Der Naturpark Bayerischer Wald e.V. hat zusammen mit dem LBV, dem BN und dem Katholischen Kreisbildungswerk Freyung-Grafenau zu einer gemeinsamen Exkursion nach Haunstein im Gemeindegebiet von Schöfweg geladen. Der Referent Karel Kleyn führte die Gruppe auf die LBV-eigenen Flächen und auf andere extensiv genutzte Wiesen im östlichen Bereich des Brotjackelriegelgebietes. Seinen Angaben zufolge ist dieses Areal, mit einer derart hohen Dichte an extensiv genutzten Bergwiesen, mittlerweile Deutschlandweit eine Einmaligkeit. Die bisherigen Gesetze und Naturschutzprogramme sehen den Schutz von Mager- und Trockenstandorten sowie von klassischen Feuchtwiesen vor. Die früher als produktiv eingestuften Heuwiesen, die man heute mehr als „mäßig intensiv gedüngt“ einstufen würde, fallen aber durch alle Raster bei den Vorschriften. Ihr Schutz unterbleibt derzeit. Für diese blumenreichen Wiesen wird in den kommenden Jahren ein vernünftiges Konzept erforderlich sein. Das Problem wird sein, wie man die Düngeintensität kontrollieren kann. Die Pflanzenzusammensetzung dieser früher typischen Heuwiesen wurde anhand einer Fläche etwas näher untersucht. Arten wie der Frauenmantel, die Sterngrasniere, die rundblättrige Glockenblume, Arnika und Katzenpfötchen sowie einige typische Seggen - Arten kommen dort vor. Es ist aber nicht nur die Botanik interessant, sehr viele Schmetterlingsarten kommen zum Beispiel auf dem Kleinen Wiesenknopf vor oder an den verschiedenen Distelarten. Früher war das Blühen dieser Wiesen, bedingt durch den Arbeitsfortschritt beim Heuen, kein Problem. Man konnte keine allzu großen Flächen bearbeiten, so dass immer irgendwo etwas Gras stehen blieb, die Blumen und Kräuter absamen konnten und auch für Brutvögel genügend Platz blieb. Ein zentral organisierter, früher Siloschnitt heutzutage „räumt“ oft ganze Gemeindegebiet bereits im Mai innerhalb von ein bis zwei Tagen ab. Selbst Landwirte die nicht mitmachen wollen, haben aus wirtschaftlichen Gründen keine Chance. Ein weiteres Problem besteht darin, dass man heute seinen Viehbestand auf derartiges Heu aus Extensivwiesen ausrichten muss. Das erfordert eine gewisse Programmsicherheit bei den Förderprogrammen, weil man hier sehr langfristig denken muss. Eine Schwierigkeit besteht auch bei abgeholzten Fichtenmonokulturen, weil dort zunächst nur eine Beweidung möglich ist. Für die Beweidung sehen die Naturschutz-Förderprogramme aber derzeit eine wesentlich schlechtere finanzielle Unterstützung vor, als für Mähwiesen. Ungerecht ist, dass zum Erhalt der Almen in Oberbayern jährlich einige Millionen Euro staatlicher Fördergelder ausgegeben werden, während für den Bayerischen Wald nichts vergleichbares existiert. Gerade die extensiven Heuwiesen bieten aber auch für den Tourismus ein interessantes und abwechslungsreiches Angebot das ganze Jahr hindurch. Wenn einige Arten verblüht haben, kommen wieder andere wie zum Beispiel der Teufelsabbiß oder das Heidekraut. Außerdem ist zahlreichen Tierarten wie dem Neuntöter oder in Gewässernähe dem Fischotter und auch dem Schwarzstorch geholfen. Ein zweiter Exkursionspunkt widmete sich den früher sehr weit verbreiteten Wässerwiesen. Diese sind heute verschwunden, obwohl früher Schätzungsweise ein Drittel der Freiflächen mit dieser Art der Wiesenbewässerung bewirtschaftet wurden. Das Einleiten von Quellwasser oder auch das Ausleiten von kleinen Wiesenbächen und die sich daran anschließende Überflutung von Wiesenflächen bewirkte ein frühes ausapern des Schnees und brachte Nährstoffe auf die Fläche. Die Dünger waren früher sehr rar, mit dem Wasser konnte die Fruchtbarkeit der Wiesen deutlich gesteigert werden. Meist wurde dann nach dem ersten Schnitt das Ausbrennen durch eine oft folgende Trockenheit mit der Wiesenbewässerung abgemildert. Etwa zwei bis drei Tage vor dem Mähen wurde mit der Wiesenbewässerung aufgehört, damit es nicht zu feucht zum Bearbeiten war. An diesen Feuchtflächen hingen auch viele Nebennutzungen wie z.B. die Kräuternutzung, das holen von Brunnenkresse im Frühjahr oder aber auch die Nutzung der Froschschenkel, was heute aus Tierschutzgründen verboten ist. In den 50er und 60er Jahren des letzen Jahrhunderts wurden dann viele Wässerwiesen aufgegeben. Dies hatte mehrere Gründe. Es trat eine Umstrukturierung der Landwirtschaft ein, weil nicht mehr drei Generationen am Hof wirtschafteten. Mit den aufkommenden Traktoren konnten etliche Flächen gar nicht befahren werden, für Sensenmahd und heraustragen fehlten die Arbeitskräfte. Der allmähliche Einsatz von handelsüblichen Düngern tat sein übriges dazu. Viele Standorte hagerten aber nach dem Auflassen der Wässerwiesen aus und wurden danach als Grenzertragsböden aufgeforstet. Sehr viele Flächen wurden auch melioriert und aufgedüngt. Experten zufolge hat sich seit den 50er Jahren des letzen Jahrhunderts fast alles komplett geändert. Die Meinung, dass sich bei uns noch nicht so viel getan hat, stimmt nicht. Ein Teil der heutigen Hochwasserproblematik an den Flüssen geht aber sicherlich darauf zurück, dass das Wasser nicht mehr breit auf der Fläche verteilt wird und viele Gräben und Bäche zugeschüttet und verrohrt wurden. Die ganze Landschaft an den Flussoberläufen dient teilweise wie ein Trichter dem schnellen Wasserabfluss nach Regen- oder Gewitterereignissen. Die katastrophalen Zustände versucht man dann an den Flussunterläufen mit einem Aufschütten der Dämme und allen möglichen Hochwasserverbauungsmaßnahmen für teures Geld in den Griff zu bekommen. Hier müsste ein Umdenken wieder helfen, die Ursachen zu beseitigen und nicht an den „Symptomen zu kurieren“. Dabei muss künftig ein ressortübergreifender Dialog zwischen Wasserwirtschaft, Landwirtschaft und Naturschutz Platz greifen, zum Nutzen für alle. Nach dieser interessanten und abwechslungsreichen Exkursion bedankte sich Bildungsreferent Hartwig Löfflmann vom Naturpark Bayerischer Wald e.V. unter der Dorflinde von Haunstein beim Referenten und bei allen Teilnehmern sowie den Feriengästen.

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