Am Großen Pfahl lebt altes Handwerk wieder auf
Sensen- und Dengelkurs des Naturparks in Viechtach
Viechtach. Am zweiten Juniwochenende wurde im Schatten in der alten Verladestation neben dem Steinbruch am Großen Pfahl fröhlich geklopft, als sich die Teilnehmenden des Sensenkurses, der heuer zum zweiten Mal in Viechtach stattfand, im Dengeln übten. Bei dem ganztägigen Kurs mit dem Sensenlehrer und Bio-Imker Georg Zellner in Zusammenarbeit mit dem Naturpark Bayerischer Wald lebte die alte Wirtschaftsweise des Sensens, Dengelns und Wetzens wieder auf. Wie mäht man ökologisch und ohne Maschinenlärm und fördert dabei noch die Artenvielfalt? Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling und viele Schmetterlingsarten, sowie seltene Pflanzenarten wie die Heidenelke, die Skabiosenflockenblume und die Arnika danken es den Sensenmähern für die Möglichkeit abzublühen und sich fortzupflanzen mit ihrem Bestand. So konnten 8 Teilnehmer am Samstag, den 13.06.2026 lernen, bzw. wieder auffrischen wie eine Sense gepflegt, rasiermesserscharf hergerichtet und eingesetzt wird. Und nebenbei konnte man sogar noch etwas für die eigene Gesundheit und Beweglichkeit tun.
Der Theorieteil des Kurses fand in der Verladestation statt, wo Georg Zellner und Naturpark Rangerin Christina Frank vom Naturpark Bayerischer Wald die Teilnehmenden begrüßten. In konzentrierter Runde drehte sich alles um die historischen und handwerklichen Hintergründe der Sensenmahd und deren Einfluss auf die Entwicklung unserer Kulturlandschaft und die Artenvielfalt. Dabei wurden grundlegende Fragen geklärt: Wie ist eine Sense aufgebaut? Was für Sensen gibt es und wann kommt welche Sense zum Einsatz? Warum muss man Dengeln und wie verhindert man „Blodan“? Welche unterschiedlichen Dengelarten haben sich in Bayern und dem Alpenraum entwickelt? Neben den Grundlagen von Zellner zeigte Frau Frank zudem auf, welchen ökologischen Wert die Sensenmahd im Vergleich zu den heute üblichen Mähweisen besitzt.
Im Anschluss folgte auf die Theorie folgte die Praxis. Dabei war zuerst das Dengeln an der Reihe. Unter der Anleitung des Kursleiters konnten alle Teilnehmenden verschiedene Dengeltechniken und dazugehörige Dengelwerkzeuge ausprobieren. Schnell wurde dabei klar: mit etwas Übung ist das Dengeln gar nicht so schwer! Einige Passanten staunten nicht schlecht, als sie auf ihrem Spaziergang an der Verladestation vorbeikamen.
Nach dem Mittagessen ging es bei schönstem Sonnenschein dann zum Mähen auf die Streuobstwiese unterhalb des Großen Pfahls, wo die Teilnehmer nun die richtige Einstellung und Ausrichtung aller Einzelteile einer Sense erlernten. Sie durften die bereitgestellten Sensen selbst zusammenbauen und dabei auf die individuelle Körpergröße anpassen. Nach kurzen Trockenübungen wurden die Sensen unter Anleitung gewetzt und so gut gerüstet ging es dann ans Mähen. Die Begeisterung aller Teilnehmenden war groß, als sie merkten, wie leicht und schnell die Sensenmahd mit einer hochwertigen und individuell eingestellten Sense von der Hand geht, und wie schnell dabei eine relativ große Fläche gemäht werden kann. Anschließend zeigte Zellner noch spezielle Techniken wie das Mähen am Hang und um Hindernisse wie Bäume herum. Während des Kurses wurden auch die mitgebrachten alten Sensen in Augenschein genommen. Besonders bei alten Sensenblättern, die teilweise über Jahre unbenutzt in Scheunen vergessen wurden, ist laut Zellner der Anteil qualitativ hochwertiger Modelle relativ hoch. Diese lassen sich in der Regel mit etwas Geduld wieder instand setzen.
Wer nun Lust bekommen hat, das alte Handwerk des Sensenmähens zu erlernen, hat dieses Jahr auch noch die Gelegenheit dazu. Die nächsten beiden Ganztageskurse finden am 04.07.2026 in Niederwinkling und am 12.09. in Waldkirchen statt und sind für alle Interessierten mit und ohne Vorkenntnisse und auch für Kinder ab 12 Jahren geeignet. Die Kursgebühr beträgt 120 € pro Person. Eine Voranmeldung ist beim Naturpark unter der Nummer 09922-802480 erforderlich. Weitere Informationen finden Sie im Naturpark-Jahresprogramm und im Veranstaltungskalender unter www.naturpark-bayer-wald.de.