Gemeinsame Aktion von Naturpark, DAV, Bergwacht, LBV und Forstverwaltung

Bodenmais. „Bergfutter“ steht auf der kleinen Tüte mit Nüssen und Trockenfrüchten, die Dr. Andrea Siemon dem Skitourengeher reicht, der gerade am Buchhüttenschachten hoch über Bodenmais seine Spur durch den frischen Schnee zieht. Willkommene kleine Brotzeit an diesem Vormittag. Der Regen im Tal ist nach wenigen Höhenmetern in Schnee übergegangen, es ist windig und der Nebel verschluckt alles, was weiter als 50 Meter entfernt ist. Das Brotzeittüterl wird von Andrea Siemon nicht aus reiner Menschenfreundlichkeit überreicht, die Bergwacht-Frau von der Bereitschaft Ruhmannsfelden ist an diesem ungemütlichen Wintertag im Auftrag des Auerwilds unterwegs.

Über 35 Ehrenamtliche waren mit Schneeschuhen und Skitourenausrüstung in die Arberregion aufgebrochen. Ausgestattet mit grüner Weste, Infomaterial und Handzetteln zum Auerhuhn. Ihr Auftrag: Skitouren- und Schneeschuhgeher im Gelände über das Auerhuhn als besonders schützenswerte Art und die verschiedenen Schutzgebiete zu informieren und Wintersportlern umweltverträgliche Tourenmöglichkeiten aufzuzeigen.

Nach dem jüngsten Auerhuhn-Monitoring leben im Bayerischen Wald noch rund 550 Tiere, 30 davon in der Arberregion, wie Johannes Matt vom Naturpark Bayerischer Wald sagt. Der Winter 2018/19 ist für die Tiere in der Kammregion hart. Als Nahrung bleiben ihnen nur Nadeln und Knospen von Kiefer, Fichte, Tanne und Buche. „Und in einem Winter wie diesem ist es besonders hart, weil die Bäume in der Kammregion total vereist sind“, erklärt Matt. Wenn die Tiere dann von Schneeschuh- oder Skitourengehern aufgeschreckt werden, verbrauchen sie unnötig viel Energie – und das kann tödlich sein für die Tiere.

Erstmals hat die Kampagne „Natürlich auf Tour – Skibergsteigen umweltfreundlich“ des Deutschen Alpenvereins (DAV) auch im Bayerischen Wald stattgefunden. Der Gebietsbetreuer für die Arberregion, Johannes Matt vom Naturpark Bayerischer Wald, hat den Aktionstag gemeinsam mit vielen Unterstützern organisiert. Es beteiligten sich Mitglieder zweier Sektionen des Deutschen Alpenvereins, Deggendorf und Straubing, dabei waren auch viele Mitglieder der Bergwacht-Bereitschaften Arnbruck, Ruhmannsfelden und Zwiesel. Vom Forstbetrieb Bodenmais der Bayerischen Staatsforsten waren zwei Revierförster unterwegs. Desweiteren waren Mitglieder des Landesbund für Vogelschutz, Kreisgruppe Regen, beteiligt. Abgerundet wurde die große Gruppe von Mitarbeitern des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie Naturschutz-Wächtern des Landkreises Regen.

Mehrere Teilnehmer bauten einen Infostand auf der Berghütte Schareben auf. Einige zogen von dort – natürlich ausschließlich auf den markierten Wegen – Richtung Schwarzeck, Heugstatt, Enzian und Kleiner Arber los. Von der Klause und vom Wanderparkplatz Rissloch wurde ebenfalls gestartet. Der Großteil der Teilnehmer kam mittags auf der Chamer Hütte zusammen. „Insgesamt wurden trotz des schlechten Wetters mehr als 270 Wintersportler im Gelände angesprochen und aufgeklärt“, wie Johannes Matt informiert. Er hofft, dass mit diesem konzertiertem Aktionstag die Bekanntheit und Akzeptanz für das Auerwildschutzgebiet erhöht wird.

Nach der Tourenabfahrt nach Bodenmais trafen sich alle Teilnehmer beim Adam-Bräu auf einen wohl verdienten Kaffee und Kuchen, der vom DAV übernommen wurde. Neben den durchwegs positiven Reaktionen der Wintersportler auf diesen Aktionstag kam dabei vor allem die unzureichende Beschilderung im Winter zur Sprache. Auch eine mögliche Anpassung des Besucherlenkungskonzeptes wurde angesprochen. Der Gruppe hörten auch stellvertretender Landrat Willi Killinger und Bodenmais’ Bürgermeister Joachim Haller ganz gespannt zu. luk/bb

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