Bayerisch-böhmische Kulturlandschaft

Verbreitungsgebiete von Siedlungs- und Hausformen enden nicht an Grenzen zwischen Staaten oder Regierungsbezirken. Die Anlage ländlicher Siedlung orientiert sich vielmehr an den Gegebenheiten des Naturraums und den Zielsetzungen der Herrschafts- und Siedlungsträger. Der Landausbau im Waldgebiet war von Beginn an demographisch und territorialpolitisch motiviert. Aus den natürlichen Ungunstgebieten wurden durch Rodungsvorstöße gegen den Wald und durch die damit verbundene flächenhafte Ausweitung geschlossener Herrschaftsbereiche Gunsträume. Der Bevölkerungszuwachs in den frühmittelalterlichen Siedlungsräumen erforderte eine gelenkte Besiedelung, die zur Anlage von Plansiedlungen führte. Die heute sichtbaren räumlichen Strukturen und Konturen der Kulturlandschaft sind das Ergebnis des kulturraumbildenden Kolonisationsprozesses, der durch ein komplexes naturräumliches, politisches, demographisches und agrarhistorisches Faktorengefüge gekennzeichnet ist.