Wer die Geschichte von Bodenmais, aber auch das heutige Bodenmais kennen lernen will, der wird schnell erfahren, dass es schon immer die Naturschätze waren, die Bodenmais nicht nur wirtschaftlich prägten. Arbergebietsbetreuerin Dr. Isabelle Auer vom Naturpark Bayerischer Wald lud daher kürzlich alle Interessierte zu einer abendlichen Sonnenuntergangs-Wanderung vom Riesloch zum Silberberg ein. Bereits am Rand des Naturschutzgebiets und Naturwaldreservats erfuhren die 20 Teilnehmer, dass viele Naturschätze unscheinbar sind und häufig übersehen werden: Mit etwas Glück und Hintergrundwissen können Wanderer in einigen Felsspalten am Wanderweg das Leuchtmoos entdecken: Ihm reicht ein Sechshundertstel des vollen Tageslichts zum Überleben, da linsenartige Zellen das wenige Licht sammeln und auf das Blattgrün an der Hinterwand der Zellen konzentrieren. Da „überschüssiges“ Licht reflektiert wird, scheint es zu leuchten. Nicht zu verwechseln ist das Leuchtmoos mit der auf den sauren Gesteinen des Bayerischen Waldes häufig zu entdeckenden fast neongelben Schwefelflechte, deren Namen allein von ihrer Farbe abgeleitet werden kann. Bizarr anmutende Totholzstämme mit ihren Spalten, Rissen und verlassenen Spechtbruthöhlen, die besonders häufig in den Naturwaldreservaten zu finden sind, faszinieren nicht nur allein durch ihr Aussehen: Sie sind Heimat von Fledermäusen, Hohltauben, Wildbienen, Sperlingskäuzen und Rauhfußkäuzen. Dass es auch außerhalb der Naturschutzgebiete und Naturwaldreservate im Bodenmaiser Wirtschaftswald viele Bereiche gibt, die sehr naturnah bewirtschaftet werden und hin und wieder sogar „urwaldartig“ erscheinen, zeigte die Arbergebietsbetreuerin zwischen der Schönebene und dem Silberberg: Geprägt ist dieser Bereich von einem abwechslungsreichen Buchen-Tannen-Fichten-Mischwald, in dem man – bei genaueren Hinsehen – auch Fichten mit Stelzenwurzeln entdecken kann. Wie im benachbarten Nationalpark oder auch in den Naturwaldreservaten am Arber werden umgefallene Bäume hier hin und wieder liegen gelassen. Auf diesen sogenannten „Keimbeeten“ siedeln sich Moose und vor allem junge Fichten an. Ist der Mutterbaum nach einigen Jahrzehnten vollständig verrottet, erinnern nur noch die Stelzenwurzeln dieser Jungbäume an ihre ungewöhnliche Entstehungsgeschichte. Besonders für Naturschützer birgt der Silberberg noch heute einen großen Schatz: eines der bedeutendsten und größten Fledermauswinterquartiere Mitteleuropas. Bodenmais jedoch verdankt dem Berg und seinem Sulfiderz-Lager seine Existenz, aber auch seine Kulturgeschichte. Einen besonderen Schatz konnten die 20 Teilnehmer der Sonnwendwanderung noch vor dem Abstieg vom Silberberggipfel genießen: den Blick auf einen romantischen Sonnenuntergang über dem Zellertal, der noch einmal deutlich machte, wie viel uns die Natur – völlig kostenlos - geben kann, wenn wir uns Zeit für sie lassen.

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