• Naturpark Bayerischer Wald : 
  • Stirlingmotor und Dampfturbine im Naturparkhaus vorgestellt Gesetzgeber gefordert: bisher keine angemessene Vergütung für „Dampfstrom“


Einen Rekordbesuch verzeichneten Naturpark Bayerischer Wald e.V. und Arbeitskreis Energie des Landkreises Regen beim Vortragsabend über Stirlingmotoren und Einsatz von Dampfturbinen. Etwa 115 Interessierte waren zu der Veranstaltung gekommen, teilweise saßen die Besucher noch auf den Gängen oder waren wieder umgekehrt. In einem ersten Referat stellte Prof. Dr. Ing. Michael Elsner von der Fachhochschule in Regensburg sein Stirlingmotor-Projekt vor. Er ging kurz auf die Geschichte ab etwa 1950 ein. Zunächst wurde das Grundprinzip eines Stirlingmotors erläutert. Dieser arbeitet mit der Temperaturdifferenz zwischen kalt und warm. Als Arbeitsmedium wird mit Luft, Gas aber auch Stickstoff experimentiert. Kaltes Gas wird dabei komprimiert und warmes Gas expandiert. Die Vorteile gegenüber normalen Otto- und Dieselmotoren liegen im geringeren Kraftstoffverbrauch. Der Motor arbeitet leise und Vibrationsarm, ist robust und langlebig mit einem hohen Wirkungsgrad. Wichtig ist jedoch, dass man diesen Motor in einem konstanten Lastbereich betreibt, also für stationäre Stromerzeugung. Zu lösen sind Dichtigkeitsprobleme, das Arbeitsgas muss in einem geschlossenen Kreislauf bleiben. Fünf Maschinen wurden gebaut, eine davon nur für Messungen. Sehr viel Arbeit steckte Professor Elsner in die Grundlagenforschung. Auch etliche Diplomarbeiten sind in diesem Bereich gelaufen. Es wird derzeit experimentiert, welches Arbeitsgas das beste ist, wie sich die Motorleistung bei Volumenänderung der Maschine oder bei Veränderung des Phasenwinkels der zwei Kolben verändern. Konkret wird an dem Einbau eines Stirlingmotors in einen Pelletsheizkessel der Firma ETA aus Österreich gearbeitet. Die große Schwierigkeit besteht darin, dass bisher keine öffentlichen Gelder zu erhalten waren. Das Projekt wird nur von Firmen unterstützt.

In einem zweiten Referat stellte Geschäftsführer Manfred Rosenkranz aus Heiligenberg sein Dampfturbinenkraftwerk vor. Er betreibt ein System mit einem 90 KW Hackschnitzelkessel und daran angebauter Dampfturbine. Die Dampfturbine ist eine sehr junge Technik und wurde erst 1883 von Laval in Schweden entwickelt. Zahlreiche Ideen holte sich Rosenkranz von einem Schweizer Dampflokomotivenhersteller. Die Dampfturbine war jedoch so für seine Zwecke nicht zu gebrauchen. Seine Anlage liefert etwa zwei 2 KWh elektrische Leistung bei 75 KWh Wärmeleistung. Eine von Rosenkranz selbst entwickelte und gebaute Dampfturbine wurde vorgestellt und erläutert. Heißer Dampf treibt das Turbinenrad an.
Grobes Hackgut mit einem Durchmesser von 5 cm wird verwendet. Mit etwa 250 bis 300 Kilogramm Dampf werden bei etwa 20 bar Druck und hohe Drehzahlen auf der Turbine erreicht. Turbinen, so Rosenkranz, haben gegenüber Kolbenmotoren Vorteile. Deswegen werden sie auch in der Flugzeugindustrie eingesetzt. Mit der Dampfturbine wird ein Generator angetrieben, die elektrische Energie über LKW-Lichtmaschinen in 24 V - Batterien gespeichert, weil die Netzeinspeisung für Strom aus Dampfturbinen im Erneuerbare Energien Gesetz nicht höher vergütet wird. Hier müsste das Gesetz angepasst werden. Plattenwärmetauscher bringen die Energie in einen Puffer. Wenn die Systeme voll, sind stellt sich der Ofen automatisch ab und beginnt auch nach wenigen Stunden wieder mit seiner Arbeit. Sein System ist für Insellösungen ausgelegt. Die Kosten gibt er etwa mit 84000.- Euro an und eine Rentabilitätsrechnung liegt bei etwa neun Jahren. Auch Kälteerzeugung ist möglich. Rosenkranz rechnet mit etwa 40 % Brennstoffersparnis gegenüber normalen Hackschnitzelanlagen, weil heißer Dampf noch einmal in den Brennraum rückgeleitet werden kann.

Im Rahmen der Diskussion wurde von den Besuchern bemängelt, dass der Stromertrag sehr gering ist im Vergleich zur Hackschnitzelkesselgröße. Außerdem wurde in Redebeiträgen bemängelt, dass die Speicherung in Batterien unter Einsatz eines nachfolgenden Wechselrichters zur Wechselstromerzeugung ein sehr aufwendiges und teures System ist. Rosenkranz rechtfertigte sich damit: Dass die derzeit niedrige Stromvergütung ihn statt der Netzeinspeisung zur Batterienspeicherung zwinge.

Der Appell des Referenten ging auch dahin, die hochwertige Energieform Strom nur dort einzusetzen, wo es unbedingt für Steuerungen, PCs und hochwertige Anwendungen notwendig ist. Es ist heutzutage bei knappen fossilen Ressourcen und steigenden Energiepreisen blanker Luxus, wenn mit Strom gekocht oder geheizt wird. Nur so lassen sich die relativ bescheidenen Stromerträge im Vergleich zum hohen Wärmeaufwand in seinen Heizkesseln einigermaßen rechtfertigen. Unter www.dampfturbinenkraftwerk.de findet man weitere Informationen.

Am Schluss der anregenden Diskussion bedankte sich Dr. Paul Kestl vom Arbeitskreis Energie bei den beiden Referenten und bei den zahlreichen Besuchern für ihr Interesse.

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