertvolle Tier- und Pflanzenwelt geschützt werden.
Im zweiten Teil der Exkursion wanderten die Teilnehmer am Pfahl-Steig zum Schaubienenstand. Dorothea Haas, Betreuerin des Schaubienenstandes, informierte über das spannende Leben von Honig- und Wildbienen. In Mitteleuropa leben mehr als 500 Bienenarten. Am bekanntesten ist die staatenbildende Honigbiene, die eine klare Aufgabenverteilung in ihrem Volk hat: Die Arbeiterinnen suchen nach Nektar, pflegen die Waben und versorgen den Nachwuchs. Die Königin legt die Eier. Die männlichen Drohnen sterben kurz nach der Begattung der Königin. In einem Schaubienenkasten konnten die Teilnehmer das emsige Leben der Honigbienen beobachten. Die meisten anderen Bienenarten leben dagegen einzeln und gehören zur mannigfaltigen Gruppe der Wildbienen. Viele Wildbienen sind wie die meisten anderen Insekten regelrechte Künstler der Verwandlung. Diese vollzieht sich in ihrer aufwändig gebauten Brutkammer. Wildbienen nutzen als Baumeister Holz, Stein, Boden, Pflanzenstängel, alte Schneckenhäuser und vieles mehr. In und mit diesen Materialien zimmern und mauern sie sich ihre Nistplätze. An einer Wildbienenwand konnten sich die Teilnehmer über einfache Nisthilfen für Wildbienen informieren, die auch im eigenen Garten zu erstellen sind. Bienen erfüllen im Kreislauf der Natur viele wichtige Aufgaben. Sie sammeln den für die Bestäubung und Fruchtbildung wichtigen Blütenpollen und tragen in dabei von Pflanze zu Pflanze. Erst dann können sich z.B. bei Obstbäume Früchte entwickeln oder bei Blütenpflanzen Samen ausbilden, so dass sich die Pflanze weitervermehrt.

Zum Abschluss der Veranstaltung wies Gebietsbetreuer Matthias Rohrbacher auf das regelmäßige Führungsangebot auch in diesem Sommerhalbjahr hin. Jeweils Dienstags um 15:00 Uhr am Großen Pfahl und um 16:30 Uhr am Schaubienenstand sowie jeweils Donnerstags (außer Feiertage) um 10:00 Uhr am Schaubienenstand. Für Gruppen und Schulklassen werden weitere Führungen angeboten. Rückfragen unter 09942 –90 48 64 und 16 61.


Das Naturschutzgebiet „Winzerer Letten“ war das Ziel einer vogelkundlichen Morgenwanderung, zu der der Naturpark Bayerischer Wald e.V. eingeladen hatte. Referent Frater Ludwig Schwingenschlögl führte die mit Ferngläsern gut ausgerüstete Gruppe. Vom Beobachtungsturm aus bot sich ein schöner Rundblick auf die Altwässer und Röhrichte. Viele Vogelarten wie Rohrweihe, Schnatterente oder Mehlschwalbe konnte hier im Fluge, auf dem Wasser oder am Ufer beobachtet werden. Auf den Auwiesen standen einzelne Kiebitze, die an ihrem langen Federschopf am Kopf und den „Kie-Wit“- Rufen gut zu bestimmen waren. Daneben zog eine Gruppe von Graugänsen mit ihren Jungen auf der Suche nach Nahrung umher. Viele Vogelarten machten durch ihren schönen Gesang auf sich aufmerksam. Die Heckenbraunelle und das seltene Blaukehlchen waren versteckt im Unterholz zu hören. Selbst der prächtig gelb schimmernde Pirol sang melodisch flötend sein „dülio-liu“ in den Baumkronen. Insgesamt konnte bei der zweistündigen vogelkundlichen Wanderung mehr als dreißig Vogelarten gehört oder gesehen werden. Dies zeigt auch den besonderen Wert des Naturschutzgebietes für die Vogelwelt. Die trocken gefallenen Seichtwasserflächen sind bei Niedrigwasser ein wichtiger Lebensraum für seltene Pflanzen wie Schwanenblume, Zypergras oder Büchsenkraut. Zum Schutz der Tier- und Pflanzenwelt ist es ganzjährig verboten, den nördlichen Uferbereich des Altwassers zu betreten sowie vom 1. März bis 31. Juli im gesamten Naturschutzgebiet die Wege zu verlassen.