Der Naturpark Bayerischer Wald e.V. hatte zu einem Vortrag über den Biber in das Würzingerhaus Außernzell eingeladen. Bildungsreferent Hartwig Löfflmann konnte neben einer Reihe von Teilnehmern auch den Bürgermeister Michael Klampfl zum Vortragsabend begrüßen. Der Naturparkmitarbeiter Stefan Poost, zuständig für die Gebietsbetreuung an der Ilz, ist ehrenamtlich auch als Biberberater tätig. Er schilderte in seinem Vortrag Biologie, Lebensweise und Probleme im Zusammenhang mit der Landbewirtschaftung. Der Biber ist das zweitgrößte heute lebende Nagetier, nach dem südamerikanischen Wasserschwein. Seine nächsten Verwandten sind aber eher die Eichhörnchen. Häufig verwechselt wird er mit Bisam und Nutria. Der Biber hat im Gegensatz zum Menschen eine viel längere Geschichte. Während der Mensch erst seit etwa 70.000 Jahren existiert, gibt es den Biber bereits seit 15 Mio. Jahren in dieser Form. Der Biber wird etwa 36 kg schwer und 135 cm lang. Nach 30 Monaten sind die Jungen geschlechtsreif. Die Paarungszeit ist von Januar bis März. Der Biber lebt in Einehe. Zwei bis drei Jungtiere, in Ausnahmefällen bis zu fünf, sind die Regel. Beim Schwimmen schaut nur der Kopf über die Wasseroberfläche hinaus. Etwa 50.000 Haare/cm² schützen ihn vor Unterkühlung. Seine Nagezähne wachsen stets nach, das Eisen aus der Nahrung wird an der Nagekante eingelagert. Deswegen schauen die Zähne rot aus, vom oxidierten Eisen. Die Zähne schärfen sich selbst nach. Damit kann der Pflanzenfresser im Sommer Gras, im Herbst und Winter Weiden und Pappeln, sowie Gehölze gut abnagen. Der Biber ist reiner Vegetarier. Wenn zu wenig dünnes Weichlaubholzmaterial vorhanden ist, dann geht er ans Fällen von Bäumen. Er staut auch geschickt Gräben und Bäche, um seinen Wasserstand zu regulieren. Dort wo ihm der Lebensraum nicht passt, versucht er gnadenlos zu gestalten. Dabei kommen auch schon mal Obstbäume oder Fichten an die Reihe. Normalerweise wird ein Streifen von etwa 10 bis 20 Metern entlang von Flussläufen und Bächen genutzt. Hier beginnt der Konflikt mit dem wirtschaftenden Menschen. Manchmal sind Maisäcker bis an den Gewässerrand hin angelegt, oder ehemaliger Auwaldbereiche mit Fichten aufgeforstet. Nicht immer baut er aus Astmaterial eine Burg, manchmal gräbt er auch in Steilufer, was zum Einbrechen von nahe am Gewässer fahrenden Traktoren und entsprechenden Schäden führen kann. In seinen ein bis sechs Kilometer langen Revieren kann er aber auch mehrere Biberburgen besitzen. Es kommt auch vor, dass junge Biber ertrinken, oder im Winter erfrieren bzw. an Bissverletzungen durch Kontrahenten sterben. Das ist ein natürliches Regulativ. Im Jahr 1867 wurde der Biber in Deutschland ausgerottet. Seit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts besiedelte er nach und nach wieder die Gewässer. Die ursprünglich flächendeckende Verbreitung in Nordeuropa, Russland und Nordamerika erobert er nur langsam wieder zurück. In Bayern kommt er allmählich wieder flächendeckend vor. Rechtlich zählt er zu den streng geschützten Arten. Zwei hauptamtliche Biberbetreuer und eine Reihe von ehrenamtlichen Biberberatern gibt es in Bayern. Sie kümmern sich zusammen mit den Unteren Naturschutzbehörden an den Landratsämtern um die Schäden. Schäden gibt es häufig bei Fischzuchtanlagen, Kläranlagen, Triebwerksanlagen, oder neben stark befahrenen Straßen. Derzeit steht ein Ausgleichstopf von etwa 250.000 € pro Jahr zur Verfügung. Fang und Tötung sind nur durch Ausnahmegenehmigung in besonders begründeten Fällen möglich. Die Landkreise können vorbeugend Gebiete festsetzen, wo der Biber nicht vorkommen soll. Um ein vernünftiges Miteinander von Biber und wirtschaftenden Menschen zu erreichen, muss man in den kommenden Jahren noch viel Renaturierungsarbeit an Gewässern leisten. Dies kann durch Entfichtung oder auch durch Kauf von Flächen entlang von Gewässern, beispielsweise durch Wasserwirtschaft, Naturschutzverbände oder Kommunen erfolgen. Die nachfolgende, ausgiebige Diskussion mit den anwesenden Landwirten zeigte, dass Landwirte häufig mit den Problemen alleine gelassen werden. Dort wo wenig ertragreiche landwirtschaftliche Flächen betroffen sind, ist es kein Problem. Wenn der Biber aber 10 oder 15 ha Mais oder Gründland überstaut und unbefahrbar macht, gibt es erhebliche Ertragseinbußen. Lange Bearbeitungszeiträume nach Schadensmeldungen durch den Landwirt werden dabei äußerst scharf kritisiert. Ein Problem ist auch die Hartnäckigkeit des Bibers, der herausgerissene Gewässeranstauungen oft in der gleichen Nacht wieder einbaut und repariert. Wer mit dem Biber Probleme hat, soll sich auf jeden Fall an die zuständigen Biberberater, oder die Untere Naturschutzbehörde wenden und keinesfalls eigenmächtig handeln.

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