Bedeckt vom sanften Nebelkleid, aus dem zwei Türme ragen: Dieser Anblick des Großen Arbers bot sich kürzlich den 27 Teilnehmern, die unter der Leitung von Dr. Isabelle Auer einem eineinhalbstündigen Gipfelrundgang auf dem Großen Arber folgten. Nicht nur Urlauber, sondern auch einheimische Familien hatten die Einladung des Naturparks Bayerischer Wald angenommen und lauschten gespannt, wie die Arbergebietsbetreuerin Naturkundliches und Geschichtliches rund um den Berg erzählte. Ausgangsort der Führung war die Arberkapelle, die sich auf dem Großen Seeriegel, einem der vier begehbaren Riegel des Gipfelplateaus, befindet. Zu Ehren des heiligen Bartholomäus wird bei der Arberkirchweih alljährlich eine Messe vor der von den Hohenzollern in den fünfziger Jahren gestifteten Arberkapelle von allen Wallfahrern und Einheimischen gefeiert. Vom großen Seeriegel führte Dr. Isabelle Auer weiter, vorbei an der Zwieseler Hütte, von der man Aussicht auf den Bodenmaiser Riegel hat, welcher bei Einheimischen auch als Richard-Wagner-Kopf oder Arberhex‘ bekannt ist. Der Sage nach müssen unglücklich Verliebte bei Vollmond auf den Großen Arber steigen, um der Hexe ihr Leid zu klagen. Daraufhin werden sie von ihrem Liebeskummer befreit. Weiter ging die Führung zum Kleinen Seeriegel. Durch die aufreißende Nebeldecke konnten die Wanderer einen Blick auf die Chamer Hütte, das Schutzhaus des Skiclubs Bodenmais, sowie den Kleinen Arbersee erhaschen. Die als „schwimmende Inseln“ bezeichneten Schwingrasen im Kleinen und Großen Arbersee sind in Bayern einzigartig. Bei guter Sicht, so Auer, sind hier die acht Tausender der Kammwanderung, die bis hin zum Eck führt, zu sehen. Das vorherrschende raue und kalte Klima am Berg wird verstärkt durch den Böhmischen Wind, der aus der Tschechischen Republik herüberweht. Neben geografischen Besonderheiten um den Großen Arber erfuhren die Wanderer auch Wissenswertes über Flora und Fauna des Berges: Latschenkiefer und Borstgrasrasen, sowie die flächendeckenden Heidelbeersträucher, die den besonderen Ungarischen Enzian bedrängen, sind am Berg stark verbreitet. Heimische Tierarten, die in der Region um den Großen Arber vertreten sind, wie der aus der Tschechischen Republik wieder eingewanderte Luchs sowie das Auerhuhn und andere seltene Vogelarten, unterliegen strengstem Artenschutz. Die letzte Station führte die Wanderer zum Gipfelriegel mit seinem Gipfelkreuz, das mit 1456 m der höchstgelegene Punkt des bayerisch-böhmischen Grenzgebirges ist. Daher wird der Große Arber nicht umsonst der „König des Bayerischen Waldes“ genannt.

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