Dass Bienen einen wichtigen Beitrag zum Kreislauf der Natur leisten, lernen viele Kinder bereits sehr früh. Was jedoch das Besondere an Waldhonig ist, wie er entsteht und worauf Imker bei der Wahl der Standorte ihrer Bienenstöcke achten sollten, ist bei Nicht-Imkern weniger bekannt. Kürzlich luden daher Arbergebietsbetreuerin Dr. Isabelle Auer und der Imker und Kreisfachwart für Bienengesundheit für den Landkreis Jochen Wiecha zu einer Führung zum Thema „Waldhonig im Arbergebiet“ ein. Grundlegender Unterschied zum Blütenhonig ist, dass der besonders herbwürzige dunklere Waldhonig im Gegensatz zum milder schmeckendem Blütenhonig generell aus Honigtau, also aus Ausscheidungen von Schild- und Rindenläusen stammt: Läuse saugen den Pflanzensaft ihrer Nahrungspflanze, scheiden den überflüssigen klebrigen Honigtau aus, dieser wird dann von Ameisen und Bienen aufgesaugt. Da das Ausgangsprodukt, der Pflanzensaft, also mehrere Magen durchläuft, ist das Endprodukt „Waldhonig“ besonders reich an Mineralien und Enzymen. „Das Zusammenspiel vieler Faktoren ist entscheidend dafür, wie viel Waldhonig wir gewinnen können. Entscheidend dafür, wie lange der Maitrieb, bei dem die Läuse saugen können und so den Honigtau produzieren, noch nicht verholzt, sind die Trockenheit, die Boden- und Temperaturverhältnisse, betonte Jochen Wiecha, „Die Läuse saugen zwar besonders bei trockenem Wetter, da das Frühjahr jedoch sehr warm war, verholzen die Maitriebe dieses Jahr auch in größeren Höhen schneller, weswegen man vermuten kann, dass die Waldhoniggewinnung dieses Jahr schwieriger wird.“ Wiecha zeigte am Beispiel von Brutblasen an Fichten, die mit bloßem Augen eher an Knospen erinnern, aber bis zu hundert Nachkommen beinhalten können, wie man durch die Imkerei lernt, genau hinzuschauen. Hilfreich bei der Suche nach den „Trachtquellen“ für Waldhonig, z.B. der Rotbraun bepuderten Fichtenrindenlaus, der Großen Schwarzen Fichtenrindenlaus und der Grünen Tannenhoniglaus sind besonders Waldameisen, die ihren Ameisenhaufen meist in der Nähe eines mit Läusen befallenen Baumes erbauen, um so möglichst nahe an ihrer Nahrung, dem „Honigtau“ zu sein. „Ameisenstraßen“ zeigen dem Imker daher häufig, welche Äste mit Läusen befallen und vor allem, ob es sich lohnt, am betreffenden Standort seine Bienenvölker aufzustellen. Deutlich wurde den Teilnehmern, dass Imkern nicht nur ein zugleich beruhigendes und zugleich faszinierendes Hobby ist, sondern dass es vor allem den Blick für Unscheinbares und für die Zusammenhänge in der Natur schärft.

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