An einem Strang für mehr Wasser im Moor bei Kirchl

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Hohenau. Das Naturschutzgebiet „Moorwald bei Kirchl“ in der Gemeinde Hohenau soll wieder mehr Wasser halten. Der Naturpark Bayerischer Wald hat gemeinsam mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Regen, unterstützt von der Gemeinde Hohenau, mit ersten Renaturierungsmaßnahmen begonnen. Ziel ist es, den Wasserhaushalt des rund acht Hektar großen Moores langfristig zu stabilisieren und typische Hochmoorlebensräume zu erhalten.
Das Gebiet wurde bereits 1983 unter Schutz gestellt. Doch die Spuren früherer Nutzung wirken bis heute nach. In Zeiten, in denen jede Fläche zur Versorgung der Bevölkerung gebraucht wurde, war das Moor entwässert worden. Gräben und Drainagen ermöglichten Grünlandnutzung, Torfabbau und forstliche Nutzung. Dadurch sank der Wasserstand deutlich, und der ehemals lichte Moorbereich entwickelte sich zunehmend zu einem geschlossenen Wald.
Fichten, Birken und Kiefern konnten hier Größen entwickeln, die für Hochmoore untypisch sind. Besonders problematisch ist, dass die Entwässerung bis heute nachwirkt. Messungen zeigen, dass der Wasserstand im Moor aktuell mehr als einen Meter unter der Oberfläche liegt. In intakten Hochmooren ist der Torfkörper dagegen bis zur Oberfläche wassergesättigt.
Um die Entwicklung umzukehren, wird der Baumbestand zunächst deutlich aufgelichtet, vor allem Fichten werden entnommen. Große Bäume halten einen Teil des Regens bereits im Kronendach zurück, außerdem wird durch sie viel Wasser verdunstet. Zusätzlich soll Oberflächenwasser aus dem Hangbereich künftig über eine Mulde gezielt zum Moorrand geleitet werden. In einem weiteren Schritt werden alte Entwässerungsgräben geschlossen. Automatische Messgeräte sollen künftig zeigen, wie sich der Wasserstand entwickelt. „Mit unseren Maßnahmen wollen wir nun über die Jahre die Situation Schritt für Schritt verbessern. Es wird aber wohl Jahre dauern, bis wir am Ziel sind“, so Marco Müller vom Naturpark Bayerischer Wald, der das Projekt fachlich betreut.
Auch seltene Pflanzenarten sollen von den Maßnahmen profitieren. „Neben den typischen Latschenkiefern kommt im Schutzgebiet auch die für die Region seltene aufrechte Form der Latsche, die Spirke, vor. Ohne Pflegemaßnahmen könnten solche Arten langfristig von aufwachsenden Fichten verdrängt werden“, erklärt Revierförster Konrad König vom AELF Regen.
Die Fichten wurden in den vergangenen Tagen bereits gefällt. Da der Boden im Moor sehr empfindlich ist, werden die Stämme nicht mit Maschinen, sondern mit speziell ausgebildeten Rückepferden aus dem Gelände gezogen.
Träger der Maßnahme ist der Naturpark Bayerischer Wald in enger Zusammenarbeit mit dem AELF Regen. Unterstützt werden sie von der unteren Naturschutzbehörde, der Fachstelle Waldnaturschutz und der Gemeinde Hohenau, die auch Eigentümerin der Fläche ist. Finanziert wird das Projekt über die Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinie aus Mitteln des Freistaats Bayern und des Landkreises Freyung-Grafenau.
Hohenaus Bürgermeister Josef Gais begrüßt das Projekt: „Für die Gemeinde ist es ein großer Gewinn, wenn unser Moor als Naturjuwel erhalten bleibt.“ AELF-Abteilungsleiter Wolfgang Kreuzer lobte bei einer Ortseinsicht die Zusammenarbeit aller Beteiligten. Beide zeigten sich beeindruckt von Arbeit der Waldarbeiter und ihrer Rückepferde.
Intakte Moore gelten nicht nur als wertvolle Lebensräume und sind als Kohlenstoffspeicher unabdingbar. Sie speichern auch große Mengen Wasser und können damit sowohl Hochwasserspitzen dämpfen als auch in Trockenzeiten Feuchtigkeit in der Landschaft halten. Ein erheblicher Teil des örtlichen Niederschlags entsteht aus der Verdunstung über Landflächen. Schätzungen zufolge stammt etwa die Hälfte dieses Niederschlags aus der Verdunstung von Böden, Gewässern und Vegetation. Dort, wo insbesondere im Sommer kaum Wasser verdunsten kann, weil Landschaften stark entwässert wurden, fehlt auch ein Teil dieser lokalen Rückführung von Wasser in den Niederschlag.

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