Der Naturpark Bayerischer Wald e.V. hatte im Rahmen seines Jahresbildungsprogrammes 2003 zu einer Streuobst – Wanderung in das Streuobsterlebniszentrum bei Panholling, Gemeinde Hunding, eingeladen. Die Bereiche wurden über Naturparkförderung und die Europäische Union gefördert. Die Fachberaterin für Gartenkultur und Landespflege Petra Holzapfel, vom Landratsamt Deggendorf, welche die Inhalte im Wesentlichen Ausgearbeitet hatte, trat als Referentin auf. Der Obstbau im Lallinger Winkel war im Zusammenhang mit der Rodung durch die Klöster entstanden. Während des Mittelalters wurden Obstsorten in Klöstern kultiviert und danach wieder in die Landschaft ausgebracht. Der Vorwaldkamm des Bayerischen Waldes konnte die rauhen Nord-Ost-Winde abhalten, während der Talkessel nach Süden offen war. Warme aufsteigende Winde und ein Wolkenstau an der Bergkette, der für günstige Niederschläge sorgte, bilden günstige Voraussetzungen für den Obstbau. Im Winter liegt noch etwas mehr Schnee als in den Tieflagen, was einen Wurzelschutz der Obstbäume vor Spätfrösten bewirkt. Durch die vorteilhafte Lage kann das Obst gut ausreifen, es entstehen bessere Früchte bei einer frühen Obsternte. Der Streuobstbau sicherte eine wichtige Einnahmequelle, das Obst wurde teilweise mit Schiffen in Großstädte versandt. In den 50er Jahren gab es sogar einmal Pfirsichanbau. Im Jahr 1896 wurde der erste Obst- und Gartenbauverein im Landkreis Deggendorf hier gegründet. Im Jahr 1951 zählte man etwa 7.350 Obstbäume im Lallinger Winkel. Leider gab es danach Rodungsprämien für Streuobst und die Bewirtschaftungsweisen mit der aufkommenden Mechanisierung machten das Streuobst unbeliebt. Die Preise waren zudem nach dem Krieg zwar relativ hoch, aber dann stets nach unten gegangen. Die Bäume wurden oft gerodet, damit man besser mähen konnte, für den Eigenbedarf hatte es noch gereicht und das gewerbliche war zusehends im Abnehmen. So zählte man 1972 nur noch 5.480 Streuobstbäume. Vielfach wurde aus Obstplantagen zu günstigen Preisen importiert. Die Äpfel mussten druckfest sein, maschinell erntbar, der Geschmack war scheinbar egal. Mit Spritzmitteln ließ sich in anderen Ländern, wo Vorschriften ohnehin sehr freizügig gehandhabt wurden, einiges für den Augenschein herrichten. Erst nach und nach wurden die Vorteile des Streuobstes wieder klarer. Streuobstbäume sind überwiegend Hochstämme oder auch Halbstämme. Die Buschbäume und die Spindelsträucher für die Plantagenwirtschaft lassen zwar ein schnelles reagieren auf den Bedarf zu, werden aber in freier Landwirtschaft zu sehr vom Wild verbissen und sind nach ein bis zwei Jahrzehnten ausgelaugt. Die Streuobstbestände, der Begriff stammt daher dass die Obstbäume über die Wiesen gestreut sind, sind als Lebensraum für Pflanzen und Tiere sehr wichtig. Eine große Artenvielfalt in einer Streuobstwiese bietet z.B. 8.000 Insekten pro Quadratmeter unter Streuobstbäumen Lebensraum. Es können viele Nistmöglichkeiten für bedrohte Vogelarten wie Steinkauz, Grünspecht und Gartenrotschwanz entstehen. Selbst das Fallobst dient noch verschiedenen Vogel– und Insektenarten als Nahrungsquelle. Streuobstbestände sind gegenüber Krankheiten weniger anfällig als Plantagen. Außerdem ist der Urlaubswert einer Region gesteigert, weil viele Gäste wegen der Obstbaumblüte anreisen. Nicht zu übersehen ist auch die Aufwertung der Landschaft für alle Einheimischen. Viele Lebensräume entstehen z.B. auch im Obstbaumschnittgut, in Holzstapeln, in Lesesteinhaufen oder an Rändern der Streuobstwiesen. Zum Schluss gab es noch einige Informationen über typische, alte Sorten aus dem Lallinger Winkel, wie z.B. Fromms Goldrenette oder den Deggendorfer Frauenapfel. Danach bedankte sich Bildungsreferent Hartwig Löfflmann vom Naturpark Bayerischer Wald e.V. bei der Referentin Petra Holzapfel für die Ausführungen und lud zu den weiteren Naturpark – Veranstaltungen im Rahmen des Jahresbildungsprogrammes ein.

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